So vermeiden Sie Mikroplastik in Shampoo, Duschgel und Co.

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Mikroplastik in Shampoos, Peelings und Co. schadet der Umwelt und landet letztlich in unserem Essen. Wie Sie Mikroplastik in Kosmetika vermeiden und was sie weiter tun können.

Mikroplastik in Kosmetika und wie Sie es meiden
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Shampoo, Duschgel, Peeling oder Hautcreme, die meisten von uns benutzen täglich Kosmetika, die Mikroplastik enthalten. Denn vielen Konsumenten fällt es schwer, zu erkennen, in welchen Produkten Mikroplastik drinsteckt.

Als Schleifmittel ist Mikroplastik in Peelings enthalten. Als Zusatz in Shampoos, legt es einen Plastikfilm um unsere Haare, damit wir sie besser kämmen können. In Gesichtscremes dienen die Kunststoffe als Bindemittel.

Mikroplastik im Shampoo beim Haarewaschen soll die Haare geschmeidig machen

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Damit schaden wir der Umwelt massiv und letztlich auch unserem Körper.

Freiwilliger Stopp von Mikroplastik bis 2020?

Schweden, Neuseeland, Grossbritannien und andere Länder haben Kosmetika mit Mikroplastik inzwischen verboten. In der Schweiz sind sie aber nach wie vor erlaubt.

Allerdings wollen die Kosmetikhersteller bis 2020 freiwillig auf Mikroplastik in Kosmetika verzichten, wie Bernhard Cloëtta, Geschäftsführer des Schweizerischen Kosmetik- und Waschmittelverbandes, gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» sagt. Bereits in 82 Prozent der Produkte sei Plastik durch umweltfreundliche Inhaltsstoffe ersetzt worden.

Doch die Kosmetikprodukte enthalten nicht nur Mikroplastikteilchen, sondern auch flüssiges Mikroplastik. Laut dem ETH-Professor Bernhard Wehrli sind diese noch problematischer als die festen Plastikpartikel.

«Diese Mikroschadstoffe sind biologisch kaum abbaubar und anders als Mikroplastik im Wasser löslich – vergleichbar mit Pestiziden oder Arzneimitteln», sagt Bernhard Wehrli gegenüber «20Minuten».

Mikroplastik in Kosmetika vermeiden

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland listet alle Kosmetikprodukte auf, die schädliches Plastik enthalten. Die Liste wird regelmässig aktualisiert. Zum Mikroplastik-Produktverzeichnis.

Die App Codecheck zeigt via Barcode-Scan, ob und welche Art Mikroplastik in verschiedensten Produkten enthalten ist. Gleichzeitig schlägt die App Alternativen vor.

Beat the Microbead ist ebenfalls eine App, die Produkte mit Mikroplastikpartikeln via Barcode erkennt.

Natürliche Peelings, Shampoos aber auch Duschgel, Seife oder Hautcremes lassen sich einfach selber machen.

Wie Mikroplastik der Umwelt schadet

Plastik in Kosmetikprodukten gehört zum primären Mikroplastik, zu dem auch das Grundmaterial für die Plastikproduktion gehört. Hinzu kommt so genanntes sekundäres Mikroplastik, welches durch Plastikabfälle wie Plastiksäckli, Plastikflaschen oder Fischernetze entsteht. Das Plastik im Meer wird immer kleiner gerieben, bis die einzelnen Partikel nur noch mikroskopisch klein sind.

Jährlich landet tonnenweise Plastikmüll im Meer, worunter Meerestiere leiden

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2016 produzierten die EU-Staaten mit der Schweiz und Norwegen zusammen 27 Millionen Tonnen Plastikmüll. Gerade mal ein Drittel davon wird recycelt. Jährlich laden 150'000 bis 500'000 Tonnen Plastikabfälle im Meer. Dazu kommen 70'000 bis 130'000 Tonnen Mikroplastik.

Von der Badewanne ins Meer

Mikroplastik aus unseren Kosmetikprodukten landet in unserem Abwasser. Da die Plastikpartikel so klein sind, können unsere Kläranlagen die meisten Teilchen gar nicht aus dem Wasser filtern. Dadurch landen sie in Flüssen, Seen und im Meer, doch das ist nicht alles.

Mikroplastik in Kosmetika gelangt durch die Kläranlage in die Gewässer

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Letztlich landet Mikroplastik auch auf unseren Feldern und wurde bereits im Regenwasser und in der Luft nachgewiesen.

Weil Plastik biologisch nicht abbaubar ist, verbleibt es Hunderte von Jahren in der Umwelt.

Auch in Kleidern steckt viel Plastik. Ein einfacher Fleecepulli sondert bis zu 2000 winzige Plastikfasern pro Waschgang ab. Auch Sie landen ungehindert in unseren Gewässern.

Im Meer verteilen sich die Partikel in allen Tiefen. Plankton nimmt die Teilchen auf. Auch in Muscheln, Würmern, Fischen und Vögeln wurde bereits Mikroplastik nachgewiesen.

Magnet für Schadstoffe

Doch damit nicht genug: Plastik zieht Schadstoffe aus der Umwelt wie ein Magnet an. Tiere nehmen mit dem Plastik auch diese Schadstoffe auf.

Buchtipp Das Bestseller-Buch «Besser leben ohne Plastik» ist inzwischen als überarbeitete Neuauflage erschienen unter dem Namen «Noch besser leben ohne Plastik».

Die Initiative Saubere Meere warnt zudem davor, dass sich auf Mikroplastik aufgrund seiner Oberflächenstruktur hochgiftige Stoffe wie DDT und PCB ablagern können. Werden die verseuchten Teile dann von Meerestieren gefressen, können diese Gifte auf unseren Tellern landen.

Mikroplastik im Honig, Trinkwasser, Bier und wo noch?

Mikroplastik wurde bereits 2014 beispielsweise im Trinkwasser und Bier nachgewiesen. Denn über den Wasserkreislauf kommt Mikroplastik ins Trinkwasser, welches als Mineralwasser abgefüllt oder für den Brauvorgang von Bier verwendet wird.

Bis zu 70 Mikroplastik-Teilchen wurden in einem Labortest, den das NDR-Magazin «Markt» in Auftrag gegeben hat, pro Flasche Bier nachgewiesen. Durch den Nachweis im Trinkwasser kann es zudem theoretisch überall in Nahrungsmitteln enthalten sein, die aus Wasser bestehen oder mit ihm in Berührung kommen.

Mikroplastik wurde auch schon im Fleur de Sel gefunden

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Mikroplastik wurde auch schon in Honig und ausgerechnet im teuren Fleur de Sel nachgewiesen.

Mikroplastik setzt Treibhausgase frei

Eine Studie der University of Hawaii in Manoa zeigt, dass die Kunststoffteilchen Treibhausgase freisetzen, wenn sie unter Einwirkung von Sonnenlicht zerfallen.

So geben verschiedene Plastiksorten Ethylen und Methan ab, wenn sie mit UV-Licht bestrahlt werden. «Mikroplastik kurbelt die Produktion von Treibhausgasen womöglich weiter an», schreiben die Forscher in der Studie.

Auswirkungen von Mikroplastik auf unseren Körper

Es gibt noch keine aussagekräftigen Studien zu den Folgen von Mikroplastik für den Menschen. Allerdings wurden Muscheln getestet, eines von vielen Lebewesen, das Wasser auf der Suche nach Nahrung durchfiltert.

Das Ergebnis war, dass die Muscheln Nanoplastik-Partikel im Gewebe ansetzen, was auf Dauer heftige entzündliche Prozesse auslöst. Und zwar geschieht das, wenn Mikroplastik sich so weit verkleinert, dass es zellgängig wird und sich dadurch im Körper ablagern kann.

Die Forscher gehen davon aus, dass es sich auf ähnliche Weise auch im menschlichen Körper ansammeln und zu Entzündungen führen könnte.

Quellen: SRF, Kurier.at, NDR.de, saubere-meere.de, bund.net, 20min.ch

Text: Sabina Galbiati und Jürgen Rösemeier-Buhmann