Warum das 3-Tage-Wochenende nachhaltig, gesund und rentabel ist

Montag früh wünschten Sie oft das Wochenende wäre noch einen Tag länger? Ihrer Gesundheit und der Umwelt würde das jedenfalls gut tun. Aber von einem 3-Tage-Wochenende profitiert tatsächlich auch Ihr Arbeitgeber.

Arbeitsplatz der Zukunft: 3-Tage-Wochenende ist nachhaltig
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Die Anforderungen an Mitarbeiter werden in vielen Berufen immer komplexer. Für viele reicht nach einer stressigen Arbeitswoche das Wochenende heute daher kaum noch, um sich richtig zu erholen. Eine Folge davon ist, dass die Arbeit immer häufiger krank macht und im schlimmsten Fall zum Burnout führt, wie auch Studien beweisen.

«1 Million Menschen mit Gesundheitsproblemen wegen der Arbeit» titelte etwa der Schweizer Gewerkschaftsbund in einer Meldung über das Ergebnis einer Arbeitnehmerstudie des Bundesamtes für Statistik (BfS). Übliche Berufs- oder Arbeitsunfälle wurden hier genauso dokumentiert, wie etwa Herzerkrankungen oder psychische Belastungen und Burnouts.

19 Prozent der Befragten gaben dabei an, dass sie aufgrund ihrer Arbeit unter Stress, Depressionen oder Angst leiden würden. 11 Prozent führten zudem andere arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme auf. Viele von ihnen wurden aufgrund der Belastungen in ihrem Job bereits krankgeschrieben.

Doch kann einfach weniger arbeiten die Lösung sein? Ja, sagen Wissenschaftler.

Weniger arbeiten macht produktiver

Mehrere Untersuchungen und Praxisbeispiele belegen, dass weniger Arbeit mehr Produktivität bedeutet. Dabei führt ein 6-Stunden-Arbeitstag genauso zum Erfolg wie eine 4-Tage-Woche. So haben im schwedischen Göteborg Pflegeeinrichtungen und einige Unternehmen in einem zweijährigen Modellversuch die tägliche Arbeitszeit auf sechs Stunden bei vollen Bezügen reduziert. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Effektivität der geleisteten Arbeit stieg messbar und die Krankentage ging deutlich zurück, wie der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Daniel Benmar, im österreichischen Standard berichtet.

Der finanzielle Haken auf Arbeitgeberseite an der Sache: Die Stadt zahlt etwa 800'000 Euro – etwa 870'000 Franken – mehr an Personalkosten für zusätzlich eingestellte Arbeitnehmer. Hiervon können allerdings bereits nach einem Jahr 200'000 Euro oder 218'000 Franken an Kosten für einen geringeren Krankenstand abgezogen werden.

Vorreiter in Göteborg ist übrigens Toyota. Dessen Service-Center hat bereits 2002 den 6-Stunden-Arbeitstag eingeführt. Und die positiven Effekte, wie motivierte Mitarbeiter, geringere Fluktuationen und einfache Mitarbeitergewinnung, haben die Geschäftsführung inzwischen langfristig von dem Modell überzeugt.

Auch das US-Softwareunternehmen Basecamp setzt auf eine Arbeitszeitverkürzung, zumindest zwischen Mai und Oktober. Die Firma führte bereits vor Jahren eine 4-Tage-Arbeitswoche ein. Und das erfolgreich, wie CEO und Gründer Jason Fried der New York Times bestätigte.

3-Tage-Wochenende schont die Umwelt

Dass ein längeres Wochenende gut für die Umwelt ist, beweist eine Aktion des US-Bundesstaates Utah. Dieser führte für seine Staatsbediensteten im Jahr 2008 eine Vier-Tage-Woche ein. Ziel war es, Energiekosten und CO2 einzusparen. Bei gleicher Wochenstundenzahl wurde der Freitag zum freien Tag erklärt.

Das Ergebnis war erstaunlich. So wurden alleine in den ersten 10 Monaten 1,8 Millionen US-Dollar an Kosten für Heizung, Licht und Klimatisierung eingespart. Hinzu kam, dass etwa 12'000 Tonnen CO2 weniger in die Umwelt gelangten. Unter anderem, weil die vielen pendelnden Staatsbediensteten am Freitag nicht ins Büro fahren mussten und Behördenfahrzeuge stehenblieben.

Allerdings wurde die Massnahme 2011 dennoch wieder beendet. Zahlreiche Beschwerden aus der Bevölkerung gingen ein, weil freitags geschlossen war.

Vor- und Nachteile für den Arbeitgeber

Effektiveres arbeiten, gesteigerte Motivation der Mitarbeiter, rückläufige Krankentage und Vorteile beim Recruiting stehen für Arbeitgeber auf der Positvliste. Diese können eventuell sogar einen Teil der Mehrkosten auffangen, die vielleicht mit der kurzen Woche verbunden wären.

Nachteile sind nämlich etwa in einem erhöhten Verwaltungsaufwand zu sehen, wenn es durch die Kurzarbeit mehr Mitarbeiter braucht. Das schlägt zudem mit erhöhten Personalkosten zu Buche, sollten die Angestellten trotz kürzeren Arbeitszeiten gleich wie bisher entlohnt werden.

Ein möglicher Kompromiss wäre für manche Arbeitnehmer eventuell, zumindest auf etwas Geld zu verzichten, wenn sie weniger arbeiten. Dafür schaffen sie effektiver und holen den Rest der Mehrkosten so vielleicht wieder raus.

Quellen: Derstandard.at, sgb.ch, Daily Mail, Forbes.com, New York Times, Bloomberg.com

Autor: Jürgen Rösemeier-Buhmann