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So viel Natürliches steckt wirklich in Naturkosmetik

Naturkosmetik klingt nach Pflanzen, sanften Rezepturen und Nachhaltigkeit. Doch der Begriff ist rechtlich nicht geschützt. Darum lohnt sich ein genauer Blick: auf Siegel, auf die Zutatenliste und auf das, was Hersteller versprechen. Hier erfährst du, woran du echte Naturkosmetik erkennst, wo ihre Grenzen liegen und wie du in der Schweiz sinnvoll einkaufst.

Wie viel Natur ist wirklich in Naturkosmetik?
Welche Siegel versprechen natürliche Zutaten in der Naturkosmetik? Foto: © kerdkanno / iStock / Getty Images Plus

Viele Menschen möchten Shampoo, Deo, Pflegecreme oder Lippenstift ohne problematische Stoffe kaufen. Gerade Eltern achten oft besonders darauf, was an die Haut kommt. Gleichzeitig machen Begriffe wie «natürlich», «bio» oder «clean» die Auswahl nicht einfacher. Damit du dich nicht auf schöne Naturbilder oder Werbesprache verlassen musst, findest du hier eine fundierte Übersicht mit Fokus auf die Schweiz.

Was ist Naturkosmetik?

Naturkosmetik bezeichnet Produkte, die überwiegend aus natürlichen Rohstoffen bestehen und je nach Standard nur bestimmte Verarbeitungsschritte und Hilfsstoffe zulassen. Entscheidend ist aber: «Naturkosmetik» ist kein gesetzlich geschützter Begriff. Ein Produkt darf also natürlich wirken, ohne nach einem verbindlichen Naturkosmetik-Standard zertifiziert zu sein.

Warum der Begriff rechtlich nicht geschützt ist

In der Schweiz gelten für kosmetische Mittel die allgemeinen Anforderungen an Sicherheit, Zusammensetzung, Kennzeichnung und Täuschungsschutz. Zuständig für die Einordnung sind unter anderem Swissmedic bei der Abgrenzung zu Heilmitteln sowie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV im Rahmen des Kosmetikrechts. Für den Begriff «Naturkosmetik» selbst gibt es aber keine staatliche Positivliste, die einheitlich festlegt, was hinein darf und was nicht. Genau deshalb sind private Standards so wichtig.

Was Standards wie NATRUE oder COSMOS leisten

Vertrauenswürdige Siegel schaffen Regeln, wo das Gesetz keine präzise Definition vorgibt. Besonders relevant sind heute NATRUE und COSMOS. Beide Standards legen fest, welche Rohstoffe erlaubt sind, wie stark sie verarbeitet sein dürfen und welche Anforderungen an Herstellung und Kennzeichnung gelten. Sie begrenzen viele synthetische Stoffgruppen deutlich stärker als das allgemeine Kosmetikrecht. Ausserdem unterscheiden sie zwischen Naturkosmetik und Produkten mit höherem Bio-Anteil.

Für dich im Alltag heisst das: Ein glaubwürdiges Siegel ist deutlich aussagekräftiger als Begriffe wie «mit Aloe vera», «vegan», «inspiriert von der Natur» oder eine grüne Verpackung.

Wo die Grenzen von Naturkosmetik liegen

Auch zertifizierte Naturkosmetik ist nicht automatisch frei von jedem kritisch diskutierten Stoff. Manche Standards erlauben naturidentische oder technisch hergestellte Einzelstoffe, wenn sie für Sicherheit, Haltbarkeit oder Funktion nötig sind. Zudem bedeutet «natürlich» nicht automatisch «besser verträglich». Ätherische Öle, Duftstoffe aus Pflanzen oder bestimmte Pflanzenextrakte können empfindliche Haut reizen oder Allergien auslösen. Naturkosmetik ist deshalb kein Garant für Null-Risiko, sondern vor allem ein klarer geregelter Rahmen für Rohstoffe und Verarbeitung.

Das sollte in Naturkosmetik auf keinen Fall stecken

Wenn du selbst beurteilen möchtest, ob ein Produkt als Naturkosmetik durchget oder nicht, hilft nur der genaue Blick auf die Zutatenliste. Diese findest du neben der Verpackung auch bei Eingabe unter codecheck.info. Nicht darin enthalten sein sollten beispielsweise synthetische Inhaltsstoffe wie Silikone, künstliche Farb- und Duftstoffe, Lösungsmittel oder Erdölvarianten. Mehr dazu liest du hier: «9 Schadstoffe, die du in Naturkosmetik garantiert nicht findest.»

Woran du echte Naturkosmetik erkennst

Wenn du rasch entscheiden willst, ob ein Produkt vertrauenswürdig ist, hilft ein einfacher Zwei-Stufen-Check: zuerst auf das Siegel schauen, danach auf die INCI-Liste. So trennst du verlässliche Standards von blossem Marketing.

Zertifizierte Siegel statt Naturbilder auf der Verpackung

Die sicherste Orientierung bieten zertifizierte Siegel. Sie ersetzen nicht dein eigenes Urteil, sind aber die beste Abkürzung im Regal. Zu den wichtigsten gehören NATRUE, COSMOS und das weiterhin bekannte BDIH-Siegel, das heute im Markt oft im Zusammenhang mit COSMOS genannt wird. Die Veganblume wiederum sagt etwas über Tierfreiheit aus, aber nichts darüber, ob ein Produkt Naturkosmetik ist.

Wichtig ist also, was das jeweilige Siegel tatsächlich prüft: Naturbezug, Bio-Anteil, Herstellungsprozess, tierische Inhaltsstoffe oder Tierversuchsfreiheit. Ein einzelnes Symbol beantwortet nie alle Fragen zugleich.

Die INCI-Liste als zweite Prüfebene

Die Zutatenliste auf der Verpackung bleibt deine zweite wichtige Prüfebene. Dort erkennst du, welche Stoffe wirklich enthalten sind und in welcher Reihenfolge sie ungefähr mengenmässig vorkommen. Je weiter vorne ein Stoff steht, desto mehr davon ist meist enthalten.

Wenn du eher einfache, nachvollziehbare Rezepturen suchst, achte auf kurze Listen und klar erkennbare pflanzliche Öle, Wachse oder Extrakte. Bei empfindlicher Haut lohnt es sich, Produkte mit vielen Duftkomponenten oder stark parfümierten Pflanzenölen kritisch zu prüfen. Gerade bei Kindern und bei zu Irritationen neigender Haut sind möglichst reizärmere Formulierungen oft die bessere Wahl.

Typische Greenwashing-Signale

Misstrauisch darfst du werden, wenn ein Produkt gross «natürlich» verspricht, aber kein anerkanntes Siegel trägt. Weitere Warnsignale sind unklare Begriffe wie «clean», «pure», «green» oder «dermatologisch getestet» ohne erkennbare Einordnung. Auch einzelne natürliche Zutaten auf der Vorderseite sagen wenig aus, wenn die restliche Rezeptur kaum erklärt wird. Eine grüne Farbe, Blätter auf der Packung oder ein Name mit «Bio» ersetzen keine überprüfbaren Standards.

Naturkosmetik, Bio-Kosmetik und Clean Beauty - das ist der Unterschied

Diese Begriffe werden oft vermischt, meinen aber nicht dasselbe. Wenn du den Unterschied kennst, kannst du Werbeversprechen viel schneller einordnen.

Naturkosmetik

Naturkosmetik orientiert sich an Rohstoffen natürlichen Ursprungs und begrenzt viele synthetische Stoffe. Wie streng diese Begrenzung ist, hängt vom Standard ab. Ohne Siegel bleibt die Bezeichnung allerdings unscharf.

Bio-Kosmetik

Bio-Kosmetik ist keine völlig eigene Produktwelt, sondern meist Naturkosmetik mit klar definiertem Anteil an Rohstoffen aus biologischem Anbau. Standards wie NATRUE oder COSMOS regeln, wann ein Produkt als bio oder organic ausgelobt werden darf. «Bio» bedeutet also in erster Linie etwas über die Herkunft bestimmter landwirtschaftlicher Rohstoffe, nicht automatisch über die gesamte Umweltbilanz.

Clean Beauty

«Clean Beauty» ist vor allem ein Marketingbegriff. Er ist rechtlich nicht einheitlich definiert und kann je nach Marke sehr Unterschiedliches bedeuten. Manche Hersteller meinen damit wenige Inhaltsstoffe, andere den Verzicht auf einzelne Stoffgruppen. Für den Einkauf ist «clean» deshalb deutlich weniger belastbar als ein anerkannter Naturkosmetik-Standard.

Welche Siegel natürliche Zutaten versprechen

Siegel sind besonders hilfreich, weil sie das Versprechen «natürlich» überprüfbarer machen. Trotzdem lohnt es sich, die Unterschiede zu kennen.

Ecocert Siegel
© zVg

Das Ecocert Siegel war lange ein wichtiger Referenzpunkt für Natur- und Biokosmetik. Im heutigen Markt ist vor allem relevant, dass viele frühere Ecocert-Systeme in den international anerkannten COSMOS-Standard überführt wurden. Wenn du heute auf einer Verpackung Ecocert zusammen mit «Cosmos organic» oder «Cosmos natural» siehst, ist der COSMOS-Standard der entscheidende Anker für die Einordnung.

Cosmos-Logo für Naturkosmetik
© zVg

COSMOS ist heute einer der wichtigsten internationalen Standards für Natur- und Biokosmetik. Er definiert Anforderungen an Rohstoffe, Verarbeitung, Kennzeichnung und teilweise auch Umweltaspekte. Für dich ist vor allem wichtig: COSMOS schafft klare Regeln, wann ein Produkt «natural» oder «organic» tragen darf. Das macht Aussagen auf der Packung deutlich besser vergleichbar.

Logo Veganblume für Naturkosmetik ohne tierische Inhaltsstoffe und ohne Tierversuche
© zVg

Die Veganblume der Vegan Society zeigt dir, dass ein Produkt ohne tierische Inhaltsstoffe entwickelt wurde. Das ist für viele Menschen wichtig, sagt aber nichts darüber aus, ob die Rezeptur Naturkosmetik ist oder wie hoch ihr Naturanteil ausfällt. Vegan und Naturkosmetik können zusammen vorkommen, sind aber nicht dasselbe.

Logo NaTure
© zVg

NATRUE gehört ebenfalls zu den verlässlichen Standards. Das Label differenziert zwischen Naturkosmetik und Produkten mit Bio-Anteil. Es prüft Rohstoffe, Herstellungsprozess und Produktkategorien. Für Verbraucher:innen ist NATRUE deshalb ein starkes Signal, dass die Naturauslobung nicht nur Marketing ist.

Logo BDIH-Siegel
© zVg

Das BDIH-Siegel ist vielen Menschen noch bekannt. Inhaltlich hat es die Entwicklung zu strengeren und international besser vergleichbaren Standards mitgeprägt. Wenn du heute einkaufst, hilft dir vor allem der Blick darauf, ob ein Produkt nach einem aktuellen, nachvollziehbaren Standard wie COSMOS oder NATRUE zertifiziert ist.

Ist Naturkosmetik automatisch nachhaltiger?

Nicht unbedingt. Naturkosmetik kann ein sinnvoller Teil eines nachhaltigeren Alltags sein, ist aber nicht automatisch die umweltfreundlichste Wahl. Entscheidend sind der gesamte Lebensweg des Produkts, die Verpackung und wie du es nutzt.

Rohstoffe, Verpackung und Lieferketten

Ein pflanzlicher Rohstoff ist nicht per se nachhaltig. Relevant sind Anbau, Wasserverbrauch, Transport, Verarbeitung und faire Lieferketten. Auch Verpackung zählt: Ein gutes Produkt in aufwendiger Einwegverpackung ist ökologisch nicht automatisch überzeugend. Für den Alltag bedeutet das oft: lieber wenige, gut passende Produkte kaufen, sie vollständig aufbrauchen und bei Verpackungen auf möglichst einfache, recyclingfähige Lösungen achten.

Wenn du noch einen Schritt weitergehen möchtest, helfen dir diese Themen im Cluster besonders: Siegel verstehen, INCI lesen, Pflege für empfindliche Haut auswählen, Naturkosmetik für Haare beurteilen, Make-up kritisch prüfen und Schweizer Marken vergleichen.

Warum «natürlich» nicht automatisch besser für sensible Haut ist

Gerade bei sensibler Haut ist Zurückhaltung wichtig. Pflanzliche Duftstoffe und ätherische Öle können stark riechen, aber auch reizen. Für Babys, Kinder und Erwachsene mit empfindlicher, trockener oder zu Ekzemen neigender Haut sind eher milde, duftarme und möglichst einfache Formulierungen sinnvoll. Wenn deine Haut schnell reagiert, teste neue Produkte erst an einer kleinen Stelle und führe nicht mehrere neue Produkte gleichzeitig ein. So erkennst du leichter, was du gut verträgst.

Manche Gütesiegel lassen Inhalte aus dem Labor zu

Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass Naturkosmetik nur aus unveränderten Pflanzen besteht. In der Praxis wäre das oft weder stabil noch sicher genug. Darum lassen manche Standards auch naturidentische oder technisch hergestellte Einzelstoffe zu. Gemeint sind Stoffe, die in gleicher oder sehr ähnlicher Form auch in der Natur vorkommen, aber aus Gründen der Verfügbarkeit, Qualität oder Produktsicherheit hergestellt werden.

Das ist nicht automatisch ein Nachteil. Wichtig ist vielmehr, ob ein Standard diese Ausnahmen klar regelt und transparent macht. Genau darin liegt der Unterschied zwischen überprüfbarer Naturkosmetik und blosser Natur-Anmutung auf der Verpackung.

So nutzt du diese Übersichtsseite

Diese Seite ist dein Einstieg in das Thema. Sie hilft dir, Begriffe einzuordnen und Produkte schneller zu bewerten. Wenn du danach gezielter weiterlesen möchtest, orientiere dich an deinen eigenen Fragen: Willst du Labels verstehen, Inhaltsstoffe lesen lernen oder Produkte für besonders empfindliche Haut finden?

Die wichtigsten Unterartikel im Cluster

Wenn du tiefer einsteigen möchtest, helfen dir vor allem diese Themen: ein genauer Blick auf Naturkosmetik-Siegel, eine verständliche Einführung in die INCI-Liste, Tipps für empfindliche Haut, Orientierung bei Haarpflege und Make-up sowie Porträts von Schweizer Naturkosmetik-Marken. Für den Alltag besonders nützlich sind ausserdem Beiträge zu einem nachhaltigeren Badezimmer und einfache DIY-Ideen, wenn du Produkte reduzieren möchtest.

Schnellcheck für den Einkauf in der Schweiz

1. Suche zuerst nach einem verlässlichen Siegel wie NATRUE oder COSMOS.
2. Prüfe danach die INCI-Liste auf Duftlastigkeit und unnötig komplexe Rezepturen.
3. Achte bei sensibler Haut eher auf duftarme, einfache Pflege statt auf starke Naturversprechen.
4. Beurteile auch Verpackung, Nachfüllsysteme und Produktmenge.
5. Kaufe lieber wenige Produkte, die wirklich zu dir passen, statt viele halbe Lösungen.

FAQ: Häufige Fragen zu Naturkosmetik

Ist Naturkosmetik immer ohne Mikroplastik?

Nicht jede Naturauslobung garantiert automatisch einen vollständigen Verzicht. Bei zertifizierter Naturkosmetik sind viele problematische synthetische Stoffgruppen deutlich stärker eingeschränkt. Trotzdem lohnt sich der Blick auf Standard und Zutatenliste.

Ist vegan dasselbe wie Naturkosmetik?

Nein. Vegan bedeutet ohne tierische Inhaltsstoffe. Naturkosmetik beschreibt vor allem die Herkunft und Verarbeitung der Rohstoffe. Ein Produkt kann vegan sein, ohne Naturkosmetik zu sein, und umgekehrt.

Ist Bio-Kosmetik besser als Naturkosmetik?

Bio-Kosmetik ist meist Naturkosmetik mit höherem Anteil an Rohstoffen aus biologischem Anbau. Ob sie für dich die bessere Wahl ist, hängt zusätzlich von Verträglichkeit, Verpackung und tatsächlichem Bedarf ab.

Eignet sich Naturkosmetik für Kinder?

Grundsätzlich kann das sein, aber «natürlich» ist kein eigenes Sicherheitsmerkmal. Gerade bei Kindern sind milde, reizärmere und möglichst duftarme Produkte oft sinnvoller als stark parfümierte Rezepturen mit vielen Pflanzenextrakten.

Woran erkenne ich Greenwashing am schnellsten?

Wenn ein Produkt mit Naturbildern, grünen Begriffen und grossen Versprechen arbeitet, aber kein anerkanntes Siegel trägt und die Aussagen ungenau bleiben, ist Vorsicht angebracht. Verlässlicher als Werbung sind Siegel plus INCI-Liste.

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