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Lyocell und Tencel: Die Vorteile des Stoffs aus Holzfasern

Lyocell gilt als vielseitige Faser mit guten Trageeigenschaften und vergleichsweise günstiger Umweltbilanz. Im Alltag begegnet dir das Material oft unter dem Markennamen Tencel. Was genau dahintersteckt, worin sich Lyocell von Viskose, Modal und ECOVERO unterscheidet und worauf du beim Kauf für dich oder dein Kind achten kannst.

Lyocell: Warum der Stoff aus Holzfasern Zukunft hat
Nachhaltig in der Produktion, angenehm zu tragen: Kleider aus Lyocell. Foto: © Orbon Alija / E+

Wichtig zu wissen: Lyocell ist die Faserbezeichnung. Tencel ist ein Markenname. Nicht jedes Lyocell ist automatisch Tencel, und nicht jedes Tencel-Produkt besteht nur aus Lyocell. Auf dem Etikett findest du darum im Idealfall sowohl die Materialangabe als auch die genaue Zusammensetzung.

Im Artikel

Holzbasierte Fasern sind nicht neu. Seit langem werden aus Zellulose textile Fasern hergestellt. Heute interessieren sich viele Menschen wieder stärker für diese Materialien, weil sie angenehmen Tragekomfort mit einem oft geringeren Ressourcenverbrauch verbinden. Gerade für Familien ist das spannend: Kleidung soll weich, praktisch, hautfreundlich und möglichst langlebig sein. Genau hier kann Lyocell je nach Verarbeitung überzeugen.

Was ist Lyocell?

Lyocell ist eine industriell hergestellte Regeneratfaser aus Cellulose. Ausgangspunkt ist also Holz, aus dem Zellstoff gewonnen wird. Daraus entstehen feine Fasern, die zu Garnen und schliesslich zu Stoffen verarbeitet werden.

Die Faser ist bekannt für ihre glatte Oberfläche, den weichen Griff und den fliessenden Fall. Auf der Haut fühlt sie sich oft kühl und trocken an. Viele Menschen vergleichen den Tragekomfort mit Seide, leichter Baumwolle oder feinem Leinen. Deshalb wird Lyocell häufig für Blusen, Kleider, Shirts, Unterwäsche, Nachtwäsche und Betttextilien eingesetzt.

Lyocell und Tencel – was ist der Unterschied?

Im Alltag werden die Begriffe oft gleich verwendet. Streng genommen ist das aber nicht korrekt. Lyocell bezeichnet die Faserart. Tencel ist ein Markenname für bestimmte Fasern auf Cellulosebasis. Wenn du einkaufst, hilft diese Unterscheidung dabei, Produktversprechen besser einzuordnen und das Etikett genauer zu lesen.

Woraus Lyocell hergestellt wird

Lyocell besteht aus Zellulose, die aus Holz gewonnen wird. Häufig stammt diese aus Eukalyptus, Buche, Fichte oder anderen Holzarten. Für die ökologische Bewertung ist nicht nur die Holzart wichtig, sondern vor allem, wie und wo das Holz angebaut oder geerntet wird. Zertifizierte und nachvollziehbare Forstwirtschaft, kurze Transportwege und transparente Lieferketten sind zentrale Punkte, wenn du nachhaltiger einkaufen möchtest.

Gut zu wissen: Lyocell = Tencel. Bei Tencel handelt es sich allerdings um einen Markennamen. Das Material Lyocell ist im Verkauf unter dem Markennamen Tencel zu finden.

Eigenschaften des Stoffs

Lyocell kann Feuchtigkeit gut aufnehmen und wieder abgeben. Das sorgt oft für ein ausgeglichenes Tragegefühl. Gerade bei Kindern, in warmen Nächten oder bei empfindlicher Haut kann das angenehm sein, weil Textilien weniger klamm wirken.

Der Stoff ist atmungsaktiv, weich und zugleich relativ reissfest. Er kann Temperaturunterschiede gut ausgleichen und trägt sich oft auch dann noch komfortabel, wenn man schwitzt. Das macht ihn interessant für Alltagskleidung, Schlaftextilien und leichte Layer.

Durch seine glatte Oberfläche scheuert Lyocell meist wenig. Für Menschen mit sensibler Haut kann das ein Pluspunkt sein. Gleichzeitig ist wichtig zu wissen: Hautverträglichkeit hängt nicht nur von der Faser ab, sondern auch von Färbung, Ausrüstung, Nähten und Passform.

Kleidung mit UV-Schutz

Die Firma Lenzing, die Tencel hautpsächlich produziert, hat die Lyocell-Variante Tencel® SUN entwickelt, eine Faser, die im Labortest einen UV-Schutzfaktor von 110 aufwies. Der UV-Schutz wird durch Mineralien bewirkt, und, ein Nachteil synthetischer UV-Schutz-Stoffe, selbst im durchgeschwitzten Zustand soll der Schutz nicht gemindert werden.

Tencel ist nicht nur für Erwachsene, sondern gerade auch für Babys sehr geeignet. Durch die funktionalen Eigenschaften wie Wärmeregulierung ist etwa bei der Tencel-Bettdecke oder dem Tencel-Schlafsack die Gefahr einer Überhitzung oder des Hitzestaus für Babys deutlich reduziert.

Wenn du Textilien für Babys oder Kleinkinder auswählst, lohnt sich trotzdem ein genauer Blick: Entscheidend sind neben dem Material auch Atmungsaktivität, passende Dicke, sichere Verarbeitung und einfache Pflege. Kein Stoff allein verhindert Überhitzung oder ersetzt eine sichere Schlafumgebung.

Warum Lyocell oft besser abschneidet als klassische Viskose

Viele Holzfasern sehen auf den ersten Blick ähnlich aus. Der Unterschied liegt oft weniger im Tragegefühl als in der Herstellung. Genau deshalb wird Lyocell im Nachhaltigkeitskontext häufig positiver bewertet als klassische Viskose.

Lyocell, Viskose, Modal und ECOVERO im Vergleich

Viskose ist ebenfalls eine Regeneratfaser aus Cellulose. Sie trägt sich weich und luftig, steht aber seit langem wegen problematischer Produktionsbedingungen in der Kritik. Entscheidend ist hier das chemische Verfahren, das deutlich belastender sein kann, wenn Stoffströme nicht wirksam zurückgewonnen werden.

Modal gehört ebenfalls zu den Cellulosefasern. Es ist oft besonders weich, geschmeidig und formstabil. Modal wird gern für Unterwäsche, Loungewear und Betttextilien verwendet. In der Praxis liegt es beim Tragegefühl oft zwischen Viskose und Lyocell.

ECOVERO ist kein eigener Fasertyp wie Lyocell, sondern eine Markenbezeichnung für bestimmte Viskosefasern mit strengeren Umweltstandards in der Herstellung und Rückverfolgbarkeit. Für dich als Käufer:in heisst das, dass der Name eher etwas über den Produktionsrahmen aussagt als über ein völlig anderes Materialgefühl.

Lyocell gilt meist als die ökologisch günstigere Variante unter diesen Holzfasern, wenn die Herstellung in einem weitgehend geschlossenen Kreislauf erfolgt und das Holz aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Quellen stammt.

Lösungsmittel und geschlossene Kreisläufe: Warum das Verfahren entscheidend ist

Bei Lyocell wird die Cellulose mit einem Lösungsmittel verarbeitet, das in modernen Verfahren zu einem sehr grossen Teil zurückgewonnen und erneut eingesetzt werden kann. Dadurch fallen im Vergleich zu konventioneller Viskose weniger problematische Emissionen an. Für die Gesamtbilanz spielen aber auch Energiebedarf, Wasserverbrauch, Transport und Färbeprozesse eine Rolle.

Wo trotzdem Kritik möglich bleibt

Auch Lyocell ist nicht automatisch «perfekt nachhaltig». Kritisch bleiben können lange Transportwege, unklare Holzherkunft, Monokulturen, energieintensive Verarbeitung und Mischungen mit Polyester oder Elastan. Solche Mischgewebe verbessern manchmal Elastizität oder Haltbarkeit, erschweren aber Recycling und verändern die Umweltbilanz. Auch der Preis ist ein Thema: Hochwertig hergestelltes Lyocell ist oft teurer als Standardware aus Baumwolle oder Synthetik.

Wie wird Lyocell hergestellt?

Lyocell wird industriell aus Holz-Zellstoff hergestellt. Dazu wird das Holz zunächst zu Zellstoff verarbeitet. Dieser wird anschliessend mit einem Lösungsmittel zu einer spinnbaren Masse aufbereitet.

Die entstandene Lösung wird gefiltert und durch feine Düsen gepresst. So entstehen Fasern, die verfestigt, gewaschen, getrocknet und weiterverarbeitet werden. Aus ihnen lassen sich sehr unterschiedliche Garne und Stoffe herstellen – von weich fliessenden Jerseyqualitäten bis zu festeren Geweben für Hosen oder Jacken.

Der Unterschied zwischen Lyocell und Viskose

Der wichtigste Unterschied liegt im Herstellungsverfahren. Lyocell wird in einem Verfahren produziert, bei dem Lösungsmittel weitgehend im Kreislauf geführt werden können. Dadurch fällt die Umweltbelastung oft geringer aus als bei klassischer Viskose. Beim Tragegefühl können sich beide Stoffe ähnlich anfühlen: weich, glatt und angenehm auf der Haut.

Viskose ist einer der bekanntesten Stoffe aus Holzfasern und wird aus Zellstoff verschiedener Holzarten hergestellt. Wie nachhaltig ein Viskoseprodukt ist, hängt stark davon ab, wie sauber die Produktion organisiert ist und wie transparent Hersteller über Rohstoffe und Chemikalien informieren.

Ist Lyocell-Stoff nachhaltiger als Baumwolle?

Lyocell und Tencel: Eukalyptus zur Produktion von Zellulose
Eukalyptus ist ein ergiebiger Rohstoff. Foto: © alffoto / iStock / Getty Images Plus

Oft ja – aber nicht pauschal. Im Vergleich zu konventioneller Baumwolle kann Lyocell je nach Herkunft und Produktionsweise wasserärmer, flächeneffizienter und chemisch günstiger sein. Entscheidend ist jedoch immer das konkrete Produkt.

Baumwolle hat Stärken: Sie ist robust, weit verbreitet und gut bekannt. Problematisch sind bei konventionellem Anbau aber hoher Wasserverbrauch in bestimmten Regionen, Pestizideinsatz und Bodendruck. Bio-Baumwolle kann hier Vorteile bieten, ist aber ebenfalls nicht automatisch in jeder Hinsicht besser als Lyocell.

Bei Lyocell ist positiv, dass Holz als Rohstoff effizient genutzt werden kann und moderne Herstellungsverfahren Rückgewinnungssysteme ermöglichen. Ein weiterer Vorteil: Reine Cellulosefasern sind grundsätzlich biologisch abbaubar. Das gilt allerdings nicht mehr in gleicher Weise, wenn Beschichtungen, starke chemische Ausrüstungen oder Kunstfasermischungen dazukommen.

Wenn du nachhaltiger einkaufen möchtest, ist darum eine einfache Faustregel hilfreich: Bevorzuge langlebige, möglichst sortenreine Textilien mit transparenter Materialangabe und nachvollziehbarer Herkunft. Ein gutes Kleidungsstück, das lange getragen und weitergegeben wird, ist meist die bessere Wahl als ein spontaner Fehlkauf – ganz unabhängig von der Faser.

Wenn man bedenkt, dass gerade einmal ein Prozent der angebauten Baumwolle Bio-Baumwolle ist, kann man durchaus sagen, dass Lyocell ein nachhaltigerer Stoff ist als Baumwolle.

Für welche Kleidung Lyocell sinnvoll ist

Blusen, Kleider, Bettwäsche, leichte Basics

Lyocell eignet sich besonders für Textilien, die weich fallen, hautnah getragen werden und Feuchtigkeit gut managen sollen. Dazu gehören Blusen, Sommerkleider, Shirts, Pyjamas, Unterwäsche, Bettwäsche und leichte Babytextilien. Viele Eltern schätzen das Material für Schlafkleidung, weil es sich glatt anfühlt und selten kratzig wirkt.

Sport und Funktionskleidung

Für leichte Bewegung, Alltag, Yoga oder als Baselayer kann Lyocell angenehm sein. Bei intensiver sportlicher Belastung dominieren jedoch oft Mischungen oder synthetische Funktionsfasern, weil sie sehr schnell trocknen und besonders formstabil sind. Wenn du wenig schwitzt oder eher Komfort als Höchstleistung suchst, kann Lyocell aber eine gute Wahl sein.

Haptik, Knitteranfälligkeit und Mischgewebe

Lyocell fühlt sich meist glatt, weich und fliessend an. Je nach Gewebe kann es elegant, fast seidig wirken oder eher matt und natürlich. Manche Stoffe knittern wenig, andere zeigen nach dem Waschen oder Tragen sichtbare Falten. Das ist kein Qualitätsmangel, sondern hängt stark von Webart, Stoffgewicht und Mischung ab.

Wichtig für den Alltag: Viele Kleidungsstücke bestehen nicht aus 100 Prozent Lyocell. Häufig sind Anteile von Baumwolle, Elastan, Polyester oder Wolle enthalten. Das verändert Tragegefühl, Pflege und Nachhaltigkeit deutlich. Ein kleiner Elastananteil kann eine Hose bequemer machen, Polyester kann die Trocknungszeit verkürzen, erschwert aber die spätere Wiederverwertung und kann Mikrofasern freisetzen.

Nachteile von Lyocell

Die aufwändige und teure Produktion von Lyocell bedingt meist einen höheren Preis des fertigen Kleidungsstücks. Das bedeutet, dass du für Lyocell-Kleidung oft mehr zahlst als für solche aus synthetischen Fasern oder einfacher Baumwolle.

Dazu kommen praktische Punkte im Alltag: Manche Lyocell-Stoffe reagieren empfindlich auf zu hohe Hitze, starke Reibung oder langes Liegen in nassem Zustand. Einzelne Qualitäten können ausserdem anfälliger für Knitter, Glanzstellen oder Formverlust sein, wenn sie falsch gepflegt werden. Deshalb lohnt es sich, lieber schonend zu waschen und das Kleidungsstück nach dem Waschen in Form zu ziehen.

Lyocell waschen und pflegen: So geht’s

Tencel-Stoffe sind pflegeleicht, aber nicht unempfindlich. In vielen Fällen kannst du sie bei 30 bis 40 Grad waschen, manche robusteren Qualitäten auch höher. Entscheidend ist immer das Pflegeetikett. Gerade bei feinen Blusen, Kleidern, Bettwäsche oder Mischgeweben ist ein Schonwaschgang oft die bessere Wahl.

Wasche Lyocell am besten mit ähnlichen Farben, mildem Waschmittel und nicht zu voll beladener Trommel. Ein Wäschesack kann empfindliche Teile schützen. Starke Bleichmittel und sehr hohe Schleuderzahlen sind eher ungünstig, weil sie die Faser und die Oberfläche belasten können.

Da sie sehr robust sind, dürfen Kleidungsstücke aus Lyocell auch im Trockner gewaschen werden. Es lohnt sich aber einen Blick auf das Wascheticket zu werfen, um das Kleidungsstück nach Herstellervorgabe zu waschen. Wie auch bei anderen Materialen sollte man die Wäsche nach Farben trennen. Hier bekommst du mehr Tipps, wie du Wäsche richtig wäschst und dabei auch die Umwelt schonst.

Waschen und trocknen: schonend ist oft besser

Wenn möglich, trockne Lyocell an der Luft. Das spart Energie und schont den Stoff. Hänge das Kleidungsstück direkt nach dem Waschen auf oder lege es flach hin, damit es seine Form behält. Den Trockner solltest du nur verwenden, wenn das Etikett es ausdrücklich erlaubt – und dann möglichst bei niedriger Temperatur.

Was auf dem Etikett problematisch sein kann

Achte auf Zusätze wie Polyester, Polyamid, Acryl oder Elastan. Solche Mischungen können sinnvoll sein, verändern aber Pflege und Umweltwirkung. Auch Beschichtungen, Imprägnierungen oder «bügelfrei»-Ausrüstungen sind im Alltag zwar praktisch, machen das Textil aber komplexer. Wenn du ein möglichst naturbasiertes und gut recycelbares Produkt suchst, sind einfache, klar deklarierte Materialien meist die bessere Wahl.

Wie bügelt man Lyocell?

Lyocell-Stoff kann man bei niedriger Hitze bügeln. Um den Stoff nicht zu beschädigen, sollte das Kleidungsstück aber nach links umgedreht werden. Oft reicht es schon, das Textil nach dem Waschen glatt zu ziehen und gut aufzuhängen. So sparst du Zeit und Energie.

Lyocell: Ein Stoff mit Zukunft

Lyocell dürfte in der Textilwelt weiter an Bedeutung gewinnen. Der Druck auf die Branche steigt, Ressourcen zu schonen, problematische Chemikalien zu reduzieren und Materialien besser im Kreislauf zu führen. Holzbasierte Cellulosefasern können dabei eine wichtige Rolle spielen – vor allem dann, wenn Rohstoffe verantwortungsvoll beschafft, Stoffströme sauber kontrolliert und Produkte möglichst langlebig gestaltet werden.

Aus Lyocell-Fasern werden heute schon Alltagskleider, Funktionskleider, Unterwäsche, Nachtwäsche, Bettdecken, Matratzen und sogar Schuhe oder Hygieneprodukte produziert.

Wie Lyocell wird auch der Stoff Lenpur mittels organischem Lösungsmittel aus Zellulose hergestellt. Allerdings wird der Rohstoff für Lenpur nur aus dem Rückschnitt von Bäumen produziert, der in der Forstwirtschaft anfällt. Für die Herstellung müssen also keine Bäume gefällt werden.

Doch auch in Zukunft bleibt wichtig, genau hinzuschauen: Nicht jede Holzfaser ist gleich nachhaltig, nicht jeder Markenname steht automatisch für das beste Produkt, und nicht jede Mischung ist sinnvoll. Für dich als Käufer:in zählt am Ende eine Kombination aus Material, Verarbeitung, Transparenz, Pflegeleichtigkeit und langer Nutzungsdauer. Genau dann kann Lyocell seine Stärken wirklich ausspielen.

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