Warum wir auf Bio-Baumwolle setzen – Fakten, Siegel, Tipps

Auf der Haut merken wir keinen Unterschied, doch Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle sind umweltschonend produziert. Mehr noch, die organische Baumwolle hilft auch gegen Armut. Doch Bio heisst nicht automatisch Fairtrade. Worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Warum wir auf Bio-Baumwolle setzen – Fakten, Siegel, Tipps
Bio-Baumwolle – eine nachhaltige Lösung für trendige Kleidung. Foto: © FurmanAnna / iStock / Thinkstock
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60 Milliarden T-Shirts könnte man aus einer Jahresernte herkömmlicher Baumwolle herstellen. Jedes davon ist mit 150 Gramm Giftstoffen belastet, die die Kleinbauern bei der Baumwollproduktion einsetzen. Egal, wie viel man wäscht, wirklich «sauber» werden die Kleidungsstücke nicht. Eine nachhaltige Lösung bietet Bio-Baumwolle. Mit nur einem Öko-Shirt schützt man knapp sieben Quadratmeter Anbaufläche vor Umweltbelastung.

Im Artikel

Die 4 wichtigsten Gründe für Bio-Baumwolle

Jährlich produzieren über 270'000 Bauern in 23 Ländern etwa 240'000 Tonnen Bio-Baumwolle. Das macht einen Weltmarktanteil von nur einem Prozent aus. Warum dieser Anteil deutlich steigen sollte: 

1 Organische Baumwolle nutzt Mensch, Wirtschaft und Umwelt

Laut dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (Fibl) haben sich die Lebensumstände und die Einkommenssituation der Bauern durch den Anbau der organischen Baumwolle deutlich verbessert. Zum einen sparen sie Produktionskosten, weil sie auf Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten. Zum anderen fällt ihr Einkommen mit der Bioprämie um ein Drittel höher aus. Somit trägt die Öko-Naturfaser zu weniger Armut und mehr Umweltschutz bei.

2 Biologischer Baumwolle: Ohne Pestizide, ohne chemische Dünger

Bei der Bio-Baumwolle verzichten die Bauern auf Pestizide und Kunstdünger. Damit der Boden nicht auslaugt, bauen sie zusätzliche Nutzpflanzen an. Statt Dünger zu verwenden, geben Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen oder Soja Stickstoff an die Erde ab. Ernterückstände, Kompost, Mulch, Mist oder Schlamm aus Biogasproduktion sind weitere Nährstofflieferanten.

Zur natürlichen Schädlingsbekämpfung verwenden die Bauern Lockpflanzen, wie Sonnenblumen, Hibiskus oder Mais. Sie dienen als Futterersatz. Kommt es dennoch zu einem starken Befall der Bio-Baumwolle, dann setzen die Bauern natürliche Mittel ein. Auch die Probleme des hohen Wasserverbrauchs scheinen gelöst. Die organischen Baumwollpflanzen benötigen durch die direkte Bewässerung erheblich weniger Flüssigkeit.

3 Gentechnik ist bei Bio-Baumwolle verboten

In den letzten Jahren geht der Trend zu gentechnisch veränderten Baumwollpflanzen. Diese sind sowohl beim ökologischen Anbau als auch beim Fairtrade-Gütesiegel verboten. Während für Bio-Baumwolle die Verwendung von genmanipuliertem Saatgut verboten ist, sind heute rund 70 Prozent der Baumwolle genetisch verändert. Anfänglich bekämpfte man damit erfolgreich den ärgsten Feind der Baumwolle, den Baumwollkapselbohrer. Doch gleichzeitig öffnete man damit nicht nur anderen Schädlingen Tür und Tor, sondern der Baumwollkapselbohrer wurde allmählich resistent gegen das Gift der genveränderten Baumwollpflanzen. Die Folgen: Die Bauern müssen noch mehr Pestizide spritzen und sind vom Saatguthersteller abhängig, weil die Bauern aus den genmanipulierten Pflanzen keine neuen Samen gewinnen können.

4 Bio-Baumwolle wird nach wie vor von Hand gepflückt.

Wenn die Blüten geerntet werden, ist Handarbeit gefragt. Die Bauern müssen jeden Strauch einzeln abpflücken. Diese Mehrarbeit zahlt sich für die Umwelt aus. Normalerweise werden Baumwollpflanzen mit der «chemischen Keule» entlaubt, um sie danach maschinell abzuernten.

Vier Fakten über den konventionellen Baumwoll-Anbau

  • Rund 2,5 Prozent der weltweiten Agrarfläche wird für die Baumwollproduktion verwendet, gleichzeitig verbraucht die Herstellung von Baumwolle satt 16 Prozent der jährlich versprühten Pestizide. Der massive Einsatz dieser chemischen Pestizide vergiftet die Böden und gefährdet die lokale Artenvielfalt.
  • Ein Kilogramm konventionelle Baumwolle verbraucht zwischen 7'000 bis 29'000 Liter Wasser – abhängig von der jeweiligen Region und Anbaumethode.
  • Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich rund 20'000 Menschen an einer Vergiftung durch Pestizide.
  • Statt die Kleidung mit umweltschonenden Transportmitteln zu bewegen, werden die neuen Kollektionen oft mit Flugzeugen transportiert, was einen enormen Ausstoss an CO2 verursacht.

Gute Bio-Baumwolle erkennen: Siegel und Zertifizierungen

Ob T-Shirt, Pullover oder Bettwäsche: Wir sehen der Kleidung und anderen Textilien nicht an, ob sie aus konventioneller oder ökologischer Baumwolle geschneidert wurden. Label und Zertifikate helfen dabei, Bio-Textilien zu erkennen.

Siegel GOTS

Screenshot: GOTS

Das internationale Gütesiegel Global Organic Textile Standard (GOTS) regelt nicht nur den Anbau, sondern auch die Weiterverarbeitung und Kontrolle aller Produkte.

Als eines der strengsten Siegel mit den höchsten Qualitätsanforderungen gilt das Siegel des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft (IVN). 

Siegel IVN für Bio-Baumwolle

Siegel: IVN/ naturtextil.de

Auf dem kreisrunden, blauen logo lautet die Bezeichnung «Naturtextil IVN zertifiziert best»

Siegel BioRe

Screenshot: bioRe®

In der Schweiz gilt die Stiftung bioRe®  als Pionier des Bio-Baumwollanbaus. Das Siegel  bioRe steht für die weltweit höchsten Standards bei Bio-Baumwolle und fairem Handel. Beispielsweise sind die Textilien und Kleidungsstücke von Coop Naturaline bioRe-zertifitiert.

Baumwolle, die aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) stammt, wurde streng nach den Kriterien der EU-Bioverordnung angebaut. Zudem haben verschiedene Hersteller kbA-zertifizierte Eigenmarken,  wie beispielsweise die Label von Switcher, Hess Natur, Manor, Patagonia, Calida, H&M und C&A.Migros Biobaumwolle achtet auf krebserregende und allergene Stoffe sowie soziale Standards.

Weitere Informationen und eine Einkaufshilfe für Bio-Mode.

Chic und stylisch: Mode aus Bio-Produktion online kaufen

Heute gibt es zahlreiche Online-Shops, die stylische oder chice Mode in Bio-Qualität anbieten. Junge Designer entwickeln ihre eigenen Labels für nachhaltige Mode. Sie arbeiten ausschliesslich mit biologisch angebauter Wolle und lassen die Kleider fair produzieren. 

5 empfehlenswerte Shops

Wann wird organische Baumwolle auch fair produziert?

Viele Verbraucher glauben, dass Textilien aus Bio-Baumwolle automatisch unter fairen Bedingungen hergestellt wurden. Zwar achten alle Labels auf die Umwelt, doch nicht jedes Gütesiegel kontrolliert die Erfüllung sozialer Arbeitsstandards. Wer fair gehandelte Bio-Textilien tragen möchte, sollte auf das Gütesiegel von der Max-Havelaar-Stiftung achten. Denn die Produzenten müssen die Naturfaser nicht zu Dumpingpreisen verkaufen und die Beschäftigten in den Textilfabriken werden gerecht entlohnt. Das sichert ihnen ein Leben unter menschenwürdigen Bedingungen. Darüber hinaus wird Kinderarbeit verhindert und durch ständige Kontrollen die Transparenz erhöht.

Mehr Infos zum Thema

  • helvetas.org - Als Verein informiert HELVETAS Swiss Intercooperation umfassend über Bio-Baumwolle.
  • Das Handbuch zu Ecofashion im PDF-Format erklärt die Auswirkungen der konventionellen Baumwollproduktion und zeigt ökologische Lösungen.
  • organiccotton.org - Die Webseite bietet viel Information rund um das Thema Bio-Baumwolle.

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