Von Anis bis Zitrone: Diese Hausmittel helfen bei Übelkeit

Übelkeit, Bauchschmerzen oder gar Brechreiz sind für Betroffene sehr unangenehm. Abhängig vom Schweregrad und der Ursache von Übelkeit können sanfte Hausmittel wie Ingwer, Kräutertees und Zitronenöl die Beschwerden lindern oder deinem Unwohlsein sogar ein Ende bereiten. Welche Hausmittel du bei Übelkeit anwenden kannst, wovon du besser die Finger lässt und wann ärztlicher Rat notwendig ist, erfährst du in diesem Artikel.

Collage: Wacholderbeeren, Ingwertee und Fenchelsamen
Wacholderbeeren, Ingwertee und Fenchelsamen wirken wohltuend bei Übelkeit. © iStock / Getty Images Plus
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Hausmittel gegen Übelkeit – das Wichtigste in Kürze:

  • Die Ursachen für Übelkeit sind unterschiedlich. Es können sowohl harmlose Gründe als auch ernst zu nehmende Krankheiten die Ursache sein.
  • Hält die Übelkeit über mehrere Tage an, solltest du eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.
  • Es gibt verschiedene Hausmittel gegen Übelkeit, die lindernd wirken. Dazu zählen Ingwer, Wacholderbeeren und verschiedene Tees.
  • Dass Cola gegen Übelkeit helfen soll, ist ein Mythos.

Übelkeit ist ein wichtiger Schutzreflex unseres Körpers: Sie tritt etwa auf, wenn wir etwas Schlechtes gegessen haben oder schädliche Bakterien oder Viren in den Magen-Darm-Trakt gelangen. Doch auch anhaltender Stress, zu viel Alkohol, ein Reizmagen oder schlicht Ekel können Übelkeit hervorrufen. Dann kannst du auf eine grosse Palette an altbewährten Hausmitteln gegen Übelkeit zurückgreifen, welche den Magen beruhigen oder gar den Brechreiz hindern.

Ursachen für Übelkeit und Erbrechen

Wem übel ist, dem mag das Unwohlsein lästig erscheinen. Doch Übelkeit  sendet dem Gehirn die wichtige Information, dass im Magen-Darm-Trakt etwas nicht stimmt – zum Beispiel, weil über die Nahrung schädliche Stoffe aufgenommen wurden. Um den empfindlichen Magen-Darm-Trakt zu schützen, ermöglichen Mechanismen wie das Erbrechen oder Durchfall es dem Körper, schädliche Stoffe oder Viren und Bakterien schnell wieder loszuwerden.

Die Ursachen für Übelkeit sind vielfältig. Es gibt sowohl harmlose, leicht zu behandelnde Ursachen als auch schwere Gründe wie Krankheiten, die auskuriert oder gar ärztlich behandelt werden müssen. Zu den Ursachen zählen:

  • Schwangerschaft
  • Reiseübelkeit
  • Ekel
  • Stress
  • Reizmagen
  • Alkohol
  • Lebensmittelunverträglichkeiten
  • Lebensmittelvergiftung
  • Migräne
  • Infektionen
  • Magenschleimhautentzündung
  • Koliken
  • Nierenbeckenentzündung
  • Blinddarmentzündung

Grundsätzlich gilt: Hält die Übelkeit länger als zwei bis drei Tage an und/oder treten weitere Symptome wie Fieber oder Kopfschmerzen auf, solltest du eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Auch bei immer wieder auftretender Übelkeit können Krankheiten wie Migräne oder Unverträglichkeiten die Ursache sein und ärztlicher Rat ist unumgänglich.

Die besten Hausmittel gegen Übelkeit

Sind Stress, etwa in Prüfungssituationen oder im Job, ein Reizmagen, lange Autofahrten oder Ekel die Gründe für Übelkeit, kannst du ihr mit einigen Hausmitteln ein Ende bereiten oder lindern. Hausmittel können bei einem Magen-Darm-Infekt dazu beitragen, dass du ausreichend Flüssigkeit zu dir nimmst und dabei die Übelkeit erträglicher machst.

Gerade, wenn du aufgrund hoher Belastung oft von Übelkeit geplagt wirst, ist es wichtig, für Entspannung zu sorgen und auf eine regelmässige und gesunde Ernährung zu achten. Denn oft geht Stress mit unachtsamer Nahrungsaufnahme einher, was Übelkeit auslösen kann. Dann ist es wichtiger, die Ursache anstelle der Symptome zu behandeln.

Hier findest du 11 Tipps gegen Stress.

Ingwer gegen Übelkeit

Bei Übelkeit ist Ingwer ein hilfreiches Hausmittel aus der Küche. Apothekerin Dr. sc. nat. Beatrix Falch erklärt: «Ingwer hat eine wissenschaftlich belegte antiemetische Wirkung. Seine Inhaltsstoffe docken an Rezeptoren im Magen-Darmtrakt an, welche den Brechreiz unterdrücken.»

Seine volle Kraft entfaltet der gesunde Ingwer, wenn du ein paar frisch aufgeschnittene Scheiben der Wurzel mit kochendem Wasser aufgiesst. 15 Minuten abgedeckt ziehen lassen und langsam, Schluck für Schluck trinken. Bei Bedarf eine weitere Tasse Ingwertee aufsetzen.

Wacholderbeeren gegen Übelkeit

Wachholderbeeren haben viele im Gewürzschrank. Aus einem Teelöffel leicht zerstossener Beeren kannst du ebenfalls einen Tee aufbrühen. Apothekerin Dr. Falch weiss: Sogar pur kannst du Wachholderbeeren gegen Übelkeit einnehmen. Einfach zwei der getrockneten Beeren gut zerkauen und schlucken. Der holzig harzige Geschmack ist zwar gewöhnungsbedürftig, doch Übelkeit, Blähungen und Völlegefühl können dadurch effektiv gelindert werden. Aber Achtung: Nicht jeder verträgt Wacholderbeeren und im Übermass eingenommen kann Wacholder sogar Übelkeit auslösen.

Zitrone gegen Übelkeit

Auch Zitronen sind ein weit verbreitetes Hausmittel gegen Übelkeit. Zum Einnehmen eignet sich laut Apothekerin Dr. Falch Zitronenwasser. Hierfür kannst du einfach eine Bio-Zitrone auspressen und den Saft in einem Glas mit stillem Wasser aufgiessen. «Zitrone wirkt beruhigend auf den Magen und regt die Gallenproduktion an», erklärt Dr. Falch. Bei Sodbrennen rät sie hingegen wegen der enthaltenen Säure von der Einnahme von Zitronensaft ab. «Zitronenöl kann ausserdem als Aromatherapie gegen Erbrechen eingesetzt werden», weiss die Expertin.

Ein Glas mit Wasser, Zitronensaft und einer Zitronenscheibe
Ein Glas Wasser mit Zitronensaft tut bei Übelkeit gut.  © Darya Arnautova / iStock / Getty Images Plus

Löwenzahn gegen Übelkeit

Apothekerin Dr. Falch betont, dass die Einnahme bitterstoffhaltiger Arzneipflanzen wie Löwenzahn, Enzian und Tausendgüldenkraut generell gut gegen Übelkeit helfe, weil Bitterstoffe eine krampflösende, magenberuhigende und motilitätsfördernde Wirkung haben. «Diese bitterstoffhaltigen Pflanzen können etwa schluckweise als Tee oder als Tinktur mit Wasser verdünnt eingenommen werden», rät die Expertin.

Eine Löwenzahnpflanze auf einem Holzbrettchen
Eine Löwenzahnpflanze auf einem Holzbrettchen © Madeleine_Steinbach / iStock / Getty Images Plus

Melisse gegen Übelkeit

Die Blätter der Melisse zu kauen, kann gegen Übelkeit und Unwohlsein helfen. Laut Apothekerin Dr. Falch wirkt Melisse krampflösend und magenberuhigend und eignet sich daher bestens als Hausmittel gegen Übelkeit. Für die Wirkung kannst du einfach auf ein paar jungen Blättern der Melisse herumkauen und sie anschliessend aus dem Mund nehmen. Oder du brühst dir mit frischer oder getrockneter Melisse einen Tee auf.

Frische Blätter der Melisse
Frische Blätter der Melisse helfen gegen Übelkeit. © Елена Черкасова / iStock / Getty Images Plus

Tees gegen Übelkeit

Neben den genannten Hausmitteln gibt es zudem zahlreiche Tees, die bei Übelkeit für Linderung sorgen. Dazu zählen:

  • Fencheltee
  • Fenchel-Anis-Kümmel-Tee
  • Pfefferminztee
  • Kamillentee

Die Kräutertees wirken krampflösend und beruhigen den Magen-Darm-Trakt. Da es gerade bei Erbrechen und Durchfall schnell zu einer Dehydration kommt, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig. Apothekerin Dr. Falch rät dabei: «Am besten sollte man bei Übelkeit warme Getränke zu sich nehmen und diese in kleinen Schlucken trinken.»

Auch Schwarztee kann bei Übelkeit gut tun. Dafür sollte er aber maximal 2 Minuten ziehen. Dr. Falch gibt aber zu denken: «Manche reagieren sehr empfindlich auf die Gerbstoffe im Schwarztee, wodurch sich die Übelkeit verstärken kann.»

Salzbrezeln gegen Übelkeit

Ein weit verbreitetes Hausmittel gegen Übelkeit beziehungsweise Durchfall sind Salzstangen. Dr. Falch gibt jedoch zu denken: «Von Ärzten wird dieses Hausmittel bei Durchfall abgelehnt, da die Salzkonzentration sehr hoch ist.» Sehr gut gekaut seien Brezeln jedoch eine Möglichkeit, trotz Übelkeit etwas Nahrung aufzunehmen.

Wärme gegen Übelkeit

Übelkeit kann auch durch eine verkrampfte Muskulatur im Magen ausgelöst werden – zum Beispiel, wenn du aufgeregt bist. In dem Fall wirkt Wärme beruhigend bei Übelkeit. Lege dir beispielsweise ein warmes Kirschkernkissen oder eine Wärmeflasche auf den Bauch, um die Beschwerden zu lindern.

Hilft Cola gegen Übelkeit?

Ebenso verbreitet wie Salzstangen ist Cola als Hausmittel gegen Übelkeit. Die beiden Hausmittel werden gerade in Kombination oftmals angepriesen. Doch Cola enthält viel Zucker, Koffein und Säure. «Brezeln sind, gut gekaut und in kleinen Mengen, denkbar bei Übelkeit, Cola empfehle ich nicht», betont Apothekerin Dr. Falch.

Wer neben Tee zu weiteren Getränken gegen Übelkeit greifen möchte, kann sich bei der Ärztin, dem Arzt oder der Apotheke nach Elektrolytlösungen erkundigen. Elektrolyte sind Mineralstoffe wie Natrium, Kalium und Bikarbonat, welche dem Körper nach dem Erbrechen, bei Durchfall oder nach dem Konsum von viel Alkohol fehlen. Daher gelten Elektrolytlösungen oft als «Katermittel» schlechthin – ob sie tatsächlich gegen die Symptome einer durchzechten Nacht helfen, wurde wissenschaftlich jedoch bisher nicht belegt.

Was kann man bei Übelkeit essen?

Übelkeit geht in der Regel mit Appetitlosigkeit einher. Schliesslich geht es bei Übelkeit vor allem darum, den Körper zu entleeren. Deshalb schadet es auch nicht, das Essen erstmal zu vernachlässigen.

Zwieback gehört zu den Lebensmitteln, die bei Übelkeit gut verträglich sind
Zwieback gehört zu den Lebensmitteln, die bei Übelkeit gut verträglich sind © marylooo / iStock / Getty Images Plus

Wenn der Hunger nach einer Magen-Darm-Grippe jedoch langsam zurückkommt oder dir aufgrund von Aufregung übel ist, du aber trotzdem etwas essen möchtest, gibt es einige geeignete Lebensmittel. Von fettigen Speisen und Fertigprodukten solltest du jetzt die Finger lassen. Auch von Zitrusfrüchten, Milch und kalten Speisen rät Apothekerin Dr. Falch ab. Stattdessen kannst du kleine Mengen gut verdaulicher Kost zu dir nehmen. Dazu zählen etwa:

  • Weissbrot
  • Zwieback
  • Bouillon
  • Gemüsesuppen

Hierbei ist es laut der Expertin besonders wichtig, gut zu kauen und kleine Mengen zu sich zu nehmen, um die Verdauung zu entlasten.

Zur Person

Beatrix Falch
© zVg

Dr. sc. nat. Beatrix Falch ist Apothekerin mit Fähigkeitsausweis FPH in Phytotherapie. Zudem doziert sie zu phytotherapeutischen Themen, arbeitet als Wissenschaftsjournalistin und ist als Vizepräsidentin der Schweizerischen Medizinischen Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP) tätig.

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