Deutscher Landwirtschaftsminister plant Bio-Revolution

28.11.23 - Der Landwirtschaftsminister Cem Özdemir hat ambitionierte Pläne für Deutschland: Bis 2030 soll der Anteil biologisch bewirtschafteten Flächen auf 30 Prozent steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind zahlreiche Massnahmen nötig.

ein Mann steht auf dem Feld und begutachtet einen Kohl
Unser grosse Nachbar macht ernst mit der biologischen Landwirtschaft. © Getty Images / iStock / fotografixx
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Vor rund einem Jahr lag der Anteil der Bio-Landwirtschaft in Deutschland noch bei weniger als 12 Prozent. Bis 2030 soll sich dieser Anteil nun beinahe verdreifachen. Mit der ehrgeizigen Strategie von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir verbunden ist eine grosse Marketingkampagne. Diese soll der Bevölkerung die Vorteile von Bioprodukten aufzeigen, damit nicht nur die Produktion, sondern auch der Absatzmarkt wächst. 

Grosser Hebel Fleisch

Es ist allgemein bekannt, dass der biologische Anbau kurzfristig weniger Ertrag einbringt, als der konventionelle. Um diese Ausfälle zu kompensieren, hat Jürn Sanders, Leiter des FiBL, mögliche Massnahmen berechnet: Die Halbierung des Food Wastes sowie des Fleischkonsums würden demnach in Deutschland so viel Anbaufläche hergeben, dass auf Zukäufe aus dem Ausland verzichtet werden könnte. 

Wo die Politik ansetzen muss

Diese Massnahmen setzen jedoch grundlegende Verhaltensänderungen in der Gesellschaft voraus. Und diese zu bewirken ist nicht ganz einfach, doch auch nicht unmöglich. Der wissenschaftliche Beirat des Landwirtschaftsministerium hat bereits vor Jahren zahreiche Vorschläge formuliert, wie die Politik eine solche Transformation unterstützen könnte. 

Beispiele sind etwa öffentliche Mensen, die als gutes Beispiel vorangehen und die Leute an qualitativ hochwertiges Essen gewöhnen sollen. Mittels einer Nachhaltigkeitssteuer könnte ausserdem die fehlende Preiswahrheitkonventioneller Lebensmittel ausgeglichen werden.

Weitere Vorschläge des Papers sind unter anderem:

  • Abschaffung der Reduktion des Mehrwertsteuersatzes für tierische Erzeugnisse
  • Einführung einer neuen Verbrauchssteuer auf alle zuckerhaltigen Getränke
  • Mehrwertsteuersenkung für Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte

Überholt Deutschland die Schweiz?

In der Schweiz werden bereits heute fast 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche biologisch bearbeitet. Und das, obwohl das Schweizer Bio-Label in einigen Bereichen noch strengere Massnahmen vorgibt, als das unserer Nachbarländer.

Dennoch windet Jürn Sanders Deutschland ein Kränzchen: «Die strategische Förderung des Biolandbaus durch die Politik in Deutschland ist stärker ausgeprägt als in der Schweiz», betont er. Das zeige sich beispielsweise daran, dass es nicht nur einen nationalen Bio-Aktionsplan gibt, sondern fast alle Bundesländer eine eigene Bio-, Klima- und Biodiversitätsstrategie vorzuweisen hätten. 

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