Notvorrat: Wann er wirklich sinnvoll ist und wie das auch dynamisch geht

Wann ein Notvorrat wirklich sinnvoll ist und wann nicht, wie Sie einen nachhaltigen Notvorrat anlegen und welche Lebensmittel sich zum Lagern eignen und welche nicht.

Notvorrat: Wann man ihn anlegen soll und Must-haves
Ein Notvorrat kann sinnvoll sein. Foto © Valeriy_G / iStock / Getty Images Plus
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Das Versorgungssystem der Schweiz ist so ausgebaut, dass es höchstens zu kurzen Engpässen in der Lebensmittelversorgung kommen könnte. Wegen des Coronavirus möchten sich nun immer mehr Menschen einen Notvorrat anlegen.

Die Meinungen zum Notvorrat gehen dabei weit auseinander. Während manche Menschen ein grosses Sicherheitsbedürfnis haben, empfinden andere einen Notfallvorrat heutzutage als überflüssig. Wir erklären, wann ein Notfallvorrat sinnvoll ist und wie Sie einen nachhaltigen Vorrat anlegen und in Ihren Kochalltag integrieren. Ausserdem gibt es Produkte, die Sie nicht «hamstern» sollten.

Notfallvorrat: Dazu rät das BWL

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) rät Privathaushalten unabhängig vom Coronavirus dazu, sich für den Notfall mit einem Vorrat für ein bis zwei Wochen auszustatten. Das kann Panik in schwierigen Situationen wie bei langen Stromausfällen, Naturkatastrophen oder Epedemien verhindern.

Das Motto «Kluger Rat – Notvorat» ist heute schon über 50 Jahre alt. Während es im Kalten Krieg darum ging, lange Zeit im Luftschutzbunker zu überstehen, dient ein Notvorrat heute lediglich der Überbrückung kurzzeitiger Versorgungsengpässe.

Der Bund rät dementsprechend von umfassenden Notvorräten für mehrere Monate ab und erklärt sie für überflüssig. In der Schweiz gibt es sogenannte Pflichtlager, die lebenswichtige Lebensmittel für drei bis vier Monate lagern. So ist die Versorgung der Bevölkerung langfristig sichergestellt.

Aktuell halten weltweit viele Menschen wegen des Coronavirus den Atem an. Um sich auf eine mögliche Quarantäne einzustellen, werden zunehmend Hamsterkäufe getätigt. Das BWL versichert jedoch eine sichere Landesversorgung und erklärt das übermässige Bunkern von Lebensmitteln als nicht notwendig.

So legen Sie einen dynamischen Notvorrat an

Anstatt wahllos Konserven, Reis und Nudeln einzukaufen und zu lagern, sollten Sie sich einen nachhaltigen und dynamischen Notvorrat anlegen. Lebensmittel aus der Dose werden häufig mit ungesunden Konservierungsstoffen versehen. Und auch die beliebtesten Produkte für den Notvorrat sind arm an Vitalstoffen: Nudeln und Reis sind längst nicht alle Lebensmittel, die lange haltbar sind. Es gibt viele gesunde Nahrungsmittel mit längerer Haltbarkeit.

Hülsenfrüchte im Notvorrat

Ein dynamischer Notvorrat verbraucht sich laufend. Foto © vaaseenaa / iStock / Getty Images Plus

Dynamisch bedeutet in Bezug auf Ihren Notvorrat, dass er zu Ihrem Essverhalten passt und sich in Ihren Kochalltag integrieren lässt. Das heisst, dass Ihr Notvorrat sich laufend verbraucht und Sie die wichtigen Bestandteile immer wieder ersetzen. So vermeiden Sie, dass Lebensmittel verderben und dass Sie im Falle des Falles nur Konserven und Nudeln zur Auswahl haben.

Ein kleiner Notvorrat für ein bis zwei Wochen ist auch im Krankheitsfall oder bei unerwartetem Besuch sinnvoll.

Auf unserer Checkliste finden Sie alle Lebensmittel und andere Gebrauchsgüter, die wir für einen schlauen Notvorrat empfehlen. Sie können die Produkte natürlich ganz einfach anpassen, so dass Sie einen persönlichen Notvorrat nach Ihrem Geschmack anlegen. 

Checkliste: Das gehört in einen schlauen Notvorrat

Lebensmittel

Gemüse einkochen für den Notvorrat

Eingekochtes Obst und Gemüse ist lange haltbar. Foto © YinYang / E+

Gemüse und Obst können Sie ganz einfach selbst einkochen und fermentieren. Auch tiefgefrorene Nahrungsmittel eignen sich zum lagern, sollten bei Stromausfall jedoch als erstes verzehrt werden. Leinsamen und Nüsse enthalten wichtige Fettsäuren und Proteine. Äpfel, Rüebli und Co. lassen sich zwar nicht ewig lagern, bleiben in kühlen Räumen jedoch mehrere Wochen frisch. 

Tipp: Keimsaaten sind für die Vitaminzufuhr bestens geeignet. Sie lassen sich über viele Monate lagern und brauchen bei Bedarf nur etwas Wasser und Sonne, um zu spriessen.

Gebrauchsartikel

  • Notfallapotheke (Schmerzmittel, Verbandszeug, persönliche Medikamente)
  • Batterien
  • Campingkocher und Gascartouche
  • Streichhölzer und Feuerzeug
  • Taschenlampe
  • Kerzen
  • WC-Papier
  • Seife

Auch bei diesem Vorrat gilt: Anstatt alle Produkte in grossen Mengen zu horten, sollten Sie diese generell in angemessenen Mengen Zuhause haben. Bei einem langen Stromausfall können Sie mit einem Campingkocher kochen. Wenn Sie jedoch nie campen gehen und keinen Kocher besitzen, müssen Sie sich nicht extra für den Notvorrat einen anschaffen. Setzen Sie besser auf haltbare Lebensmittel, die nicht gekocht werden müssen.

Wahllose Hamsterkäufe vermeiden

Noch einmal zusammengefasst: Im Katastrophenfall ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren. Ob Stromausfall, Pandemie oder eine andere Notlage – das Versorgungssystem der Schweiz ist auch für längere Versorgungsengpässe ausgestattet.

Der Coronavirus hat innert kurzer Zeit dafür gesorgt, das Regale in Supermärkten und Drogerien geradezu «leer» gekauft wurden. Sehen Sie von solchen Panikkäufen ab und sorgen lieber für einen dynamischen und individuellen Notvorrat für Ihre Bedürfnisse.

Ausserdem gibt es Produkte, die Sie keinesfalls bunkern sollten. Hierzu gehören Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken. Kommt es bei diesen Produkten tatsächlich zu Engpässen, hätte das für Krankenhäuser fatale Folgen. Für den Alltag und selbst bei Pandemien ist Desinfektionsmittel nicht zwangsläufig notwendig. Mit richtigem Händewaschen schützen Sie sich vor Ansteckungen. Für einen kleinen Vorrat an Desinfektionsmittel können Sie dieses auch ganz einfach selber herstellen.

Clevere Tipps für den persönlichen Notvorrat

Die empfohlenen Notrationen variieren je nach Haushalt. Natürlich ist die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen ein ausschlaggebender Faktor. Diese cleveren Tipps können Sie unabhängig von privaten Faktoren einfach umsetzen:

1. Statt Mineralwasser in Flaschen zu kaufen, können Sie Leitungswasser in einem grossen Kanister aufbewahren. So sparen Sie Geld und Plastikabfall.

2. Lagern Sie neue Vorräte immer hinten im Regal und holen ältere Produkte nach vorne. So rotiert ihr Notvorrat und Sie verhindern Food Waste.

3. Laut dem BWL kann es nur zu kurzen Engpässen im Verteilsystem kommen. Verzichten Sie also auf grössere Vorräte als notwendig: Sie verbrauchen unnötig viel Platz!

4. Checken Sie bei einem Gang durch die Küche einmal, ob Sie nicht ohnehin einen ausreichenden Vorrat für zwei Wochen besitzen. Meistens haben wir sowieso ausreichend Lebensmittel im Haus.

5. Einmachen und fermentieren macht Spass und ist nicht nur für den Notvorrat sinnvoll: Fermentierte Lebensmittel sind richtige Immunbooster!

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