Was sind nachhaltige Geldanlagen und wie unterscheiden sie sich? Pauline Bodinek Wer sein Geld nachhaltig anlegen möchte, findet heute deutlich mehr Möglichkeiten als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig ist die Auswahl unübersichtlicher geworden: Nicht alles, was «grün», «ESG» oder «Impact» heisst, hält auch, was es verspricht. Damit du fundierte Entscheidungen treffen kannst, lohnt sich ein genauer Blick auf Begriffe, Strategien, Produkte und den regulatorischen Rahmen in der Schweiz. Hier erfährst du, was nachhaltige Geldanlagen ausmacht, worin sich die wichtigsten Ansätze unterscheiden und welche Fragen dir bei der Auswahl wirklich weiterhelfen. 1 Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Nachhaltige Geldanlage lohnt sich – auch für die nächste Generation. © PeopleImages / iStock / Getty Images Plus An der Börse zählt längst nicht mehr nur die Frage, wie hoch die Rendite ausfällt oder wie stark ein Produkt schwankt. Viele Menschen möchten auch wissen, was ihr Geld in der realen Welt bewirkt. Gerade Eltern fragen sich oft, ob ihre Ersparnisse Unternehmen und Projekte unterstützen, die zu einer lebenswerten Zukunft beitragen – oder ob sie ungewollt in fossile Energien, problematische Lieferketten oder Rüstung fliessen. Genau hier setzt nachhaltige Geldanlage an. Sie verbindet klassische Finanzziele mit der Frage, wie Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung berücksichtigt werden. Wichtig ist aber: Nachhaltigkeit ist in der Finanzwelt kein automatisch einheitlicher Begriff. Darum lohnt sich eine nüchterne Prüfung statt schöner Werbeversprechen. Ähnlich wie Bio-Label im Supermarkt Orientierung schaffen sollen, haben sich auch im Finanzbereich verschiedene Ansätze entwickelt. Sie sollen dir helfen, nachhaltige von weniger nachhaltigen Angeboten zu unterscheiden. Anders als bei vielen Lebensmitteln gibt es im Finanzbereich aber bis heute keinen einzigen, allgemein verbindlichen Standard, der jede Frage abschliessend klärt. Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Geldanlage? Eine klassische Geldanlage wird vor allem nach Rentabilität, Liquidität und Sicherheit beurteilt. Nachhaltige Geldanlagen berücksichtigen zusätzlich ökologische, soziale und ethische Aspekte, also die sogenannten ESG-Kriterien. Diese drei Buchstaben stehen für Environment, Social und Governance – also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. Dazu gehören zum Beispiel der Umgang mit CO₂-Emissionen, Wasser oder Biodiversität, aber auch Arbeitsbedingungen, Menschenrechte, Vergütungssysteme, Korruptionsprävention und die Qualität der Kontrolle im Unternehmen. Wichtig zu wissen: ESG ist kein Gütesiegel. Ein Produkt mit ESG-Bezug kann sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Manche Fonds schliessen nur wenige problematische Branchen aus. Andere prüfen zusätzlich Lieferketten, Klimaziele oder Menschenrechtsrisiken. Wieder andere wollen mit dem investierten Kapital nachweislich positive Wirkung erzielen. Die Schweizerische Bankiervereinigung betont in ihren 2024 aktualisierten Leitlinien für Finanzdienstleistende, dass nachhaltigkeitsbezogene Präferenzen von Kundinnen und Kunden systematisch erfasst und bei der Beratung nachvollziehbar berücksichtigt werden sollen. Das ist ein wichtiger Fortschritt – denn nachhaltige Geldanlage beginnt nicht beim Produktnamen, sondern bei deinen Zielen und Werten. Auch aus wissenschaftlicher Sicht wird der Begriff präziser. Forschende der Universität Zürich und anderer Hochschulen weisen seit Jahren darauf hin, dass zwischen der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken, der Werteorientierung und dem Anspruch auf reale Wirkung unterschieden werden muss. Für dich als Anleger:in ist genau diese Unterscheidung zentral. Neben Positivkriterien gibt es bei nachhaltigen Geldanlagen auch Ausschlusskriterien. Fördert ein Unternehmen beispielsweise fossile Energien, Waffen, schwere Umweltverstösse oder Kinderarbeit, kann es je nach Strategie aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen werden. Wie streng diese Ausschlüsse sind, ist jedoch von Anbieter zu Anbieter verschieden. Wann ist eine Geldanlage nachhaltig? Verschiedene Investmentstrategien Begriffe wie «nachhaltig», «ökologisch» oder «sozial» werden bei Geldanlagen noch immer nicht völlig einheitlich verwendet. Genau deshalb ist es hilfreich, die wichtigsten Strategien zu kennen. Am bekanntesten ist der ESG-Ansatz. ESG-Investments werden in Bezug auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung geprüft und bewertet. Doch das ist nur ein Teil des Spektrums. Es gibt auch Ausschlussstrategien, Positivkriterien, Best-in-Class-Ansätze, Themenfonds und Impact Investing. Diese Methoden unterscheiden sich vor allem darin, wie streng sie vorgehen, was sie ausschliessen und ob sie eine messbare Wirkung anstreben. Hier findest du einen Überblick über nachhaltige Investmentstrategien: Wertbasierte Ausschlusskriterien Viele Anlegerinnen und Anleger wissen genau, was sie mit ihrem Geld nicht finanzieren möchten, etwa Waffen, Atomkraft, Tabak oder Alkohol. Durch sogenanntes Negativ-Screening können ETFs, Fonds oder Aktien solcher Branchen aus dem Portfolio ausgeschlossen werden. Der Nachhaltigkeitsanspruch ist hier oft begrenzt, aber der Ansatz ist leicht verständlich und für viele Menschen ein sinnvoller erster Schritt. Normbasierte Ausschlusskriterien Beim normbasierten Ansatz wird geprüft, ob Unternehmen internationale Mindeststandards einhalten. Typische Ausschlussgründe sind Menschenrechtsverletzungen, Korruption oder Kinderarbeit. Häufig beziehen sich Anbieter dabei auf internationale Rahmenwerke wie den UN Global Compact oder Normen der International Labour Organization. Positivkriterien Positiv-Screening funktioniert umgekehrt: Hier werden Unternehmen, Branchen und Projekte gezielt wegen positiver ESG-Merkmale ausgewählt. Das kann etwa ein glaubwürdiger Klimaplan, ein verantwortungsvoller Umgang mit Mitarbeitenden oder eine besonders transparente Unternehmensführung sein. Best-in-Class-Ansatz Der Best-in-Class-Ansatz sucht die an der Börse notierten Vorreiter einer Branche – auch wenn die Branche insgesamt nicht besonders nachhaltig ist. So kann etwa der aus Sicht des Ratings «beste» Autohersteller oder ein im Branchenvergleich führender Industriekonzern im Portfolio landen. Das kann sinnvoll sein, wenn du breite Marktabdeckung möchtest, ist aber nicht automatisch gleichbedeutend mit «grün». ESG-Kriterien Sogenannte ESG-Investments integrieren systematisch ökologische und soziale Faktoren sowie Aspekte guter Unternehmensführung in die Finanzanalyse. Dabei gewichten verschiedene Ratingagenturen und Anbieter die Kriterien unterschiedlich. Genau deshalb können ESG-Bewertungen desselben Unternehmens voneinander abweichen. Themenfonds Es gibt auch Fonds, die ihren Schwerpunkt auf ein explizites Nachhaltigkeitsthema legen, etwa erneuerbare Energien, Wasser, Energieeffizienz oder Kreislaufwirtschaft. Solche Fonds sind leichter zu verstehen, können aber stärker schwanken, weil sie weniger breit diversifiziert sind. Impact Investing Impact Investing steht auf der Skala nachhaltiger Anlagestrategien weit oben. Das Kapital fliesst gezielt in Projekte oder Unternehmen, die neben finanzieller Rendite eine messbare positive Wirkung erzielen sollen – zum Beispiel beim Ausbau erneuerbarer Energien, beim Zugang zu Bildung oder bei der Gesundheitsversorgung. Die wichtigsten Ansätze nachhaltiger Geldanlage auf einen Blick Damit du Begriffe schneller einordnen kannst, hilft eine einfache Orientierung: Nicht jede nachhaltige Geldanlage verfolgt dasselbe Ziel. Manche Produkte wollen Risiken aus Nachhaltigkeitsthemen besser erfassen, andere setzen vor allem deine Werte um, wieder andere wollen eine belegbare Wirkung erzielen. Ansatz Worum es geht Typische Stärke Worauf du achten solltest ESG-Integration Nachhaltigkeitsfaktoren werden in die Finanzanalyse einbezogen Berücksichtigt Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken systematisch ESG allein bedeutet nicht automatisch strenge Ausschlüsse oder messbare Wirkung SRI Oft strengere Auswahl mit ethischen, sozialen und ökologischen Vorgaben Häufig klarere Werteorientierung Der Begriff ist nicht einheitlich geschützt und wird unterschiedlich verwendet Ausschlüsse Bestimmte Branchen oder Praktiken werden ausgeschlossen Einfach verständlich, gut für klare persönliche Grenzen Ein Fonds kann trotz Ausschlüssen insgesamt nur begrenzt nachhaltig sein Best-in-Class Aus jeder Branche werden die relativ besten Unternehmen gewählt Breitere Diversifikation, auch in marktbreiten Strategien möglich Die «Besten» einer problematischen Branche sind nicht zwingend wirklich nachhaltig Themenfonds Fokus auf ein Nachhaltigkeitsthema wie Wasser, Klima oder Energie Leicht nachvollziehbarer thematischer Schwerpunkt Oft weniger breit gestreut und damit teils schwankungsanfälliger Impact Investing Anlage mit angestrebter und möglichst messbarer positiver Wirkung Stärkster Wirkungsanspruch Die Messung der Wirkung muss nachvollziehbar und transparent sein ESG-Integration – Nachhaltigkeitsfaktoren in der Finanzanalyse Bei der ESG-Integration werden Nachhaltigkeitsfaktoren nicht nur als moralische Zusatzinformation betrachtet, sondern als Teil der Risiko- und Chancenanalyse. Das ist auch deshalb relevant, weil Klimarisiken, regulatorische Veränderungen oder Menschenrechtsverstösse finanzielle Folgen haben können. Die FINMA weist in ihren Aufsichtsmitteilungen 2024 erneut darauf hin, dass Nachhaltigkeitsrisiken für Institute und Produkte sachgerecht erfasst und kommuniziert werden müssen. Für dich bedeutet das: ESG-Integration kann die Analyse verbessern, sagt aber noch nicht genug darüber aus, wie streng ein Produkt wirklich selektiert. SRI – oft strenger, aber nicht einheitlich verwendet SRI steht für «Socially Responsible Investing». In der Praxis ist damit oft eine strengere Form nachhaltiger Auswahl gemeint, zum Beispiel mit verbindlichen Ausschlüssen und zusätzlichen Positivkriterien. Allerdings ist der Begriff nicht überall gleich definiert. Ein SRI-Fonds kann deshalb sehr unterschiedlich aussehen. Wenn dir klare Werte wichtig sind, solltest du immer prüfen, welche Kriterien konkret angewendet werden. Ausschlüsse – was bewusst nicht ins Portfolio kommt Ausschlüsse sind besonders dann hilfreich, wenn du klare rote Linien hast. Viele Menschen möchten nicht in Kohle, Waffen, Tabak, schwere Verstösse gegen Arbeitsrechte oder gravierende Umweltzerstörung investieren. Der Vorteil: Du kannst relativ gut nachvollziehen, was ausgeschlossen wird. Der Nachteil: Ausschlüsse allein sagen noch wenig darüber aus, welche Unternehmen stattdessen aufgenommen werden. Best-in-Class – die Besten einer Branche, nicht zwingend «grün» Dieser Ansatz eignet sich vor allem für Menschen, die Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen wollen, ohne sich zu stark von breiten Marktindizes zu entfernen. Gleichzeitig ist wichtig, Missverständnisse zu vermeiden: Ein Best-in-Class-Fonds kann weiterhin in Branchen investieren, die ökologisch problematisch sind – einfach in jene Unternehmen, die dort vergleichsweise besser abschneiden. Themenfonds – Fokus auf ein Nachhaltigkeitsthema Themenfonds bündeln Kapital in Bereichen, die für die ökologische oder soziale Transformation wichtig sind, etwa Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft oder Wasserinfrastruktur. Das kann sinnvoll sein, wenn du einen klaren inhaltlichen Schwerpunkt setzen möchtest. Gleichzeitig solltest du wissen, dass ein Themenfonds nicht automatisch alle Nachhaltigkeitsfragen umfassend löst. Auch innerhalb eines Zukunftsthemas können Unternehmen problematische Lieferketten oder Governance-Mängel haben. Impact Investing – mit messbarer Wirkung Beim Impact Investing reicht es nicht, nur Risiken zu berücksichtigen oder problematische Branchen zu meiden. Der Anspruch ist höher: Das Investment soll eine positive Wirkung erzeugen, und diese Wirkung soll möglichst konkret definiert, gemessen und berichtet werden. Laut Swiss Sustainable Finance, Marktbericht 2024, wächst dieses Segment weiter, bleibt aber methodisch anspruchsvoll. Gerade deshalb ist Transparenz entscheidend: Welche Wirkung wird angestrebt? Woran wird sie gemessen? Und wäre sie ohne das Investment überhaupt entstanden? 3 Fragen zur Orientierung: Was ist dir bei deiner Geldanlage wichtiger? (1) Werte – dann sind klare Ausschlüsse oder SRI oft passend. (2) Wirkung – dann lohnt sich ein genauer Blick auf Impact-Ansätze und deren Wirkungsmessung. (3) Breite Marktabdeckung – dann können ESG- oder Best-in-Class-Produkte sinnvoll sein, wenn du ihre Grenzen kennst. Woran du nachhaltige Anlageprodukte in der Schweiz erkennst Gerade in der Schweiz lohnt sich ein genauer Blick auf Regulierung und Selbstregulierung. Denn für private Anleger:innen ist nicht nur wichtig, ob ein Produkt nachhaltig genannt wird, sondern warum und auf welcher Grundlage. Was FINMA unter irreführenden Nachhaltigkeitsversprechen versteht Die FINMA hat 2024 klargestellt, dass bei Finanzprodukten keine irreführenden oder unbelegten Nachhaltigkeitsangaben gemacht werden dürfen. Vereinfacht gesagt: Wo Nachhaltigkeit draufsteht, muss auch nachvollziehbar erklärt werden können, welche Strategie angewendet wird, welche Ziele verfolgt werden und wie diese überprüft werden. Für dich ist das besonders relevant, weil unklare Begriffe und vage Produktnamen ein typisches Einfallstor für Greenwashing sind. Ein Warnsignal ist zum Beispiel, wenn ein Fonds im Namen stark auf Nachhaltigkeit setzt, die Unterlagen aber kaum Auskunft über Ausschlüsse, Auswahlmethoden, Stimmrechtsausübung, Klimaziele oder Wirkungsmessung geben. Warum die AMAS-Selbstregulierung für Fonds wichtig ist Die Asset Management Association Switzerland (AMAS) hat ihre Selbstregulierung zu Transparenz und Offenlegung bei nachhaltigkeitsbezogenen Kollektivvermögen 2024 weiter konkretisiert. Für Fondsanbieter bedeutet das unter anderem, dass Nachhaltigkeitsbezüge nachvollziehbar beschrieben und die verwendeten Ansätze konsistent umgesetzt werden sollen. Für dich als Anleger:in ist das hilfreich, weil dadurch wichtige Fragen klarer beantwortet werden sollten: Welche Nachhaltigkeitsstrategie nutzt der Fonds? Wie verbindlich sind die Kriterien? Wie wird überwacht, ob sie tatsächlich eingehalten werden? Welche Rolle Swiss Sustainable Finance spielt Swiss Sustainable Finance, kurz SSF, ist keine Aufsichtsbehörde, aber eine wichtige Schweizer Fachstelle für Begriffe, Marktberichte und Einordnung. Wenn du dich tiefer einlesen willst, ist SSF besonders nützlich, um Definitionen zu vergleichen und die Entwicklung des Schweizer Markts besser zu verstehen. Der SSF-Marktbericht 2024 zeigt auch, dass der Markt differenzierter geworden ist: Nicht jedes nachhaltige Produkt ist automatisch gleich ambitioniert. Welche Fragen du vor dem Kauf stellen solltest Wenn du ein nachhaltiges Anlageprodukt auswählst, helfen dir vor allem diese Fragen: Welche Nachhaltigkeitsstrategie wird konkret angewendet – ESG, Ausschlüsse, SRI, Best-in-Class, Themenansatz oder Impact? Welche Branchen, Geschäftspraktiken oder Emittenten sind ausgeschlossen? Wie wird die Nachhaltigkeit überprüft – intern, extern oder über mehrere Datenquellen? Gibt es nachvollziehbare Berichte zu CO₂, Kontroversen, Stimmrechtsausübung oder Wirkung? Passt das Produkt zu deinem Zeithorizont, deinem Risiko und deinem Budget? Diese Fragen sind oft hilfreicher als jeder Werbeslogan. Denn nachhaltige Geldanlage soll nicht nur gut klingen, sondern zu deinen Zielen passen und transparent umgesetzt sein. Welche Anlageform passt zu welchem Ziel? Nicht jede Person hat dieselben Prioritäten. Vielleicht möchtest du mit kleinem Betrag starten, vielleicht suchst du vor allem Werteklarheit, vielleicht willst du eine möglichst messbare Wirkung erzielen. Eine gute Entscheidung beginnt deshalb nicht mit dem Produkt, sondern mit deinem Ziel. Wenn dir Werteorientierung wichtiger ist als maximale Marktabdeckung Dann sind Produkte mit klaren Ausschlüssen oder strengeren SRI-Kriterien oft passender als sehr breite ESG-Indizes. Sie grenzen problematische Branchen deutlicher aus und sind für viele Menschen leichter mit der eigenen Haltung vereinbar. Dafür kann die Auswahl des investierbaren Universums kleiner werden. Wenn du mit wenig Geld starten willst Für den Einstieg kommen oft breit gestreute nachhaltige Fonds oder ETFs infrage, weil du damit auch mit kleineren Beträgen diversifiziert investieren kannst. Achte dabei besonders auf Gebühren, auf die konkrete Nachhaltigkeitsmethodik und darauf, ob dir eher ein ESG-, SRI- oder Ausschlussansatz entspricht. Ein günstiger Fonds ist nicht automatisch die beste Wahl, wenn seine Nachhaltigkeitskriterien sehr oberflächlich sind. Wenn du gezielt Wirkung anstrebst Dann lohnt sich ein genauer Blick auf Impact Fonds, spezialisierte Anleihen oder andere Lösungen mit klar definierten Wirkungszielen. Hier ist besonders wichtig, dass die Wirkung nicht nur behauptet, sondern messbar beschrieben wird. Frage dich: Welche Kennzahlen werden genutzt? Wie oft wird berichtet? Und wird erklärt, weshalb das Investment tatsächlich etwas zusätzlich bewirkt? Welche nachhaltigen Geldanlagen gibt es? Nachhaltige Investmentstrategien gibt es also viele. Doch genug der Theorie – wo kannst du dein Geld nun konkret nachhaltig anlegen? Private Anleger:innen begegnen im Bereich der nachhaltigen Geldanlage zahlreichen Begriffen, Strategien und Produkten. Ihr gemeinsames Ziel ist es, ökonomischen Erfolg mit ökologischer und sozialer Verantwortung besser zu verbinden. Trotzdem unterscheiden sich die Produkte deutlich darin, wie konsequent sie Nachhaltigkeit umsetzen. Die folgenden Möglichkeiten hast du, um dein Geld nachhaltig zu investieren: Nachhaltiges Bankkonto Da Banken das Geld ihrer Kundinnen und Kunden in Form von Krediten an Institutionen und Unternehmen verleihen, lohnt sich vor der Kontoeröffnung ein Blick auf das Nachhaltigkeitsengagement einer Bank. Relevant sind etwa Finanzierungsrichtlinien, Klimaziele, der Umgang mit fossilen Energien und Transparenz in der Berichterstattung. Statt nur auf Werbeaussagen zu achten, ist es sinnvoll zu prüfen, wie konkret eine Bank ihre Nachhaltigkeitsziele belegt und ob sie dazu regelmässig berichtet. Nachhaltige Aktien Wenn du Aktien eines börsennotierten Unternehmens erwirbst, unterstützt du dessen Finanzierung zwar nicht immer direkt, aber du trägst zur Bewertung am Kapitalmarkt bei. Für eine nachhaltige Auswahl solltest du deshalb nicht nur auf das Geschäftsmodell schauen, sondern auch auf Klimastrategie, Lieferketten, Arbeitsrechte, Unternehmensführung und den Umgang mit Kontroversen. Ein häufiger Irrtum ist, dass einzelne «grüne» Produkte eines Unternehmens automatisch die ganze Firma nachhaltig machen. Entscheidend ist das Gesamtbild. ESG-Fonds Nachhaltige Fonds lassen sich oft an Begriffszusätzen wie SRI, ESG, Sustainable oder Impact erkennen. Doch der Name allein genügt nicht. Wichtig ist, ob der Fonds nur ESG-Risiken integriert, problematische Branchen ausschliesst oder darüber hinaus klare Nachhaltigkeitsziele verfolgt. Ein Indexfonds oder ETF kann nachhaltig ausgerichtet sein, wenn er einen entsprechend konstruierten Index nachbildet, der etwa Waffen, Tabak oder fossile Energien ausschliesst oder Best-in-Class-Unternehmen auswählt. Aktiv gemanagte Fonds können darüber hinaus gezielter selektieren, sind aber in der Regel teurer. Höhere Kosten sind nur dann sinnvoll, wenn die Strategie nachvollziehbar und qualitativ überzeugend umgesetzt wird. Green Bonds Mit sogenannten Bonds, also Anleihen, investierst du in Staaten, Unternehmen oder andere Emittenten. Bei Green Bonds verpflichtet sich der Geldnehmende, das Kapital für klar definierte Umweltprojekte einzusetzen – etwa für erneuerbare Energien, Energieeffizienz oder nachhaltige Infrastruktur. Wichtig ist auch hier die Transparenz: Gute Green-Bond-Rahmenwerke legen offen, welche Projekte finanziert werden, wie Mittel verwendet werden und wie über Ergebnisse berichtet wird. Der Begriff «grün» allein ist noch kein Qualitätsnachweis. Impact Fonds Impact Fonds gehen in Sachen Nachhaltigkeit über viele ESG-Fonds hinaus. Denn zusätzlich zur Auswahl nach Nachhaltigkeitskriterien verfolgen sie konkrete Wirkungsziele und orientieren sich dabei häufig an den Sustainable Development Goals. Für dich sind sie besonders interessant, wenn du nicht nur Risiken vermeiden, sondern positive Veränderungen gezielt unterstützen möchtest. Tipp: Nachhaltige Geldanlage ist komplex. Wenn du noch wenig Erfahrung mit ETFs, Fonds, Aktien oder Anleihen hast, kann ein Gespräch mit einer unabhängigen Expert:in helfen. Gute Beratung erkennt man daran, dass sie zuerst nach deinem Zeithorizont, deiner Risikobereitschaft und deinen Nachhaltigkeitszielen fragt – und nicht sofort ein einzelnes Produkt empfiehlt. Typische Missverständnisse bei nachhaltigen Geldanlagen Rund um nachhaltiges Investieren halten sich einige Missverständnisse hartnäckig. Diese Einordnung hilft dir, typische Denkfehler zu vermeiden: «ESG heisst automatisch nachhaltig.» Nicht unbedingt. ESG kann auch bedeuten, dass Nachhaltigkeitsrisiken nur in die Analyse einfliessen. «Ein nachhaltiger Fonds hat sicher messbare Wirkung.» Nein. Wirkung ist vor allem beim Impact Investing ein zentrales Kriterium und muss nachvollziehbar belegt werden. «Ausschlüsse reichen immer aus.» Ausschlüsse sind wichtig, sagen aber noch wenig darüber aus, welche Unternehmen aktiv bevorzugt werden. «Nachhaltige Geldanlage ist nur etwas für vermögende Menschen.» Auch mit kleineren Beträgen kannst du heute breit gestreut einsteigen, etwa über Fonds oder ETF-Sparlösungen.