Diesen Giften sind wir täglich ausgesetzt, ohne es zu wissen

Wissen Sie, was sich alles in Ihren Haushaltsgegenständen versteckt? Welche Gifte wo enthalten sind und was Sie ganz einfach dagegen tun können, erfahren Sie hier.

Gifte im Haushalt sind nicht selten. Und sie lauern sogar in alltäglichen Dingen, bei denen wir nicht damit rechnen
In diesen Haushaltsgegeständen sind oft schädliche Stoffe versteckt. Foto: ©  iStock / Getty Images, E+; Collage: Redaktion
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Etwa 100‘000 chemische Verbindungen werden laut der Schweizer Genossenschaft Information Baubiologie für die Herstellung von Möbeln und anderen Produkten im Haushalt eingesetzt. Dabei sind auch einige Gifte, die unsere Gesundheit belasten können.

Oft ist uns gar nicht bewusst, was wir da einatmen oder auf unsere Haut bekommen. Unsere Liste zeigt die gängigsten Giftstoffe und wo sie im Haushalt anzutreffen sind.

Raumdüfte versprühen nicht nur feine Aromen

Ein angenehmer Raumduft kann zum Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden beitragen. Doch oft sind die gekauften Erfrischer voller Zusatzstoffe, die unserer Gesundheit schaden können, wie etwa umstrittene Moschusverbindungen. Darum sollten Sie besser auf natürliche Raumdüfte setzen als auf künstliche.

Empfindlichen Menschen hilft aber selbst das oft nicht, und sie reagieren allergisch auf den Raumduft. Die Schweizer Genossenschaft Information Baubiologie warnt etwa vor Auswirkungen wie Husten, Asthma oder Augenreizungen.

Unser Tipp: Sie wollen wissen, was in Ihrem Raumduft steckt? Dann stellen Sie ihn ganz einfach selber her: Hier finden Sie eine einfache Anleitung für feine Raumdüfte.

Duschen macht nicht mit jedem Gel Spass

Ein Duschgel sollte eigentlich nicht gefährlich sein, schliesslich kommt es täglich direkt auf unsere Haut. Trotzdem finden sich auch in teuren Produken immer wieder schädliche Tenside und sogar gefährliche Farb- oder Duftstoffe.

Unsere Tipps für natürliche Produkte finden Sie hier: Duschgel-Test: Wie gesund oder schädlich sind sie? 

Generell lohnt es sich, auf Siegel zu achten, die natürliche Kosmetik zertifizieren.

Nachhaltigkeitstipp: Auch Shampoo, Seife, Zahnpasta können bedenkliche Zusatzstoffe enthalten. Wie Sie diese Produkte mit natürlichen Zutaten selber machen, erfahren Sie hier:

Stifte machen das Leben bunt, aber auch gefährlich 

In vielen Stiften verstecken sich gefährliche Schadstoffe.

In vielen Stiften verstecken sich gefährliche Schadstoffe. Foto: © Floortje / E+

Auch im Kinderzimmer verstecken sich so einige Gifte. So stellte das Verbrauchermagazin Ökotest 2018 fest, dass in knapp der Hälfte aller getesteten Farbstifte gefährliche Schadstoffe vorhanden waren. Nicht nur günstige Hersteller schnitten hierbei richtig schlecht ab. Auch bei Markenprodukten gab es laut der Internetseite des Magazins richtig viel zu bemängeln.

In den Stiften wurden aromatische Amine gefunden, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Auch Weichmacher wurden bei den Tests immer wieder entdeckt. 

Naturbelassene, unlackierte Buntstifte sind die bessere Wahl.

Naturbelassene, unlackierte Buntstifte sind die bessere Wahl. Foto: © vovashevchuk / iStock / Getty Images Plus

Experten raten darum, beim Kauf zu unlackierten Stiften aus naturbelassenem FSC-Holz zu greifen und auf Zertifizierungen zu achten.

Den gesetzlichen Bestimmungen genügten die Stifte zum Testzeitpunkt übrigens trotz der gefundenen Schadstoffe.

 

Was sind aromatische Amine?

Aromatische Amine sind Bestandteile von synthetischen Farbstoffen, die verwendet werden, weil sie preiswert, lichtecht sowie farbstabil und leicht zu verarbeiten sind. Problematisch ist, dass sich die Stoffe in den Mienen und im Lack befinden und beim Knabbern am Stift verschluckt werden können.

Energiesparlampen auf den Sondermüll

Im Vergleich zu den klassischen Glühbirnen (verboten seit 2009) und den Halogenlampen (verboten seit 2018) spart die als «Energiesparlampe» bekannte Birne zwar Strom, ist aber bezüglich Inhaltsstoffen alles andere als umweltfreundlich. Die sogenannte Kampaktleuchtstofflampe enthält Quecksilber. Geht einmal eine Lampe kaputt, sollten Sie deshalb die Fenster weit öffnen und den Raum für einige Zeit verlassen, damit die Schadstoffe sich verflüchtigen können. Zudem gehören Energiesparlampen auf keinen Fall in den normalen Abfall, sondern müssen als Sondermüll entsorgt werden.

LEDs sind die wahren Energiesparlampen

Am besten ist es, Sie setzen auf LED-Licht. Diese Lampen sind zwar oft etwas teurer, kommen jedoch ohne Quecksilber aus und können laut der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft CO2-Online mit einer Lebensdauer von bis zu 30’000 Stunden punkten. Die Energiesparlampen kommt im Vergleich auf bis zu 10’000 Stunden.

Neue Möbel lassen Sie durch ihren Geruch alt aussehen

Wenn schöne neue Möbel unangenehm riechen, weist das meist auf Giftstoffe hin, zum Beispiel flüchtige organische Verbindungen (VOC) wie Formaldehyd.

VOCs dünsten zwar mit der Zeit aus. Doch gerade in den ersten Tagen mit starkem Geruch können sie Hustenreiz, Atemwegsbeschwerden, gereizte Augen oder Ausschläge verursachen. Das neue Möbel erst mal in einem unbenutzten Raum ausdünsten lassen wäre eine Alternative, die allerdings meist nicht durchführbar ist.

Extrem stark riechende Möbel sollten Sie daher am besten gar nicht erst kaufen. Oder Sie setzen bewusst auf Stücke ohne Lösungsmittel. Welche Gütesiegel vertrauenswürdig sind, zeigt unser Beitrag über Öko-Möbel.

Auch Tapeten, Wandfarben oder Bodenbeläge sind oft mit giftigen Stoffen wie Weichmachern oder Lösungsmitteln belastet. Achten Sie beim Kauf unbedingt auf schadstoffarme Alternativen.

Warum sind VOC gefährlich?

Flüchtige organische Verbindungen (volatile organic compounds, VOC) werden laut Lungenliga Schweiz als Lösungsmittel verwendet und sind unter anderem in Farben, Lacken und Reinigungsmitteln enthalten. In geschlossenen Räumen können sie zu allergischen Hautreaktionen, Atembeschwerden, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Asthma führen. Aus diesem Grund sollten Sie im Haushalt nur lösungsmittelfreie Produkte verwenden.

Backen mit Silikon ist nicht ganz ohne

Im Backofen dünsten Silikonbackformen oft giftige Stoffe aus.

Im Backofen dünsten Silikonbackformen oft giftige Stoffe aus. Foto: © oksix / iStock / Getty Images Plus

Silikonbackformen sind einfach zu säubern und der Teig bleibt deutlich seltener daran kleben. So schön praktisch das auch ist, haben die Backformen jedoch einen grossen Nachteil: Bei höheren Temperaturen dünsten sie die giftige Inhaltsstoffe aus, die in die Backwaren übergeht.

Die Silikonform vor dem ersten Gebrauch bei etwa 200 Grad alleine in den Ofen zu schieben und eine Weile lang zu backen, kann helfen, flüchtige Stoffe zu beseitigen. Ansonsten setzen Sie besser auf Backformen aus anderen Materialien wie zum Beispiel Blech.

Mehr zu Silikonbackformen erfahren Sie hier.

Weichspüler lassen uns zu Allergikern werden

Weichspüler schaden nicht nur der Umwelt. Sie können auch unserer Haut schaden, wie die Stiftung Warentest nach Untersuchungen bemängelte. Die enthaltenen Duft- und Farbstoffe und Konservierungsmittel können Allergien auslösen oder verstärken. Eine Alternative ist, auf Weichspüler ganz zu verzichten. Sie können aber auch natürliche Produkte verwenden, oder sich aus Essig oder Zitronensäure und einem natürlichen ätherischen Öl gleich selber einen Weichspüler machen.

Diese natürlichen Produkte eignen sich als Ersatz für Weichspüler und können problemlos kombiniert werden:

Backpulver

  • Dosierung: 1 bis 2 EL in 100 ml Wasser auflösen oder direkt zum Waschpulver
  • Wirkung: neutralisiert Gerüche, macht die Wäsche weich, wirkt aufhellend, enthärtet das Wasser

Haushaltsessig

  • Dosierung: herkömmliche Weichspüler-Dosierung
  • Wirkung: desinfiziert, entkalkt und beseitigt unangenehme Gerüche

Zitronensaft

  • Dosierung: Saft einer halben Zitrone
  • Wirkung: enthärtet das Wasser, sorgt für frischen Geruch

Natürliche ätherische Öle

  • Dosierung: wenige Tropfen
  • Wirkung: macht die Wäsche weich, sorgt für guten Geruch

An manchen Maschinen ist was faul

Schimmel in der eigenen Wohnung ist so gar nicht gesund. Leider versteckt sich dieser gerne dort, wo wir ihn nicht sehen, etwa hinter Möbeln, die dicht an Wänden stehen. Aber auch in der Kaffeemaschine kann ordentlich Schimmel drohen, besonders wenn Sie einen Vollautomaten haben. Wird dieser nicht regelmässig ordentlich auch von innen gesäubert, setzt sich schnell mal Kaffeesatz in Ecken und Ritzen des Gerätes ab. Nach einer Weile kann das für einen bitteren Beigeschmack sorgen.

Lesen Sie hier, wie Sie den hartnäckigen Schimmel sonst noch loswerden.

Ihre Spülmaschine braucht hin und wieder auch eine General-Reinigung, sonst setzen Gummi- und Plastikteile gerne Schimmel an. Zudem können Sie hin und wieder ein Reinigungsprogramm durchführen, die passenden umweltfreundlichen Mittel dafür gibt es im Handel.

Nachhaltgkeitstipp: Mit Essig können Sie Ihre Spülmaschine auch ganz einfach und natürlich selber reinigen. Spülarme und das Sieb in Essigwasser einweichen und mit dieser Mischung auch Innenraum und Dichtungsgummi reinigen. Zur Reinging des Innenraums zwei Tassen Essig auf dem Boden der Maschine verteilen und ein Programm mit hoher Temperatur wählen, um die Keime abzutöten. Auch Zitronensäure eignet sich zur natürlichen Reinigung.

Kunststoffschwamm vs. kompostierbarer Putzschwamm

Beim Abwaschen mit dem Kunststoffschwamm gelangt Mikroplastik ins Wasser.

Beim Abwaschen mit dem Kunststoffschwamm gelangt Mikroplastik ins Wasser. Foto: © Pannonia / E+

Auch Putzschwämmen und Spülbürste sollten aus hygienischen Gründen öfter ausgetauscht werden. Da sich im feuchten Klima schnell Keime bilden, raten Experten dazu, die Putzutensilien mindestens einmal pro Woche zu wechseln. Allerdings ist es keinesfalls nötig, sie gleich wegzuwerfen. Spülbürsten können in der Spülmaschine gereinigt werden, Schwämme und Spüllappen in der Waschmaschine bei 60 Grad.

Konventionelle Putzschwämme bestehen aus Kunststoff und sind nicht recycelbar. Zudem lösen sich beim Abwaschen kleine Plastikpartikel, die über den Abfluss ins Wasser gelangen und so viele Lebewesen gefährden. Wenn Sie statt einem konventionellen Putzschwamm aus Schaumstoff einen Luffaschwamm verwendest, können Sie Kunststoff-Müll einsparen und neben der Umwelt auch Ihren Geldbeutel schonen. Denn Schwämme aus Pflanzenfasern sind wesentlich länger haltbar  und können, wenn sie schliesslich abgenutzt sind, auf dem Komposthaufen entsorgt werden. 

Nachhaltigkeitstipp 1: Sollten Sie noch grössere Kunstschwämme zu Hause haben, halbieren Sie diese vor Gebrauch. Auch mit der halben Grösse lässt sich problemlos putzen und Sie verlängern so erst noch die Einsatzdauer des Schwamms.

Nachhaltigkeitstipp 2: Stecken Sie Kunstschwämme und Putzlappen in ein Waschnetz. So gelangen die Plastikpartikel, die in der Kläranlage nicht gefiltert werden können, nicht ins Wasser.

 

Der Luffaschwamm besteht aus dem getrockneten Fruchtfleisch des Schwammkürbis

Kennen Sie die Luffa-Gurke? Foto: © PorFang / iStock / Getty Images Plus

Der Luffaschwamm, auch Luffa-Gurke genannt, besteht aus dem getrockneten Fruchtfleisch des Schwammkürbis'. Um ihn als Schwamm verwenden zu können, werden Haut und Kerne entfernt und das Fruchtfleisch getrocknet. Der Luffaschwamm ist vielseitig einsetzbar und kann sogar als Peeling-Schwamm verwendet werden.

Unerklärliche Symptome können auf Gifte im Haushalt hinweisen

Wer plötzlich über Unwohlsein, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit oder chronische Müdigkeit, Infektanfälligkeit, Nervosität, Hautausschläge, Husten, Asthma oder Allergien klagt, reagiert eventuell auf Gifte im Haushalt.

Dies auszuschliessen, ist nicht leicht. Zunächst, nach der Ausschlussmethode, Neues wieder zu entfernen, ist eine Möglichkeit. Eine Beratungsstelle der Gemeinde, des Kantons oder einen anerkannten Baubiologen zu konsultieren, eine andere. Ein Baubiologe kann gezielt nach Schadstoffbelastungen suchen. Dies geschieht unter anderem durch eine Raumluftmessung. Im Eco-Branchenverzeichnis sind die entsprechenden Schweizer Fachleute aufgelistet.

Andere unsichtbare Gefahren im Haushalt sind übrigens Elektrosmog und natürliche Radioaktivität durch Radon.

Mit diesen 5 Ideen vermeiden Sie Chemie im Alltag ganz leicht

1. Kaufen Sie biologisch hergestellte Lebensmittel, die nicht mit Pestiziden behandelt wurden.

2. Verwenden Sie im Garten oder auf dem Balkon nur natürliche Düngemittel.

3. Setzen Sie auf umweltfreundliche Reinigungsmittel.

4. Verzichten Sie auf Weichspüler und andere unnötige Chemikalien wie Lufterfrischer.

5. Achten Sie beim Kauf auf tierleidfreie und biologische Kosmetik. Hier finden Sie gute Naturkosmetik-Marken aus der Schweiz.