Pro und Contra: Tierversuche in der Schweiz

Für Tierversuche finden sich viele Argumente, denn gegen Kopfschmerzen und Co gäbe es sonst nur weniger wirksame Medikamente. Aber auch Tiere empfinden Schmerzen und sollen genauso wenig wie wir leiden. So gibt es strikte Schweizer Gesetze – und weiterhin unnötige Tierversuche für Kosmetika oder Hundefutter.

Tierversuche - sinnvoll oder unnötiges Leid?
In Laboren werden verschiedene Substanzen an Tieren getestet. Foto: © iStockphoto / Thinkstock
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Fast zwei Drittel aller Schweizer lehnen Tierversuche bei Hunden ab. Für sie macht es keinen Unterschied, ob sich dadurch Behandlungen von Erkrankungen verbessern können. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Meinungsumfrage der Ärztinnen und Ärzte für Tierschutz. Weitaus weniger Beachtung finden jedoch Nagetiere und Wirbellose, die grösste Gruppe der Versuchstiere. Ob Hund, Maus, Kopffüsser oder Fisch – alle können leiden. Deshalb gilt der Tierschutz auch in Schweizer Laboren. 

Jeder Tierversuch muss von der jeweiligen kantonalen Veterinärbehörde bewilligt und von einer Tierversuchskommission begutachtet werden. Sobald der gesellschaftliche Nutzen bewiesen ist, scheint das Leid der Tiere gerechtfertigt. Diese werden jedoch nur zugelassen, insofern es keine Alternativen gibt. Zudem müssen die Versuchsreihen wissenschaftlich gerechtfertigt sein sowie verantwortungsvoll durchgeführt werden. In vielen Fällen sind Tierversuche sogar gesetzlich vorgeschrieben.

2011 registrierte man in der Schweiz 662 128 Tierversuche. Somit sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 13,1 Prozent. Laut der Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner sei dafür allerdings der weggefallene Grossversuch für die intensivierte Hühnermasthaltung verantwortlich. Im direkten Datenvergleich mit dem Jahr 2000 ergibt sich sogar ein Anstieg von 17 Prozent.

Auf einem Blick: Tierversuche pro und contra

Tierversuche: Sind sie für Waschmittel wirklich nötig?

Auch für Alltagsprodukte wie Waschmittel werden Tierversuche durchgeführt. Foto: © MichaÅ Różewski / iStock / Thinkstock

Sind Tierversuche für Abwaschmittel und Kosmetik wirklich nötig?

Tierversuche sind nicht nur in Medikamenten, sondern auch in Putzmitteln oder Zigaretten versteckt. Manchmal ist sogar das Hundefutter mit Tierversuchen entwickelt worden. Die Liste an Produkten ist lang, deren Rohstoffe man vorher im Labor kontrollierte. Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner beklagt, dass viele Kosmetikfirmen Tierversuche verschweigen. Das schliesst auch manche Naturkosmetik-Produkte ein. Zudem sind Neuentwicklungen aus Sicht der Tierschützer unnötig, weil bereits mehr als 8000 Rohstoffe für Kosmetika bekannt sind.

2010 kontrollierten der Schweizer Tierschutz STS und die Stiftung für Konsumentenschutz SKS verschiedene Anbieter für Abwaschmittel. Es zeigte sich, dass viele schlichtweg kein Interesse am Thema zeigen oder nichts darüber wissen. Grund war, dass unter anderem der Rohstoffeinkauf globalisiert abläuft. Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) geht davon aus, dass für jede neue Substanz knapp 10.200 Versuchstiere leiden müssen. Das heisst, je mehr Substanzen ein Waschmittel enthält, desto mehr Tiere mussten für die Tests herhalten. Das wird jedoch nicht immer deutlich ausgewiesen.
Wer als Verbraucher sicher gehen möchte, sollte auf gekennzeichnete tierversuchsfreie Lebensmittel und Alltagsprodukte  beim Kauf achten oder das Verkaufspersonal dazu befragen.

Alternativen zu Tierversuchen

Seit mehreren Jahrzehnten existiert die 3 V Methode in der Forschung. Die 3 Vs stehen für Vermindern, Verbessern und Vermeiden von Tierversuchen. Moderne Technologien erlauben, dass man die Versuche mit deutlich weniger Tieren durchführen oder ganz darauf verzichten kann. Dabei helfen bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanz (MRI), Positronenemissionstomografie (PET) oder Computertomografie (CT). Damit werden beispielsweise Krankheitsverläufe am lebenden Tier ersichtlich. Dafür benötigt man nur noch ein Versuchstier. Früher musste man jeweils ein Tier in jedem Krankheitsstadium töten und obduzieren. Zudem ersetzen Computersimulationen und mathematische Modelle manche Tierversuche. Wichtig sind auch künstliche Zellkulturen. Damit können inzwischen einzelne Organe nachgebildet werden. Beispielsweise ersetzen Blutzellen etwa 500.000 lebende Kaninchen Jahr für Jahr. Bisher ist es jedoch nicht möglich, komplexe Vorgänge des Körpers nachzuvollziehen. Daher gelangen die  Methoden ohne Tierversuche schnell an ihre Grenzen.

Der Verein zur Abschaffung der Tierversuche spricht sich allerdings gegen die 3 V Methode aus. Damit würde man Tierversuche als nützliche Methode anerkennen und nicht abschaffen.

Sollte man Tierversuche verbieten?

Wenn man die Tierversuche generell verbietet, würden die Experimente ins Ausland verlegt, wo deutlich weniger Tierschutzgesetze existieren. Trotzdem sind Unternehmen gefragt, damit mehr Produkte ohne Tierversuche hergestellt werden. Verbraucher können auch etwas tun: Wer sich gesund ernährt und eine gesunde Lebensweise hat, benötigt beispielsweise weniger Medikamente! Damit unterstützen Sie den Tierschutz. Genauso, wie wenn Sie bei Alltagsprodukten bewusst darauf achten, etwa tierversuchsfreie Kosmetik oder Waschmittel zu kaufen.

Quelle:  Stiftung 3 R, BVET,  Ärztinnen und Ärzte für Tierschutz, netap, STS, SKS, Zürcher Tierschutz, animalexperiments.ch,forschung-leben.ch, forschung3r, kosmetik-ohne-tierversuche.ch, tierschutz.com, agstg.ch, DFG, interpharma.ch

Text: Kerstin Borowiak