Plusenergiehaus: So schön und gesund wohnt es sich im eigenen Kraftwerk

Das Plusenergiehaus ermöglicht gleich drei Dinge auf einmal: gesundes Wohnen, Energieerzeugung und Elektromobilität. Der Vorteil des Plusenergie-Hauses liegt auf der Hand: Der jährliche Strombedarf für Heizung, Warmwasser & Haushaltsstrom ist geringer als die Stromproduktion der Photovoltaikanlage.

Jedes Haus kann zum Plusenergiehaus werden.
Ein Plusenergiehaus gewinnt die benötigte Energie selbst. Foto: © RomoloTavani / iStock / Thinkstock
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Die Rechnung geht auf: Die Bewohner eines Plusenergiehauses verbrauchen weit weniger Energie als die Photovoltaikanlage produziert. So nutzt man jeden Quadratmeter - zum Wohnen und zur Energiegewinnung. Dabei verzichtet man weder auf Komfort noch auf ein gesundes Raumklima. Daher vergessen die Bewohner schnell: Das Traumhaus ist quasi ein «Kraftwerk».

Vom Wohnhaus zum Plusenergiehaus

Ein Plusenergie-Haus ist häufig auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Es gibt sie nicht von der Stange, denn Planung und Bau sind bisher an keine Standards gebunden. In diesem Sinne kann aus jedem Gebäude ein Plusenergie-Haus werden – ob Neu- oder Altbau. Insofern eröffnet sich für Architekten eine grosse Gestaltungsfreiheit bei der Planung. Das Ziel gibt der Bauherr vor, der in jedem Fall eine Energiejahresbilanz mit positivem Vorzeichen erreichen möchte.
 

Energieblanz von Plusenergiegebäuden

Um eine Bilanz zu erstellen, ermittelt man im ersten Schritt die Energiemenge, die man im Wohnalltag nutzt. Bereits an dieser Stelle stösst man auf ein hohes Einsparpotenzial: Ein Grossteil der Jahresenergie wird ausschliesslich für die Beleuchtung und für die Haushaltsgeräte aufgewendet. Nutzt man stattdessen energieeffiziente Geräte, kann man den eigenen Verbrauch grundlegend senken. Auch die beim Bau aufgewendete Graue Energie ist ein wichtiger Faktor. In diese Rechnung fliesst positiv mit ein, ob man ressourcenschonende Baumaterialien eingesetzt und auf kurze Transportwege geachtet hat. Dennoch bleibt stets ein Rest übrig, der über die Lebensdauer des Gebäudes armotisiert wird. Gewissermassen ist die Graue Energie ein Argument für das Plusenergiehaus.

Gut gedämmt geht es schneller zum Plus

Um ein Jahresplus zu erzielen, könnte man eine entsprechend grosse Photovoltaikanlage auf das Dach eines kaum gedämmten Wohnhauses anbringen. Solch ein Ansatz ist jedoch nicht unbedingt energieeffizient. Diese Meinung teilt auch Werner Setz, Architekt aus Rupperswil. Der Einsatz von Photovoltaik funktioniere nur mit guter Dämmung. Hierbei könne flexibel geplant werden – vom gesetzlichen Energie-Standard bis Minergie-P. Eine dichte Gebäudehülle sei unerlässlich, um nicht mehr Energie als nötig zu verbrauchen. Werner Setz weiss wovon er spricht. Er ist nicht nur preisgekrönter Architekt, sondern baute auch das erste Schweizer Plus-Energie-Haus in Riehen.
 

Ohne Photovoltaik kein Plusenergie-Haus

Das Riehener «Plus-Mehrfamilienhaus» versorgt seine Bewohner mit Wärme, Belüftung, Kühlung und Haushaltsstrom. Ausschliesslich Erneuerbare Energien decken den jährlichen Bedarf von etwa 7.000 Kilowattstunden. Die Sonnenkraft spielt dabei eine grosse Rolle. Die Photovoltaikanlage erzeugt 10.000 Kilowattstunden im Jahr, wobei der unverbrauchte Strom ins öffentliche Netz eingespeist wird. Auch bei der Ökobilanz kann das Plusenergie-Haus punkten: Es wird emmisionsfrei betrieben und zusätzlich 4.570 Kilogramm CO2 durch Stromüberschüsse gespart. Der Energieüberschuss bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus fällt mit schätzungsweise 30 Prozent etwas geringer aus.

Im gemütlichen PLusenergiehaus nachhaltig wohnen.

Machen Sie es sich gemütlich in Ihrem Plusenergiehaus. Foto: © Mihajlo Maricic / iStock / Thinkstock

Bisher existiert schweizweit nur ein Plus-Energie-Haus, das auch als Tankstelle für Elektromobile dient. Erbaut wurde es von Werner Setz, der in der Verbindung von Wohnen, Energiegewinnung und Verkehr die Zukunft sieht. Statt den überschüssigen Solarstrom ins Netz zu speisen, nutzt man E-Bike, E-Roller oder E-Auto als mobile Stromspeicher. Man kann mit einem Überschuss von 6.000 Kilowattstunden rund 30.000 Kilometer im Elektroauto – umweltfreundlich – fahren.

Neben Photovoltaik kann man andere Erneuerbare Energien nutzen...

Die Sonne kann man auch passiv nutzen. Gelangen Sonnenstrahlen über die Fenster ins Hausinnere, so erwärmt sich darüber die Luft. Alternativ kann man ganzjährig auf die Erdwärme zurückgreifen. Warmwasser und Heizwärme wird dann mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe erzeugt. Stattdessen steht auch Biomasse zur Verfügung. Dabei ist Holz ideal, um für Wärme zu sorgen.

 

 

Energieeffizienz nicht um jeden Preis

Es ist nur die halbe Wahrheit, wenn man behauptet, dass beim Plusenergiehaus bloss der Minergie-P Standard mit einer Photovoltaikanlage kombiniert wird. «Das Plusenergie-Gebäude ist ein Kosten-Nutzen optimiertes Haus», erklärt der Architekt Werner Setz. Der Planer wägt dabei Massnahmen zur Energieeinsparung und Energieproduktion gegeneinander ab. So ist es auch möglich, mit dem weniger-ist-mehr -Prinzip zu bauen. Dabei vermeidet man hohe Kosten, indem man die geforderten Massnahmen zur Energieeffizienz nicht komplett umsetzt. Folglich baut man zwar nicht mit dem Minergie-Standard, aber dämmt dafür ausreichend.
 

Gesund wohnen im Plusenergiehaus

In einem Plusenergie-Haus herrscht ein vergleichbar gesundes Wohnklima wie in einem Minergiegebäude. Die Bewohner atmen stets saubere und frische Luft, die durch eine Komfortlüftung gefiltert wird. Weiterhin sorgen schadstoffarme Materialien und energieeffiziente Bauweise für ein langandauerndes, angenehmes Raumklima.

Förderung durch Bund und Kanton

Beim Bau eines Plusenergiehauses kann man auf staatliche und kantonale Förderung zurückgreifen. Der Bund unterstützt mit dem Gebäudeprogramm die Häuslebauer, sodass sie Fenster erneuern und die Gebäudehülle dämmen können. Weiterhin ermöglicht die kantonale Förderung, dass Bauherren bei der Produktion von Warmwasser und Heizwärme auf Erneuerbare Energien umsteigen.

Bei einem Plusenergie-Haus muss man den eigenen Energiebedarf im Blick haben. Dabei helfen intelligente Kontrollsystem. Damit können die Bewohner den tatsächlichen Energieverbrauch mit dem eigentlichen «Zielverbrauch» vergleichen. Diese Werte können sie für Warmwasser, Strom, Heizwärme und Mobilität auf dem eigenen Computer abrufen. Dadurch werden sie für das Thema sensibilisiert und zum Sparen angeregt. Letztlich sind die Kilowattstunden am günstigsten, welche man nicht verbraucht.

Linktipps:

Der Verein Energie-Cluster.ch informiert über Plusenergie-Gebäude.

Plus-Energiehaus Pilotprojekt – Architekt Werner Setz stellt das Pilotprojekt in Riehen vor.

 

 

Quelle: Energiecluster, Setz Architektur, Prix Solaire Suisse, BFE Autor: Kerstin Borowiak

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