Durchblick im Biolabel-Dschungel: Wie gut sind Schweizer Siegel?

Stehen Sie im Supermarkt auch manchmal etwas verloren vor dem Dschungel an Bio-Labels? Hier ein schneller Überblick dazu, welche Richtlinien Schweizer Siegel haben und wie sie im Vergleich zu denen aus Deutschland und der EU abschneiden.

Bio Label in der Schweiz: Welche sind im Vergleich die besten?
Foto: © TaiChesco / iStock / Thinkstock
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Grösstes Bio-Label der Schweiz: Das steckt hinter der Knospe

Die Knospe von Bio Suisse ist wohl das bekannteste und am weitesten in der Schweiz verbreitete Bio-Label. Darüber hinaus gibt es für viele andere Labels die Richtlinien vor, der im Vergleich ziemlich hoch ist. Hier darf bei der Produktion etwa keinerlei Gentechnik eingesetzt werden, Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel sind tabu. Auch synthetische Aromen oder Farbstoffe gelten als verboten.

Nachhaltigleben

Zudem dürfen von Bio Suisse zertifizierte Produkte keine Zutaten enthalten, die mit dem Flugzeug in die Schweiz transportiert wurden. Neben biologischem Anbau wird zudem auf Tierwohl und fairen Handel geachtet. Zwei unabhängige Institute überprüfen die Einhaltung der vorgegebenen Bio-Label-Richtlinien.

Nur, wenn die Produkte zu 90 Prozent im Inland produziert und verarbeitet wurden, dürfen sie mit dem Knospenlogo sowie dem Titel «Bio Suisse» vertrieben werden. Sind mehr als 10 Prozent aus dem Ausland, steht hier lediglich «Bio». Das gilt selbst, wenn die Bestandteile, wie Zutaten einer Gewürzmischung oder ein Fertiggericht, nach den eigenen Richtlinien der Marke produziert wurden.

Strenger ist wohl keiner: Demeter verbietet auch Hilfsstoffe

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Noch etwas älter und strenger als die Knospe ist die Bio-Zertifizierung von Demeter. Der Schweizer Demeter-Verband setzt auf eine biologisch-dynamische Landwirtschaft, die möglichst im Einklang mit der Natur arbeitet. Dies beinhaltet unter anderem, dass etwa Gewächshäuser im Frühjahr grundsätzlich nicht geheizt werden dürfen. 

Auch werden bei Demeter nur fertige Lebensmittel mit dem Bio-Label ausgezeichnet, die ohne jegliche Hilfsstoffe auskommen. Der Verband selbst nennt hier verdickendes Milchpulver für den Joghurt sowie eingesetzte Backtriebstoffe oder Mikrowellenbestrahlung von Lebensmitteln als nicht erlaubt. Nur das Flugverbot, wie es bei Bio Suisse besteht, ist bei Demeter in Ausnahmen aufgehoben.

Von Migros Bio bis Naturaplan: Was können Eigenmarken?

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Die Eigenmarke von Coop, Naturaplan, zertifiziert seine Produkte nach den Bio Suisse-Richtlinien. Auch das Bio-Label von Manor, «Bio natur plus», entspricht den Bio Suisse-Vorgaben und die Ansprüche an Produktion wie Endprodukt sind identisch.

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Für inländische Produkte gilt bei Migros Bio ebenfalls der Knospe-Standard. Bei Lebensmitteln aus dem Ausland sieht es aber anders aus. Hier werden nur die in der EU geltenden Anforderungen an die Bio-Produktion erfüllt, die laut greenpeace.org deutlich unter denen von Bio Suisse liegen.

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Bei einem Bio-Label-Check des WWF schneidet Migros Bio trotzdem noch als sehr empfehlenswert ab, ebenso wie eine Discountermarke, nämlich Biotrend von Lidl. Noch als empfehlenswert gelten für die Umweltschutzorganisation Produkte mit dem Siegel von Bioland, TerraSuisse und utz certified-Produkte, die jedoch in so einigen Punkten mit vielen Bio-Labels nicht mithalten können.

Bio-Label für Fleisch und Eier: KAG Freiland sorgt für das meiste Tierwohl

Speziell auf Fleisch und Eier konzentriert sich die Bio-Label-Vergabe von KAG Freiland. Hier werden die Bio Suisse-Richtlinien übererfüllt. Denn KAG Freiland fordert noch weitaus mehr.

So ist die Gruppenhaltung von Tieren hier obligatorisch und die Platzvorgaben übertreffen die von Bio Suisse. Die Tiere erhalten zudem täglich Auslauf, der im Sommer auf die Weide führt. Damit ist das KAG Freiland-Label zumindest bei Fleisch und Eiern das strengste in der Schweiz. Und über die Grenzen hinaus.

Bio-Label aus dem Ausland: Sind Schweizer Siegel besser?

Nicht nur bei Lidl oder Aldi, sondern auch bei Migros und Coop kann man das EU-Biolabel auf immer mehr Produkten finden. Das grüne Siegel mit weissen Sternen, die in Blattform aufgedruckt sind, verbietet etwa den Einsatz von Herbiziden und Pestiziden. Weiterhin dürfen maximal 0,9 % gentechnisch veränderte Bestandteile enthalten sein und es müssen mindestens 95 % des Inhalts eines Produkts aus dem Öko-Anbau stammen.

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Ähnliche Voraussetzungen fordert ein weiteres Bio-Label aus dem Ausland. Das weiss-grün-rote Label mit dem Untertitel «nach EG-Öko-Verordnung» wird oft ebenfalls als europäisches Bio-Label angesehen. Tatsächlich ist es das deutsche Bio-Label. Auch hier dürfen maximal fünf Prozent des Inhalts konventionell erzeugt werden. Strenger als das europäische Bio-Label ist dieses hier bei der Tierhaltung. So sind grössere Ställe gefordert und der Einsatz von Antibiotika ist verboten. Auch wird den Landwirten eine sinnvolle Fruchtfolge auf ihren Äckern vorgegeben.

Mit den besten Schweizer Siegeln können diese Bio-Label aus dem Ausland jedoch kaum mithalten. Bei einem Vergleich auf labelinfo.ch zeigt sich der Unterschied deutlich. Insgesamt bewertet, schaffen es die EU-Siegel lediglich auf ein «bedingt empfehlenswert», während die gängigen Schweizer Label fast durchweg mit «ausgezeichnet» oder «sehr empfehlenswert» abschneiden.

Wenn Sie die einzelnen Bio-Label selbst noch genauer miteinander vergleichen möchten, finden Sie Bewertungen mit Aufspaltung in diverse Kriterien auf labelinfo.ch.

Quellen: wwf.ch, SRF, coop.ch, naturaplan.ch, bio-suisse.ch, demeter.ch; Logos: Migros, Coop, Europäische Kommission, Demeter, Bio Suisse

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann

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