Mit diesen Apps und Tools findest du faire und nachhaltige Modelabels Michelle Kägi Wenn du Kleidung bewusster kaufen möchtest, helfen dir digitale Tools dabei, Marken, Siegel und Produktangaben schneller einzuordnen. Neben der App «Good On You» gibt es heute weitere praktische Hilfen, mit denen du Labels prüfen, Greenwashing besser erkennen und beim Einkauf fundierter entscheiden kannst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Foto © miniseries / E+ Mode verursacht entlang der Lieferketten hohe Umweltbelastungen und ist oft mit schwierigen Arbeitsbedingungen verbunden. Gleichzeitig ist es für Konsument:innen im Alltag nicht leicht zu erkennen, welche Marke tatsächlich transparenter arbeitet und welche Aussagen vor allem gut klingen. Genau hier setzen Apps, Siegel-Datenbanken und Transparenzplattformen an: Sie bündeln öffentlich verfügbare Informationen, machen Unterschiede sichtbar und helfen dir, schneller zu einer besseren Vorauswahl zu kommen. Besonders praktisch ist das, wenn du wenig Zeit hast, für Kinder und Familie einkaufst oder spontan online eine Marke prüfen willst. Digitale Hilfen ersetzen zwar keine vollständige Kontrolle jeder Produktionsstufe, sie können aber sehr gut dabei unterstützen, problematische Anbieter auszusortieren und glaubwürdigere Alternativen zu finden. Welche Apps und Tools bei Fair Fashion wirklich helfen Am nützlichsten ist eine Kombination aus verschiedenen Werkzeugen. Rating-Apps bewerten ganze Marken. Siegel-Datenbanken erklären, was einzelne Standards wirklich abdecken. Transparenzquellen zeigen, ob ein Unternehmen Informationen zu Lieferketten, Produktionsorten oder Materialien offenlegt. Und bei einzelnen Produkten können QR-Codes oder Produkt-IDs helfen, konkrete Angaben nachzuvollziehen. Für dich heisst das: Verlass dich am besten nicht nur auf ein hübsches Etikett oder einen Werbesatz wie «conscious», «responsible» oder «nachhaltig». Prüfe stattdessen Schritt für Schritt Marke, Siegel und Produkt. Brand-Ratings und Marktübersichten Good On You Die App «Good on you» bleibt eines der bekanntesten Tools für Fair Fashion. Du kannst direkt nach einem Label suchen oder dich nach Kategorien wie Jeans, Schuhe oder Taschen orientieren. Die App ordnet Marken nach ihrer Gesamtleistung und bewertet vor allem soziale Kriterien, Umweltaspekte und den Umgang mit tierischen Materialien. Hilfreich ist das vor allem für den schnellen Einstieg: Wenn du eine Marke noch gar nicht kennst, bekommst du in kurzer Zeit eine erste Orientierung. Positiv ist auch, dass du neue Labels vorschlagen kannst, falls deine Wunschmarke noch fehlt. Wichtig ist aber: Eine Markenbewertung sagt nicht automatisch, dass jedes einzelne Produkt gleich gut ist. Innerhalb eines Labels kann es grosse Unterschiede geben, etwa bei Materialien, Herkunft oder Zertifizierungen einzelner Linien. Fashion Revolution und öffentliche Markeninformationen Wenn du tiefer einsteigen möchtest, sind öffentliche Transparenzdaten spannend. Sie zeigen nicht direkt, ob ein Unternehmen in allen Bereichen fair handelt, aber sie machen sichtbar, wie offen eine Marke über ihre Lieferkette, ihre Verantwortung und ihre Ziele kommuniziert. Transparenz ist kein Beweis für Fairness, aber fehlende Transparenz ist oft ein Warnsignal. Für dich kann das ein guter zweiter Schritt sein, wenn du nach einer App-Prüfung noch unsicher bist. Siegel-Datenbanken und Produktprüfung Siegelklarheit und Co. Gerade bei Kinderkleidung, Basics, Unterwäsche oder Heimtextilien lohnt sich der Blick auf anerkannte Siegel. Datenbanken wie Siegelklarheit helfen dir dabei, einzelne Labels besser zu verstehen. Das ist wichtig, weil nicht jedes Siegel dasselbe prüft: Manche fokussieren vor allem Schadstoffe, andere Umweltkriterien, wieder andere soziale Standards entlang der Lieferkette. Für eine gute Kaufentscheidung hilft dir deshalb eine einfache Frage: Was genau willst du absichern? Geht es dir um möglichst schadstoffarme Textilien, um strengere Umweltvorgaben, um soziale Mindeststandards oder um eine Kombination davon? Erst wenn du das weisst, kannst du ein Siegel passend einordnen. QR-Codes, Produkt-ID und MADE IN GREEN Besonders praktisch sind digitale Produktnachweise direkt am Artikel. Beim Label MADE IN GREEN by OEKO-TEX kannst du den QR-Code oder die Produkt-ID nutzen, um zu einem konkreten Textil zusätzliche Informationen abzurufen. Das ist ein Vorteil gegenüber allgemeinen Markenversprechen, weil du nicht nur die Firma als Ganzes betrachtest, sondern einen bestimmten Artikel. So kannst du im Laden oder online schneller prüfen, ob nachvollziehbare Angaben zum Produkt hinterlegt sind. Auch unabhängig von einzelnen Systemen gilt: Wenn ein Produktcode, eine Rückverfolgbarkeit oder konkrete Produktionsangaben leicht zugänglich sind, ist das oft aussagekräftiger als reine Werbesprache. Je konkreter die Information, desto besser kannst du sie einordnen. So nutzt du digitale Hilfen sinnvoll Am zuverlässigsten ist eine kurze Prüfung in drei Schritten. Erstens: Schau dir die Marke in einer Rating-App an. Zweitens: Prüfe, ob die verwendeten Siegel verständlich erklärt und tatsächlich relevant sind. Drittens: Suche beim konkreten Produkt nach Materialangaben, Herkunft, Pflegehinweisen und digitalen Zusatzinfos wie QR-Code oder Produkt-ID. Diese Fragen hefen Dir: Gibt es für die Marke überhaupt nachvollziehbare Informationen? Werden konkrete Siegel genannt oder nur vage Begriffe? Ist beim Produkt ersichtlich, woraus es besteht und wo es hergestellt wurde? Gibt es Hinweise auf Reparatur, Langlebigkeit oder Rücknahme? Wirkt die Kommunikation transparent oder ausweichend? Für Familien ist ausserdem wichtig: Nachhaltiger einkaufen muss nicht heissen, perfekt einzukaufen. Besonders bei Kinderkleidung sind Haltbarkeit, Weitergeben, Secondhand und gute Waschbarkeit oft genauso entscheidend wie das Label selbst. Ein robustes Stück, das lange getragen, geflickt und weitergegeben wird, ist im Alltag oft die bessere Wahl als ein kurzlebiges Trendteil mit grünem Marketing. Was eine App weiss – und was sie nicht weiss Digitale Tools sind eine wertvolle Hilfe, aber sie haben Grenzen. Viele Bewertungen beruhen auf öffentlich zugänglichen Informationen. Das bedeutet: Eine Marke, die wenig offenlegt, kann schlechter abschneiden, auch wenn einzelne Prozesse besser sind als sichtbar. Umgekehrt ist eine gute Kommunikation noch kein Beweis dafür, dass alle Probleme gelöst sind. Hinzu kommt, dass Apps und Datenbanken unterschiedlich bewerten. Manche gewichten Umweltfragen stärker, andere Arbeitsbedingungen oder Tierschutz. Deshalb können Resultate je nach Tool etwas anders ausfallen. Das ist kein Fehler, sondern zeigt, dass Nachhaltigkeit in der Mode mehrere Dimensionen hat. Auch Begriffe wie «fair», «nachhaltig» oder «verantwortungsvoll» sind nicht geschützt genug, um allein schon vertrauenswürdig zu sein. Gerade Greenwashing funktioniert oft über diffuse Begriffe, emotionale Bilder und einzelne positive Teilaspekte. Ein digitales Tool hilft dir, solche Versprechen nüchterner zu prüfen. Warum öffentliche Transparenzdaten wertvoll sind Öffentliche Daten sind für Konsument:innen besonders nützlich, weil sie Vergleichbarkeit schaffen. Wenn Marken offenlegen, wo produziert wird, welche Standards gelten und wie sie Risiken angehen, wird es leichter, Aussagen nachzuvollziehen. Für dich bedeutet das: Du musst nicht jede Lieferkette selbst recherchieren, sondern kannst besser erkennen, ob ein Unternehmen überhaupt bereit ist, Einblick zu geben. Besonders relevant ist das beim Thema existenzsichernde Löhne. Viele Unternehmen sprechen über faire Bezahlung, doch entscheidend ist, ob sie dazu nachvollziehbare Informationen veröffentlichen und ob ihre Massnahmen über blosse Absichtserklärungen hinausgehen. Gerade hier lohnt sich ein kritischer Blick, weil soziale Verantwortung in der Kommunikation oft einfacher dargestellt wird, als sie in der Realität umsetzbar ist. Die besten Tools im Überblick Good On You, Siegelklarheit und Co. Diese digitalen Hilfen sind besonders alltagstauglich: Good On You: sinnvoll für den schnellen Markencheck und als erste Orientierung vor einem Kauf. Siegelklarheit: hilfreich, wenn du verstehen willst, was ein Textilsiegel tatsächlich abdeckt. OEKO-TEX MADE IN GREEN: praktisch für die Prüfung einzelner Produkte per QR-Code oder Produkt-ID. Fashion Revolution Schweiz: nützlich, wenn du nach Transparenzinformationen und öffentlicher Vergleichbarkeit suchst. Am stärksten werden diese Tools, wenn du sie kombinierst. So bekommst du nicht nur eine Note für eine Marke, sondern auch Kontext zu Siegeln und konkreten Produktangaben. So prüfst du ein Label in wenigen Minuten Wenn du beim Online-Shopping oder im Laden rasch entscheiden musst, hilft dir diese kurze Reihenfolge: 1. Marke in einer Rating-App suchen. 2. Auf der Produktseite nach klaren Materialangaben schauen. 3. Genannte Siegel in einer Siegel-Datenbank prüfen. 4. Falls vorhanden QR-Code oder Produkt-ID scannen. 5. Misstrauisch werden, wenn nur vage Schlagwörter statt überprüfbarer Angaben auftauchen. Ein guter Merksatz ist: konkret schlägt allgemein. Konkrete Angaben zu Material, Herkunft, Zertifizierung und Rückverfolgbarkeit sind für deine Entscheidung wertvoller als grosse Nachhaltigkeitsversprechen ohne Nachweis. FAQ zu Apps und Tools für Fair Fashion Reicht eine App für die Kaufentscheidung? Nein. Eine App ist ein guter Start, aber keine vollständige Prüfung. Besonders sinnvoll ist die Kombination aus Markenrating, Siegel-Check und Blick auf das einzelne Produkt. Was ist wichtiger: gutes Siegel oder gute Markenbewertung? Beides hilft, beantwortet aber nicht dieselbe Frage. Die Markenbewertung zeigt dir eher das grosse Bild. Das Siegel sagt dir mehr über konkrete Anforderungen an ein Produkt oder an bestimmte Produktionsschritte. Kann ich Greenwashing mit Apps sicher erkennen? Nicht immer sicher, aber deutlich besser. Wenn Marken sehr viel werben und sehr wenig belegen, ist Vorsicht angebracht. Digitale Tools helfen dir, Behauptungen schneller auf ihren Informationsgehalt zu prüfen. Was tun, wenn meine Lieblingsmarke nicht gelistet ist? Dann kannst du bei «Good on you» eine Marke vorschlagen und parallel selbst auf der Website des Labels nach Lieferkette, Siegeln, Materialien und konkreten sozialen Angaben suchen. Wenn fast nichts auffindbar ist, ist das bereits eine wichtige Information. Fazit: Digitale Hilfe ja – blind vertrauen nein Apps und Tools machen nachhaltigere Kaufentscheidungen deutlich leichter. Sie helfen dir, Marken einzuordnen, Siegel zu verstehen und Produkte schneller zu prüfen. Gerade im hektischen Alltag ist das ein echter Vorteil. Am meisten bringen sie, wenn du sie als Orientierungshilfe nutzt und nicht als endgültiges Urteil. Wer Marke, Siegel und Produkt zusammendenkt, erkennt schneller, was Substanz hat – und was eher nach Greenwashing aussieht. App downloaden Android und iOS. Mehr nachhaltige Mode Faire und nachhaltige Jeans: Worauf du achten solltest und 6 Labels für bessere Denim-Entscheidungen Wo du in der Schweiz Fair Fashion einkaufst Bei diesen 7 Labels findest du nachhaltige Sportoutfits Bei diesen 10 Labels findest du nachhaltigen Schmuck Bei diesen 9 Labels findest du nachhaltige Schuhe Bei diesen 10 Labels findest du nachhaltigen Schmuck Wo du in der Schweiz Fair Fashion einkaufst