Desinfektionsmittel selber machen: Zwei einfache Rezepte

Desinfektionsmittel ist besonders unterwegs ein zusätzlicher Schutz vor Viren und Bakterien. Wegen des Coronavirus ist Desinfektionsmittel jedoch vielerorts ausverkauft. Zwei Rezepte, mit denen Sie Desinfektionsmittel selber herstellen können. 

Desinfektionsmittel selber machen: Zwei einfache Rezepte
Desinfektionsmittel können Sie einfach selber machen. Foto © Lazy_Bear / iStock / Getty Images Plus
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Während Desinfektionsmittel im Alltag überflüssig ist und richtiges Händewaschen ausreicht, ist es in der Grippezeit oder im Pandemiefall ein guter zusätzlicher Schutz.

Aktuell sorgt das Coronavirus weltweit für Unsicherheit und Angst. Dass Panik in der Luft liegt, erkennt man an den leergekauften Regalen in Supermärkten und Drogerien. Desinfektionsmittel ist dabei besonders gefragt. Auch in Apotheken und Drogeriemärkten der Schweiz ist Desinfektionsmittel vorübergehend ausverkauft.

Wir zeigen Ihnen zwei Rezepte, mit denen Sie Desinfektionsmittel selber herstellen können. Das erste Rezept richtet sich nach der WHO (World Health Organisation), die Zutaten hierfür erhalten Sie in der Apotheke oder im Internet. Unser zweites Rezept für natürliches Desinfektionsmittel ist besonders für empfindliche Haut geeignet und besteht ausschliesslich aus natürlich wirksamen Inhaltsstoffen. Letzeres hält lediglich Bakterien fern, gegen Grippviren oder das Coronavirus hilft es jedoch nicht. Es eignet sich auf Reisen oder wenn man länger unterwegs ist und sich die Hände nicht waschen kann. 

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Desinfektionsmittel herstellen nach dem Rezept der WHO

Die WHO hat ein Rezept veröffentlicht, mit dem Sie Händedesinfektionsmittel einfach selber machen können. Die Zutaten erhalten Sie in Apotheken oder online.

Zutaten

  • 750 ml Isopropylakohol (99,8 % Vol.) (alternativ 830 ml Ethanol 96 % Vol.)
  • 45 ml Wasserstoffperoxid (3 %)
  • 15 ml Glycerin (98 %)
  • 190 ml destilliertes oder abgekochtes Wasser

Tipp: Sie können die Menge der Mittel auch halbieren. Einzig die Dosierung von Glycerin und allenfalls auch Wasserstoffperoxid könnte dann etwas schwieriger sein. 

Diese Zutaten klingen grossteils nach Chemielabor. Damit Sie wissen, mit was Sie es hier zu tun haben: Glycerin ist ein dreiwertiger Alkohol, der in natürlichen Fetten enthalten ist und in vielen Hautcremes verwendet wird. Wasserstoffperoxid, auch H2O2, ist eine flüssige Verbindung aus  atomarem Sauerstoff und Wasserstoff. Es handelt sich um eine Verbindung, die in der Natur auftritt: beispielsweise in Regen. H2O2 hat eine desinfizierende Wirkung. Isopropylakohol ist ein hochkonzentrierter Alkohol, der Bestandteil vieler Desinfektionsmittel ist.

Herstellung

Für die Herstellung des eigenen Desinfektionsmittels geben Sie alle Zutaten in ein verschliessbares, sauberes Gefäss. Schütteln Sie die Flüssigkeit gut, damit sich die Zutaten richtig vermischen. Füllen Sie das fertige Desinfektionsmittel durch einen Trichter beispielsweise in einen leeren Seifenspender oder eine Sprühflasche.

Natürliches Desinfektionsmittel selber machen

Alternativ können Sie Desinfektionsmittel auch mit Hausmitteln herstellen, die etwas einfacher erhältlich sind. Unser Rezept für natürliches Desinfektionsmittel beinhaltet ausserdem hautpflegende Inhaltsstoffe, damit Ihre Hände nicht austrocknen.

Medizinisches Desinfektionsmittel wird in Krankenhäusern benötigt, um Bakterien und Viren effektiv zu bekämpfen. Für den alltäglichen Gebrauch ist ein natürliches Desinfektionsmittel mit antibakteriell wirkenden ätherischen Ölen und hochprozentigem Alkohol ausreichend.

Zutaten

  • 60 ml hochprozentiger Alkohol (Ethanol oder auch Melissengeist, 79-96 % Vol.)
  • 30 ml abgekochtes, kaltes Wasser
  • 2 bis 5 Tropfen Teebaumöl
  • 3 Tropfen anderer ätherischer Öle mit antibakterieller Wirkung (Lavendel, Rosmarin, Thymian, Zimt, Nelken, Eukalyptus)
  • 1 TL Aloe-Vera-Gel
  • Optional: 5 Tropfen Vitamit-E-Öl

Herstellung

Füllen Sie das abgekochte Wasser mit dem Alkohol in eine Schüssel und rühren Sie gründlich um. Anschliessend geben Sie die ätherischen Öle, das Aloe-Vera-Gel und optional das Vitamin-E-Öl hinzu. Aloe Vera und Vitamin-E-Öl sorgen für eine optimale Rückfettung, sodass Ihre Haut nicht austrocknet. Die ätherischen Öle haben eine desinfizierende Wirkung und sorgen gleichzeitig für einen frischen Duft.

Füllen Sie das hergestellte Desinfektionsmittel in einen leeren Seifenspender oder eine Sprühflasche. Auch eine leere Flasche für Handdesinfektionsmittel eignet sich bestens.

Desinfektionsmittel richtig anwenden

Wie beim Händewaschen kann man auch bei der Anwendung von Desinfektionsmittel einiges falsch machen. Für die optimale Wirksamkeit müssen Sie ausreichend Desinfektionsmittel verwenden.

Genug Desinfektionsmittel verwenden

Verwenden Sie ausreichend Desinfektionsmittel: Die Hände müssen nass sein. Foto © serezniy / iStock / Getty Images Plus

Geben Sie so viel Desinfektionsmittel in die Handflächen, dass Ihre Hände richtig nass sind. Verreiben Sie das Mittel gründlich – auch zwischen den Fingern, auf den Handrücken und auf den einzelnen Fingern. Beachten Sie die notwendige Einwirkzeit von 30 Sekunden.

Wichtig: Handschmuck wie Ringe und Armbänder sollten Sie bei der Händedesinfektion abnehmen.

Wann ist Händedesinfektion notwendig?

Heutzutage besteht bei vielen Menschen geradezu eine Desinfektionswut. Dabei ist Händedesinfektion im Alltag normalerweise überflüssig. Viel wichtiger ist es, sich regelmässig die Hände richtig gründlich zu waschen.

Wenn Desinfektionsmittel im Grosshandel knapp wird, ist das für Privathaushalte deutlich weniger problematisch als für Krankenhäuser. Denn hier ist Desinfektionsmittel wirklich notwendig. Medizinisches Personal benötigt Desinfektionsmittel nicht nur wegen das Coronavirus'. Im Klinikalltag muss es schnell gehen und Desinfektionsmittel ist nötig, um Bakterien, Viren und Krankenhauskeime wie MRSA nicht zu verbreiten.

Das Coronavirus sorgt aktuell jedoch für Unsicherheit und teils Angst. Im Pandemiefall ist Händedesinfektion ein sinnvoller zusätzlicher Schutz. Desinfektionsmittel ist jedoch keinesfalls ein Ersatz für regelmässiges Händewaschen!

Da es sich beim Coronavirus um sogenannte behüllte Viren handelt, gibt es für die Hände- und Oberflächendesinfektion ausserdem einiges zu beachten. Denn viele Desinfektionsmittel wirken nur bedingt oder gar nicht gegen Viren. Ein Ethanolgehalt von 62 Prozent ist für die Wirksamkeit gegen das Virus erforderlich.

Tipp: Wenn Sie Desinfektionsmittel kaufen, sollten Sie auf die Aufschrift «begrenzt viruzid» oder «viruzid» achten. Andernfalls wirkt das Desinfektionsmittel nur gegen Bakterien.

Ihr Smartphone ist ein grosser Bakterienherd

Das Smartphone ist ein grosser Bakterien- und Virenherd. Foto © PeopleImages / E+

Händedesinfektion und gründliches Händewaschen bringen übringens nur etwas, wenn Sie auch hier Smartphone regelmässig reinigen. Denn darauf befinden sich besonders viele Bakterien. Sprühen Sie dafür einfach etwas Desinfektionsmittel auf ein Haushaltstuch und wischen das Handy rundum gut ab. 

Darauf müssen Sie achten, wenn Sie Desinfektionsmittel selber machen

Hochprozentiger Alkohol sorgt für eine gute Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln. Damit die Haut von der ständigen Anwendung nicht austrocknet, haben medizinische Desinfektionsmittel eine rückfettende Wirkung.

Wenn Sie Desinfektionsmittel selber machen, sind rückfettende Zutaten ebenfalls ein wichtiger Bestandteil. Im Rezept der WHO ist Glycerin enthalten, was die Hände vor dem Austrocknen schützt. Unser natürliches Desinfektionsmittel schützt die Haut mit Aleo-Vera-Gel und Vitamin-E-Öl.

Trotzdem ist es wichtig, die Hände zusätzlich mit Feuchtigkeitscreme zu pflegen. Denn Seife und Desinfektionsmittel trocknen die Haut schnell und nachhaltig aus. Rissige Haut ist besonders anfällig für Krankheitserreger, weshalb zusätzliches Eincremen sinnvoll ist und ebenfalls zum Schutz vor Krankheitserregern beiträgt.

Wichtiger Hinweis: Desinfektionsmittel kann die Haut nicht nur austrocknen, sondern auch eine allergische Reaktion auslösen. Testen Sie die Hautverträglichkeit vorher auf der dünnen Haut in der Armbeuge. Wenn nach einer Stunde keine Rötungen oder Juckreiz entstehen, können Sie das Desinfektionsmittel normal anwenden.

So schützen Sie sich vor dem Coronavirus

Es liegt Angst in der Luft – vor allem, weil von allen Seiten verschiedene Informationen über das Coronavirus auf uns einprasseln. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Sie sich bei glaubwürdigen Quellen informieren und die Ruhe bewahren. Sie können sich jederzeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) über den aktuellen Stand des Coronavirus in der Schweiz und weltweit informieren.

Ständiges Desinfizieren der Hände schützt Sie nur bedingt. Viren sollten insbesondere durch gründliches Händewaschen von der Haut gespült werden. In öffentlichen Räumen sollten Sie Abstand zu anderen Menschen halten und das Händeschütteln oder anderen Körperkontakt bestmöglich vermeiden.

Das Tragen von Atemschutzmasken ist momentan nicht notwendig. Gerade die Mund-Nasen-Schutzmasken, zu denen viele Privatpersonen greifen, schützen nicht effektiv vor dem Coronavirus. Sie dienen medizinischem Personal im Operationssaal, um den Patienten vor einer Tröpfcheninfektion zu schützen. Den Träger hingegen schützt die Maske nicht effektiv vor Tröpfchen in der Umgebung.

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