Handcreme selber machen und einfache Hausmittel gegen trockene Hände Pauline Bodinek Trockene, raue oder sogar rissige Hände sind häufig – besonders im Winter, bei häufigem Händewaschen oder in Berufen mit viel Nassarbeit. Entscheidend ist nicht nur, womit du deine Hände pflegst, sondern vor allem wann und wie regelmässig. Hier findest du eine alltagstaugliche, wissenschaftlich fundierte Handpflege-Routine, sinnvolle Inhaltsstoffe, Warnzeichen für ein Handekzem und zwei einfache Rezepte, wenn du Handcreme selber machen möchtest. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Handcreme kannst du mit effektiven Hausmitteln selber machen. Foto © OlgaMiltsova / iStock / Getty Images Plus Unsere Hände leisten jeden Tag viel: Sie werden gewaschen, desinfiziert, Kälte ausgesetzt und kommen mit Reinigungsmitteln, Papier, Wasser oder Staub in Kontakt. Gleichzeitig ist die Haut an den Händen besonders belastet. Sie hat weniger Talgdrüsen als andere Körperstellen und trocknet deshalb schneller aus. Wenn die Hautbarriere geschwächt ist, fühlt sich die Haut gespannt an, wird rau, schuppt oder brennt. Mit der richtigen Pflege lässt sich das oft gut auffangen – bevor aus trockener Haut ein hartnäckiges Problem wird. Warum Hände so schnell austrocknen Trockene Hände entstehen selten durch nur einen Auslöser. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen: häufiges Waschen, kalte Luft, trockene Innenräume, Putzarbeiten oder berufliche Belastungen. Je besser du die Auslöser kennst, desto gezielter kannst du gegensteuern. Häufiges Waschen und Desinfizieren Händehygiene bleibt wichtig. Gleichzeitig belastet sie die Hautbarriere. Vor allem heisses Wasser, häufiges Einseifen und alkoholische Desinfektionsmittel ohne rückfettende Bestandteile können die Hornschicht austrocknen. Dadurch gehen Feuchtigkeit und hauteigene Fette verloren. Die Haut wirkt stumpf, spannt und wird anfälliger für kleine Einrisse. Häufiges Händewaschen reizt die Haut und bedingt trockene Hände. Foto © PeopleImages / E+ Im Alltag hilft eine einfache Regel: Wasche deine Hände mit lauwarmem Wasser, so kurz wie sinnvoll und mit einer milden, pH-hautnahen Reinigung. Danach sofort cremen. Gerade dieses Timing macht einen grossen Unterschied, weil die Haut direkt nach dem Trocknen besonders von Pflege profitiert. Winter, Wind und trockene Innenluft Kalte Aussenluft, Wind und trockene Heizungsluft setzen der Handhaut stark zu. Drauussen verliert die Haut schneller Feuchtigkeit, drinnen sinkt die Luftfeuchtigkeit oft deutlich. Dazu kommen starke Temperaturwechsel zwischen Innen- und Aussenraum. Das kann die Hautbarriere zusätzlich stressen. Wenn deine Hände im Winter plötzlich viel empfindlicher werden, ist das kein Zeichen von «schlechter Haut», sondern eine normale Reaktion auf Belastung. Berufliche Nassarbeit Besonders häufig betroffen sind Menschen, die beruflich oft mit Wasser, Reinigungsmitteln, Handschuhen oder Desinfektionsmitteln arbeiten – etwa in Betreuung, Pflege, Gastronomie, Reinigung, Coiffeurberufen, Medizin, Handwerk oder Landwirtschaft. Auch zu Hause kann regelmässige Nassarbeit eine Rolle spielen, etwa beim Putzen, Abwasch oder bei der Versorgung kleiner Kinder. Wenn deine Hände praktisch nie ganz zur Ruhe kommen, braucht deine Hautbarriere eine konsequente Routine statt nur gelegentliche Pflege. Was bei trockenen Händen wirklich hilft Viele Menschen cremen erst dann, wenn die Haut schon spannt oder brennt. Wirksamer ist eine einfache Routine, die die Hautbarriere regelmässig unterstützt. Je trockener die Haut ist, desto wichtiger sind milde Reinigung, rasches Eincremen und eine reichhaltige Nachtpflege. Milde Reinigung Nicht jede Seife ist für trockene Hände geeignet. Sinnvoll sind milde Syndets oder Waschprodukte mit pH-hautnahem Bereich. Sie reinigen, ohne die Haut unnötig stark zu entfetten. Auf aggressive Duftstoffe, stark entfettende Reinigung und sehr heisses Wasser solltest du möglichst verzichten. Wenn deine Hände nur leicht verschmutzt sind, reicht oft kurzes Waschen mit lauwarmem Wasser und wenig Reinigungsprodukt. Direkt nach jedem Waschen cremen Der wichtigste Pflegeschritt ist oft der einfachste: Creme deine Hände direkt nach jedem Händewaschen ein. So schliesst du Feuchtigkeit ein und unterstützt die Hautbarriere, bevor Spannungsgefühl entsteht. Für tagsüber eignet sich eine leichtere, gut einziehende Handcreme. Stelle sie sichtbar neben Lavabo, Wickeltisch, Küche oder Arbeitsplatz. Wenn die Creme griffbereit ist, wird sie eher benutzt. Checkliste: Nach jedem Händewaschen Mit lauwarmem Wasser waschen Milde, pH-hautnahe Reinigung verwenden Hände sorgfältig trocken tupfen – auch zwischen den Fingern Innerhalb von wenigen Minuten eincremen Bei Reizung auf duftstofffreie Pflege umsteigen Nachtpflege mit fettreicher Creme Wenn deine Hände stark trocken oder rissig sind, reicht tagsüber eine leichte Creme oft nicht aus. Dann ist die Nacht ideal für intensivere Pflege. Trage vor dem Schlafengehen eine reichhaltigere, fettere Creme oder Salbe auf. Baumwollhandschuhe können helfen, damit die Pflege länger auf der Haut bleibt und Bettwäsche sauber bleibt. Bei sehr trockenen Stellen kann es sinnvoll sein, die Pflege gezielt auf Knöchel, Fingerspitzen und Nagelfalze aufzutragen. Welche Inhaltsstoffe sinnvoll sind Nicht jede Handcreme pflegt gleich gut. Gerade bei trockener oder empfindlicher Haut lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Entscheidend ist, dass die Pflege Feuchtigkeit bindet, die Hautbarriere unterstützt und möglichst wenig reizt. Natürliche Fette und Aloe Vera schützen trockene Hände. Foto © Mónica Ramos Macías / iStock / Getty Images Plus Glycerin, Urea, Ceramide Besonders sinnvoll sind Inhaltsstoffe, die Wasser in der Haut binden oder die Hautbarriere ergänzen: Glycerin: bindet Feuchtigkeit und ist in vielen guten Handcremes enthalten. Urea: kann Feuchtigkeit verbessern und raue Haut glätten. Bei stark rissiger oder wunder Haut kann Urea allerdings brennen. Ceramide: unterstützen die Hautbarriere und sind vor allem bei sehr trockener, empfindlicher Haut hilfreich. Pflanzenöle und -fette: etwa Sheabutter, Mandelöl oder Jojobaöl können die Haut geschmeidig machen und den Fettverlust ausgleichen. Auch einfache Hausmittel können ergänzend helfen, wenn die Haut nur trocken, aber nicht entzündet ist: Kokosöl: pflegt trocken wirkende Stellen und ist als Schutzpflege für zwischendurch beliebt. Sheabutter: eignet sich für trockene, raue Haut und ist in reichhaltigen Formulierungen gut einsetzbar. Olivenöl: kann als kurzfristige Fettpflege genutzt werden, ersetzt aber keine gut formulierte Handcreme mit Feuchthaltefaktoren. Aloe Vera: spendet Feuchtigkeit und kann angenehm sein, wenn dir reichhaltige Pflege tagsüber zu fettig ist. Feuchtigkeit von innen: Regelmässiges Trinken ist für das allgemeine Wohlbefinden wichtig. Sehr trockene Hände lassen sich dadurch allein jedoch meist nicht lösen – entscheidend bleibt die äussere Hautpflege. Duftstofffreie Pflege Wenn deine Hände empfindlich, rissig oder zu Ekzemen neigend sind, ist duftstofffreie Pflege meist die bessere Wahl. Ätherische Öle, Parfum oder stark beduftete Cremes riechen zwar angenehm, können aber reizen oder bei vorgeschädigter Haut brennen. Auch «natürlich» bedeutet nicht automatisch «gut verträglich». Gerade bei Kindern, bei atopischer Haut oder bei bestehender Reizung lohnt sich eine möglichst schlichte Formulierung. DIY: Handcreme selber machen Selbstgemachte Handcreme kann eine schöne Ergänzung sein – vor allem, wenn du einfache, überschaubare Zutaten möchtest. Wichtig ist aber: DIY ersetzt keine medizinisch sinnvolle Pflege bei stark gereizter, entzündeter oder rissiger Haut. Wenn deine Hände brennen, nässen, bluten oder immer wieder aufplatzen, ist eine gut verträgliche, möglichst reizfreie Fertigpflege in der Regel die bessere Wahl. Handcreme selber machen mit wenigen natürlichen Zutaten. Foto © simarik / iStock / Getty Images Plus Gute DIY-Bausteine Für einfache DIY-Rezepte eignen sich vor allem gut verträgliche Fette und Öle wie Sheabutter, Kakaobutter, Jojobaöl oder Mandelöl. Sie können die Haut geschmeidig machen und einen schützenden Film hinterlassen. Wenn du selbst rührst, arbeite sauber, sterilisiere das Gefäss vorher und mache kleine Mengen, damit die Creme frisch bleibt. Für die Herstellung brauchst du nebst den Zutaten: einen kleinen Topf einen grösseren Topf für das Wasserbad ein Gefäss (kleine Dose oder Schraubglas) für die fertige Creme. Es muss vorher sterilisiert (ausgekocht) werden. Rezept I: Handcreme selber machen mit Bienenwachs Zutaten 50 Gramm Sheabutter 30 Gramm Kakaobutter 24 Gramm Bienenwachs 2 El Pflanzenöl (zum Beispiel Olivenöl, Jojobaöl oder Mandelöl) Optional: 5 Tropfen ätherisches Öl (Lavendel, Thymian, Ylang-Ylang) Zubereitung Bring die Kakaobutter mit dem Bienenwachs in einem Wasserbad zum Schmelzen. Rühre das Pflanzenöl und die Sheabutter in die geschmolzene, noch warme Kakaobutter ein und nimm den Topf aus dem Wasserbad. Gib das ätherische Öl hinzu, wenn die Masse etwas abgekühlt ist. Bevor die Creme ganz kalt ist, füllst du sie in eine leere Dose oder in ein kleines Glas mit Schraubverschluss. Tipp: Die selbstgemachte Creme ist mindestens drei Monate haltbar und sollte nicht im Kühlschrank aufbewahrt werden. Bei Zimmertemperatur erhält sie die beste Kosistenz. Rezept ll: Vegane Handcreme selber machen Zutaten 30 Gramm Kakaobutter 30 Gramm Sheabutter 25 Gramm Kokosöl 2 El Pflanzenöl (zum Beispiel Olivenöl, Jojobaöl oder Mandelöl) Optional: 2 EL Speisestärke (Kartoffel- oder Maisstärke) Optional: 5 Tropfen ätherisches Öl (Lavendel, Rose, Ylang-Ylang, Orange) Rezept Lass das Kokosöl in einem Wasserbad schmelzen. Reduziere die Hitze und gib die Kakao- und Sheabutter sowie die Speisestärke hinzu. Anschliessend kann der Topf aus dem Wasserbad genommen und das Pflanzenöl untergerührt werden. Gib das ätherische Öl hinzu, wenn die Creme kalt geworden ist. Fülle die Creme in ein kleines Glas mit Schraubverschluss oder in eine Metalldose. Tipp: Die Speisestärke dient der Festigkeit und kann auch weggelassen werden. Wenn du feste Handcreme möchtest, kannst du zusätzlich einen weiteren EL Stärke hinzugeben und kleine Kugeln aus der abgekühlten Masse formen. Grenzen bei sehr rissiger Haut DIY-Produkte haben Grenzen. Sie enthalten meist keine gezielt abgestimmten Feuchthaltefaktoren wie Glycerin, Urea oder Ceramide. Zudem können ätherische Öle empfindliche Haut reizen. Für leicht trockene Hände kann DIY angenehm sein. Für stark beanspruchte, schmerzhafte oder entzündete Handhaut sind duftstofffreie, dermatologisch sinnvolle Produkte meist die bessere Unterstützung. Trockene Hände oder Handekzem? Nicht jede trockene Hand ist einfach nur «wintertrocken». Wenn die Haut länger entzündet bleibt, immer wieder aufreisst oder stark juckt, kann ein Handekzem dahinterstecken. Das ist wichtig, weil dann eine reine Pflege oft nicht ausreicht. Diese Zeichen sprechen für ein Ekzem Ein Handekzem kann sich unterschiedlich zeigen. Warnzeichen sind: anhaltender Juckreiz oder Brennen deutliche Rötung schmerzhafte Risse Schuppung über längere Zeit kleine Bläschen Nässen, Krusten oder wiederkehrende Entzündung Beschwerden, die trotz guter Pflege nicht besser werden Warnzeichen-Kasten: Wenn deine Hände stark jucken, nässen, bluten, schmerzen oder sich die Haut immer wieder entzündet, solltest du nicht nur weitercremen, sondern medizinisch abklären lassen. Das gilt besonders auch bei Kindern, bei bestehender Neurodermitis oder wenn berufliche Belastungen eine Rolle spielen. Wann medizinisch abklären Lass deine Hände ärztlich anschauen, wenn die Beschwerden länger anhalten, sich verschlimmern oder den Alltag stören. Auch wenn du vermutest, dass Reinigungsmittel, Handschuhe, Metalle oder berufliche Belastungen die Auslöser sind, ist eine Abklärung sinnvoll. Je früher ein Handekzem erkannt wird, desto besser lässt sich die Hautbarriere stabilisieren und Chronifizierung vermeiden. Alltagstipps für die Schweiz Ob kalte Wintertage, trockene Bergluft oder häufiges Händewaschen in Familie und Beruf: Im Alltag machen oft kleine Gewohnheiten den Unterschied. Diese Tipps helfen besonders zuverlässig. 1. Trage bei kalten Temperaturen Handschuhe. Gerade bei Wind, auf dem Velo, beim Warten auf den Bus oder im Skiurlaub schützt das die Hautbarriere spürbar. 2. Beim Putzen, Abwasch und bei Gartenarbeit sind Schutzhandschuhe sinnvoll. Wenn du sie länger trägst, können dünne Baumwollhandschuhe darunter angenehmer sein. 3. Verwende nach jeder Nassarbeit und nach jedem Händewaschen sofort Handcreme. Nicht erst dann, wenn die Haut schon spannt. 4. Wähle für tagsüber eine Creme, die schnell einzieht. So bleibt Handpflege auch mit Kindern, im Büro oder unterwegs realistisch. 5. Für die Nacht darf die Pflege reichhaltiger sein. Besonders Knöchel, Fingerkuppen und Nagelränder profitieren davon. 6. Wenn Händedesinfektion nötig ist, achte auf möglichst hautverträgliche Produkte und gleiche die Belastung mit regelmässiger Pflege aus. 7. Reagiert deine Haut auf Duftstoffe, ätherische Öle oder häufig wechselnde Produkte, ist eine schlichte, duftstofffreie Routine oft die beste Lösung. 8. Wenn du kleine Kinder versorgst, viel wickelst, Hände wäschst oder draussen unterwegs bist, lege an mehreren Orten eine Creme bereit – etwa in Küche, Bad, Tasche und Auto. So wird Pflege alltagstauglich. Das könnte dich auch interessieren Schnelle Handpeelings mit Zutaten aus der Küche Trockene Lippen: Ursachen & welche Hausmittel Lippen geschmeidig pflegen Das hilft bei trockener Haut wirklich Wie du Cremen für jeden Hauttyp einfach selber machst Bodybutter selber machen und die Haut verwöhnen: 2 schnelle Rezepte Bodylotion einfach selber machen mit natürlichen Zutaten