SPF 30 oder 50: Welcher Lichtschutzfaktor ist wirklich sinnvoll? Sabina Galbiati Jürgen Rösemeier-Buhmann Ob SPF 30 reicht oder du besser zu SPF 50 greifst, hängt nicht nur von deinem Hauttyp ab. Entscheidend sind Alltag oder Ferien, Berge oder Wasser, die richtige Menge Sonnencreme und ein verlässlicher Schutz vor UVB- und UVA-Strahlung. Hier erfährst du, worauf es beim Kauf und beim Eincremen wirklich ankommt. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Den richtigen Sonnenschutz gegen UV-Strahlung zu finden, ist nicht ganz einfach, denn viele Faktoren spielen mit. Foto: © RossHelen / iStock / Thinkstock Viele Menschen suchen vor dem Sommer nach einer einfachen Antwort: SPF 30 oder 50? Die kurze Antwort lautet: Für viele Alltagssituationen ist SPF 30 eine solide Basis, wenn du grosszügig aufträgst und nicht lange in intensiver Sonne bleibst. SPF 50 oder 50+ ist oft die bessere Wahl, wenn deine Haut empfindlich ist, du in die Berge gehst, am Wasser bist, in den Sommerferien viel draussen verbringst oder wenn es um Kinder und das Gesicht geht. Wichtig ist aber: Der aufgedruckte Lichtschutzfaktor funktioniert nur unter Prüfbedingungen. Im echten Leben wird oft zu wenig Creme verwendet, ungleichmässig eingecremt oder zu spät nachgelegt. Genau deshalb ist ein höherer SPF häufig sinnvoller, als es die nackte Zahl zunächst vermuten lässt. SPF 30 oder 50 - was ist der Unterschied wirklich? Der Lichtschutzfaktor, oft auch SPF genannt, beschreibt in erster Linie den Schutz vor UVB-Strahlen. Diese Strahlen sind ein wesentlicher Auslöser von Sonnenbrand und tragen zur Entstehung von Hautkrebs bei. Je höher der SPF, desto mehr UVB-Strahlung wird abgefangen. Der Unterschied zwischen SPF 30 und 50 ist vorhanden, aber kleiner, als viele vermuten. UVB-Schutz verständlich erklären Vereinfacht gesagt filtert SPF 30 den allergrössten Teil der UVB-Strahlung, SPF 50 etwas mehr. SPF 50 ist also nicht doppelt so stark wie SPF 25 und auch nicht dramatisch stärker als SPF 30. Trotzdem kann dieser zusätzliche Schutz in der Praxis wichtig sein, vor allem dann, wenn du nicht genug aufträgst oder die UV-Belastung hoch ist. Warum der Unterschied kleiner ist, als viele denken Viele deuten die Zahl auf der Flasche falsch. Ein sehr hoher SPF bedeutet nicht, dass du sorgenfrei stundenlang in der prallen Sonne bleiben kannst. Er schafft vor allem eine Sicherheitsreserve, wenn dein Sonnenschutz im Alltag nicht perfekt sitzt. Gerade bei starkem Schwitzen, Baden, Abrieb durch Kleidung oder ungleichmässigem Auftragen schrumpft der reale Schutz schnell. Warum SPF nichts über perfekte UVA-Abdeckung allein aussagt Der SPF bezieht sich nicht auf die gesamte UV-Strahlung. Neben UVB gibt es UVA-Strahlen. Diese dringen tiefer in die Haut ein, fördern Hautalterung und tragen ebenfalls zu Hautschäden bei. Deshalb solltest du nicht nur auf den SPF achten, sondern auch darauf, dass das Produkt einen ausgewiesenen UVA-Schutz trägt, etwa das UVA-Signet im Kreis. Das ist besonders wichtig, wenn du täglich Sonnenschutz verwendest und deine Haut langfristig schützen möchtest. Tipp: Mineralische Sonnencreme schützt nicht nur die Haut, sondern auch unsere Umwelt. Welcher Lichtschutzfaktor ist im Alltag sinnvoll? Für die Wahl des richtigen SPF sind Hauttyp, Jahreszeit, Aufenthaltsort und Tageszeit wichtiger als eine starre Faustregel. Die frühere Einteilung nach Hauttypen kann als grobe Orientierung helfen, ist aber im Alltag nur ein Teil der Entscheidung. Denn auch dunklere Haut braucht Sonnenschutz, besonders bei längeren Aufenthalten im Freien. Alltag in der Schweiz Wenn du in der Schweiz im Frühling oder Sommer draussen unterwegs bist, etwa auf dem Schulweg, beim Velofahren, auf dem Spielplatz oder im Café, ist ein täglicher Schutz sinnvoll. Für kurze Alltagswege ohne lange direkte Mittagssonne kann SPF 30 genügen, wenn du zuverlässig und ausreichend aufträgst. Für Gesicht, Ohren, Nacken, Schultern und Handrücken ist täglicher Schutz besonders sinnvoll, weil diese Stellen regelmässig Sonne abbekommen. Berge, Wasser, Sommerferien, empfindliche Haut In den Bergen, am See, im Freibad, am Meer oder bei längeren Ausflügen steigt die UV-Belastung deutlich. Schnee, Wasser und heller Sand reflektieren Strahlung zusätzlich. Auch in höheren Lagen ist die Belastung intensiver. Dann ist SPF 50 oder 50+ meist die vernünftigere Wahl. Das gilt auch, wenn deine Haut hell ist, wenn sie zu Pigmentflecken neigt oder wenn du Medikamente einnimmst, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen können. Wann 50/50+ sinnvoll ist SPF 50 oder 50+ ist besonders sinnvoll für Kinder, für untrainierte Frühlingshaut, bei empfindlichen Hautpartien wie Gesicht, Nase, Lippenbereich und Schultern sowie bei allen Situationen mit viel Sonne über längere Zeit. Auch wenn du weisst, dass du eher knapp cremst oder selten perfekt nachcremst, ist ein höherer SPF oft die realistisch bessere Option. So erkennst du deinen Hauttyp Hauttyp 1: Sehr helle Haut, rote Haare, blaue Augen, viele Sommersprossen Hauttyp 2: Helle Haut, blonde Haare, blaue oder grüne Augen Sonnenschutz ist individuell, denn nicht jeder Mensch ist für Sonnenbrand gleich anfällig. Foto: © iStock / Getty Images Plus/ E+; Collage: Redaktion Nachhaltigleben Hauttyp 3: Hellbraune oder olivfarbene Haut, braune Haare, braune Augen Hauttyp 4: Dunkle Haut, schwarze Haare, braune Augen Diese Einteilung hilft zur Orientierung, ersetzt aber nicht den Blick auf die konkrete Situation. Auch dunklere Haut kann UV-Schäden entwickeln. Für Kinder und empfindliche Hautstellen solltest du den Schutz grundsätzlich grosszügig wählen. Warum die aufgetragene Menge wichtiger ist, als viele denken Sonnenschutzmittel mit LSF 30 oder LSF 50 bieten guten Schutz, aber auch andere Faktoren musst du berücksichtigen. Foto: © VectorMoon / iStock / Thinkstock, Collage: Redaktion Der häufigste Fehler ist nicht der falsche SPF, sondern zu wenig Sonnencreme. Der angegebene Schutz wird nur erreicht, wenn ausreichend Produkt aufgetragen wird. In der Praxis verwenden viele deutlich weniger. Dann fällt der tatsächliche Schutz oft weit unter den Wert auf der Verpackung. Zu wenig Creme senkt den realen Schutz stark Wenn du sparsam cremst, wird aus SPF 50 schnell ein deutlich niedrigerer Schutz. Besonders leicht passiert das bei Armen, Beinen, Ohren, Fussrücken, Nacken und am Haaransatz. Sinnvoll ist, die Creme vor dem Hinausgehen grosszügig und gleichmässig aufzutragen und nach dem Baden, Abtrocknen oder starkem Schwitzen erneut einzucremen. Nachcremen erhält den Schutz, verlängert die sichere Aufenthaltszeit in der Sonne aber nicht unbegrenzt. Sprays brauchen besondere Sorgfalt Sonnensprays wirken nur dann gut, wenn du wirklich genug auf die Haut bringst und das Produkt anschliessend gleichmässig verteilst. Viele sprühen zu kurz oder verlieren viel Produkt im Wind. Für Kinder oder bei starkem Wind sind Lotionen oder Cremes oft einfacher kontrollierbar. Wenn dich interessiert, wie viel Sonnencreme für Gesicht und Körper sinnvoll ist, hilft dir ein separater Artikel zur Auftragsmenge weiter. Für die Kaufentscheidung gilt: Ein guter SPF nützt nur, wenn du ihn auch in ausreichender Menge verwendest. Was den Sonnenschutz mindert Wie gut ein Sonnenschutz wirkt, hängt nicht nur vom aufgedruckten Lichtschutzfaktor ab. Mehrere Faktoren können den realen Schutz mindern: Schwitzen Baden Haut, die noch kaum an die Sonne gewöhnt ist, wird schneller rot, unabhängig davon, welchen Hauttyp du hast. Die Höhenlage, in der du dich befindest: In den Bergen ist die UV-Strahlung intensiver als in tieferen Lagen. Mittagssonne von 11 bis 15 Uhr ist wesentlich stärker. Auch wie viel Sonnencreme du auf die Haut aufträgst, entscheidet über die Qualität des Sonnenschutzes. Helle Flächen wie Wasser, Schnee oder Sand reflektieren UV-Strahlen stärker. Gut zu wissen: Online, auf der Website des Bundesamts für Gesundheit, findest du einen täglich aktualisierten UV-Index, der angibt, wie stark die UV-Strahlung in den verschiedenen Regionen der Schweiz ist. Häufige Denkfehler beim Lichtschutzfaktor Mit SPF 50 wirst du trotzdem braun Ein hoher SPF blockiert Sonnenstrahlung nicht vollständig. Deine Haut kann also auch mit SPF 50 bräunen. Die Bräune ist kein Zeichen von Gesundheit, sondern eine Schutzreaktion der Haut auf UV-Belastung. Wenn du langsamer bräunst, ist das meist das schonendere Tempo. Nachcremen verlängert nicht unbegrenzt Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass du mit erneutem Eincremen beliebig lange in der Sonne bleiben kannst. Das stimmt nicht. Nachcremen ersetzt, was durch Wasser, Schweiss oder Reibung verloren gegangen ist. Es setzt die innere Uhr deiner Haut aber nicht auf null zurück. Lange Aufenthalte in intensiver Sonne bleiben riskant, selbst mit hohem SPF. Bewölkung schützt nicht zuverlässig Auch bei Wolken erreicht viel UV-Strahlung die Haut. Gerade an hellen Sommertagen kann die Belastung überraschend hoch sein. Wer sich nur nach dem Wärmegefühl richtet, unterschätzt das Risiko leicht. Schnee, Wasser und Schatten sind keine Vollkasko Am Wasser und im Schnee kommt zusätzlich reflektierte UV-Strahlung von unten oder von der Seite. Und auch im Schatten bist du nicht vollständig geschützt. Darum bleiben Kleidung, Hut, Sonnenbrille und Sonnencreme wichtig. Die Krux mit dem Sonnenschutzfaktor und den UV-Strahlen Ein guter Sonnenschutz schützt idealerweise vor UVB und UVA. UVB ist besonders eng mit Sonnenbrand verbunden, UVA dringt tiefer ein und spielt bei langfristigen Hautschäden ebenfalls eine wichtige Rolle. Beim Kauf solltest du deshalb auf einen breit aufgestellten Schutz achten und nicht nur auf eine möglichst hohe Zahl vorne auf der Verpackung. Besonders alltagstauglich sind Produkte, die du gerne und regelmässig verwendest: angenehm auf der Haut, passend für deinen Hauttyp und praktikabel für Familie, Schule, Arbeit oder Ferien. Denn der beste Sonnenschutz ist der, den du tatsächlich korrekt benutzt. Gut zu wissen: Nach Ablauf deiner vernünftigen Sonnenzeit solltest du die Sonne für längere Zeit verlassen. Mehr Sonnencreme allein ersetzt keine Pause im Schatten, keine Kleidung und keinen gesunden Umgang mit Sonne. So schützt du dich noch besser vor der Sonne Wenn du dich nicht nur auf Sonnencreme verlassen möchtest, helfen dir diese Massnahmen besonders zuverlässig: Dicht gewebte Stoffe schützen besser vor UV-Strahlung als sehr feine oder durchscheinende Materialien. Dunklere Farben bieten oft einen besseren Schutz als sehr helle Stoffe. Locker sitzende Kleidung schützt besser als nasse, enganliegende Kleider. Schütze Gesicht und Kopf besonders gut, indem du zusätzlich Sonnenbrille und Kopfbedeckung trägst. Suche zwischen späten Vormittags- und frühen Nachmittagsstunden wenn möglich Schatten. Bei Kindern gilt: Kleidung, Hut und Schatten sind die wichtigste Basis, Sonnencreme ergänzt den Schutz auf unbedeckten Stellen. Wusstest du das? 5 schnelle Infos zum Lichtschutzfaktor Braun wirst du auch mit Sonnenmilch und im Schatten, einfach langsamer. Kinder haben sehr empfindliche Haut. Der Lichtschutzfaktor des Sonnenschutzmittels sollte für sie besonders hoch sein. Neben Sonnenschutzmitteln mit chemischem Filter bieten vor allem auch solche mit mineralischem Filter einen guten Sonnenschutz für Kinder. Ein weites, weisses T-Shirt hat nur einen begrenzten UV-Schutz. Liegt es eng an oder ist nass, reduziert sich der Schutz zusätzlich. Es gibt spezielle Bekleidung mit UV-Schutz, die für Outdoor-Aktivitäten bei Sonnenschein sinnvoll ist. Pro 1000 Höhenmetern über dem Meeresspiegel nimmt die UV-Belastung deutlich zu. Deshalb ist in den Bergen besonderer Schutz wichtig. Fazit: So wählst du den passenden SPF Wenn du eine einfache Entscheidungshilfe suchst, hilft dir diese Merkliste: SPF 30 passt oft für kurze Alltagswege und normale Sommertage, wenn du ausreichend und sorgfältig aufträgst. SPF 50 oder 50+ ist meist die bessere Wahl bei Kindern, empfindlicher Haut, für das Gesicht, in den Bergen, am Wasser, in den Ferien und bei langen Aufenthalten im Freien. Achte nicht nur auf den SPF, sondern auch auf UVA-Schutz und möglichst ein UVA-Signet. Trage grosszügig auf. Zu wenig Creme macht aus hohem Schutz schnell einen mittelmässigen. Nachcremen ist wichtig, verlängert die Sonnenzeit aber nicht unbegrenzt. Kleidung, Schatten, Sonnenbrille und Kopfbedeckung bleiben der beste Zusatzschutz. Wenn du unsicher bist, nimm lieber den etwas höheren SPF und kombiniere ihn mit vernünftigen Sonnenpausen. Für weitere Fragen helfen dir auch unsere Artikel zu Sonnenschutz im Vergleich verschiedener Filter, zu gereizter Haut nach zu viel Sonne und zu einer möglichst schonenden Bräune.