Weniger Ausgaben, mehr Zeit: Die Grundpfeiler des Frugalismus

Der Arbeitswelt möglichst früh den Rücken kehren und finanziell unabhängig die Frührente geniessen – klingt gut, oder? Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen dieses ambitionierte Ziel anstreben. Um es zu erreichen, handeln sie nach dem Prinzip des Frugalismus. Der Weg dorthin ist vor allem durch gezielten Konsumverzicht geprägt. Aber nicht nur Sparen, sondern auch Anlegen wird beim Frugalismus grossgeschrieben. Was einen frugalen Lebensstil ausmacht und warum er nicht für alle der richtige Weg ist.

Gezeichnete Hand wirft Geldstück mit Uhrenziffern in ein Sparschwein
Gezeichnete Hand wirft Geldstück mit Uhrenziffern in ein Sparschwein © Morgan Housel / Unsplash
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Frugalismus – das Wichtigste in Kürze:

  • Das englische Wort frugal lässt sich mit sparsam oder genügsam übersetzen. Definition
  • Wer frugal lebt, spart bis zu 80 Prozent des Einkommens und investiert in Aktien, Fonds & Co.
  • Frugalismus und Minimalismus haben einen ähnlichen Grundgedanken, entstehen aber aus unterschiedlichen Motivationen heraus.
  • Ziel von Frugalisten ist es, früh finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen.
  • Es gibt einige Frugalismus-Blogs, auf denen Menschen ihre Erfahrungen teilen.
  • Frugalismus ist nicht für alle der richtige Weg und erfordert viel Disziplin. Eigene Meinung

Es ist ein Traum, den immer mehr Menschen haben: Schon mit 40 den Vorgesetzten «Lebwohl» sagen und die finanzielle Freiheit geniessen. Nur noch arbeiten, wenn einen die Lust packt. Nur noch das tun, wofür man brennt und nicht jeden Rappen umdrehen müssen. Doch auf dem Weg dorthin ist genau das gefragt.

Was ist Frugalismus?

Der Begriff Frugalismus lässt sich vom englischen Wort frugal ableiten, was übersetzt sparsam oder genügsam bedeutet.

Beim Frugalismus ist der Name also Programm. Denn die Devise des Lebensstils ist es, einen grossen Teil des Einkommens zu sparen. Neben dem Drosseln der Ausgaben legen Frugalistinnen und Frugalisten aber auch im grossen Stile Geld an und investieren in Aktien, ETFs & Co. Alles zu dem Zweck, möglichst früh finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen und das «Hamsterrad» zu verlassen.

Aufgekommen ist der Trend 2008 in den USA mit den sogenannten «FIRE-Movements» – wobei FIRE für «Financial Independence, Retire Early» steht. Auf Deutsch: Finanzielle Unabhängigkeit und früher Ruhestand. Während der Finanzkrise bleib vielen Menschen schlicht nichts anderes übrig, als unnötige Ausgaben abzustellen und sich auf das Lebensnotwendige zu beschränken.

Das tun Frugalistinnen und Frugalisten auch heute noch: Auswärts essen, einen Kaffee mit Freunden trinken, ein Shopping-Nachmittag in der Stadt, Kino- und Coiffeur-Besuche oder kostspielige Wochenendtrips gehören nicht zum Alltag.

Stattdessen wird Wasser aus dem Hahn getrunken, selbst gekocht und nur konsumiert, was wirklich nötig ist – um nur die Sparaspekte zu nennen, die auf der Hand liegen. Manche Frugalisten haben nicht einmal eine Waschmaschine, sondern waschen ihre Wäsche mit aufgefangenem Duschwasser oder von Hand im Lavabo.

Was ist der Unterschied zwischen Frugalismus und Minimalismus?

Die beiden Lebensweisen Frugalismus und Minimalimus teilen sich den gleichen Grundgedanken: Reduziert leben mit dem Fokus auf das Wesentliche. Verzicht steht bei beiden im Vordergrund, wird dabei aber keineswegs als etwas Negatives betrachtet. Vielmehr zielen beide Lebensstile auch darauf ab, mehr innere Zufriedenheit zu erlangen und das zu schätzen, was man hat.

Worin sich Frugalismus und Minimalismus dennoch unterscheiden, ist die Motivation, die dahintersteckt. Beim Frugalismus soll der sparsame Lebensstil dabei helfen, finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Der Schwerpunkt beim Minimalismus hingegen liegt eher darauf, sich von der Konsumgesellschaft zu distanzieren – auch der Umwelt zuliebe.

Geld sparen – aber wie viel?

Finanzielle Freiheit hört sich gut an. Aber ab wann kann man von einer solchen Unabhängigkeit sprechen?

Es gibt keine einheitliche Definition für finanzielle Freiheit und auch keinen konkreten Betrag, den Furgalisten durchschnittlich ansparen und an dem man sich orientieren kann.

Im Frugalismus spricht man von finanzieller Unabhängigkeit, sobald laufende monatliche Kosten für Lebensmittel, Miete, Strom & Co. allein aus dem Ersparten, dem Zinseinkommen und den Dividenden beglichen werden können. Sprich, wenn man nicht mehr auf ein festes Einkommen angewiesen ist. Es muss also jede und jeder individuell herausfinden, wann die eigene finanzielle Freiheit erreicht ist.

Daher erstellt, wer frugal leben möchte, als erstes einen ausgeklügelten Finanzplan. Dafür ist es sinnvoll, über mehrere Monate hinweg die laufenden Konsumkosten schriftlich festzuhalten. So erkennst du, wie viel Geld du für Notwendigkeiten wie Lebensmittel, Miete und Krankenversicherung brauchst und wie viel deines Einkommens am Monatsende übrigbleibt.

Zudem legen Frugalistinnen und Frugalisten ein Sparziel fest. Hierfür überlegen sie, wie viel Geld sie monatlich in Zukunft zur Verfügung haben möchten und wie viele Jahre sie vom Ersparten leben wollen.

Tipp: Bei Moneyland kannst du mit einem Rechner berechnen, wie hoch deine monatliche Sparquote für dein gestecktes Ziel sein müsste. Oder wie viele Jahre du brauchst, um finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, wenn du weiter sparst, wie bisher.

Beim Festlegen eines Sparziels wird jedoch schnell klar: So einfach ist das nicht. Denn wie viel man in Zukunft monatlich ausgibt, hängt auch von äusseren und unvorhersehbaren Faktoren wie der Inflation ab und kann durch einschlägige Ereignisse (wie die Geburt eines Kindes oder eine schwere Erkrankung) stark beeinflusst werden. Auch wie alt wir werden, können wir schliesslich nicht im Vorhinein berechnen.

So sparen Frugalisten

Um ihr Sparziel zu erreichen, sparen Frugalistinnen und Frugalisten an allen möglichen Ecken. Während Lebensmittel, Miete und Versicherungen sich nicht einfach streichen lassen, gibt es viele andere Bereiche, in denen sich im Alltag viel Sparpotenzial verbirgt.

Wer frugal lebt, weiss genau, wie viel Geld monatlich wofür zur Verfügung steht. Spontankäufe sind also nicht drin. Um generell bedachter zu konsumieren und automatisch weniger Geld auszugeben, denken frugal lebende Menschen sehr viel länger über Käufe nach. Einige halten sich dabei an die sogenannte 30-Tage-Regel: Erst, wenn man etwas, beispielsweise ein neues T-Shirt, nach 30 Tagen Bedenkzeit noch immer haben möchte, kauft man es.

Es gibt aber noch viele weitere Sparmassnahmen, die im Frugalismus eine Rolle spielen:

  • Die Nutzung von Rabatten und Sonderangeboten
  • Regelmässige Überprüfung der Fixkosten wie Versicherungen und Abos
  • Genaue Planung der Einkäufe
  • Leihen von Gebrauchsgegenständen, anstatt diese zu kaufen
  • Verzicht auf Luxusgüter
  • Verzicht auf ein Auto

Frugalismus: Blogs, die Erfahrung und Inspiration teilen

Frugalismus klingt für dich nach einer spannenden Sache? Es gibt in der Schweiz, abervor allem in anderen deutschsprachigen Ländern Europas, einige Frugalismus-Blogs, auf denen Frugalistinnen und Frugalisten ihr (selbst erlerntes) Wissen teilen, Tipps für den Alltag bereithalten und über ihren Weg in die finanzielle Unabhängigkeit berichten.

Schweizer Frugalismus-Blog

Weitere Frugalismus Blogs

Kann jeder frugal leben?

Wer frugal lebt, spart monatlich 50 bis zu 80 Prozent des Einkommens und legt es an. Dass sich das nicht alle Menschen leisten können, liegt auf der Hand. Um einen Grossteil der Einkünfte beiseitezulegen, muss schliesslich erst einmal genug Geld aufs Konto eingehen.

Kurz gesagt: Frugalistinnen und Frugalisten sind meist aus der oberen Mittelschicht und können es sich dank eines (überdurchschnittlich) guten Einkommens leisten, viel Geld beiseite zu legen.

Eigene Meinung: Mein Fazit zum Frugalismus

Das Konzept Frugalismus ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Dass es funktionieren kann, zeigen einige Blogs von bekennenden Frugalistinnen und Frugalisten. Was sie alle gemeinsam haben: Sie verfügen über ein umfangreiches Wissen im Bereich Geldanlage. Da das Investieren einen Grundpfeiler des Frugalismus darstellt, ist dieses Wissen eine Voraussetzung, um frugal zu leben.

Von heut auf morgen auf einen frugalistischen Lebensstil umzustellen, ist sicher noch niemandem gelungen. Doch sich einen Überblick über die eigenen Finanzen zu verschaffen, Ausgaben genauer zu bedenken und den eigenen Konsum herunterzufahren, sind gute erste Schritte hin zu einem bewussteren und dadurch auch nachhaltigeren Leben. Und wer noch einige Schritte weiter gehen kann und möchte, entdeckt vielleicht auch den Frugalismus für sich.

Doch finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen, geht beim Frugalismus Hand in Hand mit dem Verzicht auf Dinge, die für viele Menschen zum Alltag dazugehören. Für mich etwa käme es nicht in Frage, mich jedes Mal auszuklinken, wenn Freunde einen Kaffee trinken gehen, abends zusammen ausgehen oder auch mal einen Wochenendtrip planen.

Frau sitzt auf einem Gelände und schaut über den See
Frugalismus kann ein Weg sein, sich bewusster mit den eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. © AscentXmedia / iStock / Getty Images Plus

Kaufentscheidungen nicht gleich vor Ort zu treffen, wenn einen im Modegeschäft oder im Möbelhaus etwas besonders anlächelt, ist schon eine leichtere Übung. Hierin verbirgt sich zudem nicht nur finanzielles Sparpotenzial, sondern auch die Möglichkeit, bewusster zu konsumieren und besser zu reflektieren, was man bereits alles besitzt.

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