Mit Stoffbinden nachhaltig durch die Tage

Stoffbinden und Stoffslipeinlagen sind zurück: Die alternative Monatshygiene spart Verpackungsmüll und Kosten! Darum sind waschbare Binden die perfekte Alternative für Wegwerfbinden und Co.

Stoffbinden: Tipps, Tricks und Facts zu waschbaren Binden
Stoffbinden sind waschbar und können viele Male wiederverwendet werden. Foto © SACheckley / iStock / Getty Images Plus
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Stoffbinden sind eine nachhaltige Alternative für Wegwerfbinden, Slipeinlagen und Tampons. Und mit dem zunehmenden Bewusstsein für den Zero Waste Lifestyle greifen wieder mehr Frauen zu Stoffbinden und Stoffslipeinlagen. Eigentlich sind sie die älteste Version der Binde: Vor dem 20. Jahrhundert nutzten Frauen für die Monatshygiene ausschliesslich Stoffbinden.

Die nachhaltige Monatshygiene hat gleich mehrere Vorteile: Die Alternative aus Baumwolle beziehungsweise Bio-Baumwolle spart Ressourcen, ist wiederverwendbar und besteht aus hautfreundlichem Material. Neben den Vor- und Nachteilen gehen wir der Frage nach, wie dicht die Zero Waste Binde aus Baumwolle wirklich ist, wie Sie sie unterwegs nutzen und was Sie beim Waschen beachten müssen.

Ausserdem in diesem Artikel:

Welche Vorteile haben Stoffbinden?

  • Stoffbinden sind viele Male wiederverwendbar. Sie können Sie bis zu 200 mal waschen und sie daher mehrere Jahre nutzen.
  • Stoffbinden sind aus weicher, atmungsaktiver Baumwolle. Mit der alternativen Monatshygiene verzichten Sie auf synthetische Fasern und chemisch gebleichtes Material auf der empfindlichen Haut im Intimbereich.
  • Waschbare Baumwollbinden sind eine einmalige Investition. Zwar sind die Anschaffungskosten recht hoch, doch danach fallen viele Jahre lang keine Kosten mehr für die Monatshygiene an.
  • Aufgrund des atmungsaktiven Stoffes bilden sich keine unangenehmen Gerüche. Bakterien und lästige Pilzinfektionen entstehen dadurch deutlich seltener als bei konventionellen Wegwerfbinden. 
  • Stoffbinden aus Baumwolle sind saugstärker als Einweg-Binden. Durch eine hauchdünne PUL-Schicht laufen die Binden auch bei starker Blutung nicht aus.
  • Die natürliche Scheidenflora bliebt dank der Naturfasern erhalten. Tampons nehmen das Blut so stark auf, dass die Scheide austrocknet, was oft mit einem Juckreiz einhergeht.

Wussten Sie, dass eine Frau in ihrem Leben für die Menstruation zwischen 12.000 und 16.000 Einwegbinden, Slipeinlagen und Tampons verbraucht? Sie bestehen zu grossen Teilen aus Plastik und brauchen etwa 500 Jahre, um zu verrotten.

Tipp: Stoffbinden und Slipeinlagen aus Stoff eignen sich als zusätzlicher Schutz zur Menstruationstasse oder zum Menstruationsschwamm.

Mögliche Nachteile der Stoffbinden

Waschbare Binden und Stoffslipeinlagen sind für viele Frauen eine Gewöhnungssache. Die Zero-Waste-Alternative zu konventionellen Hygieneartikeln ist in manchen Punkten etwas schwieriger zu handhaben:

  • Mit Stoffbinden ist ein gewisser Aufwand verbunden: Sie müssen die Binden nach jedem Tragen mit kaltem Wasser ausspülen und in der Waschmaschine waschen.
  • Unterwegs müssen Sie an ein wasserdichtes Säckli denken, in der Sie die genutzten Stoffbinden sammeln.
  • Mit einer Baumwollbinde haben Sie mehr Stoff im Slip. An heissen Tagen kann das eine schnellere Schweissbildung bedingen.

Wir finden: Ein Stoffbeutel in der Tasche ist reine Gewöhnungssache und was das Schwitzen an heissen Tagen angeht, so ist das auch oder sogar noch eher bei Einwegbinden der Fall. Alles in Allem überwiegen die Vorteile der wiederverwendbaren Einlagen deutlich. Eine perfekte Alternative also zu herkömmlichen Binden. 

Halten Stoffbinden dicht?

Die kurze Antwort lautet: Ja. Genau wie bei Einwegbinden müssen die Stoffbinden aber richtig sitzen. Ansonsten kann schon mal ein Tropfen daneben gehen. Anders als herkömmliche Damenbinden kommen Stoffbinden ohne Klebestreifen aus. Die Flügelchen werden unten mit Drückknöpfen befestigt. Dadurch kann die Baumwollbinde im Slip nicht verrutschen.

Stoffbinden mit herausnehmbarer Einlage.

Es gibt auch Stoffbinden mit herausnehmbarer Einlage. Foto © Premyuda Yospim / iStock / Getty Images Plus

Die eingenähte PUL-Schicht verhindert das Auslaufen von Menstruationsblut. Es gibt auch Stoffbinden aus reiner Baumwolle. Diese sind atmungsaktiver, müssen aber häufiger gewechselt werden. Stoffbinden mit Flügeln sind besonders auslaufsicher und sorgen für den perfekten Schutz.

Auch Frauen mit leichter Inkontinenz sollten auf Stoffbinden mit dünner Polyesterschicht zurückgreifen. Diese halten deutlich länger dicht.

Stoffbinden müssen genauso oft gewechselt werden wie herkömmliche Einlagen. Die Häufigkeit hängt natürlich mit der Stärke der Blutung zusammen. Bei starken Tagen müssen Sie die waschbaren Damenbinden entsprechend öfter wechseln oder zusätzlich eine Menstruationstasse verwenden. Auch Bio-Tampons sind eine nachhaltige Alternative, da sie nicht chemisch gebleicht werden und aus zertifizierter Bio-Baumwolle bestehen. Wenn Sie fürchten, dass die Binden verrutschen können, ist Periodenunterwäsche eine gute Alternative. 

Wiederverwendbare Stoffbinden richtig waschen

Stoffbinden müssen nach jeder Verwendung gewaschen werden. Besonders effizient ist es, wenn Sie alle Stoffbinden nach der Periode in einer Wäsche waschen. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Bereits bei 60 Grad werden alle Bakterien abgetötet. Eine Kochwäsche ist dafür nicht nötig.

Tipp: Spülen Sie die Baumwollbinde direkt nach dem Herausnehmen mit kaltem Wasser aus. Das beugt Flecken vor und Sie können die Stoffbinden sammeln, ohne dass sich unangenehme Gerüche bilden. Es gibt auch Binden in Schwarz und in Farbe, auf denen man sicher keine Flecken sieht. Auf weissem Stoff sind nach einigen Verwendungen leichte Verfärbungen möglich.

Die waschbaren Einlagen können Sie einfach zu Ihrer anderen Wäsche hinzugeben. Ein Bio-Waschmittel schont das Material, sodass die Stoffbinden und Slipeinlagen länger halten.

Von Weichspüler raten wir ab, da er die Saugfähigkeit vermindern kann.

Unterwegs mit waschbaren Stoffbinden

Für ein angenehmes Gefühl unterwegs sollten Sie immer genug Ersatzbinden bei sich haben. «Ist das nicht total unpraktisch und unhygienisch?» Diese Frage stellen viele bei dem Gedanken daran, Stoffbinden auf öffentlichen Toiletten oder im Büro zu wechseln.

Die gebrauchte Stoffbinde einfach zusammenfalten.

Nach dem Gebrauch wird die Stoffbinde zusammengefaltet im dichten Säckli aufbewahrt. Foto © Bogdan Kurylo / iStock / Getty Images Plus

Wenn Sie vorbereitet sind, ist die Verwendung der waschbaren Slipeinlagen oder Binden nicht unpraktischer als die von konventionellen Damenbinden. Ein sogenannter Wet Bag, also ein wasserdichtes Säckli, dient als Aufbewahrung für gebrauchte Binden. Falten Sie die gebrauchte Stoffbinde einfach innen mittig zusammen und schliessen die Druckknöpfe an den Flügeln. Am besten haben Sie immer mehrere gewaschene Binden bei sich, damit Sie auch für starke Blutungen gewappnet sind.

Ein Vorrat ist hilfreich: So viele Stoffbinden brauchen Sie

Bei der Anschaffung waschbarer Binden und Slipeinlagen stellt sich die Frage, wie viele Sie brauchen. Auch hier gilt: Das kommt auf Ihren individuellen Bedarf und die Stärke Ihrer Blutungen an.

Generell raten wir Ihnen, einen ausreichenden Vorrat anzuschaffen. So können Sie während der Regel die benutzten Binden in einem Wäschesack sammeln und danach mit einer Wäsche waschen. Ausserdem gehen Sie so auf Nummer sicher und können immer zwei Binden in der Handtasche bei sich tragen.

Wenn Ihre Regel durchschnittlich 5 Tage dauert, sind etwa 15 bis 20 Binden eine gute Menge. Tasten Sie sich langsam an den Gebrauch der Stoffbinden heran – so finden Sie schnell heraus, wie viele Sie wirklich benötigen.

Der Kostenfaktor

Wenn Sie sich für die Anschaffung von Stoffbinden entscheiden, fallen einmalig hohe Kosten an. Wir haben diese einmal überschlagen, damit Sie die finanzielle Rentabilität leichter nachvollziehen können:

Stoffbinden erhalten Sie meist im Zweier- oder Dreierpack. Drei Stück kosten durchschnittlich 25 Franken. Slipeinlagen aus Stoff liegen etwa bei 20 Franken je Packung.

Wenn Sie 15 waschbare Baumwollbinden kaufen, liegt der Preis bei 100 Franken. Kaufen Sie zusätzlich zwölf Slipeinlagen aus Stoff und drei grosse Stoffbinden, liegt der Preis etwa bei 180 Franken.

Für Wegwerfbinden liegt der Preis für 15 Stück durchschnittlich bei 4 Franken. Wer eine starke Blutung hat und je Periode zwei Packungen benötigt, gibt jährlich rund 96 Franken aus. Hinzu kommen Ausgaben für Einmalslipeinlagen und Tampons. Die Stoffbinden rentieren sich also bereits nach höchstens zwei Jahren. Bei richtiger Pflege können Sie die Stoffbinden deutlich über diesen Zeitraum hinaus nutzen.

Wenn Sie die hohen Anschaffungskosten scheuen, können Sie nach und nach auf Stoffbinden umsteigen. Auf diese Weise fällt auch der Umstieg besonders leicht und Sie bekommen ein Gefühl dafür, wie viele Stoffbinden Sie brauchen. 

Wo Sie Stoffbinden kaufen können

Baumwollbinden erhalten Sie sowohl im Online-Shop als auch in ausgewählten Geschäften und in Unverpackt-Läden. Bekannte Shops und Marken sind Kulmine und Petit Lulu.

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