Ganz schön scharf: Wie die Wunderknolle Ingwer wirkt

Ingwer ist ein wahrer Allrounder unter den Heilpflanzen. So hilft die scharfe Knolle bei Erkältungen, Übelkeit und Entzündungen, aber auch bei vielem anderen.

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Eine Tasse Ingwertee mit Zitrone und Honig ist richtig gesund. Die ätherischen Öle und die Scharfstoffe machen die Wurzel so gesund. Foto: © olgakr / iStock / Thinkstock
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Ursprünglich stammt Ingwer aus China oder Sri Lanka. Da er seit Jahrhunderten in vielen tropischen und subtropischen Ländern angebaut wird, kann die Wissenschaft die Herkunft nicht mehr eindeutig bestimmen.

Die begehrte, sehr gesunde Knolle wird seit über 2000 Jahren als vielseitiges Gewürz und beliebte Arznei aus der Natur verwendet. Vor der Einführung der Peperoncini war das Gewürz neben Pfeffer die einzige scharfe Würze in Asien.

Wir zeigen, warum die Knolle so gesund ist, welche Wirkung sie auf unsere Gesundheit hat, wie Sie die Wirkung am besten nützen und wie man Ingwer bei der Zubereitung von Mahlzeiten oder Getränken einsetzt.

Die scharfe Knolle bringt vielseitige Wirkungen

Warum ist die tolle Knolle so gesund?

Zumindest im unverarbeiteten Zustand können nicht alle dem Geschmack der brennend-würzigen Wurzel etwas abgewinnen.

Geruch und Geschmack sind auf ätherische Öle, Scharfstoffe sowie aromatische Harze zurückzuführen – und genau diese enthalten auch das «Geheimnis» seiner Heilkraft.

Vorherrschend ist vor allem der gesunde Inhaltsstoff Gingerol. Insgesamt sechs Scharfstoffe wurden bis dato im Ingwer identifiziert, darunter so Zungenbrecher wie Shaogol, Zingiberen und Zingiberol. Diese Scharfstoffe sind es, die die Knolle so wertvoll und gesund machen.

Wegen seinem Gehalt von Gingerol und Co. gilt der Ingwer-Wurzelstock, wie das Rhizom auch genannt wird, in der traditionellen asiatischen Heilkunde schon sehr lange als vielfältiges Heilmittel, um die Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.

Fast nebenbei enthält die Heilpflanze übrigens auch wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamin C, Magnesium, Eisen, Kalium, Calcium und Phosphor, die unsere Gesundheit fördern. Ingwer gehört damit zu den gesündesten Lebensmitteln unserer Küche

Die vielseitige Wirkung von Ingwer

Ingwer werden unter anderem antimikrobielle, entzündungshemmende, blähungstreibende (generell bei Magen-Darm-Beschwerden hilfreich), verdauungsfördernde und schmerzlindernde Eigenschaften zugeschrieben. Förderlich ist auch seine wärmende Wirkung.

Zahlreiche Wirkungen des Inhaltsstoffs Gingerol sind belegt, so beispielsweise seine antioxidative Wirkung (zellschützend) oder die Anregung von Speichel-, Magensaft- und Gallenbildung.

Die gesunde Heilpflanze soll auch den Kreislauf anregen. Zudem wirkt die Superknolle laut einer Studie genauso gut als Schmerzstiller – und ebenso entzündungshemmend – wie das Schmerzmittel Ibuprofen. Daher hilft Ingwer auch gegen Rheuma und Arthrose.

Die gleiche positive Wirkung gelte, so eine andere Untersuchung, für Regelschmerzen.

Aktuelle Studien legen zudem nahe, dass Gingerol eine blutzuckersenkende Wirkung (Stichwort: Diabetes) hat und es wurde nachgewiesen, dass der Inhaltsstoff die Entwicklung des Grauen Stars bei Diabetikern verhindern oder verlangsamen kann.

Tipp: Die Heilpflanze kann sogar Mundgeruch beseitigen. So haben Lebensmittelchemiker nachgewiesen, dass ebenjener Wirkstoff Gingerol ein spezielles Enzym im Speichel stimuliert, dass unangenehm riechende Schwefelverbindungen neutralisiert. Wenn Sie davon geplagt werden, können Sie öfter Ingwerwasser oder einen Tee mit der Heilpflanze trinken.

Studien belegen zudem, dass die Wurzel als Heilmittel gegen die Nebenwirkungen einer Chemotherapie (beispielsweise Übelkeit) hilft und sogar Schwangerschaftserbrechen reduziert.

Schliesslich ist das Heilmittel in Nahrungsergänzungsprodukten für Hunde oder Pferde mit Gelenksbeschwerden zu finden. Der Grund ist erneut die entzündungshemmende Wirkung. Für Pferde gibt es die Knolle sogar pur in Pulverform. Auch hier soll es das Rezept aus der Naturapotheke sein, das sich positiv auf die Gelenke, die Verdauung und das Immunsystem auswirkt.

Wirkung vielfältig nutzen

Die Wirkung von frischer Ingwerwurzel ist vielfältig. Sie ist als sanfte, aber wirkungsvolle Medizin einzusetzen, etwa

  • zur Vorbeugung und Behandlung von Reisekrankheit
  • bei Übelkeit und Erbrechen
  • bei Magenproblemen und Verdauungsbeschwerden
  • bei Appetitlosigkeit
  • bei Erkältungen
  • zur Entschlackung.

Lesetipp:

Um die Wirkung von Ingwerwurzeln zu nutzen, können Sie diese als Tee zu sich nehmen, der im Detailhandel oder auch in der Apotheke angeboten wird. Sie können Ingwertee aber auch aus frischen Knollen zubereiten. In Kombination mit Zitrone und etwas Honig hilft der Tee richtig gut gegen Erkältung.

Die frische Wurzel kann auch in Wasser gegeben werden, wo sie vor dem Trinken einige Zeit lang eingelegt wird. Das stärkt besonders in der kalten Jahreszeit die Abwehrkräfte des Körpers und macht einer Erkältung, gerade wenn sie im Anflug ist, schnell den Garaus.

Lesetipp:

Wasser mit eingelegtem Ingwer wird übrigens auch als Detox-Wunder angepriesen.

Besonders effektiv ist der Genuss von rohem Ingwer – aber Vorsicht, die Wunderknolle kann wirklich sehr scharf sein.

Nicht ganz so wirkungsvoll, aber dafür richtig fein, ist Ingwer als Gewürz in diversen Gerichten.

Tipp: Besonders frisch ist eine Ingwerwurzel, wenn die Schale schön glatt ist. 

Wie Sie Ingwer beim Kochen verwenden können

Als Gewürz verarbeitet, lässt sich die Ingwerwurzel fein dosieren, sodass ihre Schärfe weniger dominiert und der Geschmack optimal zur Geltung kommt.

Das Gewürz steckt zum Beispiel in zahlreichen chinesischen, thailändischen, indischen und indonesischen Speisen, besonders in Currys und Reisgerichten.

So schmeckt Ingwer richtig fein!

Doch auch in die europäische Küche passt es hervorragend. Ingwer lässt sich hier frisch gerieben, getrocknet, gemahlen oder kandiert einsetzen. Die Bandbreite ist praktisch endlo, Ingwer rundet so manches Rezept ab.

Die Knolle passt zu fast allem, egal ob Fisch, Fleisch oder auch vegetarische Gerichte. Zudem ist in Essig eingelegter Ingwer eine traditionelle Beilage zu japanischem Sushi.

Die Wurzel als Heilmittel aus der Apotheke

Als Arzneimittel ist Ingwerpulver (Zingiberis rhizomatis pulvis) in der Schweiz seit 1984 zugelassen und zum Beispiel in Form von Kapseln erhältlich. Man bekommt ihn zudem als Tee sowie als Arzneidroge.

Aber Vorsicht: Mit besser nicht übertreiben

Trotz seiner positiven Eigenschaften kann Ingwer unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Sein scharfer Geschmack kann bei empfindlichen Personen zu Reizungen der Zunge und der Mundschleimhaut führen. Als mögliche Nebenwirkung werden weiterhin Verdauungsbeschwerden wie Magenbrennen oder Durchfall genannt. Während der Schwangerschaft sollte die Knolle zudem nur nach Rücksprache mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt eingenommen werden.

Heutiger Anbau

Im Beet oder im Topf:

Die Pflanze stellt in der Botanik eine eigene Familie dar, zu der beispielsweise auch Bananen oder Kurkuma zählen.

Das Gewächs kann am optimalen Standort eine Höhe von bis zu zwei Metern erreichen.

Heute wird Ingwer vor allem in China angebaut, inzwischen aber auch zu grossen Teilen in Nigeria sowie in fast allen tropischen Ländern, etwa in Indien und auf Jamaika.

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