Herr Walser, geht uns im Winter der Strom aus?

Der Bundesrat hat verkündet, dass wir uns im Winter auf einen Energie-Engpass einstellen müssen. Michael Walser von Energie 360° erklärt, wie sich die Schweiz absichert und was wir alle tun können, um eine Mangellage zu verhindern.

Frau dreht an einem Temperaturregler an der Heizung
Im Winter könnte die Schweiz von einem Gas- und Strommangel betroffen sein. © Vlad Yushinov / iStock / Getty Images Plus
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Herr Walser, was würde in der Schweiz passieren, wenn Russland den Gashahn zudreht und gar kein Gas mehr nach Europa liefert?

Der Bundesrat will mit Deutschland ein Solidaritätsabkommen für die Sicherstellung der Gasversorgung im Krisenfall aushandeln. Ziel dieses Solidaritätsabkommens ist es, sich im Notfall gegenseitig bei der Gasversorgung unterstützen zu können. Seit März 2022 arbeiten der Bundesrat und die Schweizer Gasbranche zudem gemeinsam intensiv daran, die Gasversorgung der Schweiz für den kommenden Winter – durch Speicherkapazitäten in den Nachbarländern und Optionen für zusätzliche Gaslieferungen – zu stärken.

Die Schweiz soll selbst auch Gasvorkommen haben. Würde das reichen, um eine Energie-Knappheit zu verhindern und ab wann könnte man diese Erdgasreserven anzapfen?

Innert nützlicher Frist wäre die Förderung von Erdgas in der Schweiz wohl nicht realistisch. Wir finden es ohnehin sinnvoller, die Transformation hin zu erneuerbarer Energie voranzutreiben. An erster Stelle steht für Energie 360° die Nutzung von lokal verfügbaren, erneuerbaren Energien. Das können Wärmeverbünde sein, die mit Seewasser, Erdwärme, Abwärme von Industrieprozessen oder Holz aus der Umgebung realisiert werden. In der Stadt Zürich ist selbstverständlich auch der Anschluss an die Fernwärme zentral.

Wenn es tatsächlich zu einem ernsten Engpass kommt, wo wird die Energie dann als erstes rationiert?

Die Hoheit liegt beim Bund. Zuerst wird der Bund zum Gas-Sparen appellieren. Dann müsste die Industrie auf die sogenannten Zweistoffanlagen umstellen – dabei wechseln sie von Gas auf Öl. Wenn das nicht reichen würde, gibt es Begrenzungen in der Industrie. Und erst wenn dieses Potential ausgeschöpft wäre, gäbe es Einschränkungen bei privaten Haushalten.

Hausbesitzerinnen und -besitzern empfehlen Sie jetzt, von einer Gasheizung auf nachhaltigere Alternativen umzusteigen. Aber was können Mieterinnen und Mieter tun?

Energie 360° empfiehlt Mieterinnen und Mietern, Kontakt zur Verwaltung oder zu den Besitzerinnen und Besitzern der Immobilie aufzunehmen – und sie auf zukunftsfähige erneuerbare Heizlösungen aufmerksam zu machen.

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