Von Plastik bis Glas: Die umweltfreundlichste Verpackung

Plastik, Papier, Alu oder Glas – welche Verpackung ist am umweltfreundlichsten? Worauf Sie beim Einkaufen achten können und warum unverpackt nicht immer die nachhaltigste Lösung ist.

Nachhaltigleben
Von Alu bis Papier: Welche Verpackung ist am umweltfreundlichsten? Foto © photka / iStock / Getty Images Plus
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Plastikverpackungen sind in den letzten Jahren zum Sinnbild der Umweltverschmutzung geworden. Deshalb greifen Konsumenten vermehrt zu Verpackungen aus Glas und Papier – aber ist das wirklich umweltschonender?

Um die grössten Mythen rund um verschiedene Verpackungen aufzudecken und für mehr Klarheit im Verpackungsdschungel haben wir mit Roland Hischier gesprochen, Ökobilanz-Experte von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa).

Verpackungen – zwei Seiten einer Medaille

Verpackungen erinnern einen immer daran, dass der eigene Konsum Spuren hinterlässt. Denn die Verpackung bleibt übrig, wenn der frische Salat längst zubereitet oder der Apfelsaft getrunken ist.

Doch natürlich erfüllt eine Verpackung bei vielen Lebensmitteln durchaus einen Zweck oder ist unverzichtbar – wie etwa beim Apfelsaft. Roland Hischier betont: «Grundsätzlich muss eine Verpackung das Produkt sinnvoll schützen.» So dient die Plastikfolie bei Tomaten oder Salatgurken etwa dazu, dass das Gemüse länger haltbar bleibt und damit weniger Food Waste entsteht: «Wenn ein Supermarkt mehr Salatgurken wegwerfen muss, weil sie unverpackt sind, dann ist das aus ökologischer Sicht schlechter, als wenn die Gurken eine Plastikfolie hätten.» 

Die Ökobilanz von Verpackungen

Ein Blick auf die Ökobilanz einer Verpackung verrät, wie umweltbelastend sie ist. «Die Ökobilanz bezieht sich auf den gesamten Lebensweg der Verpackung», erklärt Hischier. In die Ökobilanz fliesst demnach alles mit ein, was auf dem Weg von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung einer Verpackung geschieht.

Aber auch das Gewicht eines Verpackungsmaterials spielt eine entscheidende Rolle. Je leichter das Material ist, umso grössere Mengen können gleichzeitig transportiert werden, was sich wiederum positiv auf den CO2-Ausstoss auswirkt. Hier ist man mit Plastik klar im Vorteil.

Was für die Ökobilanz berücksichtigt wird

  • Der Rohstoffbedarf
  • der Energieaufwand entlang aller Lebensphasen (Rohstoffbereitstellung, Herstelung, Transport und Entsorgung)
  • sowie die Emissionen und Abfälle in allen Lebensphasen.

Die richtige Verpackung wählen

Eine Wahl, die man im Supermarkt oft hat, ist die zwischen Glas, Weissblech und Plastik – etwa bei passierten Tomaten oder eingelegtem Gemüse. Am Beispiel einer 150-Gramm-Packung Oliven hat Hischier untersucht, welche Verpackung am umweltfreundlichsten ist.

Im Vergleich standen

  • eine Glasverpackung (188 Gramm),
  • eine Weissblechdose (56 Gramm) und
  • ein Standbeutel aus Plastik (7 Gramm).

Das Ergebnis: Im Vergleich zum Weissblech hat das Glas die bessere Ökobilanz. «Das liegt daran, dass der Energieverbrauch vom Eisenerz bis zur fertigen Dose sehr hoch ist», erklärt Hischier. Um die Ökobilanz von Weissblech zu verbessern, wird das Material zusammen mit Aluminium in der Schweiz separat gesammelt und recycelt. Verpackungen aus recyceltem Weissblech reduzieren den Energieverbrauch laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) über 60 Prozent und sind dementsprechend deutlich umweltschonender als solche aus Primärmaterial.

Noch viel besser als das Glas schneidet im Vergleich jedoch der Plastikbeutel ab. Grund dafür: Das leichte Gewicht und die geringe Menge an Rohstoffen, die dafür aufgewendet wird.

Doch auch bei diesem Vergleich gilt: Man muss den Nutzen der Verpackung betrachten. Je nachdem, wie lange Oliven aufbewahrt werden, eignet sich eine andere Verpackung. So weist Hischier darauf hin, dass Oliven in der Dose am längsten und im Plastikbeutel am kürzesten haltbar sind.

Plastik vs. Einwegglas und Papier

In der Schweiz hat Plastik laut dem BAFU aufgrund der hohen Recyclingquote keine schlechte Ökobilanz: Rund 80 Prozent der PET-Flaschen geben Verbraucher an den Recycling-Stationen ab. Kunststoff, der nicht recycelt werden kann, gelangt in die Kehrichtverbrennungsanlagen, von wo aus die gewonnene Wärme etwa zur Stromproduktion verwendet wird und so fossile Energieträger ersetzt. 

Das Image von Plastik geht jedoch in eine andere Richtung, denn das Material ist geradezu zum Symbol der Zero-Waste-Bewegung geworden. Beim Einkaufen setzen deshalb viele auf Glas oder Papier statt auf Plastik.

Glas ist nicht immer die umweltfreundlichste Verpackung.
Glas ist nicht die immer die nachhaltigere Alternative. Foto © Ryan McVay / DigitalVision

Umweltfreundlicher ist Glas aber nicht – im Gegenteil. Es besteht zwar aus Rohstoffen, die reichlich vorhanden sind und dessen Gewinnung die Umwelt nicht stark belastet. Das ist der entscheidende Vorteil gegenüber Plastik, das in der Herstellung je Kilogramm etwa zwei Kilogramm knappes Erdöl benötigt. Doch um Glas zu recyceln, muss es bei Temperaturen von 1'600 Grad Celsius geschmolzen werden – was sehr energieaufwendig ist. Ausserdem ist Glas deutlich schwerer, weshalb auch der Transport energieaufwendiger ist. Deshalb sind in Einwegglas verpackte Getränke oder Lebensmittel nicht umweltfreundlicher als solche in PET oder leichten Plastikbeuteln. Denn ein Einwegglas wird schon nach einem Gebrauch im Glascontainer entsorgt und energieaufwendig recycelt.

Die Ökobilanz von Papier zeigt, dass Papierverpackungen nicht zwangsläufig weniger umweltbelastend sind als Plastikvepackungen. «Papier ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, aber die vielen Verarbeitungsschritte führen dazu, dass Papier und Karton nicht umweltfreundlicher sind als Plastik», betont Hischier. Weiter erklärt er, dass auch das Gewicht wieder eine Rolle spielt: «Eine Papierverpackung muss meist dicker sein, um eine vergleichbare Stabilität wie Plastik aufzuweisen. Dafür wird also mehr Material eingesetzt, weshalb die Verpackung schwerer ist als etwa ein Plastikbeutel.»

Regional einkaufen spart Verpackung

Einzeln verpacktes Obst und Gemüse sorgt bei vielen Verbrauchern für Empörung – schliesslich kann man sich fragen, warum ein Stück Obst, das eine natürliche Schale hat, überhaupt eingepackt werden muss. Doch grundlos sind solche Verpackungen nicht.

Regional und saisonal einkaufen spart oft Verpackungen.
Regional und saisonal einkaufen spart Verpackungen. Foto © Lisovskaya / iStock / Getty Images Plus

Hischier erklärt, dass importiertes Obst und Gemüse oft verpackt wird, damit es den Transportweg unbeschädigt übersteht. «Regionale Produkte wiederum können häufig auf Verpackungsmaterial verzichten, weil sie nicht weit transportiert werden müssen.»

5 Tipps für den Alltag: So setzen Sie auf die richtige Verpackung

Glas, Plastik oder unverpackt ­ – welche Variante am umweltfreundlichsten ist, hängt somit mit dem Verpackungsgut und der Funktion einer Verpackung zusammen. Um es in Hischiers Worten zu sagen: «Man muss jede Verpackung in ihrem Kontext betrachten.»

Mit diesen Tipps verwenden Sie Verpackungen nachhaltiger, sparen Abfall und schonen obendrein noch das Portemonnaie:

1 Lebensmittel, die eine sehr lange Haltbarkeit haben, können Sie ohne Verpackung im Unverpackt-Laden kaufen. Das sind beispielsweise Nudeln, Linsen, Reis und Haferflocken. Aber auch Kosmetikprodukte bekommt man dort nicht nur verpackungsfrei, sondern meist auch in Bio-Qualität.

2 Verwenden Sie Verpackungen, wenn immer möglich, mehrfach. Gerade leere Gläser oder Papier- und Plastiktüten können Sie viele Male wiederverwenden. Inspiration benötigt? Hier finden Sie 12 clevere Upcycling-Ideen mit leeren Schraubgläsern.

3 Überlegen Sie sich beim Einkaufen, wie lange Sie ein Produkt lagern möchten. Frische und regionale Produkte, die man gleich verbraucht, gibt es oft ohne Verpackung. Konserviertes Obst und Gemüse hingegen hält in der Dose am längsten, nachhaltiger ist jedoch die Plastikverpackung – sofern Sie die Lebensmittel nicht sehr viel früher einkaufen, als Sie sie verwenden.

4 Anstatt Wasser in der PET- oder in der Glasflasche zu kaufen, schonen Sie Umwelt und den Geldbeutel, wenn Sie Leitungswasser trinken. Mit einer Scheibe Zitrone oder frischen Kräutern aufgepeppt wird auch Leitungswasser nie langweilig.

5 Setzen Sie bei Waschmittel, Flüssigseife, Spülmittel & Co. auf Nachfüllbeutel. Diese sind leichter und verglichen mit Verpackungen aus Hartplastik oder Karton umweltfreundlicher. Ganz ohne Verpackung gibt es auch diese Artikel in vielen Unverpackt-Läden.

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