Nachhaltiger Stoff? Was du über Cupro wissen musst

Cupro, auch bekannt als vegane Seide, erlebt gerade eine Renaissance. Der fliessende, leicht schimmernde Stoff kommt vor allem in der Fair Fashion Branche wieder öfter zum Einsatz. Neu ist er nicht: Die Faser wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt. Wegen des giftigen Herstellungsprozesses verschwand der Stoff jedoch zwischenzeitlich von der Bildfläche. Nun taucht er wieder auf – was hat sich verändert, ist Cupro jetzt nachhaltig?

Nahaufnahme einer dunkelhaarigen Frau, die eine khakifarbene Seidenbluse trägt und an einer Blume riecht
Cupro schimmert wie Seide, besteht aber aus einer Baumwollfaser. © Alexa Portoraro / Unsplash
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Cupro-Stoff – das Wichtigste in Kürze:

  • Cupro ist ein Stoff, der aus Baumwoll-Linter hergestellt wird. Dabei handelt es sich um ein Nebenprodukt der Baumwollölproduktion.
  • Die Eigenschaften von Cupro sind der von Seide ähnlich: Er ist weich, schimmernd und fliessend.
  • Für die Herstellung des Stoffes werden die Zellulosefasern in einem Gemisch aus Kupfersalzen und Ammoniak aufgelöst.
  • In der Vergangenheit stand Cupro in der Kritik, dass die Chemikalien, die bei der Produktion benötigt werden, in die Umwelt gelangten und grossen Schaden anrichteten.
  • Heute wird Cupro nur noch von einem Hersteller gefertigt – in einem geschlossenen Produktionskreislauf, in dem die Chemikalien nicht in die Natur gelangen.

Kürzlich stand ich in einem kleinen Fair Fashion Store und hielt eine Hose in den Händen, in deren Stoff ich mich am liebsten ganz eingehüllt hätte. Sie war super weich und hatte einen schönen Glanz – fast wie Seide. Nur wärmer. Auf dem Waschzettel stand: 100 Prozent Cupro. Davon hatte ich noch nie etwas gehört.

Was ist Cupro für ein Material?

Cupro, früher besser bekannt als Kupferseide oder Kupferfaser, ist eine Zellulosefaser, die aus sogenanntem Baumwoll-Linter hergestellt wird. Linter sind feine Härchen, die sich an den Baumwollsamen bilden. Bei der Baumwollproduktion werden sie nicht benötigt, weshalb sie als Abfallprodukt gelten.

Nahaufnahme von Baumwoll Linter
Baumwoll Linter sind ein Nebenprodukt der Baumwollölproduktion. © BembergTM

In einer chemischen Lösung aus Kupfersalzen und Ammoniak entsteht aus den dünnen, nicht spinnbaren Baumwollsamenfasern eine dickflüssige Masse. Diese wird anschliessend durch ein Sieb gepresst, um feine Fäden herzustellen, aus denen wiederum das seidenähnliche Garn gesponnen wird.

Die Eigenschaften des Stoffs

Der fertig gewebte Cupro-Stoff zeichnet sich durch eine sehr weiche und fliessende Haptik aus. Wegen der glatten, schimmernden Oberfläche wird er auch als vegane Seide bezeichnet. Cupro bringt darüber hinaus folgende Eigenschaften mit sich:

  • knitterarm
  • hautfreundlich
  • keine statische Aufladung
  • sehr rissfest
  • kühlend
  • hochwertig, edel glänzend

Das klingt alles vielversprechend. Doch warum ist die Kupferseide nahezu in Vergessenheit geraten, bevor sie nun wieder beliebter wird? Um das herauszufinden, müssen wir in der Zeit weit zurückgehen.

Die Geschichte des Cupro-Stoffs

Genauer gesagt über 150 Jahre – ins Jahr 1857. Damals stellte der Zürcher Chemieprofessor Matthias Eduard Schweizer fest, dass man Zellulose in einer chemischen Lösung aus Kupferhydroxid und Ammoniakwasser auflösen kann. Daraufhin versuchten Forschende aus aller Welt, aus dem Material brauchbare Fäden herzustellen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden diese Kupfer-Kunstseidenfäden erstmals eingesetzt, zunächst für Glühlampen. Kurz darauf folgte die Verwendung des Garns in der Textilindustrie.

Vertrieben wurde die sogenannte Kunstseide damals vor allem von zwei grossen Firmen: J.P. Bemberg und der Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG. Der Stoff erfreute sich aufgrund seiner hochwertigen Textur in Europa schnell grosser Beliebtheit.

Die Kritik an Cupro

Im Laufe des 20. Jahrhunderts stellte sich jedoch immer deutlicher heraus, dass die Herstellung von Cupro Mensch und Umwelt gefährdet. So ereignete sich 1927 in einer Textilfabrik in Italien eine Naturkatastrophe, nachdem über mehrere Jahre hinweg Abwässer aus der Kupferseidenfabrik in Gozzano in den Ortasee geleitet wurden. Es starben alle Fische im Gewässer und der See galt für mehrere Jahrzehnte als biologisch tot.

Wie wird Cupro heute hergestellt?  

Heute gibt es weltweit nur noch einen Hersteller der Cuprofaser – die japanische Firma Ashai Kasei. Das dort gefertigte Cupro wird unter dem Markennamen Bemberg vertrieben.

Nach eigenen Angaben hat Ashai Kasei ein Verfahren mit geschlossenen Wasserkreisläufen entwickelt, damit die verwendeten Chemikalien vollständig zurückgewonnen werden können und nicht in die Umwelt gelangen. Die Produktion ist also längst nicht mehr so bedenklich wie noch vor 100 Jahren.

Ist Cupro also nachhaltig?

Aufgrund der verbesserten Produktion und der nachhaltigen Eigenschaften findet Cupro aktuell wieder grossen Anklang bei Fair Fashion Brands wie Moya Kala oder dariadéh. Wobei «gross» kaum das richtige Wort ist – laut der offiziellen Bemberg Website macht Cupro gerade einmal 0.02 Prozent der weltweiten Faserproduktion aus.

Nachhaltig ist der Stoff im Hinblick auf folgende Attribute:

  • Besteht aus biologisch abbaubaren Fasern
  • Natürlichen Ursprungs
  • Oeko-Tex Standard 100 zertifiziert
  • Plastikfrei, keine Entstehung von Mikroplastik beim Waschen
  • Vegan

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Stoff aus einem Abfallprodukt der Baumwollindustrie hergestellt wird.

Was jedoch kritisch zu betrachten bleibt, ist die Herstellung mithilfe aggressiver Chemikalien, die früher oder später entsorgt werden müssen. Dennoch hat sich die Herstellung und vor allem der Umgang mit den Chemikalien seit dem letzten Jahrhundert deutlich verbessert.

Ob Cupro nun besser oder schlechter ist als andere natürliche Fasern wie Bio-Baumwolle oder Tencel, kann aufgrund der ausgeglichenen Pro- und Contra-Argumente kaum beantwortet werden. Gegenüber Kunststofffasern und echter Seide hat Cupro den grossen Vorteil, dass er biologisch abbaubar und nicht tierischen Ursprungs ist. Bedenke jedoch, dass der Stoff allein nicht für die Nachhaltigkeit eines Kleidungsstückes verantwortlich ist: Auch die Produktion der Kleidung spielt eine grosse Rolle. Informiere dich daher vor dem Kauf immer, wie und wo ein Brand seine Kleidung näht respektive nähen lässt.

Du brauchst einen Fair Fashion Guide? Hier findest du Shops für nachhaltige Mode in der Schweiz und bekommst einen Überblick über Labels für faire Kleidung.

Cupro pflegen: So hast du lange etwas von deinem Kleidungsstück

Kleidungsstücke aus Cupro solltest du möglichst wenig waschen, damit der Stoff seine hohe Qualität behält. Gegen Gerüche hilft auch schon das Auslüften auf dem Balkon.

Wenn es dann doch einmal dreckig geworden ist, wäschst du Cupro bei maximal 30 Grad im Schonwaschgang (Fein- oder Wollwäsche) und nicht mit einem bleichenden Waschmittel. Drehe die Schleuderzahl möglichst weit herunter und – ganz wichtig – spar dir den Tumbler!

Cupro sollte nur an der Luft getrocknet werden. Optional kannst du Kleidung aus Cupro auch in einer Textilreinigung abgeben und chemisch reinigen lassen.

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