Wann ist eine Zeckenimpfung sinnvoll?

Die kleinen Blutsauger, die zwischen März und Oktober in der Natur auf uns lauern, können schwere Krankheiten übertragen. Ein Schutz davor bietet die Zeckenimpfung. Doch diese hilft nicht gegen alle übertragbaren Erreger.

Zeckenimpfung in der Schweiz: Ja oder nein und gibt es Nebenwirkungen
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Es gibt zwei Krankheitserreger, die Zecken hauptsächlich in sich tragen. Besonders gefürchtet ist der FSME-Erreger, der die Hirnhautentzündung mit dem sperrigen Fachnamen Frühsommer-Meningoenzephalitis auslösen kann. Laut Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) kann in Risikogebieten dieser Erreger bei bis zu drei Prozent der Zecken vorkommen. Dies sei vor allem im Kanton Zürich, Aargau, Schaffhausen, St. Gallen oder Bern der Fall. In anderen Regionen trägt etwa ein Prozent der Blutsauger das FSME-Virus. Die Wahrscheinlichkeit, an FSME zu erkranken, ist damit zwar vergleichsweise gering, doch die Erkrankung kann sehr schwere Folgen für die Gesundheit haben.

Wer sich mit dem FSME-Virus ansteckt und erkrankt, leidet an ähnlichen Symptomen wie bei einer Sommergrippe – unter anderem an hohem Fieber, Kopfschmerzen, einem steifen Nacken und Bewusstseinsstörungen. Doch der Virus kann auch eine Hirnhautentzündung und, in schweren Fällen, Lähmungen in den Armen, Beinen und im Gesicht auslösen. Im schlimmsten Fall endet eine Erkrankung tödlich.

Deutlich häufiger als FSME haben Zecken den Auslöser für Borreliose in sich. Eine Erkrankung kann unterschiedlich verlaufen, die Symptome reichen von Kopfschmerzen bis zu Herzproblemen und Gesichtslähmung. Borreliose kann im Frühstadium mit Antibiotika behandelt werden, allerdings wird sie oft erst sehr spät erkannt. Laut BAG tragen fünf bis 50 Prozent der Zecken diesen Erreger in sich, auch hierbei sind es im Norden mehr, im Süden eher weniger.

Zeckenimpfung schützt nur vor FSME

Während die Zeckenimpfung eine FSME verhindern kann, wirkt sie gegen die deutlich häufigeren Borreliose-Bakterien nicht. Bei ersten Symptomen, wie etwa Wanderröte rund um die Bissstelle oder auch grippeähnliche Beschwerden, sollte deshalb unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Auch bei anderen gesundheitlichen Problemen nach einem Zeckenbiss sollten Sie aufmerksam werden, da Borreliose sich durch viele unterschiedliche Beschwerden äussern kann.

Zeckenimpfung Schweiz: Häufigkeit einer Übertragung in Zahlen

Experten streiten darüber, ob man sich nun einer Zeckenimpfung unterziehen soll oder nicht. Damit Sie selbst in etwa einordnen können, worauf Sie sich einlassen bei einem Verzicht auf die Impfung, hier ein paar Anhaltspunkte:

Das Bundesamt für Gesundheit hat zwischen 2008 und 2011 die Zahl der behandelten Zeckenbisse gezählt. So begaben sich in diesem Zeitraum etwa 20'000 Personen pro Jahr nach einem Zeckenbiss in Behandlung. Und das war auch gut so, denn jeder Zweite erhielt die Diagnose Borreliose und musste behandelt werden. Dagegen waren es jährlich nur 97 bis 172 Menschen, die nach einem Zeckenbiss mit FSME diagnostiziert wurden. Doch diese Zahl stieg in den letzten Jahren stark an und erreichte 2018 einen Höchstwert von 377 gemeldeten FSME-Fällen.

Die trotzdem eher niedrige Zahl an FSME Erkrankten kann durchaus auf eine bereits weit verbreitete Zeckenimpfung zurückzuführen sein. Doch die geringe Häufigkeit befallener Zecken spielt hier ebenso mit hinein.

Zeckenimpfung, ja oder nein?

Fachpersonen raten dazu, sich nur einer Zeckenimpfung zu unterziehen, wenn man viel in einem der Risikogebiete für FSME unterwegs ist. So empfehlen die Mediziner Dr. Hermann und Dr. Claudine Schmidt-Brutsche von der Arztpraxis St. Raphael in Naters: «Alle erwachsenen Personen sowie Kinder im Allgemeinen ab 6 Jahren, welche in Endemiegebieten [die obigen Risikogebiete, Anm. d. Red.] wohnen oder sich dort zeitweise aufhalten, sollten sich gegen FSME impfen lassen. Eine Impfung erübrigt sich für Personen, die kein Expositionsrisiko haben.»

Ist man in Risikogebieten des Öfteren dort unterwegs, wo sich Zecken aufhalten, etwa in Wäldern oder auch Gärten, sei demnach eine Zeckenimpfung besonders zu empfehlen. Alle anderen könnten darauf verzichten, denn die Impfung selbst ist auch nicht ganz ohne Gefahren.

Bundesamt empfiehlt eine Zeckenimpfung in der ganzen Schweiz

Aufgrund der jährlich stark ansteigenden Zahl an FSME-Erkrankungen – mit einem Rekordwert von 377 Fällen im Jahr 2018 –  empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit ab 2019 eine Zeckenimpfung für alle Bewohner der Schweiz, die sich viel im Freien, vor allem im und in der Nähe von Wald, aufhalten. Ausgenommen sind die Kantone Genf und Tessin. Eine Impfung sei vor allem wichtig, da es keine Behandlung der Krankheit gebe.

Mögliche Nebenwirkungen einer Zeckenimpfung

Auf die Frage, ob eine Zeckenimpfung Nebenwirkungen hat, schreibt die Ostschweizer Infostelle für Reisemedizin: «In wenigen Fällen sind (leichtere) Nebenwirkungen wie Fieber, Kopfweh und Lokalreaktionen an der Einstichstelle sowie Rötung, Schwellung und Schmerzen möglich.» In sehr seltenen Fällen kann es aber auch zu schweren Komplikationen kommen, die zu neurologischen Schäden führen können.

Eine Zeckenimpfung für Kinder unter sechs Jahren ist meist nicht ratsam. Denn gerade Kleinkinder können danach mit Fieber reagieren. Ob es sinnvoll ist oder nicht, und ab wann Ihr Kind geimpft werden kann, sollte deshalb vorab mit dem Haus- oder Kinderarzt abgeklärt werden.

Ablauf und Kosten einer Zeckenimpfung

Eine Zeckenimpfung besteht aus insgesamt drei Injektionen, die auf mehrere Monate verteilt werden. Sind alle drei Dosen injiziert, besteht eine Schutzwirkung für zehn Jahre. Für optimalen Schutz wird alle paar Jahre eine Auffrischung empfohlen.

Die Kosten einer Zeckenimpfung werden von der Grundversicherung übernommen. Ist man beruflich – etwa als Waldarbeiter – einem höheren Risiko ausgesetzt, wird sie in der Regel vom Arbeitgeber gezahlt. Eine Zeckenimpfung, genauer gesagt, eine FSML-Impfung, können Sie bei Ihrem Hausarzt oder in Impfapotheken machen.

Der beste Zeitpunkt für eine Zeckenimpfung ist in den Wintermonaten, da Sie dann im Frühling und allgemein in den wärmeren Jahreszeiten, wenn die Zecken am aktivsten sind, bereits geschützt sind.

Wie man im Zweifelsfall eine Zecke schnell und gefahrlos entfernt, verrät der Artikel «Was tun nach einem Zeckenbiss: So entfernen Sie eine Zecke richtig».

Mehr zu den Verbreitungs- und Risikogebieten lesen Sie in dem Beitrag «Zeckenbisse: Wie gefährlich sind sie in der Schweiz?»

Schutz vor Zeckenbissen: Was Sie sonst noch tun können

  • Gehen Sie hohem Gras, Gebüschen und Sträuchern aus dem Weg.
  • Tragen Sie bei einem Ausflug in die Natur lange Hosen und Ärmel plus geschlossene Schuhe. Die Socken am besten über die Hosenbeine ziehen.
  • Falls es zu heiss für lange Kleidung ist oder einfach so als optimaler Schutz: Zeckenschutzmittel für Haut und Kleider.
  • Überprüfen Sie am Abend Ihren kompletten Körper und die Kleider nach Zecken. Diese lieben besonders weiche Haut, zum Beispiel unter den Achseln oder in den Ellbogenbeugen. Achtung: Die kleinsten Blutsauger sind nur gerade einen halben Millimeter gross.
  • Haustiere schützen: Verpassen Sie Ihrem Hund oder der Katze ein Zeckenmittel oder –halsband. Auch Tiere können an Borreliose erkranken, oder die Zecken wechseln auf den Menschen.

Quellen: Bundesamt für Gesundheit, Drschmidt.ch, Ostschweizer Infostelle für Reisemedizin/osir.ch, Beobachter