Plastik-Wahnsinn: Transparenz bei Coop, Migros & Co. fehlt – Greenpeace startet Kampagne

Migros, Coop, Lidl und Co. verweigern detaillierte Fakten über ihren Plastik- und Verpackungs-Verbrauch. Nun startet Greenpeace Schweiz zusammen mit Konsumenten eine Kampagne gegen den Verpackungs-Wahnsinn.

Plastik-Wahnsinn: Detailhändlern verweigern Transparenz – Greenpeace startet Kampagne
Foto: © Pilin_Petunyia / iStock / Thinkstock
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700 Kilo Abfall produziert jeder Schweizer jährlich. 125 Kilo davon sind Plastikabfälle von denen gerade mal 10 Prozent recycelt werden, der Rest landet im Abfall. Dies zeigt eine Schätzung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) aus dem Jahr 2010.

Insgesamt machen Verpackungen einen Drittel unseres Abfalls aus. Den Löwenanteil tragen Detailhändler wie Coop, Migros, Aldi oder Manor dazu bei.

Detailhändler bleiben viele Antworten schuldig

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace Schweiz wollte es genau wissen und hat bei den Unternehmen eine Umfrage gemacht. Das Resultat: «Die Intransparenz der Detailhändler bezüglich ihrem Plastik- und Verpackungs-Fussabdruck ist ernüchternd» schreibt die Umweltorganisation in ihrem Bericht.

Nur zu wenigen Fragen habe man detaillierte Antworten erhalten und die Unternehmen wollten auch in Zukunft nicht dazu Bericht erstatten, schreibt Greenpeace weiter.

«Kein einziger Detailhändler hat Gesamt-Reduktionsziele für Verpackungen festgelegt. Einzig Lidl strebt eine Reduktion des Plastikanteils bei Verpackungen von 20 Prozent an bis 2025.» Das grosse Aber: Lidl macht keine Aussage über den Ist-Zustand, wodurch eine Erfolgskontrolle im Jahr 2025 gar nicht möglich ist.

Auch bezüglich der Wirkung konkreter Massnahmen würden die Detailhändler sehr zurückhaltend bleiben und vor allem auf Recycling setzen. «Coop und Migros arbeiten an der «ökologischen Optimierung» gewisser Verpackungen, zeigen jedoch deren Nutzen nicht auf», heisst es in der Medienmitteilung.

«Ökologisch optimieren und gleichzeitig neue fragwürdige Convenience-Verpackungen auf den Markt zu bringen, ist nicht glaubwürdig», kritisiert Marco Pfister, Campaigner bei Greenpeace Schweiz. «Zudem wäre das ökologische Optimum oft keine oder eine Mehrweg-Verpackung.»

Aus der Intransparenz schliesse Greenpeace, dass die Detailhändler der Problematik einen ungenügenden Stellenwert zuordnen, respektive ein Reputationsrisiko befürchten würden, teilt die Organisation mit.

Hier finden Sie den kompleten Bericht mit allen Fragen und Resultaten.

Supermarkt ohne Einwegverpackung

«Wir erwarten, dass die Grossverteiler ihre Verantwortung zur Abfallvermeidung endlich wahrnehmen», sagt Marco Pfister. Greenpeace fordert, dass sich die Detailhändler zu einer Vision von null verbrannten und deponierten Abfällen bekennen und konkrete Aktionspläne dazu erstellen. Transparenz sei dabei für die Erfolgskontrolle essentiell. «Die Zeit der kleinen Massnahmen hier und da ist vorbei», fügt Marco Pfister an; «der Supermarkt der Zukunft ist frei von Einweg-Verpackungen.»

Kampagne gegen Abfall gestartet

Mit der Veröffentlichung des Berichts startet Greenpeace schweizweit eine Online-Kampagne, welche die Detailhändler zum Handeln auffordert.

Jeder kann eine vorgeschriebene Mail direkt an Migros oder Coop schicken und die Detailhändler auffordern, sich zur «Vision null verbrannte und deponierte Abfälle» zu bekennen; einen konkreten Aktionsplan, der aufzeigt, wie sie sich dieser Vision annähern wollen und Jährlich Zahlen zur Verpackungsmenge zu veröffentlichen, sodass sich der Fortschritt messen lässt.

Hier geht's zur Online-Kampagne.

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Autor: Sabian Galbiati, Oktober 2018