Warum die Groppe zum Fisch des Jahres gewählt wurde

Die kleine Groppe, die sommerkühle Seen, Flüsse und Bäche liebt, ist in der Schweiz zum Fisch des Jahres 2014 gewählt worden. Sie liebt den Rhein, die Rhone und ist fast überall in Europa zuhause. Hierzulande wie andernorts kommt sie recht häufig vor. Doch, die Sache hat einen Haken: Sie mag nur saubere, natürlich belassene Gewässer mit optimalem Nahrungsangebot.

Die Groppe: Fisch des Jahres 2014 in der Schweiz
Gestatten: Die kleine Groppe, Tarnkünstler und Fisch des Jahres in der Schweiz. Diese Auszeichnung hatte sie bereits in Deutschland und Österreich. Warum das so ist, obwohl ihr Bestand noch recht gross ist, wird erst auf den zweiten Blick klar. Foto: MikeLane45, iStock, Thinkstock
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Der etwa 15 Zentimeter kleine Fisch war zuvor bereits in Deutschland und Österreich Fisch des Jahres. Typisch für ihn sind ein grosser Kopf, markante Rücken- und Seitenflossen und eine schuppenlose Haut. Ebenfalls besonders: seine wahrhaft künstlerische Fähigkeit sich am Bach- oder Seegrund zu tarnen. Wenn er recht häufig vorkommt, warum wurde die Groppe vom Schweizerischen Fischerei-Verband dann zum Fisch des Jahres 2014 in der Schweiz gewählt?

Die Groppe: Botschafter für saubere und natürliche Gewässer

Was der Mensch häufig noch wegstecken kann, fällt vielen Tierarten schwer: Sich an ändernde Umweltbedingungen anzupassen. So geht es auch der Groppe. Wie kaum ein anderer Gewässerbewohner reagiert der Fisch auf Veränderungen in seinem Lebensraum. Zumal die Groppe, völlig unerwartet für einen Gewässerbewohner, alles andere als ein guter Schwimmer ist. Der Grund: sie hat eine degenerierte Schwimmblase. Daher wandert sie kaum und ist ihrer Heimat für einen Fisch vergleichsweise treu. Die Groppe lebt bodennah und sucht regelmässig Deckung hinter Steinen oder Totholz, um sich vor starker Strömng wie vor Fressfeinden in Sicherheit zu bringen und um hier ihren Laich sicher abzulegen.

Das ist eines der Probleme des Fisch des Jahres 2014, denn von seinen bevorzugten, natürlichen Schutzeinrichtungen gibt es in vielen Flüssen und Bächen einfach zu wenig. Viel zu häufig wurden Bäche begradigt oder Flüsse als Schifffahrtswege ausgebaut. Daher fordert der Schweizerische Fischerei-Verband eine zügige Renaturierung der Gewässer, um Fischarten wie der Groppe ihren ursprünglichen Lebensraum wieder zu geben. Denn dort, wo die Groppe vorkommt, ist der Lebensraum noch gesund. Wo sie fehlt, stimmt etwas nicht, so die Schlussfolgerung des Biologen beim Schweizerischen Fischerei-Verband, Samuel Gründler.

Die Groppe: Ein Indikator für gesunden, hindernisfreien Gewässerraum

Staustufen, Wehre, Dämme und andere Gewässerbaumassnahmen sind unüberwindbare Hindernisse für die Groppe, aber auch andere Gewässer-Bewohner. Auch die genetische Vielfalt bleibt durch diese baulichen Massnahmen auf der Strecke, was sich bald als Gefahr des Fisch des Jahres 2014 erweisen könnte.

Roland Seiler, Zentralpräsident des Fischerei-Verbandes fordert aufgrund vieler unnatürlicher Fluss- und Bachläufe, wie auch aufgrund der vielen Hindernisse: «Statt sich im Gewässerschutz gegenseitig zu blockieren, müssen wir endlich dafür sorgen, dass in Sachen Revitalisierung ein Ruck durch das Land geht».

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Quelle: www.sfv-fsp.ch, Text: Jürgen Rösemeier-Buhmann