Monokultur: Wie der Anbau gleicher Sorten Landstriche zerstört

Monokultur, also etwa der Anbau der immer gleichen Pflanze auf einem Acker, hat seine Vorteile. Auf Dauer gesehen entwickeln sich aber einige Nachteile und die Folgen können erheblich sein. Ein Blick auf das Phänomen und die Alternativen.

Monokulturen
So gross wie Brasilien sollen nach einer neuen Studie spätestens 2050 die Flächen sein, die durch Monokulturen unbrauchbar oder gar völlig zerstört sind. Foto © alffoto/ iStock / Getty Images Plus
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Monokultur entstand aus Notwendigkeit heraus

Hinter dem Begriff Monokultur verbergen sich die Wörter 'monos' (griechisch für 'alleine') und 'cultura' (aus dem Lateinischen für 'Anbau' oder 'Pflege'). Per Definition bedeutet dies, dass auf ein und derselben Fläche, gleich ob im Gartenbau, der Landwirtschaft oder in der Forstwirtschaft, immer und immer wieder nur eine Pflanzenart, oder eine Pflanzenfamilie, angebaut wird. Sind es in der Landwirtschaft beispielsweise (Winter-)Getreide, Mais oder Zuckerrüben, so ist es in der Forstwirtschaft die Fichte, die Waldföhre und Douglasie.

Schauen wir über die Landes- und Kontinentalgrenzen hinaus, dann gibt es heute Monokulturen etwa auch für Kaffee, Tee, Bananen, Baumwolle oder Avocados.

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Die Vorteile der Monokultur

Die Monokultur wurde einst eingeführt, um den gesteigerten Bedarf an Nahrungsmitteln zu stillen. Der Nassreisanbau in Asien, bereits mehrere Tausend Jahre vor der heutigen Zeitrechnung, wird immer als eine der ersten Formen der Monokulturen genannt.

Zum Beispiel Getreide musste in immer grösseren Mengen als Grundnahrungsmittel angebaut werden. Statt abwechselnd unterschiedliche Pflanzen anzubauen, der Gärtner nennt die Idealform Mischkultur, wurde mit der Zeit die Monokultur eingeführt. Heute spielt der Faktor 'Biotreibstoff' eine weitere Rolle in der Anlage von Monokulturen.

Monokulturen wurden und werden immer noch als vorteilhaft angesehen, da der Landwirt sich hier ein gutes Spezialwissen aneignen kann. Der Maschinenpark muss nicht sonderlich gross sein für die Pflege und Ernte und kann über eine Genossenschaft auch geteilt werden. Diese wiederum vermarktet gerne die Monokultur-Produkte, die in der Menge bessere Preise erzielen können.

In manchen Gebieten stellte sich zudem heraus, dass auf einigen Böden oder unter optimalen, lokalen klimatischen Verhältnissen eine bestimmte Sorte besonders gut wuchs. 

In der Forstwirtschaft werden heute noch Monokulturen angebaut, etwa um den Bedarf an Holz für die entsprechenden Industrien zu gewährleisten. In der Schweiz begann der Boom des schnellwachsenden Baumes zwischen den Weltkriegen.

Was sind die Nachteile der Monokultur?

Leider überwiegen die Nachteile dieser auch Einfelderwirtschaft genannten Anbauform.

  • Der Anbau der stets gleichen Pflanze sorgt für einen ausgelaugten Boden. Die einen Nährstoffe werden knapp, andere erst gar nicht genutzt.
  • Unabdingbar ist daher die Gabe von Dünger.
  • Dieser Dünger wird leider oft nach dem Motto 'viel hilft viel' ausgebracht. Wie das Bundesamt für Umwelt feststellte, hat dies zur Folge, dass an 600 Schweizer Messstellen die vornehmlich durch die Landwirtschaft erfolgte Nitratbelastung des Grundwassers hoch war. Vor allem im agrarreichen Mittelland waren 40 Prozent der Proben über den gesetzlichen Höchstwerten.
  • Zudem schadet dieser massive Düngereinsatz einem natürlich-gesunden Bodengefüge.

Das deutsche Umweltbundesamt hat errechnet, dass pro Hektar Ackerland durchschnittlich 97 Kilo Nitratüberschuss herrscht. Dies geschieht durch Gülle wie Kunstdünger. Die Menge, die die Pflanzen nicht aufnehmen können und sinnlos in der Erde versickern, landen schliesslich im Grundwasser.

  • Etwas immer wieder an der gleichen Stelle anzubauen aber auch Überdüngung – das sorgt für häufiger vorkommende Krankheiten, unter Umständen auch für Schädlinge und hartnäckigen Wildwuchs. Gegen diese werden vorbeugend und akut verschiedene Pestizide eingesetzt.
  • Diese Monokulturen sind eindeutig in den Zusammenhang mit dem Sterben der Wildbienen zu bringen.
  • Weniger bis gar keine Biodiversität (durch Dünger- und Pestizideinsatz) an heimischen Pflanzen auf oder am Rand des Ackers.
  • Weiterhin eine Folge des Pestizideinsatzes: Agrarfirmen bieten spezielle Saatgutzüchtungen an, die unter anderem die Giftgabe besser überstehen. Hierdurch kommt es zu einer weitgehenden Monopolisierung auf dem Saatgutmarkt.
  • Durch die Intensivierung des Anbaus in der konventionellen Feldbestellung verschwinden arbeitsintensive Kulturen, der Anbau wandert ins Ausland.

Im Folgenden zwei Beispiele, die die Folgen der Einfelderwirtschaft aufzeigen.

Monokulturen in der Forstwirtschaft

Nicht nur die Schweiz hat ein Problem mit der Monokultur in der Forstwirtschaft. Wer kennt sie nicht die eintönigen, dunklen und wenig artenreichen Fichtenwälder? Der Baum, der insbesondere in tieferliegenden Regionen heute unter dem sich verändernden Klima leidet. Denn die flachwurzelnden Bäume kommen nicht an das tieferliegende Wasser und leiden unter Wassermangel.

Es kommt massiver Borkenkäferbefall hinzu und vermehrt auftretende starke Stürme in den letzten Jahrzehnten lassen immer wieder ganze Schneisen umgestürzter Fichten zurück. Ein Umstand, der die Forstwirtschaft bereits umdenken lässt.

Selbst der Gesetzgeber hat hier bereits gehandelt und das Waldgesetz im Jahre 19991 geändert. So dürfen Jungwälder ausschliesslich mit heimischen, standortgerechten Bäumen aufgeforstet werden. Leider heisst es hier Geduld haben, denn ein 'erwachsener' Wald braucht einige Jahrzehnte.

Panamakrankheit: Globale Folge der Monokultur

Sie heisst 'Cavendish' und ist die beliebteste Bananen-Sorte überhaupt. Cavendish ist eine samenlose Züchtung, die sich ausschliesslich über Ableger vermehrt und die es so kein zweites Mal gibt. Seit Jahren haben die Monokulturen zunächst in Asien und nun in Südamerika ein Problem: Ein Pilz, der die Pflanze zum Absterben bringt. Der Pilz ist nicht durch Pestizideinsatz beherrschbar.

Diese Sorte wurde entwickelt, nachdem der Pilz in den 1960 Jahren die weit verbreitete Sorte 'Gros Michel' auslöschte. Lange galt die Cavendish als resistent, nun aber hat eine Mutation des Pilzes auch für den Massenhaften Befall dieser Sorte gesorgt. Eine Alternativ-Sorte gibt es nicht. Im Juli 2020 hat Kolumbien ob der Bedrohung den 'phytosanitären Notstand' ausgerufen.

Es ist möglich, dass es bald die am meisten verkaufte Banane nicht mehr gibt.

Ökologische Landwirtschaft und andere Alternativen für Monokultur

Es gibt einige Studien, die aufzeigen, dass die Abkehr von Monokulturen und Pestiziden hin zu alternativen Anbaumetoden die biologische Vielfalt auf dem Acker fördern und trotzdem gute Erträge eingefahren werden.

Biodiversität schlägt Monokultur

Eine hiervon stammt von der Universität Zürich, die bereits im Jahre 2014 belegte, dass gesunde Pflanzengemeinschaften - nach dem Vorbild der Mischkultur - sogar für höhere Erträge sorgt. In der Studien-Zusammenfassung heisst es: «Trotz ihrer Nachteile sind Monokulturen nach wie vor die agrarwirtschaftliche Anbauform schlechthin und gelten in der Pflanzenzüchtung als einzige Möglichkeit, höhere Erträge zu erzielen. Zu Unrecht, wie Bernhard Schmid, Ökologieprofessor an der Universität Zürich, findet.» 

Schmid sieht «im unerschlossenen Potenzial der Biodiversität die Chance für die künftige Ernährung der Menschheit». Schädlinge hätten es bei dieser Anbaumethode übrigens deutlich schwerer. Welche Pflanzengemeinschaften ideal sind, das müsse noch genauer erforscht werden (hier geht es zur Studie).

Bedeutung der Biolandwirtschaft

Und dann gibt noch die rein ökologische Bewirtschaftung im Anbau. Eine seit Jahren und mittlerweile auf 14 Prozent der Nutzfläche betriebene Anbaumethode. In der ökologischen Landwirtschaft wird die Fruchtbarkeit des Bodens durch die entsprechende Bodenbearbeitung, natürliche, organische Dünger, wertvollen Kompost oder die einfache Gründüngung erzielt. Eine vielseitige Fruchtfolge verhindert in der ökologischen Landwirtschaft zudem Monokulturen und sichert zusätzlich den wirtschaftlichen Erfolg. Daraus resultiert eine gesund-natürliche Artenvielfalt und eine nachhaltige Bodenfruchtbarkeit. Als Folge ist Schädlingsbefall in der ökologischen Landwirtschaft deutlich seltener und die Böden bleiben gesund.

Es geht auch ohne Pestizide

Gut, die Vorgaben der Biolandwirtschaft sind hoch, die Erträge stets geringer, dafür allerdings die Einnahmen höher. Aber es geht auch einen Schritt weniger zu unternehmen und trotzdem nachhaltig zu wirtschaften. Wie, das zeigt die IP-Suisse, die ehedem auf eine nachhaltige, integrierte Arbeit auf dem Feld achtet.

Das folgende Video zeigt deren erste Erfolge in 2019: Getreideanbau ohne Pestizide. Einer der Gründe für den Erfolg in kurzer Zeit: Die Art der Boden-Bearbeitung.

Fazit: Die Möglichkeiten sind da. Die Landwirte, ihre Verbände und vor allem die Politik muss sie nur konsequent nutzen. Dies könnte in kurzer Zeit jede Menge Verbesserungen schaffen. Auch und gerade was die Vielfalt der Natur, aber auch die Einnahmen der Bauern positiv beeinflussen könnte.

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