Sicher und sinnvoll investieren mit nachhaltigen Geldanlagen

Die Zahl der nachhaltigen Geldanlagen wächst. Und das aus gutem Grund, meint Robert Haßler, Vorstand der Ratingagentur oekom research. Welche Vorteile «grüne» Investments haben, und wie private Anleger sich vor Fehlinvestitionen schützen können, erklärt der Experte für nachhaltige Geldanlagen im Interview.

Wie Sie sicher und nachhaltig investieren erklärt Finanzexperte Robert Haßler
Bei nachhaltigen Geldanlagen stimmt beides: Die Ethik und die Rendite. Foto: denphumi, iStock, Thinkstock
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Gegen nachhaltige Geldanlagen besteht das Vorurteil, dass sie niedrigere Renditen aufweisen als konventionelle Investments. Wie beurteilen Sie das, Herr Haßler?

Werden sehr strenge Kriterien für Nachhaltigkeit angesetzt, können Investitionsmöglichkeiten stark eingegrenzt werden. In diesem Fall kann man nur noch mit viel Glück eine gute Performance erreichen. Wenn Investoren die Kriterien für Nachhaltigkeit jedoch breiter ansetzen, zeigen diverse Studien, dass ein unter Nachhaltigkeitsaspekten festgesetztes Portfolio* mindestens genauso gut abschneidet wie ein konventionelles.

Ihre aktuelle Studie zum Thema «Doppelte Dividende mit Nachhaltigkeitsratings» zeigt, dass nachhaltige Investments in vielen Fällen sogar mehr Rendite erwirtschaften. Warum ist das so?

Persönlich denke ich, dass Unternehmen, die sich der Nachhaltigkeit mehr annehmen, einfach besser sind. Sie gehen Entwicklungen aktiv an und erarbeiten sich so einen Vorteil auf dem Markt, der langfristig zu einer besseren Performance führt.

Können Sie allgemeine Empfehlungen abgeben, wie Investoren mit nachhaltigen Investments eine höhere Rendite erwirtschaften?

Investoren sollten den Begriff Nachhaltigkeit bei der Auswahl des Portfolios relativ breit ansetzen, das heisst, mit durchaus strengen und ambitionierten Nachhaltigkeitsfiltern in die besten Unternehmen aus möglichst vielen Branchen investieren.

Neben der Rendite ist gerade für private Anleger das Risiko ein wichtiges Kriterium. Wie können Risiken bei nachhaltigen Geldanlagen minimiert werden?

Man sollte in einen ausgewogenen Mix von nachhaltigen Geldanlagen investieren. Anleger sollten sich nicht nur auf einen Bereich konzentrieren, wie zum Beispiel nur die Windenergie. Besser ist es, sehr breit in mehrere Branchen zu investieren.

Über eine potenziell höhere Rendite hinaus, welche weiteren Vorteile haben nachhaltige Geldanlagen?

Viele! Private Anleger können etwa bei einer nachhaltigen Geldanlage die eigenen Werte mit einfliessen lassen. Und letztlich ist jeder Anleger auch Teil einer Hebelwirkung. Wenn Investoren nur noch Aktien kaufen, die bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, dann bewegt sich auch in der Wirtschaft etwas im Bezug auf Nachhaltigkeit.

Wo liegen die Nachteile nachhaltiger Investments?

Für private Investoren ist es schwierig, dass Nachhaltigkeit als Wort oft missbraucht wird. Unter dem Begriff Nachhaltigkeit wird viel subsumiert. Darum besteht die Gefahr, dass Geldanlagen als nachhaltig ausgegeben werden, ohne tatsächlich die Erwartungen an ein nachhaltiges Investment zu erfüllen.

Wie können Anleger sich davor schützen?

Man kann sich inzwischen auf vielen Internetseiten informieren. Das bedeutet zwar einen gewissen Aufwand, aber es lohnt sich. Es gibt Datenbanken, bei denen man bereits 300 nachhaltige Fonds im Bezug auf ihre Kriterien und die Performance vergleichen kann. Zusätzlich wird daran gearbeitet, ein Qualitätslabel für nachhaltige Fonds zu entwickeln.

Helfen Studien wie die der oekom research, die Vorteile nachhaltiger Geldanlagen besser zu erkennen und Vorurteile abzubauen?

Davon sind wir absolut überzeugt. Solche Studien sind eine wichtige aufklärerische Arbeit.

Robert Haßler
Robert Haßler ist Vorstand von oekom research. Die unabhängige Rating-Agentur ist auf nachhaltige Geldanlagen spezialisiert.

 

* Ein Bündel von Investitionen, das nach vorher festgesetzten Kriterien ausgewählte Geldanlagen enthält