Gentechnik in der Baumwolle: Warum Bio-Baumwolle so wichtig ist

Bis zu 20-mal pro Saison muss ein konventioneller Baumwollbauer sein Feld mit Pestiziden besprühen. Genmanipulierte Pflanzen haben die Situation noch verschärft. Vier Gründe, warum wir unbedingt auf Bio-Baumwolle setzen sollten.

Bio-Baumwolle kommt ohne Pestizide und viel Dünger aus.
Bei Bio-Baumwolle ist genverändertes Saatgut tabu. Foto © rvimages/ E+
  • 9
  • 0

Es ist ein regelrechter Pestizid-Cocktail, den ein Bauer spritzen muss, bevor er seine Baumwolle ernten kann. Der warme feuchte Boden, den Baumwolle braucht, begünstigt nämlich die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten. Obwohl Baumwolle gerade mal auf 2,5 Prozent der weltweiten Landwirtschaftsfläche wächst, werden rund 16 Prozent aller Pestizide auf Baumwollfeldern gespritzt. Für kein anderes Landwirtschaftsprodukt wird so viel Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Gene gegen den gefürchtetsten Schädling

Kein Wunder, war die Hoffnung der Bauern gross, als vor über 20 Jahren die ersten genmanipulierten Baumwollpflanzen zugelassen wurden. Ab 2002 setzten insbesondere die Bauern in Indien auf das teure, genmanipulierte Saatgut. Diese Baumwollpflanzen sollten den gefürchteten Baumwollkapselbohrer abwehren und so zumindest einige der Insektizide überflüssig machen. Eine andere Genmanipulation sorgte dafür, dass die Pflanzen Herbizid-Duschen überleben, während jegliche andere Pflanzen absterben.

Mehr Pestizide, mehr Dünger

Heute sind gut 70 Prozent aller konventionell angebauten Baumwollpflanzen genmanipuliert. Doch Schädlinge und Unkräuter haben Resistenzen entwickelt, was dazu führt, dass die Bauern mehr Pestizide spritzen müssen.

Facts & Tipps

Es sind längst nicht die einzigen Sorgen, welche die Bauern plagen. Die genmanipulierten Pflanzen sind weniger robust und anspruchsvoller in der Pflege – damit der Ertrag an jene von heimischen Baumwollsorten heranreicht, brauchen sie deshalb mehr Dünger. Regenarme Jahre lassen die Erträge deutlich schrumpfen.

Die Schuldenspirale der Bauern

Nebst dem zusätzlichen Geld, das die Kleinbauern für Pestizide und Dünger in die Hand nehmen müssen, zahlen sie auch zusätzlich für das genmanipulierte Saatgut. Kommt hinzu, dass diese Pflanzen keine Samen produzieren und die Bauern jedes Jahr frisches Saatgut kaufen müssen. Die hohen Investitionen treiben viele Bauern in eine Schuldenspirale, aus der sie nicht mehr herausfinden.

Bio-Baumwolle braucht Förderung

Ein Grund, weshalb wir bei Textilien öfter auf Bio-Baumwolle setzten sollten: Die Bauern können diese Schuldenspirale durchbrechen oder geraten gar nicht erst hinein. Doch dazu brauchen sie das richtige Saatgut. In der biologischen Landwirtschaft ist gentechnisch verändertes Saatgut verboten. Doch das ursprüngliche Saatgut ist inzwischen so selten, dass es für die benötigte Menge an Bio-Baumwolle gar nicht reicht. Deshalb hat die Schweizer Stiftung bioRe, die sich für den Biolandbau in der Baumwollproduktion einsetzt, neues Saatgut entwickelt. Die Bauern haben so nicht nur gentechnikfreies Saatgut, sie können es auch reproduzieren und sind dadurch unabhängiger.

Gesundheit für Bauern und Arbeiter

Der zweite Grund ist die Gesundheit der Bauern und Arbeiter. Denn rund 99 Prozent der Baumwollbauern leben in Entwicklungsländern. Ihnen fehlt häufig das nötige Wissen über die Gesundheitsgefahr von Pestiziden. Die Warnhinweise auf den Verpackungen sind auf Englisch. Abgesehen davon, dass die meisten Bauern kein Englisch sprechen, können Sie auch nicht lesen oder schreiben. Deshalb setzen sich viele Bauern unwissentlich ungeschützt den giftigen Chemikalien aus oder benutzen die leeren Kanister und Flaschen später gar als Trinkgefässe.

Für Bio-Baumwolle setzen die Bauern keine chemisch-synthetischen Pestizide oder Dünger ein. Dadurch sind sie auch vor den Gesundheitsgefahren geschützt, denen Bauern in der konventionellen Baumwollproduktion ausgesetzt sind. Ein guter Schutz der Arbeiter ist bei Gütesigeln für Bio-Baumwolle ein wichtiges Kriterium.

Intakte Umwelt

Das führt zu Grund Nummer drei für Bio-Baumwolle. Wo sie wächst, sind die Böden gesünder, fruchtbarer und können mehr Wasser speichern, Flüsse und Grundwasser bleiben sauber und die Artenvielfalt ist wesentlich grösser.

Mehr Sicherheit für Bio-Bauern

Ein vierter Grund für Bio-Baumwolle ist der faire Handel. Beim biologischen Anbau von Baumwolle sparen die Bauern nicht nur Geld, indem Sie keine chemisch-synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie Saatgut kaufen müssen. Sie erhalten für ihre Baumwolle grundsätzlich auch bessere Preise und Löhne, weil diese durch anerkannte Labels garantiert werden.

Wer beim Kauf seiner Kleider aber auch beispielsweise der Bettwäsche und Haushaltstextilien auf Bio-Baumwolle setzen möchte, findet hier unsere kleine Einkaufshilfe.

Welche weiteren Vorteile Bio-Baumwolle hat, erfahren Sie hier.

Dieser Artikel entstand mit Unterstützung der Coop-Nachhaltigkeitsinitiative «Taten statt Worte». Mit der Einführung der Eigenmarke Naturaline für Textilien gehört Coop zu den Pionieren, die in den 1990er-Jahren Kleider aus Bio-Baumwolle ins Sortiment aufnahmen. Coop Naturaline gehört heute zu jenen Eigenmarken mit den höchsten Standards. Die Menschen profitieren von Ausbildung und Beratung, einer Bio-Prämie sowie einer Abnahmegarantie. Dank der Partnerschaft mit bioRe wurde die Basis geschaffen, dass indische und tansanische Bauernfamilien ihre Baumwolle biologisch und CO2-neutral produzieren und zu fairen Preisen verkaufen können.

Nachhaltigleben
Von Alge bis Milch: Welche innovative Ökomode den Markt erobert

Von Alge bis Milch: Welche innovative Ökomode den Markt erobert

Es geht auch Bio: Leder gerben ohne Mensch und Umwelt zu schaden

Es geht auch Bio: Leder gerben ohne Mensch und Umwelt zu schaden

Pestizide in der Baumwolle: Warum Öko-Kleidung einfach besser ist

Pestizide in der Baumwolle: Warum Öko-Kleidung einfach besser ist