Dürfen Fleischalternativen bald nicht mehr Chicken & Co. heissen?

20.01.2023 – Wenn kein Fleisch in einem Lebensmittel steckt, soll es nicht Chicken oder ähnlich heissen dürfen. Das fordern Bund und Konsumentenschutz. Die Debatte geht vors Bundesgericht.

Vegane Chickenwings auf einem Teller mit roter Sauce
Könnten Konsumierende vegane Produkte für Fleisch halten? Das zumindest befürchtet der Bund. © LauriPatterson / E+
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Die Frage, ob fleischlose Lebensmittel Poulet & Co. heissen dürfen, beantwortete das Zürcher Verwaltungsgericht mit Ja. Dem Bund passt das aber nicht. Jüngst reichte er eine Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts ein. Der Grund: Die Konsumierenden könnten durch derartige Bezeichnungen getäuscht werden.

«Planted Chicken» verärgert den Konsumentenschutz

Anlass für die Beschwerde, die das Eidgenössische Departement des Inneren (EDI) gegen täuschende Bezeichnungen auf Fleischersatzprodukten einreichte, war der als planted.chicken bezeichnete Poulet-Ersatz von planted. Sara Stalder vom Konsumentenschutz Schweiz, die den Fall ursprünglich ins Rollen brachte, bemängelt, dass die Bezeichnung «Chicken» Konsumierende verwirren könnte. Und zwar auch dann noch, wenn der Zusatzhinweis «rein pflanzlich» auf dem Produkt stehe.

Wer legt die Regeln für Lebensmittelbezeichnungen fest?

Zwar schreibt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) vor, wie vegane und vegetarische Produkte bezeichnet werden dürfen und wie nicht. Doch das Informationsschreiben «Vegane und vegetarische Alternativen zu Lebensmitteln tierischer Herkunftdes» vom BLV (aus dem Jahr 2020) ist rechtlich nicht bindend.

Noch darf planted seine Produkte also als Chicken bezeichnen. Das sei auch wichtig für die Konsumentinnen und Konsumenten, wie Judith Wemmer von planted gegenüber SRF betont. Denn die Bezeichnung gebe Aufschluss darüber, wie man das Produkt in den Alltag integrieren könne.

Wann ein Entscheid über die Kennzeichnung von Ersatzprodukten gefällt wird, ist noch unklar. Ziel ist es, dass das Bundesgericht durch einen Entscheid Rechtssicherheit schafft und sich die Frage der Kennzeichnung solcher Lebensmittel in Zukunft nicht mehr stellt.

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