Gärtnern in Zeiten des Klimawandels:11 Tipps vom Profi

Hobbygärtner und Balkonistas wissen eins: Wegen des Klimawandels und den Rekordsommern leiden die geliebten Pflanzen unter Wassermangel. 11 Tipps für einen klimafesten Garten.

Gärtnern im klimafesten Garten
Mit einigen Tricks schaffen Sie sich einen klimfesten Garten, der die Artenvielfalt fördert. Foto ©  iStock / Getty Images Plus
  • 4
  • 0

Keiner kann die Welt mal schnell retten, aber jeder Garten- und Balkonbesitzer kann in seinem grünen Reich einige Massnahmen ergreifen, um es sich, seinen Pflanzen und den tierischen Besuchern einfacher zu machen.

Unser Garten-Autor Jürgen Rosemeier verrät uns 11 To-dos für einen klimafesten Garten. 

1 Zauberwort Humus: Den Boden verbessern

Wir kaufen den Sack Pflanzerde, bepflanzen damit Kübel und Balkonkästen und geben uns mit dem Boden im Garten zufrieden. Und im Sommer? Alles staubtrocken und wir müssen giessen wie die Weltmeister. Ohne sonderlichen Erfolg.

Eine wichtige Aufgabe ist es, den Boden zu verbessern. Das Stichwort lautet Humus.

Humus ist eine organische Substanz und in vielerlei Hinsicht wertvoll. Neben der Wichtigkeit für Mikroorganismen im Boden und den zahlreichen kleinen Lebewesen im Erdreich, sorgt ein guter Anteil an Humus für eine erhöhte Wasserspeicherkapazität des Bodens.

Humus ist die Allzweckwaffe für gesundes, nachhaltiges und erfolgreiches Gärtnern. In Sachen Klima und Trockenheit sorgt ein hoher Humusanteil dafür, dass Wasser gespeichert wird. Sprich: Je besser der Humusanteil, desto weniger müssen wir giessen.

Was ist zu tun?

  • Alljährlich den Boden verbessern. Etwa nach Packungsanleitung Urgesteinsmehl auftragen und oberflächlich einarbeiten (gleichzeitig sanfte, aber effektive Düngewirkung.
  • Kompost auftragen und einarbeiten (Kompost = Humus pur). Faustregel: 3 L/m²
  • Kompost ist auch super für den Topfgärtner!

2 Einmal hacken = Dreimal giessen

Eine alte Regel aus Grossmutters Garten besagt «1 Mal hacken ist wie 3 Mal giessen». Also Boden lockern und weniger giessen? Wieso?

Die Erklärung ist ganz einfach. Egal welcher Bodentyp, mit der Zeit wird er fester und kompakter. Unangenehmer Nebeneffekt: Er nimmt viel schlechter Wasser auf. Schlimmer noch, Regen- und Giesswasser läuft zum nicht unerheblichen Teil ab.

Wird der Boden regelmässig gelockert, dann vergrössert sich die Oberfläche zur Wasseraufnahme, das Wasser dringt besser ein. Und insbesondere bei lockeren Böden wird das sogenannte Kapillarsystem unterbrochen, das heisst: Dem Wasser wird es schwerer gemacht, in tieferen Schichten gleich zu verschwinden.

Ein kleiner Nebeneffekt ist übrigens, dass es unerwünschter Wildwuchs schwerer hat, Fuss zu fassen.

Was ist zu tun?

  • Hacken. Es gibt verschiedene Werkzeuge, mit denen man selbst im Stauden- oder Gemüsebeet die Erde oberflächlich und auf engstem Raum lockern kann. Ein altes Gärtnerwerkzeug hier: Der Sauzahn oder die im Profi-Gemüseanbau beliebte Pendelhacke.
  • Das sollte auch der Topfgärtner machen. Bei ein paar Balkonkästen reicht auch mal eine Gabel.

3 Multifunktionaler Mulch

Als Mulch bezeichnet man unverrottetes organisches Material, mit dem man gärtnerisch genutzte Flächen bedeckt. Manchmal wird auch Kies oder Split als Mulch bezeichnet.

Was macht Mulch? Beim Mulchen wird mehrere Zentimeter dick und flächendeckend auf die Beete aufgetragen. Im Falle von organischem Mulch zersetzt dieser sich mehr oder minder stark und reichert den Boden mit Nährstoffen und Humus an.

Gleichzeitig hält Mulchmaterial Feuchtigkeit zurück und reduziert die Verdunstung. Das reduziert die Giessmenge und -Frequenz, spart Wasser und lässt Pflanzen weniger leiden.

Mulchen funktioniert übrigens auch in Töpfen.

Was ist zu tun?

  • Organisches Material auftragen auf möglichst viele bepflanzte Flächen.
  • Das kann Rasenschnitt sein (antrocknen lassen für ein paar Tage und nur 2, 3 cm dick)
  • Kompost (nur 1 x jährlich)
  • Rindenmulch
  • Hackschnitzel
  • Im Herbst Laub auf Beeten liegen lassen. Das hält sich ebenfalls lange.
  • Im Spätsommer/Herbst abgeernteten Gemüsebeeten eine Gründüngung gönnen. Dies dient nach absterben der oberflächlichen Pflanzenteile ebenfalls als Mulch und kann im Frühjahr eingearbeitet werden.

Bei beiden letzteren gilt: Das Erdreich vorher flächig und natürlich düngen (z. B. Urgesteinsmehl oder Hornspäne), da der Zersetzungsprozess des Holzes dem Boden wertvollen Stickstoff entzieht. Alles zum Thema Mulchen und welcher Mulch wofür verwendet wird.

4 Alles so schön bunt hier oder dicht bepflanzen

Garten mit Blumen und Gemüse

Den Garten mit Gemüse und Blumen dicht bepflanzen. Foto ©  iStock / Getty Images Plus

Sind die Pflanzen im Garten so spärlich gesetzt, dass man zwischen ihnen durchlaufen kann? Oder wächst im Topf nur eine Tomatenpflanze oder Staude? Gar nicht gut, was den Wasserbedarf angeht und in Sachen Pflanzengesundheit, denn: Je dichter bepflanzt ist, desto weniger kann die Sonne den Boden aufheizen oder kann der Wind durchpfeifen. Beides sorgt für Verdunstung, insbesondere auf offenen Flächen.

Ist alles vergleichsweise dicht bepflanzt, dann wird gleichzeitig der Boden beschattet und es kann weniger Wasser verdunsten.

Was ist zu tun?

  • Die Blumenbeete üppig bepflanzen. 6 – 8 oder mehr Pflanzen (kommt auf deren Grösse/Ausbreitung an). Am besten mit mehrjährigen Pflanzen, die, wenn etabliert, nicht mehr so viel Wasser benötigen.
  • Lücken werden konsequent mit einjährigen Blühpflanzen aufgefüllt.
  • Gleiches gilt für den Gemüseanbau. Alles möglichst dicht pflanzen und nicht unbedingt korrekt an die Abstände der Pflanz- oder Aussaatempfehlungen (sind nur der Idealfall und beachten Hitzesommer nicht) halten. Ruhig etwas dichter setzen und keine Lücken lassen.
  • Töpfe auf dem Balkongarten sollten nicht viel anders bepflanzt sein. Einfach schön üppig mit möglichst wenig Stellen, an denen das Erdreich herausschaut.
  • Und der Rest? Richtig: Mulchen.

5 Augen auf bei der Pfanzenwahl

Wie wir in den Schweizer Wäldern, den Parks oder auch bei Obstbaubetrieben sehen – viele Pflanzen, insbesondere die Bäume, leiden unter anhaltender Trockenheit. Viel zu früh leiten die Laubbäume den Herbst ein, Nadelbäume sind durch Trockenheit vermehrt krank oder Obstbauern müssen zeitig etwa kleinere Äpfel ernten, weil sie durch Trockenheit sonst abfallen würden. Diesen Wassermangel gleicht der Hobbygärtner im Beet und auf Balkonien mit seinen Wassergaben und genannte Tricks aus. Doch nicht immer reicht das aus.

Was tun?

  • Pflanzen leiden trotz so mancher Optimierungsmassnahme unter der Hitze? Dann heisst es auch mal Ciao zu sagen und sich von ihr oder ihnen zu trennen.
  • Viele heimische Pflanzen kämpfen mit der Hitze. Vor allem die zahlreichen Nektarspender gilt es für die Artenvielfalt trotzdem und gerade mit Wassergaben zu stärken.
  • Trockenheitsliebende Pflanzen wie die Mediterranen (Rosmarin, Thymian, Salbei, Lavendel), haben dagegen kaum Probleme mit dem sich erwärmenden Klima in der Schweiz.
  • Es gibt auch nichtheimische Pflanzen, die Hitze und Trockenheit vertragen und trotzdem etwa für zahlreiche Bienenarten und Schmetterlinge gut sind. Beispiel: Präriestauden wie Echinacea (auf die Bezeichnung ‚bienenfreundlich‘ achten).
  • Schlehen, Sanddorn oder Felsenbirne (u.a.) sind ebenso hitzeverträglich, wie tiefwurzelnde (Wild-)Rosen und erfahren so eine neue Renaissance in Schweizer Gärten. Alle haben Sie zudem gemeinsam, dass sie die Artenvielfalt fördern.

6 Für Topfgärtner: Dilemma mit den Pflanzgefässen

Jetzt kommt ein Dilemma und dieses muss jeder Hobbygärtner selbst abwägen. Wer konsequent plastikfrei leben möchte und auf Ton- oder Terrakottatöpfe setzt muss definitiv mehr giessen. Denn die offenporigen Pflanzgefässe verdunsten naturgemäss mehr Wasser.

Was ist zu tun?

  • Wer auf Plastiktöpfe verzichtet, muss mit Tontöpfen mehr giessen und trotzdem Ernteeinbussen oder verminderte Blütenpracht in Hitzesommern rechnen.
  • Hat man trotz der Absicht auf Plastik zu verzichten noch entsprechende Töpfe, dann diese so lang wie möglich nutzen und nicht einfach in das Recycling geben.
  • Lasierte Tontöpfe sind eine Alternative.
  • Auch Töpfe aus sogenanntem Polystone – ein Materialmix aus Gesteinsmehl oder Sand, Zement oder Kunstharzen – sind eine langlebige, zudem leichte Alternative.

7 Tierischen Besuchern wertvolles Nass bieten

Auch das gehört in einen klimatauglichen Garten: Tierischen Gartenbesuchern Wasser anbieten. An sie wird viel zu wenig gedacht. Doch leider benötigen etwa Nektarsammler oder unsere gefiederten Gartenfreunde Wasser zum Leben.

Was tun?

  • In einem grossen Topfuntersetzer (im grossen Garten mehrere) Wasser anbieten. Er sollte ausreichend tief sein, um nicht nur das Trinken, sondern auch die Gefiederpflege der Vögel zu erlauben. Vogeltränken regelmässig mit einem Schwamm von Algen und Unrat befreien. Die Position sollte möglichst erhöht sein, um Vögel nicht zu leichten Beute von Katzen zu machen.
  • In den Untersetzer ein paar kleine Zweige oder Kieselstein legen, damit sich etwa Bienen vor dem Ertrinken retten können.
  • Ein naturnaher Teich ohne Fische – bereits 500 L reichen aus – ist die Kür, die so mancher Gartenbewohner schätzt. Nicht nur Frösche oder eierlegende Libellen freuen sich über solch ein Angebot.

8 Trick 77: Mischkultur

Die Mischkultur ist schon genial. Gezielt zusammengesetzte Pflanzen begünstigen sich untereinander, sind vitaler und, geht es um die Ernte – sie sind ertragreicher.

Was tun?

  • Zum Profi werden Sie mit unserem Artikel: Wie Sie mit Mischkultur im Garten mehr Erfolg haben.

9 Pestizide und Hausmittel gegen Schädlinge vermeiden

Was haben Pestizide oder Hausmittel im Garten denn mit dem Klima zu tun? Viel. Setze ich Gifte im Garten ein, dann verringere ich die Zahl der Lebewesen. Von Glyphosat etwa ist laut einer englischen Studie bekannt, dass sein Einsatz 56 Prozent der Bodenlebewesen tötet. Jene unsichtbaren, aber sehr fleissigen Helferlein, die den Boden gesund halten. Wird der unter Hitzestress stehende Boden noch mehr belastet, dann gerät das kleine Ökosystem Garten aus den Fugen.

Und warum selbst Hausmittel? Ein Beispiel: Spüle ich die lästigen Blattläuse mit Seifenlauge ab, dann nehme ich zahlreichen natürlichen Fressfeinden die Nahrungsgrundlage. Marienkäfer und deren Larven beispielsweise (fressen am Tag bis zu 150 Blattläuse!), Florfliegen und deren Larven, usw. Ein ehedem reduziertes Nahrungsangebot wird weiter reduziert. Gleiches gilt für Schnecken. Sie sind Nahrung für allerlei Tiere. Igel, Kröten, Blindschleichen und viele mehr.

Was tun?

  • Zurücklehnen, abwarten und nicht bei jeder kleinen Blattlaus in Stress verfallen. Die Natur regelt vieles von allein.
  • Einen möglichst vielfältigen Naturgarten (gilt auch für den Topfgarten) anlegen.
  • Stellt sich nach ein paar Tagen noch keine Armada an Nützlingen ein, dann werden Blattläuse mit Wasser abgespült.
  • Schnecken sammelt man in der Dämmerung oder bei Regen ab.

10 Wasser marsch: Richtig giessen

Wassertonne im Garten spart Wasser

Mit einer Regentonne das Wasser vom Dach sammeln. Foto ©  iStock / Getty Images Plus

Nicht falsch verstehen, aber giessen sie mehr. Das soll jetzt kein Aufruf zur Wasserverschwendung sein, sondern eine Anleitung für das richtige Giessen. Ein Rechenbeispiel: 1 L Wasser auf den Quadratmeter dringt 1 Zentimeter ins Erdreich ein. Selbsttest: Stellen Sie doch mal ein Wasserglas ins Beet und giessen sie wie üblich. So viel wie sich im Glas sammelt, so tief durchfeuchten Sie an dieser Stelle den Boden. Folge 1: Jeden Abend ein wenig Wasser auf die Beete zu plätschern, erreicht die wenigsten, tiefsitzenden Wurzeln. Folge 2: Pflanzen wie Stauden werden faul. Zu faul, tiefer zu Wurzeln. Das macht durstig und ungesund.

Was tun?

  • Wenden Sie obige Tipps an, etwa die Bodenlockerung, und giessen sie tüchtig. Am besten gehen Sie an einem Sonntagmorgen giessen, gehen frühstücken und giessen Sie erneut.
  • Wie viel? 10 - 20 L/m² ist ideal, um die Gartenerde richtig zu durchfeuchten Wie lange das mit dem Schlauch dauert, können Sie ja mal mit der Füllung einer Giesskanne abstoppen.
  • Selbst bei Rekordtemperaturen benötigt so ein dicht bepflanzter, gemulchter, mit gelockertem Boden versorgter Garten nicht jeden Tag Wasser. Viele begnügen sich dann ein bis zwei Mal die Woche mit eine Wassergabe. Nebeneffekt: Stauden etwa wachsen tiefer ins Erdreich, was sie weniger wasserabhängig macht. Ausnahme: Hochbeete aus Holz oder Topfgärten.

11 Last but not least: Wasser sammeln

Ein Garten lebt nicht von Luft und Liebe, sondern vom Sonnenlicht, Nährstoffen und dem wertvollen Nass. Dieses kann man problemlos sammeln.

Was tun?

  • Regenwasser sammeln. Das geht am besten an Fallrohren von aller Art von Dächern auf dem Grundstück. Gesammelt wird mithilfe von Regentonnen.
  • Überlegenswert: Eine Regenwasseranlage zu installieren (auch für das Brauchwasser im Haus zu nutzen!).
  • Ansonsten: Entsiegeln Sie möglichst viele Flächen auf dem Grundstück. Das kommt auch dem Schweizer Grundwasser zugute.

Wer einen Teil oder alle genannten Tipps umsetzt, spart Wasser und macht sein grünes Reich definitiv hitzebeständiger. Und wer auf die Dichtpflanzung setzt wird sehen: Es sieht auch noch schöner aus und lässt kleine Gärten grösser wirken.

Passend zum Thema: