Minimalismus: Wie du nach dem Motto «weniger ist mehr» lebst

Minimalismus bedeutet nicht, deine Wohnung von heute auf morgen leer zu räumen oder dich von Dingen zu trennen, an denen du hängst. Der Kern des minimalistischen Lebensstils liegt vielmehr darin, für dich selbst zu erkennen, was du wirklich brauchst. Welche Methoden dir dabei helfen und wie Ausmisten sinnvoll und einfacher von der Hand geht.

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Minimalismus beudetet, sich auf das Wesentliche zu konzentireren. Foto © KatarzynaBialasiewicz / iStock / Getty Images Plus
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Minimalismus Definition | Vorteile von Minimalismus | Wie fange ich mit Minimalismus an? | Nachhaltig ausmisten | Minimalistisch leben leicht gemacht | Minimalistische Wohnung: Ein Erfahrungsbericht

Ein überquellender Kleiderschrank kann einem schon früh am Morgen den ersten Nervenzusammenbruch bescheren, das Kosmetik-Chaos in der Dusche erschwert das Putzen enorm und die heimatlosen Dateien auf dem Desktop lösen schnell Panik aus. Denn überall, wo zu viel herumsteht oder -liegt, verlieren wir den Überblick. Das sorgt für Stress und schnell sehnt man sich nach weniger – oder eben nach «mehr» Minimalismus.

Minimalismus als Lebensstil – was bedeutet das?

Doch bevor es gleich Ratschläge hagelt – was bedeutet es eigentlich, minimalistisch zu leben? Macht eine ordentliche Wohnung ohne Krimskrams mich schon zur Minimalist*in? Ich würde sagen: Nein. Minimalistisch zu leben bedeutet mehr, als regelmässig auszumisten.

Minimalismus lässt sich als Gegenkonzept zu Konsumwahn und Materialismus verstehen. Entrümpeln und Ordnung schaffen gehört hier zwar definitiv dazu, aber auch ein bewusster Konsum und Verzicht auf Unwesentliches machen einen minimalistischen Lebensstil aus. Wer also ständig shoppt aber auch regelmässig ausmistet, lebt nicht minimalistisch.

Der Grundgedanke liegt darin, das eigene Wohlbefinden nicht von Überfluss und materiellen Dingen abhängig zu machen. Minimalismus soll dabei helfen, den Fokus auf das Wesentliche zu richten und dadurch das eigene Wohlbefinden zu steigern.

Die Vorteile von Minimalismus liegen auf der Hand

Weniger Zeug bedeutet mehr Zeit. Warum? Ganz einfach: Ein minimalistischer Kleiderschrank erleichtert die morgendliche Auswahl der Klamotten. Leere Flächen sind schneller geputzt als vollgestellte Ablagen und Regale. Und in einer ordentlichen Schublade findest du schneller den Schlüssel oder das Portemonnaie.

Bewusster einzukaufen bringt den angenehmen Nebeneffekt mit sich, dass man Geld spart. Das wiederum kann in immaterielle Dinge wie Reisen oder finanzielle Sicherheit investiert werden.

Obendrein kann Besitz auch belastend sein. Etwa dann, wenn Dinge repariert und gewartet werden müssen. Und je mehr wir davon haben, um umso mehr müssen wir uns kümmern.

Wie fange ich mit Minimalismus an? 4 Methoden

Das tönt schön und gut – aber wie werde ich jetzt minimalistischer? Sich von Dingen zu trennen, wirkt zwar befreiend, kann aber gleichzeitig unheimlich schwerfallen.

Zum Glück gibt es einige Methoden, die dabei helfen, mehr Minimalismus in die eigene Wohnung und in den Alltag zu bringen. Am besten entscheidest du dich für eine der Methoden, die dir am meisten zusagt und ziehst diese durch.

1 Die Korb-Methode

Kennst du die grossen Shopping-Bags, die bei vielen Fashion-Riesen im Eingangsbereich hängen? Nach diesem Shopping-Bag-Prinzip gehst du nun mit einem grossen Korb oder einer Kiste durch deine Wohnung und sammelst Dinge ein.

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Foto © undefined undefined / iStock / Getty Images Plus

Allerdings anders als beim Einkaufen nur solche, die dir nicht wirklich gefallen, die im Weg stehen oder die du nicht nutzt. Das machst du nun fünf Tage lang jeden Abend einmal und sammelst alle Korbladungen an einem Ort.

Am Ende der Woche wirst du sehen, was du alles besitzt, obwohl du es nicht brauchst. Wohin nun mit den überflüssigen Dingen? Die Tipps findest du weiter unten.

2 Leben aus dem Karton

Die Karton-Methode hilft, mehr Minimalismus zu erlangen
Foto © BakiBG / iStock / Getty Images Plus

Wenn du sicher sein willst, dass du beim Ausmisten an alles denkst, ist die Karton-Methode die beste Wahl. Sie mag zwar erst einmal mühsam scheinen, doch damit startest du dein Minimalismus-Projekt besonders durchdacht. So gehst du vor:

1. Räume Zimmer für Zimmer alles (ja, wirklich alles) was du besitzt in Umzugskartons. Tipp: Beschrifte die Kartons, damit du später nichts suchen musst.

2. Stelle die Kartons jeweils in das Zimmer, in dem du sie brauchst. Also den Karton mit den Küchenutensilien in die Küche und so weiter.

3. Und los geht’s: Nun lebst du die nächsten Tage – oder besser Wochen – aus den Kartons. Alles, was du benutzt, muss danach nicht zurück in den Karton, sondern darf wieder eingeräumt werden.

4. Was am Ende deiner selbst gesetzten Frist übrig bleibt, kannst du aussortieren. Wenn du sicher gehen willst, dass dir etwas nicht doch irgendwann fehlen wird, kannst du die Kartons auch noch für einen Monat in den Keller stellen. Aber dann: Weg damit!

Bei dieser Methode musst du bedenken, dass es je nach Jahreszeit Dinge gibt, die du gerade nicht brauchst. Wie etwa die Winterjacke im Sommer oder die Sandalen im Winter. Diese Dinge lässt du bei der Karton-Methode am besten aus.

3 Mehr Minimalismus mit der KonMarie-Methode

Von Marie Kondo hast du bestimmt schon einmal gehört oder sogar ihre Netflix-Serie gesehen. Die Ordnungs-Expertin geht beim Ausmisten nach folgendem Prinzip vor: Alles, was einem Freude bereitet, darf bleiben.

Aufräumen nach der KonMarie-Methode
Foto © Kostikova / iStock / Getty Images Plus

Dafür gehst du am besten Raum für Raum und Schrank für Schrank durch. Bücher, Kleidungsstücke, Elektrogeräte & Co., die keine positiven Gefühle bei dir auslösen und die du nicht brauchst, sortierst du so ganz bewusst Schritt für Schritt aus. Und alles, was du behältst, bekommt einen festen Platz.

4 Die Haufen-Methode

Die Haufen-Methode kannst du gut mit einer der vorhergegangenen kombinieren. Denn dafür legst du alles, was du aussortiert hast, auf einen Haufen.

Der Moment der Wahrheit wird wehtun, aber so führst du dir einmal vor Augen, was sich alles ansammelt, ohne von Nutzen für dich zu sein. Wenn du einmal gesehen hast, was du alles unnötigerweise besitzt, hilft dir dieses Bild sicher bei der nächsten Kaufentscheidung – brauchst du das wirklich?

Ausmisten ja, aber bitte nachhaltig

Nach dem Ausmisten folgt die Frage: Wohin damit? Jedenfalls nicht in den Abfall! Hier findest du einen Überblick, wo du deine Kleider, Bücher, Elektrogeräte & Co. weitergeben oder -verkaufen kannst.

Wie schaffe ich es, minimalistisch zu leben?

Ist das Ausmisten geschafft, beginnt die wahre Challenge: Minimalistisch bleiben. Denn eine leere Schublade lädt förmlich dazu ein, sie zu füllen. Doch es gibt ein paar Tricks, die dabei helfen, den Minimalismus beizubehalten.

  • Instagram-Abos ausmisten

Auf Instagram werden wir täglich bombardiert mit ästhetischen Bildern von Menschen, die wir teilweise gar nicht kennen. Und – bewusst oder unterbewusst – auch mit Dingen, die wir dringend brauchen. Die neuesten Fashion-Trends, Dekoartikel, Kosmetikprodukte oder Küchengeräte.

Mir hilft es, bewusst Accounts zu «entfolgen», die mir ständig suggerieren, dass irgendetwas fehlt. Weil ihre Wohnung unglaublich toll aussieht, sie hochwertigen Schmuck tragen oder ständig neue Kleidungsstücke präsentieren.

  • Desktop aufräumen

Und wenn wir schon vor dem Bildschirm sind: Räum doch gleich deinen Desktop auf und lösche Apps vom Smartphone, die du nicht nutzt. Auch das ist Ballast, der dich jedes Mal konfrontiert, wenn du PC oder Handy einschaltest.

  • Einkaufslisten schreiben

Du bist nach der Arbeit mit deinen Freund*innen in der Stadt zum Bummeln verabredet oder musst in der Mittagspause schnell fürs Abendessen einkaufen? In allen Fällen hilft dir ein Einkaufszettel, nichts zu kaufen, was du nicht wirklich brauchst. So füllst du immer nur auf, was gerade leer ist und verhinderst dadurch überquellende Schränke.

  • Innere Ordnung schaffen beim Meditieren

Eine ordentliche Wohnung und ein aufgeräumter Schreibtisch sind auch in Sachen inneres Chaos schon die halbe Miete. Mehr Bewusstsein und Fokus kannst du zusätzlich beim Meditieren erlangen. Dabei besinnst du dich auf das, was gerade wichtig ist.

  • Raus gehen

Richtig losgelöst von materiellen Dingen fühle ich mich immer erst, wenn ich in der Natur bin. Beim Waldbaden oder einfach nur beim Spaziergang lässt es sich bestens abschalten und du nimmst die Natur wieder mehr wahr.

  • Achtsamkeit üben

Minimalismus heisst auch, achtsam zu leben und sich seiner (Konsum-)Entscheidungen bewusst zu sein. Hier erfährst du, was mehr Achtsamkeit bewirkt und welche Achtsamkeits-Übungen du in deinen Alltag integrieren kannst.

Die Vorteile einer minimalistischen Wohnung – ein Erfahrungsbericht

Minimalismus erreicht man nicht von heute auf morgen. Das kann ich zumindest für mich sagen. Vielmehr ist es ein langfristiges Streben nach weniger Zeug und mehr Bewusstsein.

Wenn Freundinnen mich in meiner (nicht mehr ganz so) neuen Wohnung besuchen kommen, höre ich nicht selten: Die Wände sind aber noch leer. Oder: Ich würde hier noch eine grosse Pflanze hinstellen. Andere fühlen sich hier total wohl – so wie ich. Weil ich meine Yogamatte ausrollen kann, ohne Möbel zu verrücken und Kram wegzuräumen. Weil ich so viel Platz habe, dass für viele Gäste genug Raum da ist. Weil alles seinen Platz hat und ich nie lange nach etwas suchen muss. Und zu guter Letzt auch, weil ich beim Putzen viel Zeit spare, da ich nicht zuerst aufräumen muss. Das sind für mich genug Gründe, die für Minimalismus sprechen.

Trotzdem ist es nicht immer leicht, einen Kauf zu unterdrücken. Mein Trick: Ich schreibe mir grössere Wünsche wie ein neues Paar Schuhe oder ein neues Möbelstück immer auf einen Zettel. Wenn ich nach ein paar Wochen drauf schaue und immer noch denke: Ja, ich möchte das gerne haben oder ich brauche das wirklich, dann kaufe ich es. Und wenn nicht, ist es ein erleichterndes Gefühl, es einfach durchzustreichen. Wieder was gespart!

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