Bisphenol A: Schädlicher Weichmacher oder harmloser Inhaltsstoff?

Als Bestandteil von Trinkflaschen für Babys ist Bisphenol A verboten. Doch steckt der Weichmacher weiterhin in vielen Alltagsprodukten. Wie schädlich ist Bisphenol A wirklich und wo ist es enthalten?

Bisphenol A: Wie schädlich und wo enthalten der Weichmacher ist
Viele Alltagsgegenstände enthalten BPA. Der Weichmacher gilt als hormonaktiv. Foto: © FotografiaBasica / E+, wragg / E+, yuii / iStock / Getty Images Plus, Collage: Redaktion
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Im Gespräch ist das umstrittene Bisphenol A, kurz BPA, schon lange und das weltweit. Noch 2009 erklärte das Bundesamt für Gesundheit (BAG), dass die Einnahme von Bisphenol A (BPA) über die Nahrung keine Gefahr darstelle, auch nicht für Kinder.

2011 wurde BPA im Nachbarland Deutschland in Trinkflaschen für Babys trotzdem verboten. 2017 verschwand die Flasche für Babys mit BPA auch aus den Schweizer Regalen.

Bisphenol A: So wirkt der Weichmacher auf unsere Gesundheit

Klar ist, dass Bisphenol A nicht nur über die Nahrung (oder Flüssigkeiten) aufgenommen wird, sondern auch über Hautkontakt.

Darüber ob Bisphenol A eine gefährliche Wirkung auf den menschlichen Körper habe oder nicht, sind die Meinungen geteilt. Auch über die Höhe der Dosierung, die schädlich sein soll, ist man sich uneins. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass BPA eine mit dem Sexualhormon Östrogen vergleichbare Wirkung hat. Bisphenol A soll die Fortpflanzungsfähigkeit stören und gerade bei Babys und Kleinkindern die Entwicklung des Gehirns und später ihre körperliche Entwicklung empfindlich negativ beeinflussen können.

Die Weltgesundheitsorganisation stuft BPA als endokrinen Disruptor ein. Diese Bezeichnung steht für Umwelthormone bzw. hormonähnliche Substanzen, die bereits in geringen Mengen die menschliche Gesundheit erheblich beeinflussen.

Weiter steht die chemische Verbindung im Verdacht, Nerven, das Herz-Kreislauf-System sowie den menschlichen Metabolismus, Stichworte Fettleibigkeit und Diabetes, negativ zu beeinflussen. Auch die Krebsgefahr durch BPA wird laut BAG unter Fachleuten diskutiert.

Besorgniserregende Stoffe mit ähnlicher Funktion sind Phtalate und Bisphenol S (BPS). Sie stehen ebenfalls im Verdacht, negative Auswirkungen für die Gesundheit zu haben.

Wo ist BPA eigentlich drin?

BPA ist für die Industrie ein praktischer Stoff. Grundsätzlich kommt er in Kunststoffen vor, allen voran in jenen aus Polycarbonat. So gibt es zahlreiche Verpackungen für Lebensmittel, vor allem aber Konservendosen (in der inneren Schutzschicht), die BPA aufweisen.

Bisphenol A: Enthalten in mikrowellengeeignetem Geschirr

In Geschirr aus Kunsstoff ist BPA oft enthalten, vor allem wenn es mikrowellengeeignet ist. Foto: FotografiaBasica / E+

Auch wiederverwertbares Kunststoffgeschirr wie Schüsseln, Wasserkocher, Trinkflaschen für den Outdooreinsatz, Thermopapier wie Kassenzettel oder Parktickets enthalten den Stoff. Weiter vorkommen kann er in Deckeln von Schraubgläsern, Mobiltelefonen und verschiedene medizinische Produkten wie etwa Kompositfüllungen für die Zähne. Auch für Farben und Lacke, PVC-Böden, Kabel und Pneus wird die Substanz verwendet.

In der Schweiz ist der Weichmacher in Flaschen für Babys zwar seit 2017 verboten, doch Spielzeug kann hierzuland immernoch BPA enthalten.

Eine Studie der Universität Frankfurt zeigt, dass in PET-Flaschen kein BPA enthalten ist. Zwar wurde der Stoff in einigen überprüften Mineralwassern gefunden. Die Forscher gehen jedoch davon aus, dass die im Wasser nachgewiesene Chemikalie nicht von der Flasche stammt, sondern von vorher eingesetzten Kunststoffbehältern.

Die bedingt guten Nachrichten sind, dass die Grenzwerte für Kunststoff mit dieser Chemikalie, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, in der Schweiz bereits 2006 drastisch verschärft wurden und für Spielzeug im Jahr 2015. Für Thermopapier wie den Kassenzettel gelten ab Juni 2020 ebenfalls tiefere Grenzwerte. Schon heute bieten einige Hersteller solche Papiere als Alternativen an, die BPA-frei sind.

Warum ist BPA in so vielen Produkten?

Die Substanz wird oft in der Kunststoffproduktion verwendet, weil sie viele Vorteile hat. Allen voran: Sie macht Kunststoff flexibel. Zudem wird sie verwendet, um Inhalte vor dem Kontakt mit anderen Materialien zu schützen, zum Beispiel als innere Schutzschicht in Konservendosen. Die Konservendosen legen dank der dünnen Schutzschicht nicht an Gewicht zu.

Bisphenol A enthalten in Konservendosen

Die Schutzschicht in Konservendosen besteht oft aus BPA. Foto: © wragg / E+

Doch liegt genau hier das Problem: Säuren zum Beispiel können den Stoff lösen.

Eine US-Studie belegt, dass zwei Drittel aller Konserven BPA enthalten. Die deutsche Naturschutzorganisation kam zu einem prekäreren Ergebnis. So enthielten 74 Prozent der Lebensmittel in Konservendosen Spuren vom ambivalenten Hilfsstoff. Dosen mit Tomaten, Thunfisch, Kokosmilch oder Sauerkraut waren unter den Testprodukten, bei denen eine BPA-Konzentration nachweisbar war.

Leider, so das BAG, ist die Substanz, aufgrund des vielfältigen Einsatzes, praktisch überall in der Umwelt nachweisbar. Selbst in Gewässern wird es gefunden, was, das ist nachgewiesen, die Fortpflanzungsfähigkeit von Wasserlebewesen gefährlich beeinflusst. Somit sind auch negative Auswirkungen auf die Umwelt bewiesen.

Der Bund hat die Chemikalie übrigens auch im Hausstaub von Kinderkrippen nachgewiesen. Wahrscheinlich sieht es Zuhause nicht besser aus.

Warum wurde Bisphenol A nicht längst verboten?

Die Wirkung von kleinen Mengen solch chemischer Stoffe eindeutig zu beweisen, ist schwierig. So sind die Experten uneins darüber, ob ein Verbot wirklich nötig ist. Viele Forscher sprechen sich lediglich für einen Grenzwert aus, da sie davon ausgehen, dass BPA und vergleichbare Chemikalien nur in höheren Dosen schädliche Wirkungen für den Menschen haben.

Lesetipp:

Viele Konsumentenschützer und andere Experten widersprechen diesem Urteil jedoch. Sie fordern, zumindest das Bisphenol A zu verbannen, das über die Haut oder über damit in Berührung gelangte Lebensmittel aufgenommen wird.

Zumindest soll ein vorübergehendes Verbot von Bisphenol A erreicht werden, bis weitere Studien die genaue Gesundheitsgefahr darlegen können. Trotz der vielen Forderungen nach einem Verbot gibt es bisher jedoch nur einzelne Vorstösse und eine europaweite Regelung ist nicht in Sicht.

Verbote und Grenzwerte in verschiedenen Ländern

Andere Länder gehen inzwischen weiter als die Schweiz. So hat Frankreich seit 2015 ein generelles Verbot von Bisphenol A in Lebensmittelverpackungen und fordert dies bei Kassenbons für die gesamte EU. In Schweden wird ein Komplett-Verbot diskutiert, zumindest Lebensmittelbehälter für Kleinkinder ist es bereits verboten.

In Österreich und in US-amerikanischen Geschäften dürfen Schnuller und Beiss-Spielzeug die Chemikalie nicht mehr aufweisen, andere Länder haben ebenfalls dem Verkauf von Trinkflaschen für Säuglinge mit dieser Chemikalie den Riegel vorgeschoben.

Auch in der Schweiz ist noch unklar, ob der Weichmacher bald generell aus Verpackungen und Kassenzetteln verschwinden wird. Dabei wäre ein Verbot relativ unproblematisch, da es mittlerweile viele Alternativen zu Bisphenol A gibt.

Aktuelle Informationen zu BPA finden Sie beim Bundesamt für Gesundheit.

Wie Sie BPA am besten vermeiden

BPA in Produkten des täglichen Gebrauchs meiden, ist als Verbraucher nicht ganz leicht. Denn Bisphenol A muss nicht zwingend gekennzeichnet werden. Herauszufinden, ob ein Mikrowellengeschirr oder eine Konservendose den Weichmacher enthält, ist damit oft unmöglich.

Einige Anhaltspunkte gibt es aber, um festzustellen, ob ein Produkt eher BPA enthält oder BPA-frei ist.

  1. Der chemische Stoff kommt in vielen Haushaltsgeräteteilen, Schüsseln für Lebensmittel, hitzebeständigen Flaschen und mikrowellengeeigneten Kunststoffprodukten vor. Auch Lebensmittelverpackungen enthalten oft Bisphenol A.
  2. Beim Recyclingcode 7 kann davon ausgegangen werden, dass der Weichmacher enthalten ist.
  3. Achten Sie darauf, ob auf dem Produkt die Abkürzung «PC» aufgedruckt ist. Das weist das auf Polycarbonat und damit auf Bisphenol A hin.

Unser Tipp:

Ansonsten gibt es inzwischen bereits viele Firmen, die ihre Produkte mit «BPA-frei» oder Vermerken wie «ohne BPA» oder «BPA free» kennzeichnen. Besonders BPA-freie Trinkflaschen sind mittlerweile oft zu finden und bestehen aus Material wie aus Edelstahl, Glas oder es sind Tritan-Trinkflaschen.

Bisphenol A vor Neubewertung

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat 2018 beschlossen, BPA erneut genau zu prüfen und zu bewerten. Die Behörde kann zwar keine Verbote aussprechen, aber sie gibt Empfehlungen. Mit einer neuen Bewertung der Gesundheitsrisiken und einem möglichen Verbot, kann jedoch nicht vor 2020 gerechnet werden.

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