Naturkosmetik-Make-up: Was du heute wirklich wissen musst Pauline Bodinek Naturkosmetik-Make-up ist längst mehr als ein Nischenprodukt für Fans eines sehr natürlichen Looks. Viele Produkte decken heute zuverlässig ab, fühlen sich angenehm auf der Haut an und kommen ohne eine Reihe umstrittener Stoffe aus. Gleichzeitig lohnt sich ein realistischer Blick: Nicht jedes Produkt passt zu jedem Hauttyp, Duftstoffe können sensible Haut reizen, und bei Haltbarkeit oder Spezialeffekten gibt es je nach Kategorie noch Unterschiede. Hier erfährst du, worauf du beim Kauf in der Schweiz achten kannst – mit alltagstauglichen Tipps statt blosser Markenliste. 1 Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Von Rouge bis Bronzener: Die Auwahl bei Naturkosmetik-Make-up ist gross. Foto © Sasha Brazhnik / iStock / Getty Images Plus Viele Menschen greifen täglich zu Foundation, Concealer, Puder, Mascara oder Lippenstift. Gerade dann ist es sinnvoll, die Inhaltsstoffe genauer anzuschauen. Denn Make-up bleibt oft stundenlang auf der Haut, kommt an empfindlichen Stellen wie Augen und Lippen zum Einsatz und wird bei Lippenprodukten teilweise sogar ungewollt aufgenommen. Naturkosmetik-Make-up setzt in der Regel auf pflanzliche Öle, Wachse, Mineralpigmente und andere Rohstoffe natürlichen Ursprungs. Gleichzeitig verzichten zertifizierte Produkte auf viele Stoffgruppen, die in konventioneller Kosmetik verbreitet sind. Das kann vor allem dann ein Vorteil sein, wenn du empfindliche, trockene oder zu Irritationen neigende Haut hast. Wichtig ist aber auch: «Natürlich» ist nicht automatisch besser verträglich. Gerade ätherische Öle und bestimmte Duftstoffe können sensible Haut reizen. Deshalb lohnt sich ein genauer, nüchterner Blick auf Formulierung, Hautgefühl und Anwendung – nicht nur auf schöne Werbeversprechen. Das kommt bei Naturkosmetik nicht in die Tube Ein grosser Unterschied zu zertifizierter Naturkosmetik liegt in den Stoffen, die dort ausgeschlossen sind. Dazu gehören je nach Standard unter anderem synthetische Duftstoffe, Silikone, Paraffine, gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe und bestimmte Konservierungsmittel. Für viele Menschen ist das vor allem bei Produkten interessant, die grossflächig im Gesicht angewendet werden. Besonders häufig diskutiert werden diese Stoffgruppen: Paraffine und andere Erdölbestandteile können ein glattes Hautgefühl erzeugen, tragen aber nicht zur Hautpflege im engeren Sinn bei. Silikone sorgen oft für ein sehr ebenmässiges Finish und gutes Verblendverhalten, sind in zertifizierter Naturkosmetik jedoch ausgeschlossen. Synthetische Duftstoffe und bestimmte Konservierungsstoffe können bei empfindlicher Haut problematisch sein. Formaldehydabspalter und andere stark kritisierte Konservierungssysteme sind in zertifizierter Naturkosmetik nicht erlaubt. Wenn du Inhaltsstofflisten besser verstehen willst, hilft dir auch unser Überblick zu Naturkosmetik. Ebenfalls hilfreich ist es, die INCI-Deklaration aufmerksam zu lesen und bei empfindlicher oder schnell gereizter Haut besonders auf Duftstoffe zu achten. Damit du dich beim Einkauf orientieren kannst, sind anerkannte Siegel wichtig. Zu den bekanntesten zählen NaTrue, Ecocert und BDIH. Sie ersetzen zwar nicht den Blick auf das einzelne Produkt, geben aber eine verlässliche Grundorientierung. Was Naturkosmetik-Make-up heute gut kann Die Qualität dekorativer Naturkosmetik hat sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Moderne Formulierungen arbeiten feiner, die Texturen sind oft leichter, und viele Produkte lassen sich heute alltagstauglich schichten. Wenn du bisher schlechte Erfahrungen mit stumpfem Puder oder fleckiger Foundation gemacht hast, kann sich ein neuer Versuch lohnen. Teint-Produkte BB Creams, getönte Tagescremes, Concealer, Foundations und Puder gehören inzwischen zu den stärksten Kategorien. Besonders gut sind Naturkosmetik-Produkte oft dann, wenn du ein natürliches bis mittleres Finish möchtest. Mineralpigmente können Rötungen ausgleichen, und pflegende Öle oder Buttern helfen trockenen Partien, nicht sofort schuppig auszusehen. Für den Alltag funktionieren leichte bis mittlere Deckkraft und ein hautähnliches Finish oft besser als sehr schwere Formulierungen. Wenn du zu Trockenheit neigst, sind cremige oder flüssige Texturen oft angenehmer. Bei öliger Haut können lose oder gepresste Puder sinnvoll sein, um Glanz zu reduzieren. Viele Naturkosmetik-Teintprodukte sind zudem für Menschen interessant, die ein «weniger ist mehr»-Gefühl auf der Haut mögen. Sie lassen den Teint häufig lebendiger wirken als stark film bildende Produkte. Augen-Make-up Auch bei Mascara, Kajal und Lidschatten ist die Auswahl deutlich besser geworden. Für den Alltag gibt es zuverlässige Produkte mit guter Farbabgabe und ordentlicher Haltbarkeit. Gerade mineralische Lidschatten und weichere Kajaltexturen lassen sich unkompliziert auftragen. Wenn deine Augen empfindlich sind oder du Kontaktlinsen trägst, lohnt sich besondere Sorgfalt. Je weniger reizende Duftstoffe und je einfacher die Formulierung, desto besser. Augenprodukte sollten ausserdem regelmässig ersetzt werden, weil der hygienische Aspekt hier besonders wichtig ist. Lippenprodukte Lippenstifte, Balms und Glosse gehören zu den angenehmsten Naturkosmetik-Kategorien. Pflanzliche Wachse und Öle machen die Texturen oft geschmeidig, und viele Produkte pflegen die Lippen zugleich. Für trockene oder spröde Lippen ist das ein echter Pluspunkt. Bei kräftigen Farben lohnt sich ein kurzer Test: Manche Formulierungen tragen sich schneller ab als konventionelle Longwear-Produkte. Für den Alltag ist das meist kein Problem – du musst dann einfach etwas häufiger nachlegen. Wo Naturkosmetik-Make-up Grenzen hat So überzeugend viele Produkte heute sind: Naturkosmetik ist nicht in jeder Disziplin automatisch gleich stark wie konventionelles Make-up. Ein realistischer Blick spart Frust und hilft dir, gezielter auszuwählen. Deckkraft und Haltbarkeit Bei sehr hoher Deckkraft, extrem langer Haltbarkeit oder absolut wischfesten Formulierungen hat konventionelles Make-up oft noch Vorteile. Das liegt vor allem daran, dass dort Film bildner, Silikone oder andere leistungsstarke synthetische Rohstoffe eingesetzt werden können, die in zertifizierter Naturkosmetik nicht erlaubt sind. Für den Alltag reicht die Performance moderner Naturkosmetik aber häufig sehr gut aus. Wenn du mehr Haltbarkeit möchtest, hilft eine einfache Routine: Pflege gut einziehen lassen, sparsam in dünnen Schichten arbeiten, bei Bedarf punktuell abdecken statt das ganze Gesicht stark zu schichten und das Ergebnis mit Puder fixieren. Farbvielfalt und Spezialeffekte Bei inklusiver Shade Range, sehr kühlen oder sehr tiefen Untertönen sowie bei Spezialeffekten wie hochglänzenden Metallic-Finishes, ultramatten Longwear-Lippen oder wasserfesten Bühnenlooks ist das Angebot teils noch kleiner als im konventionellen Bereich. Das verbessert sich, ist aber je nach Marke unterschiedlich. Wenn du sehr spezifische Ansprüche hast, lohnt es sich, Swatches in natura anzusehen statt nur online zu bestellen. Gerade bei Foundation entscheidet der Unterton oft stärker über ein gutes Ergebnis als der Helligkeitsgrad allein. So findest du das passende Produkt Das beste Naturkosmetik-Make-up ist nicht automatisch das teuerste oder bekannteste, sondern dasjenige, das zu deiner Haut, deinen Ansprüchen und deinem Alltag passt. Hauttyp und Duftstoffe beachten Wenn deine Haut trocken ist, sind cremige, lipidreichere Formulierungen oft angenehmer. Bei Mischhaut oder öliger Haut funktionieren leichtere Texturen und Puder meist besser. Zu Unreinheiten neigende Haut profitiert häufig von wenigen, gut ausgewählten Produkten statt von vielen Schichten. Besonders wichtig sind Duftstoffe. Auch natürliche Duftstoffe sind Duftstoffe und können empfindliche Haut reizen. Wenn du schnell auf Pflege oder Make-up reagierst, zu Rötungen neigst oder bereits eine sensible Hautbarriere hast, sind möglichst unparfümierte oder sehr zurückhaltend formulierte Produkte oft die bessere Wahl. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang auch unser Überblick zu pflegenden Inhaltsstoffen und zu Produkten für empfindliche Haut. Zertifizierung und Inhaltsstoffe prüfen Da «Naturkosmetik» kein einheitlich geschützter Alltagsbegriff ist, solltest du nicht nur auf die Vorderseite der Verpackung schauen. Verlässlicher sind anerkannte Zertifizierungen und die INCI-Liste. Achte besonders auf: Zertifizierung wie NaTrue, Ecocert oder BDIH Duftstoffe, vor allem wenn deine Haut empfindlich reagiert Alkoholgehalt, wenn deine Haut trocken oder leicht irritierbar ist Verpackung und Hygiene, etwa Pumpspender bei flüssigen Produkten Nachfüllsysteme, wenn dir Abfallvermeidung wichtig ist Für Verbraucher:innen ist ausserdem hilfreich zu wissen: Fachinstitutionen in Europa betonen weiterhin, dass kosmetische Mittel sicher sein müssen, wenn sie korrekt verwendet werden. Trotzdem bleiben individuelle Unverträglichkeiten möglich. Gerade bei sensibler Haut ist ein Patch-Test an einer kleinen Stelle sinnvoll, bevor du ein Produkt grossflächig im Gesicht verwendest. Einkauf in der Schweiz In der Schweiz findest du Naturkosmetik-Make-up heute deutlich leichter als noch vor einigen Jahren. Gute Anlaufstellen sind Naturkosmetik-Onlineshops, grössere Reformhäuser, einzelne Apotheken sowie spezialisierte Concept Stores. Wenn möglich, teste Teint-Produkte bei Tageslicht. Auf dem Handrücken wirkt ein Farbton oft anders als im Gesicht – besser geeignet ist die Kinnlinie. Praktisch ist auch, zuerst klein anzufangen: ein Concealer, eine getönte Tagescreme oder ein Lippenprodukt. So merkst du schnell, ob dir Duft, Textur und Haltbarkeit zusagen, ohne gleich die ganze Routine umzustellen. Empfehlenswerte Marken und Linien Marken sind am Ende nur Orientierung. Innerhalb einer Marke können einzelne Produkte sehr gelungen sein, andere weniger. Sinnvoller als eine starre Rangliste ist deshalb die Frage: Was brauchst du konkret? Für Einsteiger:innen Wenn du Naturkosmetik erst ausprobieren möchtest, sind breit erhältliche Marken mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis ideal. Lavera und Sante bieten viele alltagstaugliche Basics wie Puder, Mascara, Lippenstifte und Foundations. Beide Marken sind in der Schweiz vergleichsweise gut erhältlich, etwa in Alnatura-Filialen oder über gängige Onlineshops. Sie eignen sich gut, wenn du herausfinden möchtest, welche Texturen dir liegen und ob du mit natürlicheren Finishs gut zurechtkommst. Für sensible Haut Wenn deine Haut schnell spannt, rötet oder auf Duftstoffe reagiert, lohnt sich ein Fokus auf möglichst milde, reduzierte Formulierungen. Dr. Hauschka wird oft wegen der pflegenden Ausrichtung gewählt. Gleichzeitig gilt auch hier: Nicht jedes Produkt ist automatisch ideal für hochsensible Haut, deshalb immer die konkrete Duftstoffsituation und die persönliche Verträglichkeit prüfen. Für dekorative Ansprüche Wenn du mehr Auswahl bei Farbtönen, Finishs und Make-up-Looks möchtest, sind Und Gretel und Zao spannende Beispiele. Und Gretel richtet sich stärker an Menschen, die dekorative Kosmetik mit Premium-Anspruch suchen. Zao ist interessant, wenn dir auch Nachfüllsysteme und Verpackungslösungen wichtig sind. Aber auch Lippen und Augen kommen nicht zu kurz: Bei Und Gretel erhältst du Lidschatten in (fast) allen Farben des Regenbogens sowie cremigen Lipgloss und farbintensiven Lippenstift. Besonders luxuriös: Die Produkte sind unter anderem mit wertvollem Avocadoöl, Kamillenextrakt und Muskatellersalbei angereichert und verdanken ihre Farben mineralischen Pigmenten. Zertifiziert sind sie mit dem BDIH-Siegel. Das Naturkosmetik-Make-up von Zao punktet auf ganzer Linie. Inhaltsstoffe wie Sheabutter, Aprikosenkernöl und Ginkoextrakt sorgen dafür, dass das Make-up nicht nur einen makellosen Teint zaubert, sondern die Haut ausserdem intensiv pflegt. Die Farben stammen aus Mineralien und Pflanzenstoffen und die gesamte Kosmetik ist vegan. Sogar bei der Verpackung setzt Zao auf natürlichen Bambus und einige Produkte gibt's in der Nachfüllpackung. Von schmeichelhafter BB Cream über Foundation, Puder, Lidschatten und Lippenstift findest du hier alles, was das Herz begehrt – und alles mit vertrauenswürdiger Ecocert-Zertifizierung. Fazit: Naturkosmetik-Make-up lohnt sich vor allem dann, wenn du bewusst auswählst Naturkosmetik-Make-up kann heute sehr viel: natürliche Teints, gepflegte Lippen, alltagstaugliche Augenlooks und gute Verträglichkeit für viele Hauttypen. Gleichzeitig ist es sinnvoll, Erwartungen realistisch zu halten. Bei extremer Haltbarkeit, wasserfesten Spezialprodukten oder sehr breiter Farbvielfalt gibt es je nach Marke noch Grenzen. Wenn du Schritt für Schritt vorgehst, auf Zertifizierung und Duftstoffe achtest und dein Produkt nach Hauttyp statt nach Marketingversprechen auswählst, findest du meist schnell passende Produkte. So wird Naturkosmetik nicht zur Verzichtsentscheidung, sondern zu einer durchdachten, nachhaltigen Beauty-Routine. 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