Monokultur: Wie der Anbau gleicher Sorten Landstriche zerstört

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Der Bedarf an Reis, Soja, Palmöl oder Baumwolle aus fernen Ländern, aber auch am hiesigen Getreide, wird immer grösser. Deshalb werden ganze Landstriche jedes Jahr aufs Neue damit bepflanzt. Doch der Anbau dieser Pflanzen auf den immer gleichen Feldern, in so genannten Monokulturen, laugt den Boden aus und zerstört ihn nachhaltig. Die immensen Gefahren von Monokulturen und wie ökologische Landwirtschaft sie ausschliesst.

Monokultur, Artenvielfalt, Landzerstörung und ökologische Landwirtschaft
So gross wie Brasilien sollen nach einer neuen Studie spätestens 2050 die Flächen sein, die durch Monokulturen unbrauchbar oder gar völlig zerstört sind. Foto: Roman Gorielov, iStock, Thinkstock

Monokultur entstand aus Notwendigkeit heraus

Sie wurde einst eingeführt, um den gesteigerten Bedarf an Nahrungsmitteln zu stillen. Zum Beispiel Getreide musste in immer grösseren Mengen her. Statt abwechselnd unterschiedliche Pflanzen anzubauen, wurde deshalb die Monokultur eingeführt. Das hatte viele Vorteile, denn man benötigte nur Spezialwissen in der Kultur eines Gewächses, konnte sich auf eine entsprechende Arbeitsgeräte-Auswahl konzentrieren und vermarktete Jahr für Jahr das gleiche Produkt. In manchen Gebieten stellte sich zudem heraus, dass auf einigen Böden oder unter lokalen klimatischen Verhältnissen eine bestimmte Sorte besonders gut wuchs. 

Doch durch den jährlich gleichen Anbau laugen die Böden bei Monokultur nach kurzer Zeit aus und die Ernte wird immer geringer. Um sie wieder fruchtbar und die Ernte sogar ertragreicher zu machen, begann man die Böden zu düngen. Doch die künstlich geschaffene Fruchtbarkeit wirkt sich ebenso negativ auf die Böden und sogar die Biodiversität im weiteren Umfeld aus.

Monokulturen: Ein radikaler Eingriff in den Kreislauf der Natur

Intensive Landwirtschaft ist überall ein radikaler Eingriff in das natürliche Gleichgewicht. Diese Flächen weisen keine Artenvielfalt mehr auf – ob es sich nun um den zerstörten Regenwald am anderen Ende der Welt handelt oder um einen über Jahrzehnte genutzten Acker in Europa – und sind trotz künstlichem Düngen arm an natürlichen Nährstoffen.

Die fehlende Artenvielfalt in Monokulturen zieht wiederum mehr Schädlinge und Krankheiten an, die mit der Chemiekeule bearbeitet werden müssen. Wenn die intensive Landwirtschaft weltweit so weiter geht wie bisher, sollen bis 2050 über 800 Millionen Hektar Land nachhaltig zerstört und unbrauchbar sein. Das entspricht nahezu der Grösse Brasiliens.

Ökologische Landwirtschaft verbietet Monokulturen

In der ökologischen Landwirtschaft wird die Fruchtbarkeit des Bodens durch natürliche, organische Dünger, wertvollen Kompost oder die einfache Gründüngung erreicht. Eine vielseitige Fruchtfolge verhindert in der ökologischen Landwirtschaft zudem Monokulturen und sichert zusätzlich den wirtschaftlichen Erfolg. Daraus resultiert eine gesund-natürliche Artenvielfalt und eine nachhaltige Bodenfruchtbarkeit. Als Folge sind Schädlingsbefälle in der ökologischen Landwirtschaft deutlich seltener und die Böden bleiben gesund erhalten.

Drei Studien zeigen, warum weniger Landwirtschaft mehr ist

Chemische Schädlingsbekämpfung hat paradoxerweise mehr Schädlinge zur Folge hat als eine natürliche. So das Ergebnis einer Vergleichsstudie von gespritzten Feldern und ökologischen Anbauflächen an der Uni Würzburg. Der Grund, so die Forscher, sei, dass die nützlichen Insekten wie Marienkäfer viel häufiger auf ungespritzten Ackerflächen rein natürlich Schädlinge wie Blattläuse bekämpfen. Die ganze Saison durch. Wird gespritzt, so kommen die Nützlinge nicht wieder, die Schädlinge indes schon. Denn der Effekt der chemischen Schädlingsbekämpfung ist zeitlich begrenzt. Auf Flächen mit ökologischer Landwirtschaft waren dagegen weitaus weniger Blattläuse zu finden und sogar bis zu 20 Mal mehr bestäubende Insekten.

Ganz aktuell zeigt zudem eine Studie von Wissenschaftlern aus Deutschland und der Schweiz, dass sogar eine jährlich wechselnde Intensität der Landwirtschaftsnutzung bereits die Artenvielfalt positiv beeinflusst. Dazu muss es nicht einmal eine ökologische Landwirtschaft sein. Aber eben auch keine Monokultur.

Eine dritte Studie belegt zudem, dass in Gewässern nahe gespritzter und gedüngter Äcker die Artenvielfalt unter wirbellosen Tieren um 42 Prozent sinkt.

Quellen: UNEP.org, Pflanzenforschung.de, Wikipedia, Landwirtschaft.ch, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt und Bern/Idw-online.de, Spiegel.de

Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann