Was das Baden im Wald so gesund macht

Waldbaden – Trend, Hokuspokus oder eine Methode, um mehr Achtsamkeit ins eigene Leben zu bringen? Tatsächlich ist die positive Wirkung des Waldbadens wissenschaftlich Belegt. Wie das Baden im Grün funktioniert und Tipps für den Sprung ins Blättermeer.

Waldbaden
Das satte Grün der Natur, die durchbrechende Sonne und der Geruch des Waldes sollen gestresste Städte entspannen und das Immunsystem stärken. Foto: © franckreporter/ E+
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Was machen die Waldbadenden nun eigentlich genau? Rein in die Badeklamotten und freudig im Wald umherspringen? Geht es um das Halbwissen derer, die das Ganze kritisch betrachten, dann geht eine Gruppe von allzu esoterisch angehauchten Menschen mit einem Kursleiter oder einer Kursleiterin in den Wald, holt tief Luft und herzt den einen oder anderen Baum am Wegesrand. Vielleicht nimmt man dann noch ein Bad im raschelnden Laub oder, weniger angenehm, in herabgefallenen Tannennadeln? Nein, nicht wirklich.

Shinrin Yoku – das «Baden in der Waldluft», wie es frei übersetzt heisst, oder einfach das Waldbaden ist zur Abwechslung mal kein Gesundheitstrend aus den USA. Nein, er ist im Land der stets lächelnden Menschen entstanden, von denen auch bekannt ist, dass sie eine besonders hohe Herzinfarktquote haben.

Staatlich anerkanntes Baden

Tatsächlich wurde das Waldbaden in Japan erfunden und gilt heute als staatlich anerkannte, gesundheitsfördernde Massnahme. Es gibt sogar mittlerweile 63 Waldheilungszentren. Waldbaden hat seit Jahren einen festen Platz im japanischen Gesundheitssytem. Auch hierzuland werden Workshops und Kurse angeboten, bei denen der Wald und die Natur mit allen Sinnen erlebt und unter Anleitung das Waldbad erlernt wird.

Der Wohlfühlraum der Natur

Wald gibt es jede Menge in der Schweiz, denn insgesamt ein Drittel der Landesfläche sind  mit Bäumen bewachsen. Und zum Wald haben wir eine besondere Beziehung. Er ist wirtschaftlich wichtig, bietet seit Urzeiten Bau- und Brennmaterial, gibt unzähligen Tierarten eine Heimat und ob winters oder sommers, wir gehen gerne in ihm spazieren, wandern oder velofahren.

Warum gehen wir eigentlich gerne in der Wald? Wald ist im Frühjahr ein Zeugnis der geballten Kraft der Natur, die im satten Grün zum Leben erwacht. Im Sommer ist er kühler als das Umland, im Herbst begeistert er mit seinen warmen Laubfarben und im Winter überzeugt er nicht zuletzt durch seine malerische Ruhe. Aber das macht er ja praktisch das ganze Jahr.

Die positive Wirkung des Waldbadens

Die positiven Effekte des Waldbadens wurden in verschiedenen Studien wissenschaftlich geprüfte.

Klar, bisher hat sich sicher noch keiner wirklich unwohl nach einem Waldspaziergang oder einen aktiven Tag im grünen Dickicht gefühlt. Aber «wertvoll für die Gesundheit»?

Die Ruhe, die frische Luft und das beruhigende, duftende Grün sind typische Sinneseindrücke im Wald. In vielerlei Hinsicht ist das Waldbaden gesundheitlich wertvoll. Dem positiven Gesundheitsaspekt liegen diverse Studien zugrunde.

Bereits seit 2011 wird im dänischen Nacadia erfolgreich eine naturnahe Therapie gegen psychische Erkrankungen wie Burn-Out durchgeführt, in der der Wald eine wichtige Rolle spielt.

Die Technische Universität München (TUM) hat mehrere internationale Studien und Untersuchungen - auch jene aus Japan auf deren Basis die Bewegung Waldbaden entstand -, zum Thema Wald und Gesundheit analysiert. Das Ergebnis ist nicht nur eines, sondern gleich mehrere. So stünde fest, dass ein Waldbesuch stressreduzierend und stimmungsaufhellend wirke. Die Stresshormone Adrenalin und Cortisol würden nachweislich abgebaut. Damit wird nicht nur unser Gehirn, sondern auch das Herz-Kreislauf-System entlastet, da es den Blut(hoch-)druck senkt.

Der Waldbesuch steigere zudem auch die kognitiven Fähigkeiten und stärkt das Immunsystem. Für letzteres wurde nachgewiesen, dass der Besuch im Wald dafür sorge, dass die körpereigenen Killerzellen und sogar Anti-Krebs-Proteine aktiviert werden, die Viren bekämpfen, aber auch Tumorzellen. Und das Schöne: Dieser Effekt würde einige Tage anhalten. Ursächlich verantwortlich hierfür seien sogenannte Phytonzide, Sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Terpene. Sie seien, von Bäumen ausgestossen, in unterschiedlicher Konzentration in der Waldluft enthalten und der Mensch nimmt sie über die Lunge auf. Das haben mehrere Untersuchungen belegt. Allerdings, so vermutet der Begründer der Waldtherapie, von Shinrin Yoku und Waldmediziner Prof. Qing Li, das weitere Faktoren wie Ruhe, saubere Luft oder klimatische Bedingungen hier mitspielen. Bis dato ist der Kausalzusammenhang allerdings nicht belegt.

Heute jedenfalls ist das Shinrin Yoku und damit der bewusste Kontakt mit der Natur in Japan eine Stress-Management-Methode und vom japanischen Gesundheitssystem gefördert.

Ab in den Wald und entschleunigen!

Wie man im Wald baden kann? Wie sieht da die Praxis aus und wie gut und wichtig sind die Kurse? Dr. jur. Melanie Adamek, Autorin des Buches 'Im Wald sein', hat das Waldbaden unter medizinischer Betreuung sowie anhand der Untersuchungsbedingungen von Qing Li und dessen Ergebnissen genauer unter die Lupe genommen. Fazit: Es gibt bis dato kein verbindliches Waldbaden-Konzept für Shinrin Yoku.

In der japanischen Tradition soll die therapeutische Wirkung dadurch erzielt werden, die heilsame Atmosphäre des Waldes nicht einfach nur zu durchwandern. Sie soll stattdessen mit Achtsamkeit aller Sinnen aufgenommen werden. Um das zu fördern, gibt es auch in der Schweiz bereits geführte Exkursionen, Coachings oder auch entspannende Qigong- und Tai Chi-Kurse inmitten des Waldes.

Tipp: Informationen zu Workshops oder Kursen und Angebote zum Testen finden Sie für die Region Zürich beim Waldbaden Institut Schweiz. Für die Region Ostschweiz gibt es verschiedene Angebote bei Erlebniswelt Waldbaden-Ostschweiz.

Waldbaden geht aber natürlich auch alleine, mit Freunden und Verwandten. Tipp: Einfach mal beim nächsten Besuch im Wald einen Gang herunterschalten, den Schrittzähler zuhause lassen, das Handy auf stumm schalten, mit Körper und Geist ganz in die Umgebung eintauchen und die Seele baumeln lassen. Einmal ganz achtsam sein, den Alltag für eine Zeit bewusst ausblenden und tief durchatmen. Im Wald eigentlich ganz leicht und eine einfache Übung. 

Der Buchklassiker für Einsteiger: Shinrin Yoku – Heilsames Waldbaden von Yoshifumi Miyazaki.

Waldbaden in der Aletsch Arena

Zahlreiche Orte bieten mittlerweile das bewusste Eintauchen in ihre Waldung an. Einer der prominentesten ist die Aletsch Arena mit ihrem einmaligen Arvenwald.

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