Mosas Pilscheur: «Unsere Vision ist es, einen neuen Materialstandard einzuführen»

Schon mit 19 Jahren gründet Mosas mit zwei Freunden das Start-up Mycrobez. Ihr bescheidenes Ziel: den Markt der Verpackungsmaterialien zu revolutionieren. Denn das Produkt, dass die drei aus Pilzgeflecht und Abfällen herstellen, ist biologisch abbaubar und Styropor & Co. damit weit überlegen. Wie sie auf die Idee kamen, aus Pilzen Verpackungen herzustellen und wie weit sie heute sind, erzählt Mosas im Interview.

Pilze und ihr Gefleckt in einem violetten Licht
Myzel ist das Wurzelgeflecht von Pilzen. © Yarygin / iStock / Getty Images Plus
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Die Begeisterung für seine Arbeit steht Mosas ins Gesicht geschrieben. Schon die Geschichte, wie es zur Gründung von Mycrobez kam, erzählt er so euphorisch, dass es ansteckend ist. Kein Wunder, schliesslich fand er damit einen Weg, einen Impact zu haben – eines der grossen Ziele von Mycrobez.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Verpackungsmaterial aus Pilzen herzustellen?

Unser Schulfreund Jonas hat für seine Maturarbeit einen 3D-Drucker gebaut, der lebendige Zellen drucken kann. Da wir alle sehr tüftel-enthusiastisch sind, hat dieses Projekt unser Interesse an Pilzen geweckt. Kurz darauf bestellten wir dann ein Grow-Kit für Lebensmittelpilze und machten erste Experimente mit Myzel. Damals war das aber eher ein Hobby. In diesem Prozess ist uns das revolutionäre Potenzial des Materials überhaupt erst ganz klar geworden.

Damit haben wir dann bei der Swiss Sustainability Challenge der FHNW mitgemacht, die wir entgegen unseren Erwartungen gewonnen haben. Gegründet haben wir dann einerseits wegen des positiven Feedbacks, aber auch weil wir bei unserer intensiven Recherche gemerkt haben: Dieses natürliche Material gibt es bereits, sein grosses Potenzial wird aber aufgrund fehlender Automatisierung und hoher Kosten so gut wie nicht genutzt. Ich denke, nicht zuletzt hat uns da auch unsere jugendliche Naivität den nötigen Ruck gegeben. Wir waren gerade 19 geworden und dachten uns ‘jo, dann machen wir das halt’.

Im Gespräch: Mosas Pilscheur

Verpackungen aus Pilzmyzel von Mycrobez
© zVg Mycrobez

Mosas gründete zusammen mit zwei Freunden im Alter von 19 Jahren das Start-up Mycrobez. Was als Hobby in einem ehemaligen Weinkeller angefangen hat, soll in Zukunft Styropor als Verpackungsmaterial ersetzen. Seine Faszination für Pilze und der Wunsch, einen Einfluss zu nehmen, liegen dem Start-up von Anfang an zu Grunde.

Was ist euer grosses Ziel, eure Motivation für Myrobez?

Auf der persönlichen Seite geht es auch um Selbstverwirklichung. Ingenieurswesen, Biologie und Nachhaltigkeit sind Themen, die uns im Privaten sehr interessieren. Auf der anderen Seite ist das Ziel, auch wenn das vielleicht plakativ klingt, einen möglichst grossen Impact zu haben. Denn wir fahren alle gerne Ski und wollen unseren Teil dazu leisten, die Umwelt zu schützen und den Biodiversitäts-Verlust zu bremsen. Unsere Vision ist es, einen neuen Materialstandard einzuführen. Wir wollen erdölbasierte Einwegverpackungen mit einem geupcycleten Material ersetzen, das die gleichen Materialeigenschaften und den gleichen Preis hat, aber eben in der Natur restlos abbaubar ist.

Wie entsteht denn aus Pilzen ein Verpackungsmaterial?

Vielleicht kurz zur Definition: Bei einem Speisepilz wie einem Champignon, den viele beim Wort Pilz vor Augen haben, handelt es sich quasi um die Blüte des Gewächses. Wir nutzen aber die Wurzeln, das sogenannte Myzel. Dieser Hauptorganismus des Pilzes hat fantastische, natürliche Fähigkeiten, welche wir für uns nutzen können.

Champignons auf Erde, darunter das Pilzegeflecht (Myzel)
Beim feinen weissen Pilzgeflecht handelt es sich um Myzel. © Dmytro_Ostapenko / iStock / Getty Images Plus

Um das Mycrobez-Material herzustellen, nimmt man biologische Abfälle, auf die man das Pilzmyzel pflanzt. Das Myzel besteht aus ganz vielen kleinen Härchen. Diese durchwachsen dann die Abfälle und dadurch entsteht ein formbares Gewebe, das nach dem Trocknen ein stabiles und haltbares Material ergibt. Dazu hat es exzellente Materialeigenschaften in Gewicht, Schockresistenz und Isolation.

Das heisst, ihr könnt daraus eigentlich jedes Verpackungsmaterial herstellen?

Sehr viele, ja. Gerade im Bereich Schaumstoff können wir damit das meiste abdecken. Nicht ganz alles, weil gewisse Dinge wie Lebensmittelechtheit ohne Beschichtung nicht möglich sind. Aber Verpackungen für Kaffeemaschinen, Fernseher und Ähnliches kann man daraus bestens herstellen.

Ausserdem hat das Material einen sehr guten Isolationswert und ist nicht selbstbrennend, was gegenüber anderen Schaumstoffarten für die Dämmung von Gebäuden ein grosser Vorteil ist. Im ersten Schritt fokussieren wir uns aber auf Verpackungen, weil es dort weniger Anforderungen gibt als im Bau.

Stand Jetzt ist also, dass ihr noch viel am Ausprobieren seid.

Unser Fokus liegt klar auf der Prozessentwicklung. Wir automatisieren und skalieren weltweit erstmals den Produktionsprozess für ein biobasiertes Material, um diese Technologie dann preiskompetitiv in der Schaumstoffindustrie zu lizensieren. Ein grosser Teil unserer Arbeit besteht also in der Weiterentwicklung des Materials und des Prozesses.

Jedoch engagieren wir uns in diversen Pilot- und Leuchtturmprojekten, wo wir schon effektiv Produkte herstellen. Diese sind jedoch noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Beispiele wären eine kreislaufwirtschaftliche Pharma-Verpackung oder komplette Möbel, hergestellt aus unserem Bio-Material. Viel mehr darf ich darüber aber noch nicht verraten.

Verschiedene Verpackungen aus Pilzmyzel von Mycrobez.
Verschiedene Verpackungen aus Pilzmyzel von Mycrobez. © zVg Mycrobez

Über Mycrobez

Das Basler Start-up Mycrobez wurde 2019 gegründet. Es entwickelt klimapositiven Schaumstoff aus Abfällen und Pilzegeflecht (Myzel), der preiskompetitiv und industriell Schaumstoffe auf Erdölbasis ersetzten kann. Daher stammt auch der Name des Start-ups: Er kombiniert die Wörter Myzel (die Pilzfäden oder Wurzeln des Pilzes) und Mikrobe, also Mikroorganismus. Das Ziel von Mycrobez ist kein geringeres, als den Markt der Verpackungsmaterialien zu revolutionieren. Auf mycrobez.ch erfährst du mehr über das Start-up.

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