So nachhaltig ist Periodenunterwäsche wirklich

Periodenunterwäsche soll bequem, auslaufsicher und nachhaltig sein. Wir verraten, wie der Slip funktioniert und warum andere Alternativen die bessere Wahl sind.  

Periodenunterwäsche: Vor- und Nachteile der modernen Slips
Sie sieht aus wie ein normales Höschen: Periodenunterwäsche ersetzt herkömmliche Hygieneartikel während der Menstruation. Foto © AnSyvanych / iStock / Getty Images Plus
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Immer mehr Frauen suchen nach der perfekten Alternative für Tampons, Binden und Co. Periodenunterwäsche soll besonders angenehm zu tragen sein und Einwegprodukte ablösen.

Neben Menstruationstasse, Stoffbinden und Menstruationsschwämmchen ist Periodenunterwäsche eine neuere Alternative zu konventionellen Hygieneprodukten. In den USA gibt es die Slips schon seit 2015, hergestellt von der Kultmarke Thinx. In der Schweiz werden sie seit etwa zwei Jahren verkauft, hier vor allem vom deutschen Start-up Ooshi.

Der Periodenslip oder auch Period Panty sieht aus wie normale Unterwäsche, ist aber auslaufsicher und saugt während der Periode das Menstruationsblut auf. Wir haben die Periodenunterwäsche genau unter die Lupe genommen und festgestellt: So nachhaltig sind die Slips nicht.

Im Artikel: 

Was ist Periodenunterwäsche?

Periodenunterwäsche bezeichnet Slips, die Auslaufsicherheit, Komfort und gutes Aussehen vereinen – so das Versprechen der Hersteller. Die Unterhose mit integrierter Slipeinlage besteht aus mehreren Schichten, um die Kleidung den ganzen Tag zu schützen.

Periodenslips bestehen aus folgenden Schichten:

  • Die erste Lage sorgt für ein trockenes Gefühl im Schritt. Die Flüssigkeit wird im Kern der Unterhose aufgesaugt.
  • Darunter folgt eine absorbierende, antibakterielle Schicht. Sie saugt je nach Modell so viel Blut auf wie zwei bis drei Tampons und sorgt dafür, dass sich keine unangenehmen Gerüche bilden.
  • Die äusserste Lage besteht aus einer flüssigkeitsundurchlässigen Membran. Sie sorgt dafür, dass die Hose fleckenfrei bleibt.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Die Unterwäsche besteht in der Regel aus schwarzem Stoff, auf dem keine Flecken sichtbar werden.

Das mehrlagige System lässt vermuten, dass sich eine Periodenslip beim Tragen anfühlt wie eine Windel. Doch so ist es nicht: Die Schichten sind jeweils sehr dünn, so dass die Menstruationsunterwäsche nur minimal dicker ist als gewöhnliche Unterwäsche.

Die Vorteile von Periodenunterwäsche

  • Periodenunterwäsche ist bequem und gleichzeitig chic.
  • Der Vorteil der Slips gegenüber Stoffbinden: Es kann nichts verrutschen.
  • Periodenunterwäsche ist waschbar und bis zu zwei Jahre lang wiederverwendbar. In Zwei Jahren sparen Sie etwa 380 normale Tampons, Binden und Slipeinlagen und damit viel Verpackungsmüll.
  • Die Slips lassen sich während der Periode gut mit einer Menstruationstasse oder einem Menstruationsschwämmchen kombinieren und sorgen für einen Extra-Schutz bei starken Blutungen.
  • An leichten Tagen reicht es, die Unterwäsche alle 6 Stunden zu wechseln.
  • Die Höschen haben eine antibakterielle Wirkung und verhindern somit einen unangenehmen Geruch während der Periode sowie die Bildung von Bakterien und Pilzen während der Menstruation.
  • Ein Periodenslip ist so saugstark wie zwei bis drei Tampons.

Gewusst? Eine Frau verbraucht in ihrem Leben zwischen 12'000 und 16'000 Binden und Tampons während der Menstruation. Bei der Herstellung werden knappe Ressourcen wie Erdöl verwendet. Das Material braucht etwa 500 Jahre, um zu verrotten.

Die Nachteile der Periodenunterwäsche

Die Vorteile der Periodenunterwäsche klingen vielversprechend: Die Slips sind eine nachhaltige, bequeme und sogar modische Alternative zu Tampons und Co. – oder? Wir haben genauer hingesehen:

  • Für die antibakterielle Schicht der Periodenunterwäsche werden oft Biozide oder Silber verwendet. Diese Stoffe können nicht nur allergische Reaktionen hervorrufen, sondern auch die hauteigene Bakterienflora negativ beeinflussen. Wenn sich die Biozide beim Waschen lösen, haben sie eine negative Auswirkung auf Wasserorganismen.
  • Spätestens nach zwei Jahren lässt die antibakterielle Wirkung der eingesetzten Stoffe nach.
  • Unterwegs ist Periodenunterwäsche unpraktisch. Sie müssen immer eine wiederverwendbare Tüte dabei haben und den Periodenslip unter Umständen auf öffentlichen Toiletten wechseln.
  • Die Slips müssen vor dem Waschen mit kaltem Wasser ausgespült werden. Wegen der Verwendung von antibakteriellen Wirkstoffen dürfen sie höchstens bei 40 Grad gewaschen werden.
  • Bei einer starken Periode halten die Periodenslips nicht lange dicht. Sie eignen sich eher bei einer leichteren Menstruation oder in Kombination mit einer Tasse oder dem Schwämmchen.
  • Periodenunterwäsche hat sehr hohe Anschaffungskosten. Ein Höschen kostet zwischen 35 und 45 Franken. Für dieses Geld ist die mögliche Nutzung von zwei Jahren recht kurz.

Kritisch zu betrachten: Die Wirkung von Bioziden

Wer nach einer nachhaltigen Alternative für Tampons und Binden sucht, dürfte bei dem Wort Biozide aufmerksam geworden sein. Die antibakterielle und absorbierende Schicht in der Periodenunterwäsche wird meist mit Zinkpyrithion und Silberchlorid ausgestattet.

Beim Blick auf den Aufbau und die Inhaltsstoffe der Unterwäsche könnte man auch meinen, man habe es mit einem Laborversuch zu tun: "Als Biozidprodukte gelten Stoffe und Gemische mit Wirkstoffen zum Abschrecken, unschädlich machen, Bekämpfen oder Zerstören von Lebewesen (Schadorganismen), mittels chemischer oder biologischer Wirkung", so das Kantonale Labor Zürich. Sie werden insbesondere für antibakterielle Hausmittel wie Insektenspray verwendet.

Biozide wie Zinkpyrithion und Silber stehen unter dem Verdacht, Resistenzen gegen Krankheiten zu bedingen und die Fruchtbarkeit zu gefährden.

Da es sich um Wirkstoffe zur Bekämpfung von Lebewesen (Schädlingen) handelt, liegt auf der Hand, dass auch die hauteigenen Bakterien in Mitleidenschaft gezogen werden. Zwar wirken die Stoffe Pilzinfektionen entgegen, sie schädigen jedoch auch die natürliche Scheidenflora.

Gibt es nachhaltigere Alternativen?

In einem Wort: Ja. Es gibt auch Hersteller, die waschbare Periodenslips ohne Biozide verkaufen. Hierzu zählen beispielsweise die deutschen Marken Femtis und Taynie. Die Hersteller werben damit, dass die Unterhosen dank Schichtsystem wirken und auf Nano-Partikel und andere antibakterielle Wirkstoffe verzichten. Ausserdem bestehen sie aus Baumwolle und sind hautfreundlich und vegan. 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Tipp: Einfacher in der Handhabung sind Stoffbinden. Diese funktionieren auch ohne Biozide und sind einfacher zu wechseln. Frauen, die mit einer Spirale verhüten, wird meist von der Verwendung einer Menstruationstasse abgeraten. Denn bei der Verwendung steigt das Risiko, die Spirale beim Herausnehmen der Tasse ebenfalls herauszuziehen. In diesem Fall eignen sich Stoffbinden für die Monatshygiene besonders gut.

Unser Fazit: Periodenunterwäsche ist nur eine bedingt nachhaltige Alternative

Die Idee der Periodenunterwäsche klingt überzeugend. Ein auslaufsicherer Panty, der bequem zu tragen und für viele Zyklen wiederverwendbar ist. Besonders beim Sport bieten Period-Panties grossen Komfort und verhindern starkes Schwitzen dank mehrerer Schichten und atmungsaktivem Stoff.

Trotzdem sind wir nur bedingt überzeugt: Der oft verwendete antibakteriellen Wirkstoffe sorget dafür, dass der Panty weder gut für die Umwelt, noch für Ihre Haut ist. Wir empfehlen Ihnen daher, beim Kauf genau auf die Inhaltsstoffe zu achten. Setzen Sie auf nachhaltig produzierte Periodenunterwäsche ohne Biozide und Silber!

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