Wann ist eine Zeckenimpfung sinnvoll?

Die kleinen Blutsauger, die ab dem Frühjahr in der Natur auf uns lauern, können schwere Krankheiten übertragen. Deshalb lassen viele eine Zeckenimpfung über sich ergehen. Doch die hilft nicht gegen alle übertragenen Erreger.

Zeckenimpfung in der Schweiz: Ja oder nein und gibt es Nebenwirkungen
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Es gibt zwei Krankheitserreger, die Zecken hauptsächlich in sich tragen. Besonders gefürchtet ist der FSME-Erreger, der die Hirnhautentzündung mit dem sperrigen Fachnamen Frühsommer-Meningoenzephalitis auslösen kann. Laut Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) kann in Risikogebieten die Häufigkeit dieses Erregers bei bis zu drei Prozent der Zecken liegen. Dies sei vor allem im Kanton Zürich, Aaargau, Schaffhausen, St. Gallen oder Bern der Fall. In anderen Regionen trägt etwa ein Prozent der Blutsauger das FSME-Virus. Die Wahrscheinlichkeit an FSME zu erkranken ist damit zwar vergleichsweise gering, doch die Erkrankung kann sehr schwere Folgen für die Gesundheit haben.

Deutlich häufiger als FMSE haben Zecken den Auslöser für Borreliose in sich. Eine Erkrankung kann unterschiedlich verlaufen, die Symptome reichen von Kopfschmerzen bis zu Herzproblemen und Gesichtslähmung. Borreliose kann im Frühstadium mit Antibiotika behandelt werden, allerdings wird sie oft erst sehr spät erkannt. Laut BAG tragen fünf bis 50 Prozent der Zecken diesen Erreger in sich, auch hierbei sind es im Norden mehr, im Süden eher weniger.

Während die Zeckenimpfung eine FSME verhindern kann, wirkt sie gegen die deutlich häufigeren Borreliose-Bakterien nicht. Bei ersten Symptomen, wie etwa Wanderröte rund um die Bissstelle oder auch grippeähnliche Beschwerden, sollte deshalb  unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Auch bei anderen gesundheitlichen Problemen nach einem Zeckenbiss sollten Sie aufmerksam werden, da Borreliose sich durch viele unterschiedliche Beschwerden äussern kann.

Zeckenimpfung ja oder nein?

Viele Experten streiten darüber, ob man sich nun einer Zeckenimpfung unterziehen soll oder nicht. Damit Sie selbst in etwa einordnen können, worauf Sie sich einlassen bei einem Verzicht auf die Impfung, hier ein paar Anhaltspunkte:

Das Bundesamt für Gesundheit hat zwischen 2008 und 2011 die Zahl der behandelten Zeckenbisse gezählt. So begaben sich in diesem Zeitraum etwa 20'000 Personen pro Jahr nach einem Zeckenbiss in Behandlung. Und das war auch gut so, denn jeder Zweite erhielt die Diagnose Borreliose und musste behandelt werden. Dagegen waren es jährlich nur 97 bis 172 Menschen, die nach einem Zeckenbiss mit FSME diagnostiziert wurden.

Nun kann die niedrige Zahl der an FSME Erkrankten durchaus auf eine bereits weit verbreitete Zeckenimpfung zurückzuführen sein. Doch die geringe Häufigkeit befallener Zecken spielt hier ebenso mit hinein.

Fachpersonen raten deshalb oft dazu, sich nur einer Zeckenimpfung zu unterziehen, wenn man viel in einem der Risikogebiete für FSME unterwegs ist. So empfehlen die Mediziner Dr. Hermann und Dr. Claudine Schmidt-Brutsche von der Arztpraxis St. Raphael in Naters: «Alle erwachsenen Personen sowie Kinder im Allgemeinen ab 6 Jahren, welche in Endemiegebieten [die obigen Risikogebiete, Anm. d. Red.] wohnen oder sich dort zeitweise aufhalten, sollten sich gegen FSME impfen lassen. Eine Impfung erübrigt sich für Personen, die kein Expositionsrisiko haben.»

Ist man in Risikogebieten des Öfteren dort unterwegs, wo sich Zecken aufhalten, etwa in Wäldern oder auch Gärten, sei demnach eine Zeckenimpfung besonders zu empfehlen. Alle anderen könnten darauf verzichten, denn die Impfung selbst ist auch nicht ganz ohne Gefahren.

Mögliche Nebenwirkungen einer Zeckenimpfung

Auf die Frage, ob eine Zeckenimpfung Nebenwirkungen hat, schreibt die Ostschweizer Infostelle für Reisemedizin: «In wenigen Fällen sind (leichtere) Nebenwirkungen wie Fieber, Kopfweh und Lokalreaktionen an der Einstichstelle wie Rötung Schwellung und Schmerzen möglich.» In sehr seltenen Fällen kann es aber auch zu schweren Komplikationen kommen, die bis zu neurologischen Schäden führen können.

Eine Zeckenimpfung für Kinder unter sechs Jahren ist meist nicht ratsam. Denn gerade Kleinkinder können danach mit Fieber reagieren. Ob es sinnvoll ist oder nicht, und ab wann Ihr Kind geimpft werden kann, sollte deshalb vorab mit dem Haus- oder Kinderarzt abgeklärt werden.

Ablauf und Kosten einer Zeckenimpfung

Eine Zeckenimpfung besteht aus insgesamt drei Injektionen, die auf mehrere Monaten verteilt werden. Für optimalen Schutz wird alle paar Jahre eine Auffrischung empfohlen. Die Kosten einer Zeckenimpfung werden von der Grundversicherung übernommen, ist man beruflich – etwa als Waldarbeiter – einem höheren Risiko ausgesetzt, wird sie in der Regel vom Arbeitgeber gezahlt.

Wie man im Zweifelsfall eine Zecke schnell und gefahrlos entfernt, verrät der Artikel «Was tun nach einem Zeckenbiss: So entfernen Sie eine Zecke richtig».

Mehr zu den Verbreitungs- und Risikogebieten lesen Sie in dem Beitrag «Zeckenbisse: Wie gefährlich sind sie in der Schweiz?»

Quellen: Bundesamt für Gesundheit, Drschmidt.ch, Ostschweizer Infostelle für Reisemedizin/osir.ch, Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann