Nachhaltige Jeans: Warum sie besser sind und 6 Labels für «Green Denim»

Ob als Hemd, Jacke, Overall oder Hose – Jeans ist aus unseren Kleiderschränken nicht mehr wegzudenken. Doch der Jeans-Stoff hat eine Kehrseite. Für die Produktion werden Unmengen an Chemikalien und Wasser verwendet. Was du beim Kauf neuer Denim-Teile bedenken solltest und 6 Labels für nachhaltige Jeans.

Nachhaltigleben
Mit nachhaltigen Jeans kannst du den immensen Wasserverauch eindämmen und tust der Umwelt etwas Gutes. Foto © cottonbro / Pexels
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Wie umweltschädlich sind Jeans? | Warum ist eine billige Jeans nicht nachhaltig? | Was ist eine nachhaltige Jeans? | Nachhaltige Jeans-Labels | Tipps zur Pflege

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Jeans gilt als die Umweltsünderin in der Modebranche.
  • Der Wasserverbrauch und die Verwendung von Chemikalien bei der Jeans-Produktion sind hauptverantwortlich dafür, dass herkömmliche Jeans in Verruf geraten sind.
  • Für 1 Kg Baumwollstoff werden ca. 11'000 Liter Wasser verbraucht.
  • Nachhaltige Labels setzen sich für natürliche Ressourcen, kurze Transportwege und Recycling von Jeans-Stoffen ein.

Einen Kleiderschrank ohne Jeans können sich die meisten von uns gar nicht vorstellen. Dabei ist die Geschichte des Alltagsbegleiters noch gar nicht so alt. 1853 durch Levi Strauss in San Francisco erfunden, wurde die Jeans zu Beginn vor allem von Goldgräbern und Bauarbeitern getragen. Die erste Frauenjeans wurde erst 100 Jahre später in den USA verkauft und 5 Jahre später in Europa. 

Schon gewusst? Der Begriff «Denim» geht auf ein spezielles Gewebe aus der französischen Stadt Nîmes zurück. Das Gewebe zeichnet sich durch eine hohe Robustheit aus. Aus «De Nîmes» wurde dann Denim.

Seit der Geburt der Jeans hat sich sehr viel verändert. Durch die grosse Nachfrage seit den 1950ern, Fast-Fashion und die zunehmende Verwendung von Pestiziden und Chemikalien ist die kultige Jeans in Verruf geraten. Zum Glück wächst mit dem zunehmenden Interesse an Fair Fashion auch das Angebot an umweltverträglicheren, nachhaltigen Jeans.

Wie umweltschädlich sind Jeans?

Um aufzuzeigen, wie umweltschädlich Jeans wirklich sind, muss man den gesamten Herstellungsprozess von der Baumwollpflanze bis zur fertigen Jeans im Laden betrachten. Und dabei stechen so einige Punkte negativ ins Auge:

  • Hoher Wasserverbrauch

Der Anbau von Baumwolle ist mit einem immensen Wasserverbrauch verbunden, da die Pflanzen oft in Regionen angebaut werden, wo Wasser ein knappes Gut ist oder Niederschlag aufgrund des Klimawandels immer rarer wird. Laut einem Bericht des WWF werden pro Kilo Baumwollstoff durchschnittlich 11'000 Liter Wasser verbraucht. Diese Zahl bezieht sich auf den gesamten Produktionsprozess, ist aber dennoch erschreckend.

Nahaufnahme einer Baumwollplantage.
Baumwolle verbraucht schon beim Anbau sehr viel Wasser. Foto © Esin Deniz / iStock / Getty Images Plus

Beim Anbau wird bewässert was das Zeug hält, wobei ein Grossteil des Wassers gar nicht von der Baumwollpflanze aufgenommen wird. Angebaut wird meist in China, den USA, Indien, Pakistan und Usbekistan. Diese Länder alleine produzieren 70 Prozent des weltweiten Baumwollaufkommens. Ein weiterer Negativ-Punkt von herkömmlichen Jeans ist der grosse Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln. So sollen die Baumwollpflanzen noch mehr Ertrag abwerfen und Ernteausfälle vermieden werden. 

  • Einsatz von Chemikalien

Bei der Herstellung des Jeans-Stoffs wird der Giftstoff-Cocktail dann fertiggestellt. Denn beim Veredeln der Jeans kommen erneut Chemikalien zum Einsatz. Um den Stoff zu färben oder ihm beispielsweise den coolen Used-Look zu verpassen, landen so einige Giftstoffe in den Hosen. Nach dem Prozess werden diese Chemikalien ungefiltert in die Umwelt abgeleitet und landen im Grundwasser.

Deshalb findet die Produktion vieler Jeans auch nicht innerhalb Europas statt, sondern in Ländern, wo die Gesetze für den Naturschutz weniger streng sind. Laut UNO-Statistik produziert China am meisten Jeans, vor Pakistan, der Türkei, Indien, den USA, Italien oder Mexiko.

  • Ausbeutung von Arbeiter*innen

Zu Guter Letzt werden die Hosen, Jacken und Hemden aus Jeans dann in Ländern gefertigt, in denen Näherinnen und Näher unter menschenunwürdigen Bedingungen und zu niedrigsten Löhnen schuften.

  • Lange Transportwege

Da die einzelnen Herstellungs- und Produktionsorte sehr weit auseinanderliegen, kommt es zusätzlich zum Chemikalien-Cocktail, dem massiven Wasserverbrauch auch zu einem erheblichen CO2-Ausstoss. Vom Baumwollfeld bis in den Laden legt die Jeans einen beträchtlichen Weg zurück. Eine Jeans reist mehr als einmal komplett um den Globus.

Warum ist eine billige Jeans nicht nachhaltig?

Geht es nach dem Erfinder der Jeans und Gründer von Levi’s sollen Jeans vor allem robust und langlebig sein. Dass dem nicht mehr so ist, liegt nicht zuletzt am Fast-Fashion-Trend.

Heute kaufen wir 400 Prozent mehr Kleidung als noch vor 20 Jahren. Laut Greenpeace werden allein in Xingtang – der Hautstadt der Blue Jeans – jährlich 260 Millionen Paar neue Jeans hergestellt und weltweit gehen 60 Paar neue Jeans pro Sekunde über den Ladentisch. Diese Steigerung im Kaufverhalten fordert eine schnelle und günstige Produktion in grossen Mengen, worunter vor allem unsere Umwelt leidet. Nicht umsonst wird die Jeans als eines der umweltschädlichsten Produkte der Modebranche bezeichnet. 

Was ist eine nachhaltige Jeans?

Verschiedene Labels versprechen, nachhaltige Jeans aus ökologischen Ressourcen herzustellen. Doch was heisst das? 

Einerseits wird beim Anbau der Baumwolle auf einen grossen Teil der verwendeten Pestizide und Chemikalien verzichtet. So kann eine Verschmutzung von Gewässern, Boden und Umwelt verhindert werden. Zudem werden gefährliche Chemikalien für die Färbung und Veredlung der Stoffe gespart – zum Beispiel durch umweltfreundliches Färben, durch natürliche Methoden zur Farberhaltung oder durch Veredelung mit schonender Lasertechnik.

Fair ist die Jeans zudem, wenn die Hersteller auf gerechte Löhne und vernünftige Arbeitszeiten achten. Die sonst häufig vorkommende Kinderarbeit dulden faire Produktionen nicht.

Frau schaut lächelnd auf ihr Handy.
Mit der App «Good on You» checkst du schnell, ob eine Brand nachhaltig ist. Foto © miniseries / E+

Bei der Produktion werden ausserdem oft energie- und wasserschonende Methoden angewandt. Viele Labels nutzen für die Herstellung von Jeans zudem Bio-Baumwolle oder recycelte Baumwolle. Sie lassen ihre Ware zertifizieren und können so nachhaltig produzierte Kleidung garantieren. Begegnest du im Laden einer unbekannten Marke, kannst du mit der «Good on you»-App herausfinden, wie das Label zu Nachhaltigkeit und Fairness steht. 

Welche Jeans-Labels sind nachhaltig?

Grundsätzlich gilt: Je länger eine Jeans getragen wird, desto nachhaltiger ist sie. Da die meisten Fast-Fashion-Jeans nicht für ein langes Leben gedacht ist, lohnt es sich, beim Kauf ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen. Auch ratsam ist es, Jeans wenn immer möglich selber zu flicken. Auch so können wir für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Aber auch in Second-Hand-Läden gibt es oft ein breites Angebot an Jeans. Wer dort nicht fündig wird, hat heute die Möglichkeit, die Jeans bei Labels zu kaufen, die auf Nachhaltigkeit und Fairness setzen.

1 Nudie Jeans

Bereits seit 2012 setzt das schwedische Label «Nudie Jeans» auf 100 Prozent Bio-Baumwolle. Die Patches auf der Rückseite der Jeans sind ausserdem nicht aus Leder, sondern aus einer veganen Alternative.

2 Armedangels

«Armedangels» ist eine deutsche Marke, die sich auf Fair-Fashion spezialisiert hat. Aber auch Nachhaltigkeit ist für das Kölner Unternehmen von zentraler Bedeutung. Seit 2021 produziert «Armedangels» zudem Circular-Denim. Alte Denim-Stoffe werden dazu recycelt und zu neuen Jeans verarbeitet.

3 Kings of Indigo

Das deutsche Label «Kings of Indigo» hat gleich mehrere Punkte für mehr Nachhaltigkeit in seiner Agenda stehen: Den Wasserverbrauch reduzieren, Kleidung reparieren, recyceln und wiederverwenden, kurze Transportwege und keine Flugzeugfracht sowie umweltfreundliche Materialien. Zudem können die einzelnen Herstellungsschritte inklusive Ort genau nachverfolgt werden. Die Produkte sind alle vegan.

4 Maska

Die schwedische Marke «Maska» hat es sich zum Ziel gesetzt, langlebige Produkte herzustellen. 95 Prozent der Stoffe werden in Europa hergestellt, GOTS-zertifiziert sind aber alle. Die Jeans werden zudem aus Bio-Baumwolle oder Hanffasern hergestellt.

5 Kuyichi

Kuyichi verwendet nur natürliche oder recycelte Materialien. Zudem gibt das Unternehmen auf ihrer Webseite an, wo die einzelnen Herstellungsschritte durchgeführt werden und sorgt so für mehr Transparenz.

6 Closed

Closed produziert 85 Prozent der Ware in Europa. Auf der Seite können die einzelnen Herstellungswerkstätten angeschaut werden. Die Materialien werden gemäss eigenen Angaben möglichst nachhaltig produziert. Bereits seit 1978 setzt das Label auf Fair-Fashion.

Tipps zur Pflege

Grundsätzlich sollten Jeans so wenig wie möglich gewaschen werden, da das Gewebe mit jedem Waschgang dünner wird. Lüfte deine Jeans einfach über Nacht draussen aus. So können Gerüche aus der Faser verschwinden. Sollte eine Jeans dennoch eine Wäsche nötig haben, solltest du folgende Punkte dabei beachten:

  • Auf Links drehen
  • Bei höchstens 30 Grad waschen
  • Waschgang auf 1000 Umdrehungen reduzieren
  • Keinen Weichspüler verwenden
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