Igel füttern: Wann und womit Sie Igel füttern können

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Wer im späten Herbst oder Winter einen zu kleinen oder unterernährten Igel entdecken, sollte im Zweifelsfall eingreifen. Eine erste Hilfsmassnahme: Den Igel richtig füttern.

Igel füttern im Winter ist nicht die beste Lösung!
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Igel füttern aus falsch verstandener Tierliebe

Das Schweizer Igelzentrum warnt davor, die putzigen Igel völlig grundlos zu füttern. Normalerweise findet der stachelige Vierbeiner ausreichend Nahrung auf seinen ausgedehnten Rundgängen durch sein Revier.

Oft ist es missverstandene Tierliebe, wenn wir uns um jedes Tierchen kümmern möchten. Das ist oft auch beim Igel der Fall. Viele Menschen wissen, dass die kleinen Stacheltiere irgendwann in ihren wohlverdienten Winterschlaf gehen.

Wann genau das ist, warum ein Igel vielleicht doch noch bei kälteren Temperaturen unterwegs ist und wie gross und kräftig ein Igel sein muss, um gesund durch den Winter zu kommen.  

Igel füttern und ihnen helfen: Wann das Sinn macht

Eingreifen und füttern sollte man, wenn Igel über längere Zeit bei Dauerfrost und Schnee unterwegs oder abgemagerte Igel den Weg in den Garten finden und tagsüber aktiv sind. Ist ein Igel unterernährt und damit für den Winterschlaf schlecht gerüstet, dann erkennen Sie dies an herausstehenden Hüftknochen oder wenn die Haut hinter den Wangen eindeutig eingefallen ist, sodass der Kopf nicht mehr nahtlos in den kugeligen Körper übergeht.

Dann trieb ihn der Hunger aus seinem Tagesversteck oder gar dem Winterlager und füttern kann durchaus sinnvoll sein. Als Faustregel gilt laut dem Verein Pro Igel, dass ein Igel für den Winterschlaf mindestens 1000 – 1400 Gramm auf die Waage bringen sollte.  Tipp: Im Zweifelsfall einfach die Küchenwaage nehmen und den Igel wägen.

Was Igel fressen

Igel sind Insektenfresser und zu ihrer Leibspeise gehören beispielsweise Schnecken, wofür sie Naturgärtner auch schätzen. Doch auch anderes Getier wie Regenwürmer, Larven oder Spinnen stehen auf ihrem Speiseplan.

Ist ein Igel offensichtlich aus oben genannten Gründen hungrig und benötigt Hilfe, kann man ihm etwas anbieten. Auch und gerade wenn die alleine erziehenden Igel-Mütter im späten Herbst mit Igelnachwuchs mit unter 500 g Gewicht – das benötigt ein Jungigel, um gut durch den Winter zu kommen – unterwegs sind.

Igel-Babys füttern und Pflegen

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Auch bei Jungigeln gilt im Zweifelsfall: Wägen, um das Gewicht zu bestimmen. Sind sie untergewichtig und es steht Kälte an, dann bitte täglich den Igel füttern. Einmal am Tag – wenn möglich stets zur etwa gleichen Zeit – reicht in den meisten Fällen aus.

Tipp: Die Jungigel regelmässig nachzuwägen hilft bei der Kontrolle der Gewichtszunahme, die bei gesunden Tieren recht schnell geschieht.

Womit Sie Igel nicht füttern dürfen

Bitte nicht zu Milch oder gewürzten Speisen greifen. Gerade Milch sorgt durch seinen hohen Milchzuckergehalt für Verdauungsprobleme, die im schlimmsten Fall tödlich enden.

Igel füttern: Damit geht's

Dagegen gut geeignet ist Katzen- oder Hundenassfutter, das man im täglich gereinigten Futternapf oder einer Schale aus Glas oder Porzellan reicht.

Igel füttern mit Hunde- oder Katzenfutter in einer Schale

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Auch gut sind eingeweichte Haferflocken oder Weizenkleie, frisches Rinderhackfleisch (nie roh geben!) oder Ei, beides kurz in der Pfanne mit neutralem Öl angebraten und zerkleinert. Auch gekochtes Geflügelfleisch ist geeignet, wie Pro-Igel.ch empfiehlt. Diese geeignete Igel-Nahrung kann auch miteinander vermischt werden, Kleie oder Haferflocken dienen einer guten Verdauung.

Tipp: Haben Sie einen erwachsenen Igel im Garten den Sie füttern, dann können Sie 2, 3 Stacheln auf dem Rücken vorsichtig mit Nagellack markieren. So stellen Sie sicher, dass sie stets den gleichen hungrigen Schneckenpolizisten füttern.

Kranke Igel erkennen

Eindeutig verletzte Igel oder kranke Tiere gehören zum Tierarzt oder in eine der Schweizer Igelstationen. Kranke Igel erkennt man schnell daran, dass sie sich beim Nähern nicht einrollen, wenn sie apathisch wirken, torkeln, nicht flüchten oder gar auf dem Boden liegen.

Es kann auch passieren, dass ein Igel aus seinem Tageslager aufgeschreckt wurde. Dies passiert durch Abräumen eines Holzstapels, der als Unterschlupf diente, Bauarbeiten in der Nähe seines Baus oder Störungen in seinem Laub-Reisighaufen durch einen Menschen oder einen allzu neugierigen Hund. Manchmal wechseln säugende Igel-Mütter aber auch einfach nur den Tagesschlafplatz. Dann muss, gerade bei Plusgraden, nicht unbedingt eingegriffen werden. Hier gilt es, erstmal die Situation zu beobachten und im Zweifelsfall zu helfen.

Sofortige Hilfe ist auch bei jungen, noch blinden Igelsäuglingen dringend nötig. Denn diese kleinen, hilflosen Geschöpfe sind ziemlich sicher mutterlos. Schnell können sie auch unterkühlt sein. Dies merkt man, wenn ihre Unterseite eindeutig kälter ist als Ihre eigene Handinnenfläche. Auch dann ist der Tierarzt nach einer ersten Futtergabe oder die Igelstation die richtige Anlaufstation. Tipp: Eine Wärmeflasche mit handwarmem Wasser füllen, in ein Frotteehandtuch wickeln und die unterkühlten Igel-Babys darauf platzieren.

Wenn Igelfüttern nicht mehr reicht

Ist der Igel wirklich noch ein Baby oder sichtlich krank und er ist über Tage im Garten bei Dauerfrost unterwegs, dann fangen Sie den Igel mit Handschuhen vorsichtig ein und setzen ihn in einen hohen Karton oder in die mit Papier am Boden ausgelegte Badewanne. Anschliessend kontaktieren Sie einen Tierarzt oder eine der 10 Schweizer Igelstationen, die das Igelzentrum Schweiz auf seiner Internetseite auflistet.

Wie Sie Igeln durch den Winter helfen, zeigt die Bildgalerie

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Die kleinen Winterschläfer brauchen Plätze zum Überwintern

Wenn die Tage kürzer und kälter werden, machen sich Igel auf die Suche nach einem Quartier, in dem sie in aller Ruhe ihren Winterschlaf halten können. Wir zeigen Ihnen, was es im eigenen Garten zu beachten gilt, damit die kleinen Igel überwintern können und dabei nicht gestört werden. Foto: © Tihis / iStock / Thinkstock

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Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann