Akupunktur: So funktioniert die natürliche Heilmethode

Sie kennen Akupunktur vermutlich von Bildern, auf denen ein Rücken einem Nadelkissen ähnelt. Auch wenn es schmerzhaft aussieht - ausgebildete Therapeuten kennen mehr als 350 Punkte, die bei diversen Beschwerden Linderung verschaffen können.

Akupunktur löst Blockaden der Energieströme im Körper.
Akupunktur löst Blockaden der Energieströme im Körper und stellt so das Gleichgewicht wieder her. Foto: © iStockphoto / Thinkstock
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Ein Pfeil traf die offene Wunde eines Kämpfers. Statt daran zu sterben, wurde der Mann gesund und die Wunde verheilte. In diesem Mythos versteckt sich die Geburtsstunde der Akupunktur. Was ist das genau und was verbirgt sich hinter der weltweit ältesten Heilmethode?

Die Bezeichnung Akupunktur setzt sich aus den lateinischen Wörtern «acus» - die Nadel - und «pungere» - dem Stechen - zusammen. Die traditionelle Chinesische Medizin (TCM) kennt die Heilmethode mit dem «Pieks» seit mehr als 5000 Jahren. Wer gesund ist, hat nach TCM eine ausbalancierte Lebensenergie (chinesisch: Qi). Die Energie fliesst in den 14 körpereigenen Meridianen, die ein Energieleitsystem bilden. Darauf sitzen 350 Akupunkturpunkte, die sich an vielen Körperstellen befinden – sozusagen vom Scheitel bis zur Sohle. Diese Leitbahnen verbinden auch alle inneren Organe. Durch Stress kann es beispielsweise an bestimmten Körperstellen zu Energieblockaden kommen. Dann treten möglicherweise Schäden an den entsprechenden Organen auf. Akupunktur stellt dieses Gleichgewicht wieder her und die Lebensenergie strömt ungehindert.

Neben den traditionellen Nadelstichen sind die Elektroakupunktur oder Laserakupunktur bekannt, die zum einen mit elektrischem Strom und zum anderen mit Laserlicht behandeln. Ferner gibt es noch das Erwärmen von Akupunkturpunkten (Moxibustion) oder Ohr-, Hand-, Nasen-, Mund- und Schädelakupunktur.

Wie die Akupunktur durchgeführt wird

Ausgebildete Ärzte erkundigen sich zuerst nach der Konstitution, der Ernährung, dem Schlaf und nach den aktuellen Beschwerden des Patienten. Nach der Diagnose finden sie die Akupunkturpunkte durch eine spezielle Messtechnik oder ertasten bestimmte Verhärtungen. Bei einer Ohrakupunktur liegen allerdings viele Punkte dicht beieinander. Dann wird der deutlich geringere Hautwiderstand mit einem Gerät gemessen.

Darüber hinaus sind Stichtechnik und -tiefe sowie Nadelqualität mit entscheidend. Um Infektionen zu vermeiden, verwenden die meisten Akupunkteure rostfreie Einmalnadeln. Bei akuten Erkrankungen wird die Nadel stärker bewegt als bei chronischen Krankheiten. Bei der richtigen Anwendung, verspürt der Patient ein leichtes Druck- und Wärmegefühl. Sollte es schmerzen, dann ist die Behandlung nicht korrekt.

Was passiert bei Akupunkturanwendungen?

Wenn die Akupunkturnadel in einen Punkt gestochen wird, dann stösst der Körper verschiedene Substanzen aus. Das sind beispielsweise Endorphin und Serotonin. Diese wirken u.a. schmerzlindernd und sorgen für eine positive Stimmung. Akupunktur senkt auch die Muskelspannung, beruhigt und fördert die Durchblutung.

Verschiedene Studien beweisen, dass Akupunktur bei vielen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt wird. So ist es möglich, dass chronische Schmerzen gestoppt werden können. In der Praxis zeigt sich eine grosse Bandbreite an Krankheiten bei denen Akupunktur wirkt:
 

  • bei Störungen des Auges und der Ohren – wie z.B. Tinnitus,
  • Magen-Darm-Leiden,
  • Störungen des Bewegungsapparates,
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden,
  • Nervenerkrankungen,
  • Befreiung von Allergien und von Níkotinsucht,
  • Gewichtsverlust,
  • Schlaflosigkeit.

Die Akupunktur wird auch als ergänzende Methode zur schulmedizinischen Behandlung eingesetzt.

Welche Krankheiten können nicht mit Akupunktur behandelt werden?

Es existieren ernste Erkrankungen, die nicht ausschliesslich mit Akupunktur behandelbar sind. In diesen Fällen greift die Schulmedizin ein. Das gilt beispielsweise für Blinddarmentzündung. Dabei muss der Blinddarm operativ entfernt werden. Dazu gehören auch die Behandlungen von Erbkrankheiten, Brüchen oder Krebs. Studien beweisen hingegen, dass Nadelstiche Schmerzen und Übelkeit während der Behandlungen oder nach den Operationen lindern können. Infolgedessen senkt sich häufig die Medikamenteneinnahme und somit deren Nebenwirkungen.

Gibt es Nebenwirkungen bei der Akupunktur?

Akupunktur ist eine traditionelle Chinesische Medizin.

Akupunktur ist eine traditionelle Chinesische Medizin und existiert bereits seit mehr als 5000 Jahren. Foto: © iStockphoto / Thinkstock

Viele Quellen und Studien bestätigen, dass Akupunktur sicher ist – doch nur, wenn diese fachgerecht ausgeführt wird. Falsch gesetzte Nadeln können sogar Organe verletzen. Viele Ärzte führen die Behandlung im Liegen durch, weil es während blutdrucksenkender Therapien zu Kreislaufschwächen kommen kann. Bekannt ist, dass auch Blutergüsse auftreten können. Manche Patienten beschreiben eine Verschlimmerung der Symptome als eine temporäre Nebenwirkung. Diese verschwinden aber wieder. Wenn sich die Wunde entzündet, dann ist ein Arztbesuch angeraten. In diesem Fall wurde eine unsaubere Nadel verwendet.

Für wen Akupunktur geeignet ist

Es sind keine Altersgrenzen bekannt. Allerdings zeigt sich, dass Kinder schneller als Erwachsene auf die Heilmethode ansprechen. Aus der chinesischen Heilpraxis weiss man, dass so Taubheit und Kurzsichtigkeit erfolgreich behandelt wurden. Zudem soll Akupunktur besonders gegen Mittelohrentzündung, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen unter u.a. in jungen Jahren helfen.

Studien über Akupunktur

Im Jahr 2000 begannen Bochumer Forscher die bislang grösste Wirksamkeitsstudie in der Akupunktur. Die so genannte GERAC-Studie (German Acupuncture Trials, Molsberger et al.) dokumentierte bisher mehr als zehn Millionen Behandlungen. Es zeigten sich dabei kaum Nebenwirkungen.

2006 gab eine deutsche Krankenkasse eine Studie zur Wirksamkeit von Akupunktur in Auftrag. Drei Millionen Akupunktursitzungen wertete Professorin Claudia Witt von der Berliner Charite aus. Die gelisteten Patienten litten unter anderem unter Allergien, Asthma oder Gelenkbeschwerden. Bereits nach drei Monaten zeigten sich deutliche Verbesserungen, die ungefähr sechs Monate anhielten. Wer stattdessen Routinemassnahme erhielt, zeigte deutlich weniger positive Effekte.

Ärzte: Akupunktur in der Schweiz

A und O ist die Ausbildung eines Arztes. Um den Fähigkeitsausweis «Akupunktur -Traditionelle Chinesische Medizin» zu erhalten, muss man sich 360 Stunden an einer anerkannten Institution weiterbilden und eine Prüfung ablegen. Weiterhin stehen stetige Weiterbildungen auf dem Programm. Die Assoziation Schweizer Ärztegesellschaften für Akupunktur und Chinesische Medizin – kurz ASA – gibt eine Ärzteliste professioneller Akunkteure heraus.

Kosten einer Akupunktur-Behandlung

Die Grundversicherung übernimmt die Kosten für eine Akupunktur- oder Ohrakupunktur-Therapie – vorausgesetzt, dass der Arzt den oben genannten Fähigkeitsausweis Akupunktur TCM (ASA) nachweisen kann.

Weitere Informationen zur Akupunktur:

Erkrankungen – Die Forschungsgruppe Akupunktur stellt eine Liste bereit, wann Akupunktur helfen kann.

Ärztekarte – SACAM hat sämtliche Ärzte in einer virtuellen Landkarte zusammengestellt.

Quellen: «So hilft mir die Akupunktur» Dr. med. Molsberger und Dr. med Böwing (2006), ASA, Sacam, Ökotest, Warentest, Albertuszentrum

Text: Kerstin Borowiak

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