Upcycling: So wird Abfall zum exklusiven Designerstück!

Upcycling macht es möglich, dass Taschen, Möbel, Schmuck und Mode aus Abfall entstehen. Die fertigen Designerstücke sind nicht nur kreativ, sondern oft auch einzigartig.

Upcycling: Recycling auf kreative Art
In Ihrem Blog zeigt Allison Patrick aus New York wie kreativ sie aus Abfall tolle Designer-Stücke herstellen kann. Hier eine Stehlampe aus Plastiktüten. Foto: The 3 R's blog
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Früher liessen Schweizer ihren Müll nur in Säcken verschwinden, doch heute wird Abfall sogar«sexy»: Designer nähen trendige Kleider aus ausgemusterter Waren, Mäntel aus alten Fallschirmen, Taschen aus Planen, Reifen oder ausgedienten Säcken. Das trifft den Geschmack der Verbraucher, die es sich auch auf Sesseln aus gebrauchten Fahrrädern oder Mülltonnen gemütlich machen.

Upcycling: Eine Tasche aus Autoreifen

Diese Tasche besteht aus Gummireifen und Sicherheitsgurten. Foto: Kerstin Borowiak

Dieses Aus-Alt -Mach-Neu-Prinzip nennt sich Upcycling. Es ist eine lebensverlängernde Massnahme für die herkömmlichen Abfälle der Wegwerfgesellschaft. So erhalten Altmaterialien eine neue Chance, weil daraus brauchbare Alltagsgegenstände entstehen. Wer upcycelt, führt somit ausgediente Teile in den Kreislauf zurück, vermeidet Abfall und verringert die Umweltbelastungen. Auf diese Art und Weise geht nichts verloren. Diese Idee hat die Designbranche verstärkt in den letzten Jahren aufgegriffen. Nun ist es dieser Trend auch bei den Konsumenten angekommen. Sie fertigen eigene Blumentöpfe, Lampen, Tische oder Mode aus Abfall und werden so selber kreativ. Dabei spielt jedoch nicht nur das grüne Gewissen eine Rolle. Genauso wichtig ist, dass beim Upcycling keine Massenwaren entstehen, sondern Unikate in Handarbeit – mit eigener Geschichte.

Mitmachen: kreative Upcycling Idee

Einige Upcycler veröffentlichen ihre Ideen in eigenen Blogs und animieren zum Nach- sowie Mitmachen. Nina ist Mutter und Upcyclerin aus dem deutschen Ruhrgebiet. Sie hat den Upcycling-Dienstag in ihrem Werkeltagebuch ins Leben gerufen. Jeden Dienstag präsentiert die 40jährige ihre neuesten Ideen. So entstehen aus einem Schlafsack und einem Autogurt eine Umhängetasche, aus Kassetten und Reissverschluss eine Geldbörse oder ein Schlüsselbrett.

Upcycling: Eine Lampe aus Papierresten

Diese Lampe besteht aus Papier und ist von Allison Patrick. Foto: The 3 R's blog

Gefragt sind auch andere kreative Einfälle – doch erst wieder nach der der Sommerpause. Täglich neue Upcycling Ideen posten «30 Tage 30 Dinge». Hier verwandeln sich Kleiderbügel in Obstschalen, Kanister in Lampen, alte Wollpullover zu Filzpantoffeln und Gläser werden zum Kronleuchter umfunktioniert. Alle Bastler posten Fotos und Anleitungen auf dieser Webseite, damit Sie diese einfach nachbauen können. Die New Yorkerin Allison veröffentlicht hingegen 30 Projekte in 30 Wochen in ihrem Blog the 3R´s (Reduce, Reuse, Redecorate). Sie upcyclet teils eigene Ideen, teils Einfälle aus dem Internet. In Handarbeit entstehen fantastische Lampen aus Papier, Trinkröhrchen und Dosenverschlüssen oder Körbe aus Altpapier. Anleitungen helfen, diese Projekte auch in Schweizer Wohnungen nachzubasteln.

Upcycling: Was ist der Unterschied zu Recycling und Reuse?

Recycling ist wie Upcycling eine Möglichkeit der Abfallvermeidung. Man verbraucht jedoch beim Rezyklieren mehr Energie und stellt dabei nur Material von geringerer Qualität (Downcycling) her.  So kann aus einer PET-Flasche ein Müllsack werden. Upcycling produziert hingegen hochwertige Endprodukte, die man zudem unbegrenzt wiederverwerten kann. Wenn Sie eine Plastikflasche zu einer Lampe umarbeiten, ist das bereits Upcycling. Reuse bedeutet hingegen, dass Sie lediglich eine Plastikflasche erneut mit Wasser füllen oder einen Plastikbeutel wieder verwenden.

Upcycling: Mit kreativen Ideen Abfall wieder verwerten

Upcycler wie Allison Patrick gehen schaffen mit viel Kreativität ganz eigene Dinge aus Abfall, wie diese Lampe aus Getränkedosen-Verschlüssen. Foto: The 3 R's blog

Cradle to Cradle: Nichts mehr verschwenden, sondern wieder verwenden

Michael Braungart und William McDonough verfassten das Basiswerk des Upcycling: "Einfach intelligent produzieren" (2002).  Die Autoren ließen sich beim so genannten Cradle to Cradle-Prinzip von der Natur inspirieren. Im natürlichen Kreislauf wird nichts verschwendet und alles wiederverwertet. Verluste bei der Produktion und beim Abfall sind vermeidbar, wenn man die Ressourcen effektiv zurückgewinnt. Das Design und die Materialwahl sind vorrausschauend auf die Wiederverwertung ausgerichtet. So wird biologischer Abfall kompostiert und andere Komponenten, die ihre Funktion verlieren, in den technischen Kreislauf zurückgeführt. Dafür übernimmt künftig nicht der Konsument die Verantwortung, sondern der Händler. Er verleiht das Produkt, nimmt es wieder zurück und übernimmt die Entsorgung. Mehr dazu: epeaswitzerland.com.

Upcycling: Geldbörse aus Stoff

Diese Geldbörse ist aus einem alten Fischsack hergestellt. Foto: Kerstin Borowiak

Upcycling: Mode, Möbel und Design

Die Praxis des Upcyclings ist an sich nicht neu. Menschen in armen Ländern zweckentfremden Müll bereits seit Jahrzehnten - aus der Not heraus. Aus Magazinstreifen entstehen Schüsseln, aus Flaschen baut man Häuser, Lebensmittelsäcke werden zu strapazierfähigen Taschen weiterverarbeitet und alte Flip-Flops verwandeln sich zu Obstschalen. Inzwischen gibt es weltweit Designer, Modeinteressierte und Bastler, die sich des Upcyclings annehmen. Als Pioniere gilt jedoch das Schweizer Brüderpaar Freitag. Sie schneiderten als Erste belastbare Kuriertaschen aus LKW-Planen. Auch die Kunst macht vor dem Trend nicht Halt: So entstehen beispielsweise aus Zeitungspapier oder aus Telefonbücherseiten neue Kunstdrucke. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das Schöne an der Mode aus Abfall ist, dass jeder ein "Künstler" werden kann. Es genügen weggeworfene Dinge, ein wenig Geschick und Ideenreichtum, um diese dann zu neuen Alltagsgegenständen zu verwandeln. Wir haben Ihnen Linktipps zusammengestellt, die Sie mit unterschiedlichen kreativen Köpfen und Upcycle-Produkten in der Schweiz bekannt zu machen:

Frischfre – Carola Schaffner stellt Gürtel aus Feuerwehrschläuchen, Taschen und Jacken aus Fallschirmen und Etuis aus Baumwollzelten her.
Coup – Kreative Umweltschutzorganisation tauscht eigene Kreationen gegen Abfall. So entstehen aus Kaffeesäcken Geldbörsen oder aus Korken Schmuck.
Vargu – Vargu stellt aus Auto-Sicherheitsgurte, Reifenschläuch, Produktionsausschuss von Tetron und aus Abfallprodukten aus der Industrie fair produzierte Taschen her.
Collpart – Taschen aus Fischsäcken
Freitag – Die Pioniere des Upcycling

Weitere kreative Upcycler:

ok-Versand – Der ok-Versand bietet seit 1997 Alltagsgegenstände, die oft geupcycelt sind, z.B. eine Lampe aus alten Kassetten.
Mode aus Abfall – Deutscher Blog über Upcycling in der Mode.
Kettenglück - Schmuck aus Fahrradteilen
Bike Furniture - Möbel aus Fahrradteilen

Quellen: Freitag, Wikipedia, indyupcycle, www.c-o-u-p.org, www.plasticgarbageproject.org, energie-blog.at, epeaswitzerland, gabarage.at, cradletocradle.at, kvr-rheintal.com

Text: Kerstin Borowiak
 

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