Richtig lüften gegen Corona

Wenn die Tage nicht nur kürzer, sondern auch kälter werden, verbringen wir wieder mehr Zeit drinnen. Ob im Büro oder zuhause – wichtig ist jetzt, dass man richtig lüftet, um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu reduzieren.

Richtig lüften gegen Corona – so geht's
Stosslüften bringt frische Luft hinein und reduziert das Ansteckungsrisiko. Foto © Yaraslau Saulevich / iStock / Getty Images Plus
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Mit dem Herbst kommt auch die Frage nach dem richtigen Umgang mit COVID-19 in Innenräumen auf. Fest steht: Lüften gehört – neben Händewaschen und Abstandhalten – zu den wichtigsten Massnahmen gegen die Verbreitung des Virus.

Hier erfahren Sie, warum richtiges Lüften das Infektionsrisiko senkt und wie und wann Sie die Fenster im Büro oder zuhause öffnen sollten.

Warum die Ansteckungsgefahr drinnen höher ist

Bereits im Juli dieses Jahres wiesen über 200 Wissenschaftler im Fachblatt «Clinical Infection Diseases» darauf hin, welche bedeutende Rolle Aerosole bei der Verbreitung von Corona spielen.

Aerosole kurz erklärt: Dass das Coronavirus über Tröpfchen verbreitet wird, ist den meisten bewusst. Aerosole sind jedoch deutlich kleiner als Tröpfchen und machen es deshalb möglich, dass man sich über die Atemluft mit dem Virus infiziert.

Wenn wir husten, niesen oder sprechen, geben wir tausende Tröpfchen in die Luft ab. Darin können sich Viren befinden. Diese Tropfen bestehen hauptsächlich aus Wasser. Wenn das Wasser an der Luft innert weniger Sekunden verdunstet, schrumpft das Tröpfchen auf wenige tausendstel Millimeter.

Was dann in der Luft zurückbleibt, erklärt André Prévôt vom Labor für Atmosphärenchemie am Paul Scherrer Institut in einem Bericht wie folgt: «Übrig bleibt irgendwann ein Mix aus dem Virus und irgendwelchen anderen halbflüssigen organischen Bestandteilen, die sich nicht so schnell verflüchtigen, zum Beispiel Speichelmasse. Diese Teilchen verbleiben in der Luft und verteilen sich im Raum. Das ist dann wie Feinstaub.»

Anders als grössere Tröpfchen, die etwa beim Husten in die Luft abgegeben werden, sinken Aerosole also nicht schnell zu Boden. Prévôt betont, dass diese winzigen Partikel über viele Stunden in der Luft bleiben können und Menschen, die mit einer infizierten Person im gleichen Raum sitzen, sich deshalb über die Luft anstecken können.

Deshalb: Lüften!

Corona liegt also wortwörtlich in der Luft. Das heisst aber nicht, dass man sich automatisch ansteckt, wenn man sich längere Zeit mit einer infizierten Person im gleichen Raum aufhält. So betont auch Prévôt: «Es kommt auf die Konzentration an.»

Damit die Konzentration der Aerosole in Innenräumen so gering wie möglich ist, sollten sehr ausgelastete Räume wie Grossraumbüros oder Klassenzimmer regelmässig gelüftet werden. Aber auch zuhause ist es jetzt wichtig, das Fenster öfter mal zu öffnen – gerade, wenn man Besuch hat. Matthias Balmer, Dozent für Gebäudetechnik an der Hochschule Luzern, betont in einem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung, dass gutes und regelmässiges Lüften ausreichen, um das Risiko einer Corona-Infektion zu senken.

Aber was ist gutes und ausreichendes Lüften?

Wann ein Raum gut gelüftet ist, hängt unmittelbar damit zusammen, wie gross er ist und wie viele Menschen sich darin aufhalten. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rät, in Arbeitsräumen mindestens alle zwei Stunden für fünf bis zehn Minuten durchzulüften. Stosslüften ist dabei sinnvoll, damit die Luft richtig zirkuliert. Das sorgt für einen schnellen Luftaustausch und hält eine mögliche Viruskonzentration im Raum klein.

Übrigens: Wer regelmässig lüftet, sorgt automatisch für einen höheren Sauerstoffgehalt in der Luft, was auch die Konzentrationsfähigkeit steigert. Ausserdem wirkt regelmässiges Stosslüften der Bildung von Schimmel in der Wohnung entgegen.

Insbesondere im Herbst und Winter, wenn die Temperaturen sinken, wird oft zu wenig gelüftet. Wer aber stosslüftet, anstatt das Fenster dauerhaft gekippt zu lassen, lüftet nicht nur energieeffizienter, sondern kann während dem Lüften kurz den Raum verlassen oder sich einen Pullover überziehen.

Tipp: Während dem Stosslüften spart es Energie, wenn Sie die Heizung für die Zeit ausmachen und anschliessend wieder auf die gewünschte Temperatur drehen. Hier erfahren Sie weitere Tipps, wie Sie richtig lüften.

Das deutsche Umwelt Bundesamt empfiehlt ausserdem, die Fenster immer unmittelbar zu öffnen, wenn eine Person im Raum niest oder hustet – egal ob zuhause, im Büro oder in der Schule.

Wie eine CO2-Ampel beim Lüften hilft

Wann ein Raum gut gelüftet ist, ist gar nicht so einfach zu bestimmen. Denn oft verlassen wir uns einfach auf die Raumtemperatur – und wenn es kühl ist, lüftet niemand gerne. Aber auch ein kühler Raum kann natürlich schlecht belüftet sein.

Damit man sich beim Lüften nicht auf sein Bauchgefühl verlassen muss, werden in grossen Büros zunehmend sogenannte CO2-Ampeln angebracht, die helfen sollen, richtig zu lüften. Diese CO2-Ampeln messen den CO2-Gehalt der Luft. CO2 wird, genau wie mögliche virenbelastete Aerosole, bei jedem Ausatmen in die Luft abgegeben und ist daher ein guter Indikator dafür, wie gut der Luftaustausch und damit die Luftqualität ist. Wenn der CO2-Gehalt im Raum auf über 800 bis 1'000 ppm (parts per million) steigt, sollte ein Raum spätestens gelüftet werden. CO2-Sensoren erhält man online etwa bei Galaxus.

Zuhause reicht es, wenn Sie, wie das BAG rät, spätestens alle zwei Stunden einmal stosslüften. Dadurch bleibt die Luft im Raum frisch und die Konzentration an Aerosolen gering. Dass ist dann wichtig, wenn Sie Besuch haben und Sie sich über mehrere Stunden gemeinsam in einem Raum aufhalten.

Fazit: Lieber einmal mehr das Fenster öffnen, als einmal zu wenig. Wer schnell friert oder befürchtet, durch den Durchzug eine Nackenverspannung zu bekommen, schützt sich mit einem warmen Schal. Gegen die Verbreitung des Coronavirus ist regelmässiges Lüften ebenso wichtig wie das Händewaschen, Abstandhalten und das Tragen einer Mundschutzmasken im öV und beim Einkaufen.