Gegen Schädlinge und für die Haut: Neemöl vielseitig anwenden

Neemöl ist insbesondere als natürliches Pflanzenschutzmittel bekannt. Doch das Öl kann auch zur Haut- und Haarpflege und sogar für Haustiere verwendet werden. Alles zur Wirkung, wie du Neemöl verwendets und was du beim Kauf beachten solltest.

Neemöl: Anwendung und Wirkung gegen Schädlinge und für die Haut
Neemöl ist in Indien schon seit Jahrhunderten für seine positiven Wirkungen bekannt. Foto © iStock / Getty Images Plus / Collage: Redaktion
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Neemöl gilt für manch einen Hobbygärter gradezu als Wundermittel. Denn es eignet sich wegen seiner insektiziden Wirkung als pflanzliche Alternative zu chemischen Insektenschutzmitteln und bekämpft Schädlinge effektiv.

In Indien, wo das Öl aus den Samen des Neembaumes gewonnen wird, wird Neemöl seit Jahrhunderten neben der Landwirtschaft auch in der Naturheilkunde für seine vielseitige Wirkung geschätzt. Denn das Öl kann nicht nur zum Schutz von Pflanzen, sondern auch zur kosmetischen Behandlung für Mensch und Tier verwendet werden. 

Im Artikel:

Was ist Neemöl?

Neemöl, auch Niem- oder Nimöl genannt, wird aus dem Samen des Niembaumes gewonnen, der auch als «indischer Flieder» bekannt ist. Der Baum mit botanischem Namen Azadirachta indica wächst hauptsächlich in Indien, Pakistan und Bangladesch, wo die Bauern das kostbare Neemöl herstellen. Qualitativ hochwertiges Neemöl wird aus den Kernen kaltgepresst, ohne dass Chemie zum Einsatz kommt.

Der Neembaum wächst hauptsächlich in Indien und Bangladesch
Der Neembaum wächst in tropischen und subtropischen Gebieten. Foto © Nandkumar Thorat / iStock / Getty Images Plus

Neemöl hat einen sehr bitteren Geschmack und eignet sich auch wegen seiner Inhaltsstoffe nicht zur inneren Anwendung. Der fast schwefelige Geruch des Öls wird meist als sehr unangenehm empfunden und erinnert an Zwiebeln oder Knoblauch. Da das Öl jedoch für die kosmetische Anwendung mit einem Basisöl gemischt wird, ist der Geruch nur sehr dezent. 

Tipp: Für einen besseren Duft sorgst du, wenn du neben Neemöl auch ätherische Öle ins Basisöl mischen. Auf 100 ml Basisöl kommen ein bis zwei Tropfen Neemöl und optional drei Tropfen ätherische Öle (etwa Teebaumöl, Lavendelöl oder Rosenöl).

Die dickflüssige Konsistenz des gelblich-braunen Neemöls wird, ähnlich wie Kokosöl, Sheabutter oder Kakaobutter, bei Temperaturen unter 21 Grad Celsius wachsähnlich.

So wirkt Neemöl

Dass Neemöl in der Naturheilkunde sowie der Ayurveda-Medizin häufig Verwendung findet, liegt an der vielseitigen Wirkung des natürlichen Öls. Da es eine antibakterielle und desinfizierende Wirkung hat, wird es insbesondere bei Erkrankungen der Haut wie Ekzemen, Herpes, Neurodermitis und Akne äusserlich angewendet. Ausserdem wirkt das Öl wegen der fungiziden Wirkung gegen Fuss- und Nagelpilz.

Neemöl wird auch als wirksames Mittel gegen Kopfläuse und Schuppen verwendet. Gleichzeitig stärkt das natürliche Mittel die Haare und sorgt für mehr Glanz, da es sich wie ein Schutzmantel um die einzelnen Haare legt.

Neemöl bietet natürlichen Schutz vor Parasiten, Milben und anderen Schädlingen und ist daher auch für Pflanzen und Haustiere wie Hunde, Katzen sowie Pferde geeignet. Denn Flöhe, Zecken oder Fliegen können den Tieren ganz schön zusetzen und werden durch das Öl vertrieben. Bevor du wenige Tropfen Neemöl etwa ins Hundeshampoo gibst und dein Haustier damit behandelst, ist es ratsam, die Anwendung mit einem Tierarzt absprechen.

Bei der richtigen Dosierung sind beim Neemöl keine Nebenwirkungen bekannt. Wenn du das Öl gegen Schuppenflechte, Neurodermitis oder andere Hauterkrankungen anwendest, solltest du dies mit deinem Hautarzt abklären.

Anwendung im Garten: Mit Neemöl gegen Schädlinge vorgehen

Wegen seiner fungiziden, insektiziden und antibakteriellen Wirkung ist Neem vor allem bei Bio-Gärtnern sehr beliebt. Denn es macht umweltschädliche Insektenschutzmittel überflüssig. Neemöl wirkt bei Pflanzen gegen Pilzbefall und bekämpft Schädlinge wie Blattläuse, Spinnmilben und Raupen. Andere Insekten wie Bienen und Marienkäfer, die im Garten nützliche Helfer sind, bleiben von der insektiziden Wirkung hingegen verschont.

Für die Wirkung gegen Schädlinge ist der im Neem enthaltene Wirkstoff Azadirachtin verantwortlich. Er macht die behandelte Pflanze für Läuse & Co. ungeniessbar. Die Tiere sterben nicht direkt nach der Anwendung, sondern stellen das Fressen ein und legen keine Eier mehr ab. Nach wenigen Tagen verschwinden sie dann gänzlich von der Pflanze.

Anwendung:

In manchen Gartencentern gibt es bereits gebrauchsfertige Mischungen, die du direkt auf die befallene Pflanze aufsprühen kannst. Alternativ kannst du das Mittel gegen Schädlinge auch selber mischen. Da das Öl sehr stark wirkt, solltest du es grundsätzlich nur verdünnt verwenden. Es reichen schon wenige Tropfen Neemöl (5-10 ml) auf einen Liter Wasser.

Neemöl eignet sich zur Schädlingsbekämpfung
Sprühe die wirksame Mischung auf die Blätter der befallenen Pflanze. Foto © LDProd / iStock / Getty Images Plus

Fülle das Mittel in eine Sprühflasche und gib es direkt auf die Blätter der betroffenen Pflanze. Du kannst das Neemöl auch mit dem Giesswasser direkt in die Erde geben, um die Pflanze von Innen gegen Schädlinge zu stärken. Eine schnellere Wirkung erzielst du jedoch, wenn du die Neem-Lösung direkt auf die Blätter sprühst.

Tipp: Behandle die Pflanzen bereits am frühen Morgen mit Neemöl. An sehr sonnigen Tagen kann die UV-Strahlung ansonsten zu Verbrennungen auf den behandelten Blättern führen. Bei Regen solltest du das Mittel nicht verwenden, da es schnell weggewaschen wird und die Wirksamkeit so nur sehr gering ist.

Mit Neemöl Haut und Haare pflegen

Wichtig ist, dass du Neemöl keinesfalls pur verwendest, sondern immer gut verdünnst. Wir raten dazu, auf Naturkosmetik zurückzugreifen, die Neemöl enthält. Neemöl-Produkte wie etwa Zahnpasta, Salben oder Shampoos beinhalten nur geringe Mengen des Öls und können dank richtiger Dosierung direkt verwendet werden.

Wenn du das reine Öl verwenden möchtest, eignet sich etwa Mandelöl oder Jojobaöl als Basis. Auf 100 ml Basisöl reichen schon ein bis zwei Tropfen Neemöl aus. Gegen den unangenehmen Geruch helfen ätherische Öle wie Teebaumöl oder Lavendelöl. Da Neemöl bei übermässiger Verwendung eine leicht toxische Wirkung hat, empfehlen wir, die Verwendung des reinen Öls mit einem Arzt abzusprechen.

Vermischen Sie Neemöl mit einem Basisöl
Nutze Neemöl in Bio-Qualität und mischen es mit einem Basisöl. Foto © dulezidar / iStock / Getty Images Plus

Verdünnt mit einem Basisöl eignet sich Neemöl etwa für eine Haarmaske. Gib die Mischung dafür vor der Haarwäsche in die Längen und Spitzen und lass es etwa eine halbe Stunde einwirken. Anschliessend mit ausreichend warmem Wasser und einem natürlichen Shampoo ausspülen. Zur Behandlung von Hautunreinheiten wie Pickeln und Mitessern sowie bei schuppiger und trockener Haut gibst du die Mischung einfach auf die betroffenen Stellen und lässt es in die Haut einziehen.

Vorsicht: Neemöl ist nur für die äussere Anwendung geeignet. Beim Verzehr kann es zu Erbrechen, Durchfall und Schüttelfrost kommen.

Neemöl kaufen: Das solltest du beachten

Da Neemöl häufig als Pflanzenschutzmittel Verwendung findet, erhältst du es in einigen Gartencentern. Meist ist das Öl dann bereits mit Wasser und Emulgatoren als fertige Lösung angesetzt, die du direkt verwenden kannst. Fertige Mischungen gibt es auch online etwa bei Coop oder Spinnrad.

Neemöl wird im Handel oftmals unter dem Namen Niemöl verkauft. Es handelt sich bei beiden Bezeichnungen um die gleichen Produkte.

Reines Neemöl für die Haut- und Haarpflege oder zur Anwendung bei Haustieren kannst du online beispielsweise bei Ecco Verde kaufen.

Kaufempfehlung: Setze beim Kauf auf biologisches Niemöl. Das garantiert, dass beim Anbau keine Pestizide verwendet wurden.

Es gibt auch einige Naturkosmetik-Produkte, die Niemöl enthalten, wie etwa das Neem Nagelöl oder die Neem Haarölkur von Dr. Hauschka.

Übrigens: Neemöl legt bis in die Schweiz einen sehr weiten Transportweg zurück, da der Neembaum nur in tropischen und subtropischen Gebieten wächst. Daher solltest du das Öl nur sparsam verwenden.

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