Impact Investing: Geld anlegen und vermehren, aber bitte nachhaltig

Beim Impact Investing können Sie Geld renditestark anlegen und damit Hilfs- und Umweltprojekte unterstützen. In der Schweiz steigt das Interesse an Impact Investing. Was soziales und ökologisches Anlegen so nachhaltig macht.

Impact Investing: Definition der nachhaltigen Geldanlage und Entwicklung in der Schweiz
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Impact Investing ist ein relativ junger Begriff am Geldmarkt. 2007 wurde er erstmals von der US-amerikanischen Rockefeller-Stiftung ins Leben gerufen.

Heute in den USA bereits ein boomender Markt, ist das Ganze in Europa und der Schweiz zwar noch in den Kinderschuhen, aber mit stark steigendem Interesse, sowohl von institutioneller wie auch privater Seite.

Ziel von Impact Investing

Impact Investing bedeutet «wirkungsvolles Investieren». Per Definition und Intention wird dabei  Geld ausnahmslos Unternehmen oder Initiativen zur Verfügung gestellt die den Zweck haben, gesellschaftliche, soziale oder Umweltprobleme zu lösen.

Impact Investing: Definition der nachhaltigen Geldanlage und Entwicklung in der Schweiz

Fot: ©subman/E+

Impact Investing vs. nachhaltige Investments

Nachhaltige Investments wirken eher indirekt, etwa mit dem Ziel, Kinderarbeit auf Plantagen abzuschaffen, bessere Löhne für die Armen in den Entwicklungsländern zu erlangen oder den CO2-Ausstoss zu verringern.

Mit dem Impact Investing wollen Investoren Konkretes angehen und zwar die dringlichsten Probleme auf dieser Welt.

Olivier Rousset von der Credit Suisse, die eine eigene Abteilung für nachhaltige Investitionen eingerichtet hat, vergleicht:

«Impact Investing und nachhaltige Anlagen wirken sich beide positiv auf die Gesellschaft oder die Umwelt aus – bei gleichzeitiger Erzielung von Anlagerenditen. Es bestehen jedoch einige Unterschiede.»

Transparenz im Impact Investing

Impact Investing setzt sich mit einer ganz bestimmten Wirkung auseinander. «Der Anleger muss genau wissen, wohin das Geld geht, wofür es eingesetzt wird, und die Wirkung ist dem Anleger anhand von speziellen Messgrössen anschliessend zu berichten», sagt Rousset. 

Im Hinblick auf das Kapital konzentriert sich Impact Investing in der Regel auf privates Beteiligungskapital und private Kreditvergaben durch Fonds, Versicherungen oder Pensionskassen. Dagegen decken nachhaltige Anlagen alle an der Börse kotierten Anlageklassen ab.

Eine gute Idee kann reichen

Mit Impact Investing unterstützen Anleger Firmen oder Initiativen und sogar engagierte Privatpersonen mit einer guten Idee, die in Entwicklungsländern direkte Massnahmen ergreifen, um das Leben dort zu verbessern, und gleichzeitig finanzielle Erträge zu bringen.

Impact Investing: Definition der nachhaltigen Geldanlage und Entwicklung in der Schweiz

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Solche Aufgaben waren bis dato meist Wohltätigkeitsorganisationen mit erhaltenen Spenden vorbehalten.

Julia Balandina Jaquier von der Credite Suisse, erklärt «Impact Investing verfolgt nicht die Absicht, Spenden zu verdrängen. Es handelt sich vielmehr um ein ergänzendes Instrument.» 

Indem man Geld bei Geschäftsmodellen anlegt, die beispielsweise Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung oder sanitäre Einrichtungen schaffen, kann man dazu beitragen, dass knappe, für wohltätige Zwecke verfügbare Gelder und staatliche Budgets in den verbleibenden Bereichen eingesetzt werden.

Risiken von nachhaltigen Investments und wie Sie diese vermeiden

Impact Investing: Definition der nachhaltigen Geldanlage und Entwicklung in der Schweiz

Bildunterschrift

Erfahren Sie mehr zum Thema nachhaltige Investments und warum sie ein geringeres Risiko für Ihr Geld bedeuten. Wie Sie sich als privater Anleger vor Fehlinvestitionen schützen können, sagt Robert Haßler, Vorstand der unabhängigen Ratingagentur oekom research im Interview. Und erfahren Sie, warum Anleger sich immer öfter für nachhaltige Investments entscheiden.

«Das spannende an Impact Investing ist, dass es Marktlösungen unterstützt, denen man zutraut, einige der gesellschaftlichen Probleme effektiver anzugehen als Wohltätigkeitsorganisationen», sagt Julia Balandina Jaquier.

Konkrete Hilfe, wo sie gebraucht wird

Anlagen zur Trinkwasseraufbereitung installieren, in Afrika Schulen bauen oder in der Mongolei die Lebensbedingungen der Einwohner verbessern und Umweltschutzmassnahmen ergreifen – solche und weitere Projekte werden mit dem Geld der Anleger finanziert. Weiter werden mit dem angelegten Geld wirkungsvolle Mikrokredite vergeben.

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Bezahlbarer Wohnraum durch Impact Investing

Doch nicht nur in Entwicklungprojekte wird investiert. Ein wirkungsvolles Investment kann auch bezahlbarer Wohnraum in europäischen Ballungszentren sein oder es werden Job-Initiativen in trostlosen, von Arbeitslosigkeit und Armut geprägten einstigen Kohleabbaustädten in den USA gegründet.

Es gibt bereits einen Verbund der sozial- und umweltengagierten Anleger: Das 2009 gegründete Global Impact Investing Network, kurz GIIN, das sich für dieses Geldanlagesystem engagiert und Masstäbe setzt. Hier sind unter anderem Banken wie die UBS, Credit Suisse, Deutsche Bank oder Goldman Sachs engagiert.

Millennials setzten auf Impact

Renditen dürfen und sollen die Geldanlagen durchaus erwirtschaften. Doch für viele Privatinvestoren mit ihrem sozialen und ökologischen Gewissen ist dies oftmals zweitrangig. Der messbare Nutzen für Mensch und Umwelt steht für die Anlegerschaft im Vordergrund. Diese, so das Handelsblatt, würden vornehmlich aus der jungen Generation der Millennials stammen.

Was Impact Investing zudem und für den kleinen Geldbeutel attraktiv macht: Es gibt Plattformen, aber auch Banken wie die Credit Suisse, die in Mikrofinanzierungen investieren.

Impact Investing wächst auch in der Schweiz

Anlagegesellschaften und Banken – auch in der Schweiz – sehen hier einen grossen Trend und einen unermesslich grossen Markt. Zwar seien erst 114 Milliarden Dollar in Impact-Investing Projekte geflossen – 8‘000 Projekte sollen es sein –, doch alleine 2017 wäre eine Steigerung von 17 Prozent zu verzeichnen.

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen, kurz FNG, beziffert die Impact Investments in Deutschland, Österreich und der Schweiz für 2014 auf 10,1 Milliarden Euro (etwa 12 Milliarden Franken). Für 2015 wurden bereits 14,9 Milliarden Euro (17,8 Milliarden Franken) verzeichnet. Tendenz steigend.

Quellen: forum-fng.org, robecosam.com, ubs.com, thegiin.org, fundresearch.de, handelsblatt.de, credit-suisse.com

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann