Wie du Cremen für jeden Hauttyp einfach selber machstPflegen, Feuchtigkeit spenden oder gereizte Haut beruhigen: Mit wenigen, gut gewählten Zutaten kannst du eine einfache Hautpflege selbst herstellen. Entscheidend ist weniger die Menge der Inhaltsstoffe als ihre Verträglichkeit, die richtige Auswahl für deinen Hauttyp und eine saubere Zubereitung. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Foto: © Anna-Ok / iStock / Getty Images Plus Selbstgemachte Hautpflege kann nachhaltig, übersichtlich und alltagstauglich sein. Gerade wenn du empfindliche Haut hast oder auf unnötige Duft- und Zusatzstoffe verzichten möchtest, ist ein einfaches Rezept oft die bessere Wahl. Wichtig ist aber auch: «Natürlich» bedeutet nicht automatisch «besser verträglich». Ätherische Öle und Pflanzenextrakte können Kontaktallergien auslösen. Wenn deine Haut sensibel reagiert, ist eine möglichst reizfreie Rezeptur daher meist sinnvoller als eine stark beduftete. Viele hochwertige Pflanzenöle bekommst du in der Schweiz in Apotheken, Reformhäusern oder spezialisierten Online-Shops. Weil die Rohstoffe meist länger haltbar sind, kannst du sie für mehrere kleine Chargen verwenden. Das ist nicht nur praktisch, sondern hilft auch, Abfall zu vermeiden. Für selbstgemachte Kosmetik gilt jedoch: Arbeite sauber, beschrifte dein Gefäss mit Herstellungsdatum und rühre lieber kleine Mengen an. Sobald Wasser in ein Produkt kommt, steigt das Risiko für Keime deutlich. Wasserfreie Balsame und feste Cremen sind deshalb für den Einstieg besonders gut geeignet. Welche Pflege passt also zu deiner Haut? Und worauf solltest du wissenschaftlich betrachtet wirklich achten? Weniger ist oft mehr: Was eine gute selbstgemachte Creme ausmacht Die Hautbarriere schützt vor Feuchtigkeitsverlust, Reizstoffen und Mikroorganismen. Diese Barriere spielen bei trockener, empfindlicher und entzündlicher Haut eine zentrale Rolle. Eine gute Creme unterstützt sie vor allem mit Fetten und Ölen, die die Haut geschmeidig halten und Wasserverlust reduzieren. Für eine einfache Basispflege brauchst du deshalb nicht viele Zutaten, sondern passende. Besonders gut für den Anfang sind wasserfreie Rezepturen. Sie kommen ohne Konservierungsstoffe aus, solange du sauber arbeitest und kein Wasser einträgst. Für das Gesicht und trockene Hautstellen reichen oft drei Bausteine: ein festes Fett wie Kakaobutter, ein weicheres Fett wie Sheabutter und ein Öl, das zu deinem Hauttyp passt. Das Grundrezept für eine pflegende Creme Ein schnelles Rezept für eine Creme besteht aus 15 g Kakaobutter, 8 g Sheabutter und 20 ml Öl (Borretsch, Moringa, Wildrose oder andere). Die Kakao- und Sheabutter im Wasserbad schmelzen. Das jeweilige Öl und nach Belieben 5-10 Tropfen eines natürlichen, ähtärischen Duftöls dazugeben, alles kurz vermischen und direkt in ein passendes Gefäss geben. Die noch flüssige Creme einige Stunden lang in den Kühlschrank stellen, bis sie fest ist. Etwa 40 ml ergeben sich aus dem Rezept. Auftragen kannst du die feste Creme am besten, indem du diese mit der Rückseite des Fingernagels aufnimmst und dann mit den Fingern verteilst. Für empfindliche Haut lohnt sich eine kleine Anpassung des Grundrezepts: Lass Duftstoffe am besten weg. Das ist besonders sinnvoll bei Kindern, bei Neurodermitis, bei sehr reaktiver Haut oder wenn du bereits auf Kosmetik reagiert hast. Hygiene und Haltbarkeit: Das wird beim Selbermachen oft unterschätzt Wenn du Cremen selbst machst, ist Sauberkeit entscheidend. Reinige Schüssel, Löffel und Tiegel gründlich und trockne alles gut ab. Nimm das Produkt möglichst mit einem sauberen Spatel oder frisch gewaschenen Händen heraus. Bewahre kleine Mengen kühl, dunkel und gut verschlossen auf. Wichtig zu wissen: Das Grundrezept ist wasserfrei und daher deutlich stabiler als selbst gemischte Emulsionen mit Wasser oder Hydrolaten. Sobald Wasser enthalten ist, brauchst du in der Regel ein durchdachtes Konservierungssystem, sonst können sich Keime vermehren. Für Familien mit Kindern ist das besonders relevant, weil gereizte oder aufgekratzte Haut empfindlicher auf verunreinigte Produkte reagiert. Borretsch-Öl spendet trockener Haut viel Feuchtigkeit Durch seinen hohen Anteil an Gamma-Linolensäure wird Borretsch-Öl häufig für trockene und barrieregestörte Haut verwendet. Solche Fettsäuren können helfen, die Haut geschmeidiger wirken zu lassen und den transepidermalen Wasserverlust zu verringern. Gerade wenn deine Haut spannt, rau wirkt oder im Winter schnell austrocknet, kann Borretsch-Öl eine gute Wahl sein. Foto: © naturaltexture / iiStock / Getty Images Plus Du kannst Borretsch-Öl pur in sehr kleiner Menge auf leicht feuchte Haut geben oder es im Grundrezept einsetzen. Weil es zu den eher kostbaren Ölen gehört, ist die Verarbeitung in einer Creme oft die praktischere Lösung. So lässt es sich sparsamer dosieren und besser verteilen. Wenn du oder dein Kind an Neurodermitis leidet, ist Vorsicht bei grossen Erwartungen wichtig: Ein Pflanzenöl kann eine medizinische Behandlung nicht ersetzen. Die genaue Auswahl sollte sich an der individuellen Verträglichkeit orientieren. Teste neue Produkte deshalb zuerst an einer kleinen Hautstelle. Mit Moringaöl trockene und reife Haut geschmeidig pflegen Das Öl des Moringabaums ist reich an einfach ungesättigten Fettsäuren und wird in der Kosmetik gern für trockene und beanspruchte Haut verwendet. Es legt sich eher geschmeidig auf die Haut und kann helfen, raue Partien weicher erscheinen zu lassen. Aussagen wie «lässt Fältchen verschwinden» sind allerdings zu stark. Wissenschaftlich sinnvoller ist: Moringaöl kann die Haut pflegen und optisch glätten, aber es ersetzt keine medizinische Anti-Aging-Behandlung. Foto: © Niteenrk / iiStock / Getty Images Plus Wenn deine Haut zu Trockenheit neigt und du eine eher reichhaltige Tages- oder Nachtpflege möchtest, kannst du Moringaöl im Grundrezept verwenden. Für sehr fettige oder zu Unreinheiten neigende Haut ist es mitunter etwas schwer. Dann lohnt es sich, zunächst nur eine kleine Menge herzustellen und zu prüfen, wie deine Haut reagiert. Empfindliche Haut stärkst du mit Wildrosenöl Wildrosenöl wird aus den Kernen der Hagebutte gewonnen und ist vor allem bei trockener, empfindlicher und regenerationsbedürftiger Haut beliebt. Es enthält mehrfach ungesättigte Fettsäuren und kann helfen, die Hautbarriere zu unterstützen. Viele Menschen empfinden es als angenehm, weil es weniger okklusiv wirkt als sehr schwere Fette. Foto: © stsvirkun / iiStock / Getty Images Plus Wenn deine Haut schnell irritiert reagiert, kann Wildrosenöl im Grundrezept eine gute Option sein. Auch hier gilt: Weniger ist oft mehr. Bei gereizter Haut solltest du möglichst auf Duftöle verzichten. Trage neue Mischungen zunächst an einer kleinen Stelle am Unterarm oder seitlich am Hals auf und beobachte die Haut 24 bis 48 Stunden. Praktisch für Familien: Eine einfache, unparfümierte Basispflege ist oft auch die verträglichere Wahl für Jugendliche mit empfindlicher Haut oder für Erwachsene, die nach dem Duschen zu Spannungsgefühl neigen. Sanddorn-Fruchtfleischöl schützt vor Irritationen Gerade bei gereizter Haut wird Sanddorn-Fruchtfleischöl häufig als pflegender Zusatz eingesetzt. Es enthält unter anderem Carotinoide, die dem Öl seine intensive Farbe geben. In einer Mischung kann es trockene, strapazierte Haut pflegen und die Regeneration unterstützen. Foto: © tesdei / iiStock / Getty Images Plus Wichtig ist jedoch eine realistische Einordnung: Sanddorn-Fruchtfleischöl ist kein Ersatz für Sonnenschutz. Auch wenn einzelne Pflanzenstoffe lichtabsorbierende Eigenschaften haben, reicht das keinesfalls aus, um eine Sonnencreme zu ersetzen. Laut Bundesamt für Gesundheit BAG, 2024, bleibt ein geeigneter Sonnenschutz mit Kleidung, Schatten und bei Bedarf einem passenden UV-Schutzmittel zentral. Sanddorn-Fruchtfleischöl solltest du nicht pur verwenden, da es die Haut einfärben kann. In einer Kombination mit anderen Ölen oder nach dem Grundrezept weiter oben gemischt ist es aber ideal. Für das Gesicht reicht meist schon ein kleiner Anteil. Fettige Haut pflegst du mit Schwarzkümmelöl mit Gefühl Schwarzkümmelöl wird oft bei unreiner und fettiger Haut empfohlen, weil es vergleichsweise leicht wirken kann und traditionell wegen seiner antimikrobiellen Eigenschaften geschätzt wird. Trotzdem ist auch dieses Öl nicht für jede Haut automatisch geeignet. Gerade bei Akne oder sehr empfindlicher Haut können stark wirksame Pflanzenöle reizen. Foto: © bdspn / iiStock / Getty Images Plus Wenn du zu fettiger Haut neigst, gilt ein häufiger Irrtum: Die Haut braucht nicht möglichst aggressive «Entfettung», sondern eine milde Pflege, die die Barriere nicht zusätzlich stresst. Eine gestörte Hautbarriere verschlechtert viele Hautprobleme eher. Schwarzkümmelöl kannst du daher sparsam testen, pur oder im Grundrezept. Bei brennender, geröteter oder pustulöser Haut ist eine dermatologische Abklärung sinnvoller als weiteres Experimentieren. Was Eltern und Familien besonders wissen sollten Wenn du Pflege für Kinder oder Jugendliche selbst machen möchtest, ist Zurückhaltung besonders wichtig. Kinderhaut ist empfindlicher, und stark beduftete oder komplexe Mischungen sind unnötig. Für trockene Hautstellen genügt oft eine schlichte, unparfümierte Fettpflege. Bei Ekzemen, nässenden Stellen, Verdacht auf Pilzinfektionen oder wiederkehrenden Entzündungen solltest du die Haut ärztlich beurteilen lassen. Auch bei Babys gilt: Nicht jedes Hausmittel ist sinnvoll. Laut Schweizerischer Gesellschaft für Pädiatrie und pädiatrischen dermatologischen Empfehlungen im DACH-Raum steht bei empfindlicher Kinderhaut eine einfache, reizfreie Basispflege im Vordergrund. Selbstgemachte Produkte mit ätherischen Ölen, intensiven Pflanzenextrakten oder wechselnden Zutaten sind hier eher keine gute Idee. Wann du besser keine DIY-Creme verwendest Selbstgemachte Pflege ist für unkomplizierte, eher trockene oder normale Haut geeignet. Weniger passend ist sie bei offenen Stellen, starken Entzündungen, Rosazea-Schüben, schweren Akneformen, Kontaktallergien oder ungeklärten Hautveränderungen. Auch wenn deine Haut plötzlich stark reagiert, juckt oder brennt, solltest du das Produkt absetzen. Such ärztlichen Rat, wenn Hautprobleme länger anhalten, sich ausbreiten oder dein Kind darunter leidet. Eine gute Hautpflege kann viel unterstützen, ersetzt aber keine Diagnose. So findest du die passende Mischung für deine Haut Wenn du neu beginnst, halte es einfach: Wähle ein Öl, das zu deinem Hauttyp passt, und stelle zunächst nur eine kleine Menge her. Trockene Haut profitiert oft von Borretsch-, Wildrosen- oder Moringaöl. Gereizte Haut mag häufig schlichte, unparfümierte Mischungen mit wenig Sanddornöl als Zusatz. Fettige Haut braucht meist keine «schwere» Schicht, sondern eine sparsam dosierte Pflege. Am wichtigsten ist die Reaktion deiner Haut im Alltag: Fühlt sie sich ruhig, geschmeidig und nicht überlastet an, passt die Mischung wahrscheinlich gut. Spannt sie, glänzt stark oder wird unruhig, solltest du die Rezeptur anpassen. Gute Hautpflege ist selten spektakulär, aber sie ist verlässlich, sanft und alltagstauglich. Bundesamt für Gesundheit BAG, 2024: UV-Schutz und Empfehlungen zum Sonnenschutz.