Mit Bio-Baumwolle natürlich gut gekleidet

Vom Tragegefühl gibt es keinen Unterschied, doch Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle sind umweltschonend produziert. Mehr noch, die organische Baumwolle hilft auch gegen Armut. Doch Bio heisst nicht automatisch Fairtrade. Worauf Sie beim Kauf achten sollten, erfahren Sie hier.

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Bio-Baumwolle - eine nachhaltige Lösung für trendige Kleidung. Foto: © FurmanAnna / iStock / Thinkstock
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60 Milliarden T-Shirts könnte man aus einer Jahresernte herkömmlicher Baumwolle herstellen. Jedes davon ist mit 150 Gramm Giftstoffen belastet, die die Kleinbauern im Rahmen der Baumwollproduktion einsetzen. Egal wie viel man wäscht, wirklich «sauber» werden die Kleidungsstücke nicht. Eine nachhaltige Lösung bietet Bio-Baumwolle. Mit nur einem Öko-Shirt schützt man knapp sieben Quadratmeter Anbaufläche vor der Umweltbelastung. Bereits vor 20 Jahren brachte Helvetas das weltweit erste zertifizierte Bio-Baumwolle-T-Shirt auf den Schweizer Markt. Inzwischen sind aus den Schweizer Pionieren auch Spitzenreiter geworden. Mehr als fünf Prozent aller hier erhältlichen Baumwolltextilien stammen aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA).

Organische Baumwolle nutzt Mensch, Wirtschaft und Umwelt

Im vergangenen Jahr produzierten über 270.000 Bauern in 23 Ländern etwa 240.000 Tonnen Bio-Baumwolle. Das macht einen Weltmarktanteil von nur einem Prozent aus. Laut Fibl haben sich die Lebensumstände und die Einkommenssituation der Bauern durch den Anbau der organischen Baumwolle deutlich verbessert. Zum einen sparen sie Produktionskosten, weil sie auf Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel verzichten. Zum anderen fällt ihr Einkommen mit der Bioprämie um ein Drittel höher aus. Somit trägt die Öko-Naturfaser zu weniger Armut und mehr Umweltschutz bei.

Öko-Baumwolle: Schutz für Umwelt, Trinkwasser, Gesundheit und Böden

Bei der Bio-Baumwolle verzichten die Bauern auf Pestizide und Kunstdünger. Damit der Boden nicht auslaugt, bauen sie zusätzliche Nutzpflanzen an. Statt Dünger zu verwenden, geben Hülsenfrüchte wie Bohnen, Erbsen oder Soja Stickstoff an die Erde ab. Ernterückstände, Kompost, Mulch, Mist oder Schlamm aus Biogasproduktion sind weitere Nährstofflieferanten. Zur natürlichen Schädlingsbekämpfung eignen sich so genannte Lockpflanzen, wie Sonnenblumen, Hibiskus oder Mais. Sie dienen als Futterersatz. Kommt es dennoch zu einem starken Befall der Bio-Baumwolle, dann setzen die Bauern natürliche Mittel ein. Auch die Probleme des hohen Wasserverbrauchs scheinen gelöst. Die organischen Baumwollpflanzen benötigen durch die direkte Bewässerung erheblich weniger Flüssigkeit. Wenn die Blüten geerntet werden, ist Handarbeit gefragt. Die Bauern müssen jeden Strauch einzeln abpflücken. Diese Mehrarbeit zahlt sich für die Umwelt aus. Normalerweise werden Baumwollpflanzen mit der «chemischen Keule» entlaubt, um sie danach maschinell abzuernten.

Gentechnik ist bei Bio-Baumwolle verboten

In den letzten Jahren geht der Trend zu gentechnisch veränderten Baumwollpflanzen. Diese sind sowohl beim ökologischen Anbau als auch beim Fairtrade-Gütesiegel verboten. Im letzten Jahr kam es dennoch zu vereinzelten Missbrauchsfällen. Deshalb wurden die Kontrollen verschärft. Tobias Meier von Helvetas erklärt, dass die Verunreinigungen durch gentechnisch verändertes Saatgut oder Baumwolle bei der Lagerung, in der Entkernungsanlage, in der Spinnerei oder beim Transport auftreten können. So ist es möglich, dass auch bei Bio-Textilien in geringen Mengen Gentechbaumwolle nachweisbar ist. Deshalb sucht die Organisation den Dialog mit Produzenten, Zertifizierern und anderen Akteuren, um den Missbrauch einzudämmen. «Bei einem weltweiten Anteil von deutlich über 50 Prozent Gentechbaumwolle ist das eine grosse Herausforderung. Es gibt Länder wie Kirgistan, Mali, Benin und andere, in denen kein gentechnisch verändertes Saatgut verwendet wird», fasst Tobias Meier zusammen.

Vier Fakten über herkömmliche Baumwolle

  • Baumwolle wird nur auf drei Prozent der gesamten Anbaufläche gepflanzt, doch kommen hier ein Viertel aller weltweiten Pestizide zum Einsatz.
  • Ein Kilogramm Baumwolle verbraucht zwischen 7.000 bis 29.000 Liter Wasser - abhängig von der jeweiligen Region und Anbaumethode.
  • Laut Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich rund 20.000 Menschen an einer Vergiftung durch Pestizide.
  • Statt die Kleidung mit umweltschonenden Transportmitteln zu bewegen, werden die neuen Kollektionen oft mit Flugzeugen transportiert, was einen enormen Ausstoss an CO2 verursacht.

 

Bio-Baumwolle in der Schweiz

Bio-Baumwolle wird nach wie vor von Hand gepflückt.

Verbraucher sehen der Kleidung nicht gleich an, aus welcher Baumwolle sie geschneidert wurden. Deshalb sind Label und Zertifikate notwendig, um echte Bio-Textilien auszuweisen.

Baumwolle, die aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) stammt, wurde streng nach den Kriterien der EU-Bioverordnung angebaut. Zudem haben verschiedene Hersteller kbA-zertifizierte Eigenmarken, wie beispielsweise die Label von Switcher, Hess Natur, Manor, Patagonia, Calida, H&M und C&A.

Coop produziert seine Kollektionen aus kontrollierten Bio-Anbau. Coop Naturaline wird streng nach Umwelt- und Sozialstandards überprüft. Migros Biobaumwolle achtet auf krebserregende und allergene Stoffe sowie soziale Standards.

Das internationale Gütesiegel Global Organic Textile Standard (GOTS) regelt nicht nur den Anbau, sondern auch die Weiterverarbeitung und Kontrolle aller Produkte. Ausführliche Informationen zu Labels und Herstellern bietet der WWF (wwf.ch) auf einen Klick.

Viele Verbraucher glauben, dass Textilien aus Bio-Baumwolle automatisch unter fairen Bedingungen hergestellt wurden. Zwar achten alle Labels auf die Umwelt, doch nicht jedes Gütesiegel kontrolliert die Erfüllung sozialer Arbeitsstandards.

Wann wird organische Baumwolle auch fair produziert?

Wer fair gehandelte Bio-Textilien tragen möchte, sollte auf das Gütesiegel von der Max-Havelaar-Stiftung achten. Zwar ist nicht die gesamte Kollektion aus Bio-Baumwolle gefertigt, doch ist sie garantiert unter gerechten Arbeits- und Handelsbedingungen entstanden. Denn die Produzenten sind nicht gezwungen, die Naturfaser zu Dumpingpreisen zu verkaufen und die Beschäftigten in den Textilfabriken werden gerecht entlohnt. Das sichert ihnen ein Leben unter menschenwürdigen Bedingungen. Darüber hinaus wird Kinderarbeit verhindert und durch ständige Kontrollen die Transparenz erhöht.

Und wie geht es mit der Bio-Baumwolle in der Schweiz weiter? Tobias Meier erzählt: «Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage und das Angebot weiter steigen werden. Die Wachstumsraten werden aber in der Schweiz nicht mehr so gross sein, wie in früheren Jahren und das Ausland holt den Rückstand auf die Pioniere und «Weltmeister» Schweiz auf. Das ist ja auch im Bereich Fairtrade-Produkte festzustellen und für die Natur und die Menschen im Süden eine gute Sache.» Diesen Trend können Verbraucher unterstützen und beim Kauf auf Bio-Baumwolle-Labels achten.

Mehr zum Thema

  • helvetas.org - Als Verein informiert HELVETAS Swiss Intercooperation umfassend über Bio-Baumwolle.
  • Ein Gratis-Buch im PDF-Format erklärt die Auswirkungen der konventionellen Baumwollproduktion und zeigt ökologische Lösungen.
  • organiccotton.org - Die Webseite bietet viel Information rund um das Thema Bio-Baumwolle.

 

 

Text: Kerstin Borowiak Quellen: Helvetas, Greenpeace Magazin, WWF, organiccotton.org, FIBL, Mode mit Zukunft, COOP, Umweltinstitut