Schadstoffe in der Kleidung: Was kann ich noch anziehen?

Kleidung soll nicht nur schön aussehen, sie soll sich auch gut anfühlen und pflegeleicht sein. Doch für leuchtende Farben und Geschmeidigkeit sorgen oft Chemikalien. Darunter auch diverse Schadstoffe wie Formaldehyd oder Azofarbstoffe. Welche gesundheitlichen Risiken bergen diese Substanzen und wie lassen sie sich verhindern? Hier erhältst du eine Übersicht und Tipps zum Kauf schadstofffreier Kleidung.

Kleidung hängt an einem Ständer im Laden.
Farben, Bleichmittel & Co.: Unsere Kleidung enthält viele Schadstoffe. © AGCreativeLab / iStock / Getty Images Plus
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Schadstofffreie Kleidung – das Wichtigste in Kürze:

  • In Textilien stecken Chemikalien wie Chlor, Weichmacher und Azofarben. Alle Schadstoffe
  • Oft belastete Kleidung sind etwa knitterfreie Textilien und Lederware. Überblick
  • Giftstoffe werden beim Waschen von Kleidung minimiert, gelangen dabei aber in die Umwelt.
  • Siegel wie GOTS und IVN Best zertifizieren schadstofffreie Kleidung. Alle Label
  • Hinweise wie «separat waschen» weisen auf eine hohe Schadstoffbelastung hin. Mehr Tipps

«Kleider machen Leute» – die Worte Gottfried Kellers sind heute ein bekanntes Sprichwort. Als der Schweizer Dichter eine Erzählung mit diesem Titel veröffentlichte, dachte er wohl kaum an Schadstoffe in der Kleidung. Vielmehr sollte die Geschichte zeigen, welche Wirkung schöne Kleidung haben kann. Um sie noch glänzender, bequemer und pflegeleichter zu machen, hat sich die Industrie seither einiges einfallen lassen.

Welche Schadstoffe gibt es in Kleidung?

Damit unsere Kleidung schön bunt oder strahlend weiss ist, möglichst nicht knittert und mit dem Trend geht – wie beispielsweise dem Used-Look – kommen einige Schadstoffe zum Einsatz.

Im Greenpeace-Bericht «Textilsiegel im Greenpeace-Check» führt die Umweltschutzorganisation 11 Substanzgruppen auf, die in Textilherstellungsländern wie China, Indonesien und Mexiko verwendet werden. Sie umfassen wiederum mehr als 400 schädliche Substanzen, welche die Umwelt und unsere Gesundheit gefährden. Die 11 Substanzgruppen sind:

Alkylphenole und ihre Etholyxate

  • Werden zum Färben und Waschen von Kleidung verwendet.
  • Spalten sich im Wasser ab und wirken wie Östrogene. Dadurch können sie die Entwicklung von Geschlechtsorganen von Fischen & Co. stören.

Azofarben

  • Werden am häufigsten in Bekleidungstextilien zum Färben eingesetzt.
  • Können durch Bakterien auf der Haut (etwa durch Schweiss) in sogenannte aromatische Amine gespalten werden. Diese können über die Haut in den Körper gelangen und gelten laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) als krebserregend und hautsensibilisierend.
  • Verwendung solcher aromatischen Amine in Azofarbstoffen ist in der Schweiz und EU kaum geregelt.

Bromierte und chlorierte Flammschutzmittel

  • Kommen zum Einsatz, um die Entflammbarkeit von Textilien zu verringern.
  • Reichern sich in der Umwelt an.
  • Können durch hormonelle Wirksamkeit die Entwicklung von Geschlechtsorganen negativ beeinflussen.

Chlorbenole

  • Kommen gegen Schädlinge wie Insekten, Pilze und Ratten zum Einsatz.
  • Werden in der Textilindustrie auch als Lösungsmittel verwendet.
  • Einige schädigen laut des Greenpeace-Berichts Leber, Schilddrüse und zentrales Nervensystem.

Chlorierte Lösungsmittel

  • Werden eingesetzt, um Chemikalienrückstände in Textilien zu entfernen.
  • Das chlorierte Lösungsmittel Trichlorethan schädigt die Ozonschicht und kann bei Menschen und Tieren das zentrale Nervensystem schädigen.

Chlorphenole

  • Kommen als Biozide zum Einsatz.
  • Pentachlorphenol ist für Wasserorganismen hochgiftig und kann bei Menschen Organe schädigen.

Kurzkettige Chlorparaffine

  • Werden als Flammenschutz sowie beim Veredeln von Leder und Textilien genutzt.
  • Reichern sich im menschlichen Körper an.
  • Sind giftig für Wasserorganismen wie Fische.

Per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC)

  • Stecken als Imprägniermittel in wasserabweisenden Kleidern und Schuhen, kommen vor allem bei Outdoorkleidung zum Einsatz.
  • Können hormonell wirksam sein und gelten als potenziell krebserregend.
  • Sind leicht flüchtig, weshalb sie die Luft beispielsweise in Outdoor-Läden mit Giftstoffen anreichern.

Phthalate

  • Sind Weichmacher und werden in der Textilindustire vor allem für Druckfarben eingesetzt.
  • Können insbesondere bei Säuglingen die Entwicklung der Geschlechtsorgane beeinträchtigen.
  • Können leicht entwichen und über die Luft oder Haut in den Körper gelangen.
  • Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) haben Tierversuche gezeigt, dass sie die Spermienzahl männlicher Tiere reduzieren und die Entwicklung von Nachkommen beeinflussen.

Schwermetalle

  • Beispielsweise Cadium, Kupfer und Blei kommen in Farbstoffen in der Textilindustrie vor.
  • Können sich im Körper anreichern, das Nervensystem sowie Organe schädigen.
  • Chrom wird vor allem zum Gerben von Leder verwendet.
  • Stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

Zinnorganische Verbindungen

  • Werden als Biozide und Antischimmelmittel beispielsweise in Schuhen, Socken und Sportbekleidung verwendet, um Geruchsbildung zu verhindern.

Schadstoffe in Kleidung: Welche Textilien oft betroffen sind

Beim Blick auf diese Schadstoffliste wird klar: Unser Kleidung kann sehr viele Chemikalien enthalten. Es gibt einige Kleidungsstücke, für die besonders viele Schadstoffe zum Einsatz kommen. Dazu zählen:

Jeans im Used-Look. Aufgerissene Jeans haben ihren Preis: Für den waisted Look wird der Stoff mit Quarzsand bestrahlt. Der dabei entstehende Quarzsand ist für die Arbeiterinnen und Arbeiter in hohem Masse gesundheitsschädlich. 2009 wurde diese Technik im Textilherstellungsland Türkei deshalb verboten. Die Alternative: Greife zu nachhaltigen Jeans.

Konventionelle Ledertextilien. Für die Herstellung von Lederschuhen und -handtaschen kommen noch immer häufig hochgiftige Chemikalien zum Einsatz. Am häufigsten werden sogenannte Chrom-lll-Salze zum Gerben verwendet, die vor allem für die Umwelt bedenklich sind. Die Alternative: Es gibt auch naturgegerbtes Leder. Hierbei kommen nur pflanzliche Stoffe zum Einsatz. Oder du schaust dich nach umweltfreundlichem veganen Leder um.

Knitterfreie Textilien. Bügelfrei tönt zwar attraktiv, ist es aber nicht. Denn Textilien, die mit dieser Eigenschaft beworben werden, wurden mit Formaldehyd bearbeitet. Formaldehydhaltige Kunstharze machen die Fasern stabiler, wodurch sie weniger knittern.

Konventionelle schwarze Textilien. Schwarze Kleidungsstücke sind mit Abstand am stärksten mit Schadstoffen belastet. Für eine ausreichende Farbintensität werden nämlich besonders viele Farbstoffe eingesetzt. Die Alternative: Greif zu nachhaltiger, fairer Mode. Oder noch besser: Zu ungefärbter oder natürlich gefärbter Kleidung (z.B. von hessnatur). Hierfür kommen keine Schadstoffe zum Einsatz.

Kann man Giftstoffe aus Kleidung waschen?

Wenn du zu Secondhand-Kleidung greifst, tust du deiner Gesundheit einen Gefallen. Denn beim Waschen wird die Schadstoffkonzentration in Textilien deutlich geringer. Für die Umwelt bedeutet das jedoch, dass gerade mit den ersten Waschgängen eines neuen Kleidungsstückes einige Chemikalien in die Umwelt gelangen.

Der Kauf von Seconhand-Mode ist für die Umwelt immer eine gute Wahl, da das Kleidungsstück schliesslich bereits im Kreislauf ist. Beim Neukauf ist es für die eigene Gesundheit, für jene der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie für die Umwelt wichtig, auf nachhaltige und fair produzierte, schadstoffreie Kleidung zurückzugreifen.

Frau holt Wäsche aus der Waschmaschine.
Beim Waschen entweichen einige Schadstoffe der Kleidung. © AndreyPopov / iStock / Getty Images Plus

Gerade Baumwolle aus konventionellem Anbau wird nämlich bereits beim Anbau stark mit Pestiziden behandelt. Nachhaltige Brands achten auf Bio-Baumwolle und färben mit unbedenklichen Farben oder sogar mit rein natürlichen Pflanzenfarben.

Siegel für schadstofffreie Kleidung

Schadstofffreie Kleidung kannst du zum Glück an einigen Siegeln erkennen. Das wohl bekannteste ist das GOTS-Siegel. Es bezeichnet den weltweit führenden Standard für Textilien aus biologischer Landwirtschaft.

Weitere Siegel, die schadstofffreie Kleidung zertifizieren, sind

  • Blauer Engel
  • Der grüne Knopf
  • Fairtrade Cotton
  • IVN Best
  • Made in Green by OEKO-TEX
Label für schadstofffreie Kleidung
Foto © Screenshot (GOTS, Der gründe Knopf, Blauer Engel, IVN Zertifiziert Best, OEKO-TEX, Fairtrade Cotton)

Schadstoffe in Kleidung vermeiden: Das kannst du tun

Neben den Siegeln, die schadstofffreie Textilien zertifizieren, kannst du beim Einkauf auf einige Dinge achten.

  • Kaufe keine Kleidung, die stark und unangenehm riecht.
  • Outdoor- und Sportkleidung, die mit Hinweisen wie «geruchsfrei» oder «antibakteriell» versehen sind, weisen auf feine Behandlung mit Chemikalien hin.
  • Bei Kinderregenjacken und Matschhosen kann es sinnvoll sein, Second Hand-Ware zu kaufen. Sie ist bereits gut «ausgelüftet». Neue Ware im Freien ausdünsten lassen!
  • Auch Hinweise wie «vor dem ersten Tragen waschen» können ein Hinweis auf die Verwendung von Schadstoffen sein.
  • Grundsätzlich ist es dennoch sinnvoll, Kleidung nach dem Neukauf zu waschen, bevor du sie erstmals trägst.
  • Hinweise wie «mit gleichen Farben waschen», «separat waschen» oder «Kleidung blutet aus» deuten auf stark eingefärbte Kleidung hin. Das bedeutet, dass auch die Schadstoffkonzentration ist und die Farbe auf der Haut allergische Reaktionen hervorrufen kann.
  • Die beste Wahl ist ungefärbte Kleidung. Diese gibt es unter anderem bei Hessnatur, Armedangels oder Bleed.
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