Flächendesinfektionsmittel: Handy und Türklinken richtig reinigen

Flächendesinfektionsmittel ist aktuell stark gefragt. Dabei ist Flächendesinfektion nicht immer sinnvoll. Wir erklären, warum das so ist und wie du Smartphone, Türklinken und Co. richtig desinfizierst und worauf du beim Kauf von Desinfektionsmittel achten musst.

Flächendesinfektionsmittel: Handy und Türklinken richtig reinigen
Das Handy ist ein grosser Bakterien- und Virenherd. Foto © PeopleImages / E+
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Flächendesinfektionsmittel ist im Haushalt normalerweise überflüssig. In manchen Situationen ist Desinfektionsmittel jedoch auch in Privathaushalten eine wichtige Massnahme gegen Krankheitserreger.

Aktuell beschäftigt das Coronavirus die gesamte Weltbevölkerung – was nicht zuletzt an «leergekauften» Regale in Supermärkten und Drogerien sichtbar wird. Besonders Desinfektionsmittel für Hände und Flächen sind gefragt.

Wir erklären, wann Flächendesinfektion überhaupt sinnvoll ist, warum du kein Flächendesinfektionsmittel «hamstern» solltest und wie du dich vor Viren und Bakterien schützt – ohne die Chemiekeule zu schwingen.

Ausserdem im Artikel:

Wann ist Flächendesinfektion sinnvoll und wichtig?

Beim Haushaltsputz greifen immer mehr Menschen zu starken Reinigungs- und Flächendesinfektionsmitteln. Dabei ist Desinfektionsspray für eine gründliche Reinigung im Alltag nicht nötig. Meist werden Küche, Bad und WC sogar regelmässig desinfiziert. Aus diesen zwei Hauptgründen solltest du besser nicht zum Desinfektionsreiniger greifen:

1. Durch den zunehmenden Einsatz hochwirksamer und chemischer Hand- und Flächendesinfektionsmittel können Krankheitserreger eine Resistenz gegen Desinfektionsmittel entwickeln. Das wird vor allem an Orten gefährlich, an denen Desinfektion dringend notwendig ist: in Krankenhäusern und anderen medizinischen Bereichen.

2. Ein gesundes Immunsystem lernt die Keime im Umfeld kennen und entwickelt eine natürliche Abwehr dagegen. Ein nahezu keimfreier Haushalt hingegen kann das Immunsystem schwächen.

Die Verwendung von Flächendesinfektionsmittel ist im Lebensmittelbereich und in medizinischen Einrichtungen notwendig. Dort dient es der sterilen Reinigung von Instrumenten, Einrichtungsgegenständen und sanitären Anlagen zum Schutz kranker Patienten und des Praxispersonals.

Wenn ein Familienmitglied krank oder immungeschwächt ist, ist Desinfektionsmittel auch im privaten Haushalt ein sinnvoller Schutz. Gerade kleine Flächen wie Türklinken, Wasserhähne und Griffe an Schubladen und Schränken sind unterschätzte Keimträger. Um die Ansteckungsgefahr zu minimieren, ist ausreichende Hygiene eine wichtige Massnahme.

Flächendesinfektionsmittel richtig anwenden

Flächendesinfektionsmittel ist nur dann wirksam, wenn du es richtig anwendest. Die stärksten Mittel sind wirkungslos, wenn du die Einwirkzeit missachtest. Die beste Wirksamkeit erhält ein Desinfektionsreiniger nach einer Einwirkzeit von ein bis fünf Minuten. Achte vor der Anwendung genau auf die angegebene Einwirkzeit auf dem Etikett.

Flächendesinfektionsmittel kann auf allen alkoholbeständigen Oberflächen verwendet werden. Dafür sprühst du das Mittel auf die entsprechende Oberfläche und lässt es einwirken. Danach wischst du die Fläche mit einem trockenen Tuch ab. Auch die Wischdesinfektion ist sehr effektiv und gründlich: Tränke dafür ein Tuch mit Desinfektionsmittel und wisch damit über die Oberfläche.

Flächendesinfektion gegen Viren

Die Nachfrage nach Flächendesinfektionsmitteln ist mit der Verbreitung des Coronavirus enorm angestiegen. Doch nicht alle Desinfektionsmittel wirken gegen behüllte Viren.

Gegen das Coronavirus wurden bisher drei effektive Wirkstoffe wissenschaftlich nachgewiesen: Ethanol, Wasserstoffperoxid und Natronhypochlorid. Letzteres wird weniger zur Flächendesinfektion, sondern hauptsächlich zur Desinfektion in Schwimmbädern verwendet und ist auch als «Chlor liquid» bekannt.

Wer sich vor Viren wie dem Noro- oder Choronavirus schützen will, muss auf die Aufschrift «begrenzt viruzid» oder «viruzid» achten. Andernfalls wirkt das Desinfektionsmittel nicht gegen behüllte Viren.

Gewusst? Behüllte Viren sind besser zu bekämpfen als unbehüllte. Zwar dient die Hülle den Viren als Schutz, macht sie aber durch Desinfektionsmittel leichter angreifbar. Denn durch den Alkohol verklumpt die Hülle und reduziert die Infektiosität der Viren.

Warum du Flächendesinfektionsmittel nicht «hamstern» solltest

Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln ist aktuell besonders hoch. Viele Menschen kaufen aus Angst vor dem Coronavirus grosse Mengen Desinfektionsmittel für Hände und Flächen sowie Desinfektionstücher zur Schnelldesinfektion.

Das Problem: Die extrem hohe Nachfrage sorgt für Lieferengpässe. Das ist für einzelne Privathaushalte nicht schlimm. In Krankenhäusern ist Desinfektion jedoch ein wichtiger Schutz für immungeschwächte Menschen und besonders gegen Krankenhauskeime wie MRSA dringend notwendig.

Essig wirkt desinfizierend

Essig eignet sich wunderbar für den Hausputz. Foto © Helin Loik-Tomson / iStock / Getty Images Plus

Desinfektionsmittel ist ein Medizinprodukt. Wenn du keine kranken Familienmitglieder oder Mitbewohner hast, ist es im Haushalt überflüssig.

Tipp für den Hausputz: Essig hat eine desinfizierende Wirkung und entfernt gleichzeitig Kalk und Schmutz. Mit flüssigem Essigkonzentrat kriegst du Küche, Bad und Böden sauber. Wegen der kalklösenden Wirkung darf es jedoch nicht auf Naturstein verwendet werden. Beachte, dass Essigessenz kein ausreichender Schutz vor Viren ist!

Der richtige Schutz vor Viren und Bakterien

Während der Grippezeit oder im Pandemiefall lässt sich die Ansteckungsgefahr nie ganz vermeiden. Trotzdem kannst du dich mit einfachen und schnellen Massnahmen schützen.

Wenn du öffentliche Toiletten benutzen, ist zusätzlicher Schutz mit Flächendesinfektionsmittel sinnvoll. Mit einem Desinfektionstuch kannst du auch unterwegs Flächen wie WC-Brillen, Handgriffe und Türklinken reinigen.

Wichtig: Mit der Händedesinfektion ersetzt du richtiges Händewaschen nicht!

Das Coronavirus überträgt sich wie alle Tröpfcheninfektionen über Oberflächen und Hände. Eine Studie deutscher Wissenschafter, die im Journal of Hospital Infection veröffentlicht wurde fanden heraus, dass das Coronavirus bei Raumtemperatur bis zu 5 Tage lang überlebt. Daher solltest du in öffentlichen Räumen und Verkehrsmitteln möglichst nichts anfassen oder danach gründlich die Hände waschen.

Das Handy desinfizieren

Häufige Desinfektion und ständiges Händewaschen bringen nichts, wenn du dein Smartphone nicht regelmässig reinigst. Darauf befinden sich laut einer US-Studie mehr Bakterien und Viren als auf einem Toilettensitz. Das gleiche gilt für die Laptop-Tastatur und die Maus.

Dein Smartphone und die PC-Tastatur reinigst du am besten mit einem alkoholischen Desinfektionsmittel mit der Aufschrift «begrenzt viruzid» oder »viruzid». Optional eignet sich auch ein 70-prozentiger Alkohol (Ethanol oder Isopropylalkohol). Für die Reinigung einfach ein Tuch mit Flächendesinfektionsmittel tränken und vorsichtig über das ganze Handy wischen. Besondere Vorsicht ist bei den Anschlüssen für Ladekabel und Kopfhörer sowie beim Slot für Speicher- und SIM-Karten geboten!

Tipp: Mit einer Schutzfolie schützt du den Handybildschirm und er kann besonders einfach gereinigt werden. Glasreiniger oder andere starke Putzmittel können die fettabweisende Oberfläche des Smartphones nämlich angreifen. Mit einer Folie umgehest du diese Gefahr.

Desinfiziere das Handy am besten immer, wenn du nach Hause kommst. Das Spray sollte nicht direkt auf das Smartphone gesprüht werden. Dadurch kannst du die Elektronik beschädigen.

Flächendesinfektionsmittel kaufen: Darauf musst du achten

Viele Flächendesinfektionsmittel enthalten neben hochprozentigem Alkohol Lösungs- und Bleichmittel oder künstliche Duftstoffe, die Haut und Umwelt schaden. Manche der Zusatzstoffe sind sogar gesundheitsschädlich. Dazu zählt etwa EDTA (Ethylendiamintetraessigsäure). Wirf beim Kauf von Flächendesinfektionsmittel also immer einen Blick auf die Inhaltsstoffe.

Besonders umweltfreundlich sind die Desinfektionsmittel von Sonett. Das Flächendesinfektionsmittel besteht aus pflanzlichem Ethanol (70 % Vol.) und ätherischem Salbeiöl. Es wirkt nachweislich gegen Bakterien und behüllte Viren.

 

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