Barbara Schaffner: «Wir müssen überall sparen – oder besser gesagt ‘nicht verschwenden’»

In der Schweiz könnte im Winter die Stromversorgung an ihre Grenzen kommen. Um einen Blackout zu verhindern, hat der Bundesrat im Rahmen eines Massnahmepakets verschiedene Möglichkeiten zum Stromsparen vorgestellt. Wir konnten Barbara Schaffner, Energieexpertin und Zürcher Nationalrätin der GLP, Fragen rund um die Sparkampagne im Hinblick auf den Energiemangel im Winter stellen.

Wird im Winter der Strom knapp?
Wird im Winter der Strom knapp? © Pixabay / Pexels
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Angesichts des drohenden Energiemangels im Winter erscheint Stromsparen wichtiger denn je. Wir haben uns mit Nationalrätin Barbara Schaffner unterhalten und wollten von ihr wissen, was die Sparkampagne des Bundes bringt und wo sie Verbesserungspotenzial sieht.

Frau Schaffner, wie schon bei Corona wird der Bundesrat kritisiert, zu spät zu wenig zu machen. Wie schätzen Sie das Vorgehen und die aktuelle Kampagne ein?

Im Vergleich zu anderen Ländern sind bei uns die Entscheidungswege länger. Es braucht Regierung und Parlament sowie alle drei Staatsebenen. In der Corona-Pandemie wurden vor allem die Vorbereitung (Stichwort fehlende Masken) und das Voraus-Denken vernachlässigt. Dies kann man dem Bundesrat heute weniger vorwerfen. Wir sind ja noch nicht in einer Mangellage, sondern wir müssen uns rüsten, dass es nicht soweit kommt. So kommuniziert es auch der Bundesrat und ruft mit der nun publizierten und gut vorbereiteten Kampagne zum Energiesparen auf.

Im Gespräch: Barbara Schaffner

Barbara Schaffner
Barbara Schaffner © zVg

Barbara Schaffner (54) ist seit 2019 Nationalrätin für den Kanton Zürich und Mitglied der Grünliberalen Partei (GLP). Zudem belegt Frau Schaffner das Amt der Gemeindepräsidentin von Otelfingen. Sie ist gelernte Physikerin und Energieexpertin.

Strom sparen, schön und gut - aber reicht das, um die kommenden Monate zu überstehen?

Beim Strom habe ich weniger Bedenken. Da müssen wir sparen, damit eine Verbrauchsreduktion von rund 10% über die Wintermonate realisiert werden kann. Das ist machbar und reicht, um mit dem im Inland erzeugten Strom durchzukommen. Beim Gas hingegen habe ich mehr Bedenken. Da sind wir sehr stark von Importen und damit auch von Putin abhängig.

Längerfristig braucht es aber einen massiven Zubau von erneuerbarer Stromproduktion.

Haushalte sind für rund einen Drittel des Stromverbrauchs in der Schweiz verantwortlich. Der Rest ist aufgeteilt auf den Dienstleistungs- und Industriesektor sowie Landwirtschaft und Verkehr. Wieso wird nicht bei der Wirtschaft angefangen? Resp. hätten KMU nicht mehr Möglichkeiten, Energie zu sparen?

Wir müssen überall sparen – oder besser gesagt ‘nicht verschwenden’. Die Wirtschaft, insbesondere die stromintensiven Branchen, haben teilweise schon vor Jahren vorgelegt und ihre Betriebe auf Effizienz getrimmt. Wer das noch nicht gemacht hat, ist durch die aktuellen Energiepreise aufgeschreckt worden und überlegt sich jetzt sicher Massnahmen.

Was halten Sie von der Sparkampagne? Geht der Bundesrat genug weit oder hätten Sie mehr erwartet?

Ich bin froh, dass der Bundesrat sich endlich auch ein Sparziel beim Gas von 15% gesetzt hat. Damit zieht er mit den umliegenden Ländern gleich, von denen wir beim Gas abhängig sind. Wir dürfen auf keinen Fall riskieren, gegenüber Europa als verschwenderisch oder unsolidarisch zu gelten – denn dann können wir in Notlagen sicher keine Solidarität erwarten.

Insgesamt muss man einsehen, dass der Bundesrat in der aktuellen Lage keine Rechtmittel hat, um weiter zu gehen. Erst in unmittelbaren Notlagen kann er stärker eingreifen und Energie kontingentieren oder Teilabschaltungen beschliessen. Die jetzigen Kommunikationsmassnahmen und all unsere Anstrengungen sollten dahin laufen, dass keine dieser weitergehenden Massnahmen notwendig werden.

Was raten Sie der Bevölkerung, um mehr Energie zu sparen?

Informieren Sie sich z.B. auf nicht-verschwenden.ch und überlegen Sie, was in Ihrem Haushalt anwendbar ist.

Die grössten Energiefresser sind Wärmeerzeuger. Da steht natürlich die Heizung im Vordergrund, aber auch Kochen, Baden, Waschen oder Geräte, bei denen Wärme nur Nebenprodukte sind (Licht, elektronische Geräte im Stand-by). Setzten Sie all dies sparsam ein oder stellen es ganz ab.

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