Steckrüben: Das fast vergessene Wintergemüse neu entdecken

Langezeit waren Sie in der Küche verpönt. Dabei sind Steckrüben ein delikates Wintergemüse, das nur so vor gesunden Inhaltsstoffen strotzt und auch die Kalorienbewussten unter uns begeistert. Was die Rübe so alles kann und drei feine Rezepte.

Steckrüben: Wissenswertes und Rezepte
Die Steckrübe gehört zu jenem Gemüse, das den Weg in unsere Küche wiedergefunden hat. Das Rezept für diese Salat finden Sie weiter unten im Artikel. Foto: vanillaechoes/ iStock / Getty Images Plus
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Die mysteriöse Herkunft der Steckrübe

Die Steckrübe hat von September - Mai Saison. Sie ist unter zahlreichen Namen bekannt, wird Wruke, Kohlrübe, Butterrübe, Erd- und Bodenkohlrabi, Kohlrübe oder auch Schwedische Rübe genannt und war früher ein Arme-Leute-Essen. Die Herkunft des Gemüses mit gelbem Fleisch ist höchst mysteriös, denn so wirklich sicher ist man sich mit der Rübe nämlich nicht. Mal abgesehen davon, dass eine nicht gleich zu erahnende Verwandtschaft zum Raps besteht, vermuten Wissenschaftler, dass die Steckrübe einst aus einer Kreuzung aus der beliebten Herbstrübe und dem Kohlrabi (daher eben auch Bodenkohlrabi) entstand. Und diese Verwandtschaft merkt selbst der ungeschulte Gaumen dem Gemüse an. Dank seines Geschmacks und seinem Fruchtfleisch lässt sich das Gemüse vielseitig zubereiten und für Rezepte verwenden.

Die Steckrübe, ein skandinavischer Lebensretter

Die Steckrübe im 17. Jahrhundert aus Skandinavien nach Mitteleuropa gelangt sein. Im 1. Weltkrieg sicherte die Steckrübe vielen Deutschen das Überleben und gab der Rübe für lange Jahre den Namen Kriegsgemüse. Denn: Im Winter von 1916/1917 waren Lebensmittel äusserst knapp. Das einzige, was die Bauern zur Genüge hatten, waren Steckrüben. Diese wurden bis dato als nahrhaftes Viehfutter angebaut, auch, weil man sie gut lagern konnte. In dieser Zeit kam sie (wieder) auf den Tisch. Getrocknete Raspeln wurden sogar zu Mehl gemahlen und dienten als Kaffeeersatz.

Inhaltsstoffe der gesunden Steckrübe

Die gut lagerfähige, süss-würzige Rübe hat durch ihren hohen Wassergehalt nur wenig Kalorien (37 Kcal/100 g), steckt dafür aber voller wichtiger Inhaltsstoffe. So reichen bereits 300 Gramm des Wintergemüses, um den täglichen Bedarf an Vitamin C zu decken. Ideal also, um Schnupfen, Halsschmerzen und Co. im Winter den Kampf anzusagen. Weitere enthaltene Vitamine sind Vitamin B1, B2 und Provitamin A, zudem sind in Steckrüben Beta-Carotin und Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Magnesium und Zink zu finden.

Steckrüben in der Küche richtig verwenden

Steckrüben heissen auch Bodenkohlrabi

Steckrüben werden auch Bodenkohlrabi genannt und haben ein gelbes Fruchtfleisch. Foto: Szakaly/ iStock / Getty Images Plus

Das Tolle an der süss-buttrig schmeckenden Steckrübe ist, dass sie die Eigenschaft hat, den Geschmack anderer Kochpartner anzunehmen. Wird das Wintergemüse etwa im Eintopf mit Rüebli gekocht, dann schmeckt sie danach, das Gleiche gilt, bei der Zubereitung mit Kohlrabi, Sellerie, Äpfeln oder Gurken.

Roh schmeckt die Steckrübe leicht herb und erdig, wie etwa Randen. Dieser kann aber auch durch Äpfel, Zucker, Zitronensaft oder Essig, etwa in einem Salat abgeschwächt werden.

Gekocht schmeckt das Wintergemüse toll als Püree, in Suppen, als Eintopf, als Gratin und gedämpft. Ebenso kann man die Steckrübe roh essen, zum Beispiel kleingeschnitten oder geraspelt und mit Äpfeln und Karotten ergänzt. In der Zubereitung sind der verkannten Rübe praktisch keine Grenzen gesetzt.

Wir können nur jedem empfehlen: Greifen Sie beim nächsten Einkauf einfach mal bei Steckrüben zu! Redaktions-Tipp: Verwenden wie Kartoffeln oder Kohlrabi oder in einem der folgenden drei Rezepte.

Steckrüben-Rezepte

Leichter Steckrüben-Salat

Zutaten für 2 Portionen

  • 1 kleine Steckrübe
  • 1 rotschaliger Apfel
  • 1/2 rote Zwiebel
  • 2 EL Baumnüsse (grob zerkleinert)
  • Weisser Balsamico-Essig
  • Baumnuss-Öl
  • Salz, frischer Pfeffer
  • Ein paar Blätter Rucola
  1. Die Steckrübe schälen, in feine Scheiben schneiden.
  2. Apfel entkernen, in feine Scheiben schneiden, ebenso die Zwiebel.
  3. Alles in eine Schüssel geben, salzen, pfeffern, mit Essig und Öl (2:1) anmachen und gut durchrühren.
  4. 1 Stunde ziehen lassen.
  5. Zum Servieren mit Nüssen und etwas Rucola bestreuen.

Bäuerlicher Klassiker: Steckrübeneintopf

Steckrüben im Eintopf verwenden.

Dieser Eintopf schmeckt auch mit Räuchertofu, statt Wurst sehr fein. Foto: zeleno/ iStock / Getty Images Plus

In Norwegen und in Norddeutschland wird gerne Steckrübeneintopf gegessen. Im Grundrezept werden, neben der Steckrübe auch Speck und eine geräucherten Rohwurst (etwa Salsiccia, Appenzeller Pantli, Chorizo, Merquez, etc.) verarbeitet. Man kann das Rezept aber auch ohne Fleisch zum beispliel mit Räuchertofu zubereiten.

Zutaten für 4 Portionen:

  • 0,5 Kg Steckrübe (geschält, grob gewürfelt)
  • 0,5 Kg Kartoffeln (geschält, grob gewürfelt)
  • 250 g Möhren oder 2 rote Paprika (in Scheiben bzw. Streifen)
  • 1 L Gemüse- oder Fleischbouillon
  • 100 g Bauernspeck oder Räuchertofu (gewürfelt)
  • 250 g geräucherte Rohwurst oder Räuchertofu (in Scheiben)
  • 100 g Butter
  • 4 Schalotten (gewürfelt)
  • 1 Knoblauchzehe (durchgedrückt)
  • Salz, Pfeffer, 1 Lorbeerblatt
  • 1/2 Bund Petersilie (fein hacken, ein paar Blätter für die Dekoration)
  • optional: 1 Peperoncini
  1. Butter in einem grossen Topf zerlassen und Bauchspeck darin auslassen.
  2. Schalottenwürfel und Knoblauch zugeben und mitdünsten.
  3. Herd etwas niedriger stellen, Gemüse unterrühren und etwa 10 Minuten dünsten. Gelegentlich durchrühren.
  4. Bouillon angiessen, Lorbeerblatt zugeben und 45 Minuten (oder bis alles weich ist; von Würfelgrösse abhängig) köcheln lassen.
  5. Die letzten 10 Minuten die in Scheiben geschnittene Wurst und die Hälfte der Petersilie zugeben.
  6. Jetzt gut abschmecken und mit Petersilie bestreut servieren.

Herzhaftes Gratin

Steckrüben Zubereitung im Gratin

Gratin ist eine feine Variante, um Steckrüben in der Küche zu verwenden. Foto: Mariha-kitchen/ iStock / Getty Images Plus

Tim Mälzer, der deutsche TV-Koch, ist bekannt für seine einfachen, bodenständigen und sehr feinen Gerichte. Sein Steckrüben-Rezept-Tipp, erschienen im Magazin Essen & Trinken: Kartoffel-Steckrüben-Gratin mit oder ohne Speck.

Dieses Rezept ist herrlich saftig und hat optional eine verführerisch-knusprige Kräuter-Speckkruste. Für Vegetarier geht das Gratin aber auch sehr gut ohne Speck. Dann mit Käse überbacken.

Die Zutaten für vier Portionen

  • 3 dl Schlagrahm
  • 200 ml Milch
  • 500 g festkochende Kartoffeln
  • 300 g Steckrüben
  • 2 EL weiche Butter
  • 1 Bund glatte Petersilie
  • 1 Bund Majoran
  • 100 altes Brot oder Baguette (optional)
  • 100 g Speck oder Käse zum Überbacken,
  • Muskatnuss gerieben
  • Salz und Pfeffer
  • 3 Lorbeerblätter
  1. Zunächst Rahm, Milch und Lorbeerblätter aufkochen, mit Salz, Pfeffer und Muskat kräftig würzen, ein paar Minuten ziehen lassen.
  2. Dann die Kartoffeln und die Steckrübe für dieses Rezept schälen, in feine Streifen schneiden oder hobeln, vermengen und in eine grosse, zuvor gebutterte Auflaufform füllen.
  3. Rahmmischung darüber und im heissen Ofen bei 200 Grad – bei Umluft 180 - im unteren Ofendrittel für 40 Minuten backen.
  4. In der Zwischenzeit Petersilien- und Majoranblätter von den Stielen zupfen, ein paar Blätter für die Deko beiseitelegen und zusammen mit den Brötchen oder Baguette grob zerkleinern (im Mixer, Blitzhacker, o. ä.). Die Brösel mit dünnen Speckstreifen mischen und nach 40 Minuten auf den Steckrüben-Auflauf geben.
  5. Wer auf die Speckkruste verzichtet: stattdessen die Kräuter mit 150 Gramm Käse mischen und das Gratin damit überbacken.
  6. Nur noch ein paar Butterflocken darüber verteilen und nochmals 10 bis 15 Minuten goldbraun backen.
  7. Ist der Auflauf noch nicht «golden» genug, dann den Auflauf auf eine höhere Schiene stellen und kurz den Grill anschalten.
  8. Mit Kräutern bestreut servieren.

Wer übrigens keine Steckrüben für dieses Rezept bekommt, kann es auch mit Kürbis oder Sellerie variieren.

Weitere Rezepte mit Steckrüben, Topinambur, Pastinaken und anderen alten Gemüsesorten finden Sie hier

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Alte Gemüsesorten neu entdeckt: Leckere Steckrüben Suppe

Steckrübensuppe mit feinen Croûtons
Zutaten für 4 Portionen: 1 kg Steckrüben, 150 g Kartoffeln, 3 kleine Zwiebeln, ½ Stange Lauch, ½ Knoblauchzehe, 100 g Butter, 3 Lorbeerblätter, Salz, schwarzer Pfeffer, frisch geriebene Muskatnuss; Für die Croûtons: 1 Brötchen oder ein Stück Baguette vom Vortag, 2 EL Butter, 1 Bund Kerbel

Steckrüben und Kartoffeln schälen und würfeln. Zwiebeln und Lauch in feine Scheiben schneiden, Knoblauch andrücken. Als Grundlage werden die Steckrübenschalen mit einer Prise Salz und einem Lorbeerblatt in 1,5 Liter Wasser für etwa 20 Minuten bei mittlerer Hitze gekocht. Den Sud durch ein Sieb giessen und Beiseite stellen. In einer Pfanne Zwiebeln und Knoblauch mit etwas Butter glasig dünsten, Steckrüben, Lauch, Kartoffeln und 2 Lorbeerblätter hinzugeben und bei geringer Hitze etwa 20 Minuten garen.

Mit der angesetzten Brühe aufgiessen, mit Salz und Pfeffer würzen, und etwa eine Stunde köcheln lassen. Anschliessend die Lorbeerblätter entfernen, passieren und mit Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Kurz vor Ende der Garzeit das kleingewürfelte Brot oder das Brötchen in der zerlassenen Butter goldbraun anrösten. Mit Croûtons und kleingezupften Kerbelblättern garnieren. Fotos: © evgenyb / iStock, Martin Poole / DigitalVision / Thinkstock, Collage: Redaktion nachhaltigleben.ch

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