Warum Menstruationstassen die besseren Tagesbegleiter sind

Die Menstruationstasse ist eine nachhaltige Alternative für Tampons, Binden und Slipeinlagen. Die Erfindung ist keinesfalls neu: Bereits 1937 wurde das erste Patent für die Menstruationstasse eingereicht. Heute feiert der Cup ein Comeback.

Menstruationstasse: Vorteile, richtig verwenden und nützliche Tipps
Die Menstruationstasse ist eine nachhaltige Alternative für Tampons und Wegwerfbinden. Foto © Yulia Lisitsa / iStock / Getty Images Plus
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Denn der Menstruationsbecher, auch Diva Cup, Menstruationscup, -kappe oder Mondbecher, hat viele Vorteile: Er spart Verpackungsmüll und Kosten, bietet Schutz vor Infektionen und ist auch auf Reisen richtig praktisch.

Im Artikel

Was ist eine Menstruationstasse?

Eine Menstruationstasse ist eine kleine, glockenförmige Tasse für die Monatshygiene. Sie besteht aus medizinischem Silikon oder Naturkautschuk. Anders als Binden und Tampons saugt sie das Monatsblut nicht auf, sondern sammelt es.

Die Menstruationskappe wird gefaltet in die Scheide eingeführt und fängt dort während der Periode und gerade an Tagen mit starken Blutungen das Menstruationsblut auf. Nach höchstens 12 Stunden können Sie die Tasse herausnehmen, ausleeren, abspülen und wieder einführen. Das klingt einfach, erfordert aber etwas Erfahrung und Übung. Denn wenn Sie den Menstruationsbecher nicht richtig verwenden, kann Blut auslaufen und ein unangenehmes Gefühl beim Tragen entstehen. 

Die Vorteile der Menstruationstasse

Trotz zunehmender Beliebtheit des Period Cups schrecken viele Frauen noch davor zurück, Tampons oder Binden durch die Menstruationskappe zu ersetzten. Zahlreiche Vorteile machen eine Umstellung jedoch lohnenswert:

  • Ein Menstruationscup ist bis zu 10 Jahre lang wiederverwendbar. Das entspricht 120 Perioden!
  • Sie sparen eine Menge Abfall, der bei der Verwendung von Tampons und Binden anfällt.
  • Eine Menstasse ist eine einmalige Investition und kostet zwischen 20 und 35 Franken.
  • Das medizinische Silikon oder der Naturkautschuk sind sanft zur Haut. Anders als Tampons trocknet das Material die Schleimhaut nicht aus, was vor Infektionen und Scheidenpilz schützt.
  • Das Fassungsvermögen einer Kappe ist mit bis zu 30 ml deutlich grösser als das eines Tampons (9 bis 12 ml).
  • Sie führen keine chemisch behandelten Hygieneartikel in Ihren Körper ein. Binden und Tampons werden oft chemisch gebleicht, was zu Allergieren und Hautreizungen führen kann.
  • Durch das Vakuum kommt das Monatsblut nicht mit Sauerstoff und Schweiss in Berührung. Deshalb bilden sich keine unangenehmen Gerüche, die besonders bei Hygieneartikeln mit einem hohen Plastikanteil entstehen.
  • Der Cup muss bei schwachen Tagen nur etwa alle 10 bis 12 Stunden geleert werden.
  • Gerade in den ersten Tagen mit starker Blutung hält ein Menstruationscup längere Zeit als ein Tampon.
  • Die Gefahr eines TSS (Toxischen Schocksyndroms) ist geringer, da die Schleimhaut nicht in ständigem Kontakt mit dem Menstruationssekret ist.

Beispielrechnung: Im Durchschnitt kostet ein Tampon 25 Rappen. Wenn Sie im Jahr etwa 150 Tampons brauchen, entspricht das 50 Franken im Jahr. Über 10 Jahre geben Sie nach dieser Rechnung rund 500 Franken für Einweg-Hygieneartikel aus. Ein Period Cup kostet einmalig zwischen 20 und 35 Franken.

Mögliche Nachteile des Cups

Bei der Monatshygiene ist es besonders wichtig, dass Sie Produkte Ihres Vertrauens benutzen und sich damit wohlfühlen. Wer nach mehrfachem Ausprobieren noch Probleme mit der Verwendung der Menstasse hat, kann auch auf nachhaltige Stoffbinden oder einen Menstruationsschwamm zurückgreifen. Denn auch die Menstasse hat Nachteile: 

  • Das Einsetzen muss man üben. Wenn die Tasse nicht gut sitzt oder Sie sie nicht richtig falten, kann Blut auslaufen und für ein unangenehmes Tragegefühl sorgen.
  • Die Tasse und das Material muss gepflegt werden, damit sie eine hygienische und langlebige Alternative zu Tampons und Co. darstellt.
  • Es ist umständlich und vielen Frauen unangenehm, die Tasse im Lavabo auf öffentlichen Toiletten  oder bei der auf dem WC bei der Arbeit auszuspülen.

Hält sie dicht?

Viele Frauen fürchten, dass der Becher auslaufen könnte. Wenn Sie diese richtig einführen und die passende Grösse gewählt haben, hält die Kappe sehr dicht. Der leichte Unterdruck, der beim Einsetzen entsteht, sorgt für eine gute Abdichtung und verhindert das Auslaufen.

Die Menstruationstasse sitzt unter dem Muttermund.

Die Menstruationstasse entfaltet sich unter dem Muttermund. Bild © mitay20 / iStock / Getty Images Plus

Gerade beim Sport oder beim Schwimmen während der Periode bietet der Cup hohen Schutz. Er verhindert Infektionen, da Bakterien von Aussen nicht in die Scheide eindringen können.

Sollte der Cup einmal nicht richtig sitzen und Auslaufgefahr bestehen, fühlen Sie das schnell. Denn nur, wenn der Menstruationscup sich ganz entfaltet hat und nicht zu niedrig sitzt, ist er unbemerkbar.

So lässt sich die Menstruationstasse einführen

Wenn Sie den Menstruationsbecher zum ersten Mal einführen, mag es ein ungewohntes Gefühl sein. Aber war es nicht damals beim ersten Tampon genauso? Damit der Becher richtig sitzt und weder ausläuft, noch stört, sollten Sie einige Punkte beachten.

Genau wie einen Tampon führen Sie auch die Menstruationstasse am einfachsten mit dem Zeigefinger in die Vagina ein. Dabei muss die Tasse am oberen Rand zusammengefaltet werden. Frauen, die noch keine Erfahrung mit der Becher haben, sollten sich  genug zeit nehmen, wenn Sie die Tasse zum ersten Mal  benutzen und etwas üben. Man bekommt schnell ein Gefühl dafür.

Zwei einfache Methoden zum Falten der Tasse:

Die C-Faltung der Menstruationstasse

Mit der C-Faltung gelingt das Einführen für eine bequeme Positionierung. Foto © Alexthq / iStock / Getty Images Plus

Die Punchdown-Faltung der Menstruationstasse

Eine einfache Falttechnik: Die Punshdown-Faltung erleichtert das Einführen. Foto © Olga Polishko / iStock / Getty Images Plus

  • Für die sogenannte C-Faltung falten Sie die Menstruationstasse der Länge nach mittig zusammen. Der obere Rand hat dann die Form eines C's.
  • Bei der Punchdown-Faltung halten Sie den Cup mit der einen Hand am unteren Ende fest. Drücken Sie den oberen Rand der Tasse dann mit dem Zeigefinger der anderen Hand runter. Mit der haltenden Hand drücken Sie die Seiten nun so zusammen, dass der Rand beim Einführen eingeknickt bleibt.

In der Scheide entfaltet sich die Menstruationstasse unter dem Muttermund mit einem leichten Vakuum. Um sicherzustellen, dass Sie richtig und fest sitzt, fahren Sie mit einem Finger einmal rund um den Boden der Tasse oder versuchen vorsichtig, sie zu drehen. Wenn der Menstruationsbecher richtig sitzt, sollten Sie ihn nicht mehr drehen können.

Tipps zum Einführen der Menstruationstasse

Für Frauen, die noch keine Erfahrung mit dem Ladycup haben, gibt es einige Tipps für's einfache Einsetzen. Beim ersten Mal braucht es etwas Übung, aber je mehr Erfahrung Sie haben, desto besser funktioniert die Menstruationskappe.

Gerade bei einer schwachen Monatsblutung kann das Einführen schwierig sein. Wasserlösliches Gleitgel oder ein parfümfreies Pflegeöl erleichtern die Einführung und verhindern, dass die sensible Haut gereizt wird.

Vor dem Einführen können Sie die Menstruationstasse auch mit kaltem Wasser abspülen und das Einführen dadurch erleichtern.

Sowohl für das Einführen als auch für die Entfernung der Menstasse hilft es, die Beckenbodenmuskeln nach unten zu drücken. Dadurch lockert sich die Menstruationstasse und Sie können sie leichter ein- und ausführen. Das gelingt am besten, wenn Sie auf der Toilette sitzen oder in die Hocke gehen. Mit etwas Übung funktioniert das ohne Probleme. 

So entfernen Sie die Menstasse richtig

Nicht nur die Einführung, sondern auch das Entfernen will geübt sein. Dabei ist es ganz wichtig, dass Sie den Menstruationscup nicht einfach herausziehen. Gerade Frauen, die mit einer Spirale verhüten, müssen vor dem Entfernen das Vakuum lösen. Ansonsten besteht das Risiko, dass sich die Spirale löst oder sogar herausgezogen wird.

Der Unterdruck lässt sich dank der kleinen Löcher am oberen Rad der Tasse ganz einfach lösen. Drücken Sie die Kappe vor dem Herausholen mit dem Zeigefinger ein, dann kann die Luft durch die Löcher entweichen. Auch während dem Herausziehen sollte die Tasse leicht zusammengefaltet sein, damit das Vakuum nicht wieder entsteht.

Spülen Sie den Menstruationsbecher mit kaltem Wasser gründlich ab, bevor Sie ihn wieder einsetzen. Das ist vollkommen ausreichend und Sie brauchen keine Seife.

Vor und nach dem Einsetzen der Kappe müssen Sie sich gründlich die Hände mit Seife und warmem Wasser waschen. Da Sie zum Ein- und Herausnehmen einen Finger in die Scheide einführen müssen, sind saubere Hände das A und O bei der Anwendung der Menstasse.

So einfach lässt sich die Menstruationstasse reinigen

Und nun zum Stichwort Hygiene: Das grösste Vorurteil gegenüber der Menstasse ist, dass die Handhabung unhygienisch sei und beim Herausholen eine «Sauerei» entsteht. Mit diesem Vorurteil kann ich aus eigener Erfahrung aufräumen! Es ergiesst sich weder ein riesiges Blutbad beim Herausholen des Cups, noch handelt es sich um ein unhygienisches Produkt.

Während der Periode reicht es aus, die Tasse zwischendurch mit klarem Wasser abzuspülen. Wenn Sie zusätzlich ein Reinigungsprodukt nutzen möchten, empfiehlt sich ein Intimwaschgel. Alternativ gibt es Feuchttücher speziell für Menstruationstassen, die einen neutralen pH-Wert haben und die Tasse sanft reinigen.

Nach der Periode muss die Menstruationskappe sterilisiert werden. Legen Sie den Period Cup dafür in einen kleinen Topf mit Wasser uns lassen es etwa 5 Minuten kochen. Das tötet alle Bakterien ab. Danach kann die Menstasse ganz einfach im zugehörigen Baumwoll-Säckli aufbewahrt werden.

Tipps für's Problem mit dem Wechseln

«Und wie machst du das unterwegs mit der Tasse?» Ganz einfach! Auf öffentlichen Toiletten  müssen Sie zwischen Herausnehmen und erneutem Einsetzen der Tasse nicht die Kabine verlassen. Wer ohnehin immer eine Wasserflasche bei sich hat, kann die Tasse einfach über dem WC entleeren und kurz abspülen. Auch ein Stück Toilettenpapier reicht aus, um den Period Cup zwischendurch zu reinigen.

Unterwegs oder bei der Arbeit ist es auch eine Hilfe, wenn Sie einen zweiten Cup dabei haben. Bei starken Tagen empfiehlt es sich, zusätzlich eine Stoffbinde oder -slipeinlage zu verwenden. Dann kann sicher nichts schiefgehen!

Die richtige Grösse finden

Menstruationstassen sind in verschiedenen Farben, Materialien und Grössen erhältlich, wobei die Grösse jeweils mit S bis L angegeben wird.

Die Grösse ist ein ausschlaggebendes Kriterium für die richtige Verwendung. Das passende Modell hängt von der Körpergrösse und dem Gewicht der Frau ab. Auch die Stärke der Blutung sollte beachtet werden: Bei starken Blutungen ist eine grössere Tasse die beste Wahl.

Grundsätzlich sind kleine Tassen (Grösse S) für Frauen geeignet, die noch nie entbunden haben. Auch für Frauen mit schwacher Blutung ist eine kleine Kappe ausreichend. Nach einer Geburt ist meist der Umstieg auf ein grösseres Modell nötig. Auf der Verpackung der Tassen finden Sie eine Tabelle, die die Grössen aufführt und der Sie entnehmen, für wen sich welche Grösse eignet.

Wo Sie Menstruationstassen kaufen können

Menstruationstassen können Sie in Online-Shops, Drogerien und in manchen Supermärkten kaufen. Bekannte Hersteller und Shops sind beispielsweise Ladyplanet, Ladycup, Ruby Cup, Moon Cup, DivaCup, Merula Cup, MeLuna und Lunette.

Auch in Unverpacktläden erhalten Sie die Tasse. Aus biologischem Kautschuk sind beispielsweise der OrganiCup oder der Fair Squared Cup. Hierzu gibt's meist noch ein Säckli aus Bio-Baumwolle für die Aufbewahrung.

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